Mit den ersten Sonnenstrahlen startet die Motorradsaison. Dann ist es auch an der Zeit, die Technik des Motorrads zu überprüfen. Für ein sicheres Bremsen spielt die Bremsflüssigkeit eine entscheidende Rolle. Wie sie gewechselt wird, erklären wir hier.
Warum ist der Bremsflüssigkeitswechsel wichtig?
Die Bremsflüssigkeit spielt für die Funktion der Bremse eine bedeutende Rolle. Beim Betätigen des Bremspedals wird durch den Bremskraftverstärker die Kraft verstärkt und durch den Hauptzylinder in hydraulischen Druck umgewandelt. Mithilfe der Bremsflüssigkeit wird dieser hydraulische Druck an die Bremsen übertragen.
Nur dann, wenn es sich um eine geschlossenes hydraulisches System ohne Lufteinschlüsse handelt, funktionieren die Bremsen einwandfrei. Die Flüssigkeit zirkuliert und es kann Druck aufgebaut werden. Jedoch nimmt die Bremsflüssigkeit mit zunehmendem Alter Luft und Wasser auf - es ist unabhängig von den gefahrenen Kilometern. Es schwächt die Bremswirkung deutlich ab oder es kommt zu einem totalen Bremsen-Ausfall.
Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch. Das bedeutet, sie nimmt Wasser auf. Dem kannst Du nicht entgegenwirken, es passiert zwangsläufig. Je älter die Bremsflüssigkeit, desto mehr Flüssigkeit aus der Luft nimmt sie auf. Dadurch sinkt die Temperaturstabilität und die Bremsflüssigkeit beginnt früher zu „kochen“.
Im Extremfall droht Überhitzung. Niemand möchte mit einer wirkungslosen Bremse Motorrad fahren. Die Bremsflüssigkeit sollte deshalb regelmäßig ausgetauscht werden.
Wann sollte die Bremsflüssigkeit gewechselt werden?
Der Wechsel der Bremsflüssigkeit bei Motorrädern fällt alle 24 Monate an. Für Vielfahrer oder häufige Nutzer des Rennbetriebs bietet sich der jährliche Austausch an, damit das Bremssystem auch weiterhin ohne Probleme funktioniert. In manchen Fällen ist der Wechsel also auch häufiger notwendig.
Je nach Fahrleistung empfiehlt es sich die Bremsflüssigkeit häufiger (z.B. jährlich) zu wechseln. Da der TÜV alte Bremsflüssigkeit sowieso moniert, ist ein Wechsel spätestens alle zwei Jahre erforderlich.
Wenn die Bremsen schwammig, der Druckpunkt weich und die Bremswege lang sind, sollten Motorradfahrer die Bremsflüssigkeit zügig austauschen. Gut erkennbar ist der Frischegrad der Bremsflüssigkeit auch an der Farbe. Frische Flüssigkeit ist an ihren bunten Farben erkennbar (hellgelb, hellblau, hellrot oder beige). Nach einiger Zeit wird die Farbe trüb, gar grau bis schwarz.
Schau Dir die Färbung der Bremsflüssigkeit im Flüssigkeitsbehälter an. Frische Bremsflüssigkeit ist in der Regel hellgelb. Einzelne Hersteller färben sie auch hellblau oder hellrot ein. Ungeachtet dessen ist alte Bremsflüssigkeit grau bis schwarz. Ist dies der Fall, dann besser Bremsflüssigkeit vorab wechseln.
Leuchtet vielleicht auch die Bremswarnleuchte auf? Dann kann es sein, dass die Bremsflüssigkeit ausgetauscht oder aufgefüllt werden muss.
Welche Bremsflüssigkeit ist die Richtige?
Bei den meisten Motorradrädern sind Bremsflüssigkeiten in den Qualitäten DOT 3 (United States of Transportation) oder DOT 4 vorgeschrieben. DOT 3 eignet sich auch für die Verwendung bei Oldtimern. Wer DOT 3 nutzt, darf dieses jedoch keinesfalls mit DOT 4 mischen. DOT 4 eignet sich für die meisten modernen Motorradmodelle.
Die DOT-Klassifizierung (DOT = Department of Transportation, US-Verkehrsministerium) bezieht sich auf den Siedepunkt von Bremsflüssigkeiten. Bei Zweirädern reichen die DOT-Klassen von 3 bis 5. Wobei DOT 3 einen Siedepunkt von 205 °C, DOT 4 von 230 °C sowie DOT 5 einen Siedepunkt von bis zu 260 °C aufweist. Welche Bremsflüssigkeit Du benötigst, zeigt das Bordbuch.
Von Motul und einigen anderen Herstellern gibt es eine DOT 3/ DOT 4 taugliche Bremsflüssigkeit. Insofern das eigene Bremssystem nicht nach einer DOT 5 Flüssigkeit verlangt, raten wir von dieser Flüssigkeit ab, da sie auf Silikonbasis beruht.
Je höher, desto besser? Die Bremsflüssigkeiten sind mit aufsteigender Nummer nicht automatisch besser. Es ist wichtig, die für das eigene Bremssystem benötigte Flüssigkeit zu wählen, um die besten Voraussetzungen beim Bremsen zu schaffen.
Bremssysteme mit Assistenzsystemen, beispielsweise ABS, benötigen häufig DOT 5.1 oder Bremsflüssigkeiten mit Sonderbezeichnungen. Der Hintergrund ist jener, dass die Viskosität der Flüssigkeit stets gleichbleibend sein muss, damit die Sensoren des ABS bei Temperaturschwankungen immer gleich angesprochen werden. Bei anderen Systemen hingegen ist es nicht so wichtig, ob die Bremsflüssigkeit mal etwas dicker und mal etwas dünner ist.
Der Hinweis zur passenden Bremsflüssigkeit befindet sich meistens auf dem Schraubverschluss des Bremsflüssigkeitsbehälters. Es lohnt sich übrigens, eher kleine Packungen der Flüssigkeit zu kaufen, da diese nicht lange gelagert werden kann.
Anleitung zum Wechseln der Bremsflüssigkeit
Um ein sicheres Fahren mit der optimalen Bremswirkung zu ermöglichen, empfehlt sich im Allgemeinen, den Wechsel der Bremsflüssigkeit von Fachpersonal durchführen zu lassen. Doch je nach Bremssystem und Vorerfahrung ist der Wechsel auch eigenhändig möglich.
Vorbereitung:
- Nutze stets die richtige Bremsflüssigkeit (siehe Handbuch).
- Achte beim Entlüftungsvorgang unbedingt auf Sauberkeit.
- Potentiell betroffene Stellen (z.B. Tank) sollte daher abgedeckt werden. Aufgrund ihrer ätzenden Wirkung greift Bremsflüssigkeit Lacke und Kunststoffe an.
- Einen sauberen Lappen griffbereit zu halten, kann nicht schaden.
Benötigte Materialien:
- Neue Bremsflüssigkeit (DOT 3, DOT 4 oder DOT 5.1, je nach Bedarf)
- Ringschlüssel passend für das Entlüftungsventil
- Durchsichtiger Schlauch passend für das Entlüftungsventil
- Auffangbehälter für die alte Bremsflüssigkeit
- Einwegspritze (aus der Apotheke)
- Lappen oder Tuch
- Trichter
Schritte zum Wechseln der Bremsflüssigkeit:
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Vorbereitung des Motorrads: Das Motorrad vor der Bremsflüssigkeit schützen. Vor dem Wechsel oder der Nachfüllung der Bremsflüssigkeit ist es wichtig, das Motorrad vor Spritzern zu schützen. Die Bremsflüssigkeit ist aggressiv und würde den Lack angreifen.
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Bremsflüssigkeitsbehälter öffnen: Zunächst öffnen Sie das vordere Reservoir. Achten Sie darauf, dass es sauber ist, damit beim Öffnen kein Schmutz hineinkommt. Zudem ist es ganz wichtig, dass das Reservoir gefüllt ist. So kommt keine neue Luft in das Bremssystem.
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Alte Bremsflüssigkeit absaugen: Will man den gesamten Vorgang beschleunigen, kann jetzt die alte Bremsflüssigkeit mit einer Einwegspritze (aus der Apotheke) vorsichtig aus dem Ausgleichsbehälter gesaugt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Nachlaufbohrung am Boden des Behälters bedeckt bleibt, um ein Eintreten von Luft in das Bremssystem zu vermeiden. Anschließend wird der Behälter zu ca.
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Schlauch anbringen: Dann suchen Sie als erstes den Ausgang im vorderen System, der am weitesten weg ist - und dann kann es losgehen. Den Ringschlüssel brauchen Sie, um ihn um das Ventil zu legen. Damit können Sie das Ventil auf- und zudrehen. Nehmen Sie dann den Schlauch und befestigen Sie ihn am Ventil. Das andere Ende des Schlauchs kommt in diesen Auffangbehälter. Geben Sie etwas Bremsflüssigkeit in den Behälter. Wenn das Schlauchende in der Flüssigkeit hängt, kann es keine Luft ansaugen.
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Entlüften: Nun kommt Ihr Partner ins Spiel, der zur Bremse gehen und sie auf Zuruf zudrücken muss. Der Vorgang ist stets derselbe: Die Bremse wird gedrückt, das Ventil geöffnet. Dann wird das Ventil geschlossen, die Bremse kann losgelassen werden. Durch die Wiederholungen dieser Arbeitsschritte schießt die Bremsflüssigkeit in den Schlauch.
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Wiederholen: Dies wird so lange wiederholt, bis keine Bläschen mehr zu sehen sind - dann ist die Bremse entlüftet.
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Nächsten Ausgang: Nun geht man zum nächsten Ausgang (Bremssattel, Bremspumpe) und wiederholt diese Arbeitsschritte.
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Abschluss: Die Entlüftungsschraube wird nach abgeschlossener Entlüftung wieder gefühlvoll festgezogen und die Gummikappe aufgesetzt. Der Bremsflüssigkeitsbehälter wird bis zum Maximalstand aufgefüllt und der Deckel mit gereinigter Dichtung passend aufgesetzt und zugedreht bzw. festgeschraubt.
Besondere Hinweise für Motorräder mit ABS
Verfügt Dein Motorrad hingegen über ein ABS, ist Vorsicht geboten. Motorräder mit ABS haben in der Regel zwei Bremskreise: Den Steuerkreis, der von der Bremspumpe angesteuert wird und den Regelkreis, der über einen Druckmodulator den Bremskolben betätigt. Auch können die Bremsen wie zum Beispiel bei BMW oder Motto Guzzi vorne und hinten miteinander gekoppelt sein (Stichwort: Integralbremse bzw. Verbundbremse).
Einmal kurz die Bremse drücken, um das ABS zu aktivieren. Dadurch öffnen sich die Ventile und die restliche Bremsflüssigkeit vermischt sich mit der im ABS-Block.
Ohne umständliche Yoga-Verrenkungen oder eine helfende Hand klappt das Motorrad-Bremse entlüften mit einer im Handel erhältlichen Vakuumpumpe. Diese wirst Du vermutlich im Set mit dem Auffangbehälter kaufen. Am Deckel des Behälters findest Du zwei Aufsätze für die Schläuche. Ein Schlauch kommt vom Auslassventil des Bremssattels und führt zum Auffangbehälter. Der andere Schlauch führt vom Auffangbehälter weg und wird an der Pumpe (sieht meist aus wie eine Pistole) befestigt. Indem Du die Pumpe betätigst, sorgst Du im Gefäß für einen Unterdruck, der die alte Bremsflüssigkeit nachfließen lässt. Auch hier gilt: Du setzt den Pumpvorgang so lange fort, bis nur noch klare, blasenfreie Bremsflüssigkeit nachfließt.
Die Entlüftungsventile in den Bremssätteln unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller. Hierbei sind unter anderem die Werte zu beachten, mit denen die Entlüftungsventile festzuziehen sind. Die genauen Daten kannst Du den Werkstatt-Handbüchern entnehmen.
Kosten für den Bremsflüssigkeitswechsel
Die jeweiligen Kosten beim Wechsel der Bremsflüssigkeit hängen vom Motorradtypen sowie vom Bremssystem ab. Sie belaufen sich auf durchschnittlich 45 bis 100 Euro und setzen sich auf der Bremsflüssigkeit (15 bis 30 Euro) und der anfallenden Arbeitszeit (30 bis 60 Euro) zusammen. Hinzu kommt häufig die Entsorgungspauschale der alten Bremsflüssigkeit (5 bis 10 Euro).
Das selbstständige Wechseln der Bremsflüssigkeit schlägt mit etwa 3 bis 10 Euro zu Buche.
Wo entsorgt man alte Bremsflüssigkeit?
Louis und andere Verkaufsstellen bieten nicht nur Bremsflüssigkeiten für Motorräder an, sondern nehmen die gebrauchte Bremsflüssigkeit auch entgegen.
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