Bremsflüssigkeit wechseln beim Motorrad mit ABS: Eine ausführliche Anleitung

Der Wechsel der Bremsflüssigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Motorradwartung. Eine gut funktionierende Bremse ist das A und O im Straßenverkehr, deshalb sollten auch die Wartungsintervalle der Bremsflüssigkeit eingehalten werden. Aber wie wechselt man die Bremsflüssigkeit bei einem Motorrad mit ABS? Gibt es Besonderheiten zu beachten? Dieser Artikel gibt eine detaillierte Anleitung und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum ist der Bremsflüssigkeitswechsel wichtig?

Die Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch und zieht Wasser an. Ist der Wassergehalt zu hoch, neigt sie zum Sieden, erzeugt Dampf und Blasen, was die Bremswirkung beeinträchtigt. Daher ist ein regelmäßiger Wechsel unerlässlich. Die wesentliche "Eintrittsöffnung" für Wasser sehe ich an der Dichtung der Bremskolben in den Sätteln. Damit diese nicht "abgeschmirgelt" werden, muss notgedrungen etwas "Schmieriges" zwischen Kolben und Gummiring sein. Das "Etwas" heisst Bremsflüssigkeit und wird mit Hochdruck dazwischengepresst. Keine Massen aber ein winziges Bisschen.

Benötige ich spezielle Werkzeuge oder Kenntnisse für Motorräder mit ABS?

Nein, im Grunde genommen erfolgt der Wechsel der Bremsflüssigkeit bei Motorrädern mit ABS genauso wie bei Modellen ohne ABS. Habe letztens die Bremsflüssigkeit an der 2017er SV 650 ABS meiner, Freundin erneuert und auch an der Kawasaki Z 650 ABS eines Bekannten. Da wird es ganz normal gemacht wie bei einem Motorrad ohne ABS. Wichtig ist jedoch, dass man sauber arbeitet und keine Luft in das System gelangen lässt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Bremsflüssigkeitswechsel

  1. Vorbereitung: Stelle sicher, dass du alle notwendigen Werkzeuge und Materialien zur Hand hast. Dazu gehören neue Bremsflüssigkeit, ein Auffangbehälter für die alte Flüssigkeit, ein Schlauch, ein passender Schraubenschlüssel für das Entlüftungsventil und eventuell eine Spritze zum Absaugen der alten Flüssigkeit aus dem Ausgleichsbehälter.
  2. Schutzmaßnahmen treffen: Bremsflüssigkeit ist ein Schadstoff. Schütze deine Haut und Augen und vermeide, dass Flüssigkeit in die Umwelt gelangt. Wir raten dazu, die Fläche rund um den Bremssattel herum großflächig mit einer Plane oder Pappkartons auszukleiden. Außerdem sollte ein Gefäß bereitstehen, in dem die alte Bremsflüssigkeit aufgefangen werden kann.
  3. Alte Bremsflüssigkeit entfernen: Von der Alten muss aus dem Ausgleichsbehälter soviel raus wie möglich er darf aber nicht ganz gemacht werden damit keine Luft in die Leitung gelangen kann. Anschließend kommt neue rein und wird durch die Anlage aus der Entlüfterschraube raus gepumpt. Ich sauge vorher mit einer Spritze den Behälter fast leer. Es muss natürlich noch so viel Bremsflüssigkeit drin bleiben, dass das Abflussloch im Boden noch bedeckt ist.
  4. Neue Bremsflüssigkeit einfüllen: Fülle den Ausgleichsbehälter mit neuer Bremsflüssigkeit.
  5. Entlüften:
    • Schlauch am Bremssattel sichern.
    • Öffne das Entlüftungsventil vorsichtig, während eine zweite Person den Bremshebel betätigt.
    • Schließe das Ventil, bevor der Bremshebel losgelassen wird.
    • Wiederhole diesen Vorgang, bis keine Luftblasen mehr austreten.
  6. Kontrolle: Währenddessen behält die Person, die den Bremshebel betätigt, ständig den Füllstand im Ausgleichsbehälter im Auge. Dieser darf niemals leer sein, da sonst Luft ins System gerät. In der abfließenden Flüssigkeit dürfen keine Blasen mehr auftauchen. Falls doch Blasen auftauchen sollten, befindet sich Luft im System. In diesem Fall muss die Bremse erneut entlüftet werden. Hierzu werden die Schritte 1 - 5 wiederholt.
  7. Mehrere Bremssättel: Bei Motorrädern mit zwei Bremssätteln, reicht es nicht aus, die Arbeiten an nur einem Sattel durchzuführen. Im zweiten Sattel bleibt ein Rest der alten Flüssigkeit erhalten und kann langfristig für erhöhten Verschleiß und geringere Bremswirkung sorgen.
  8. Abschlussarbeiten: Nach dem Flüssigkeitsaustausch muss sichergestellt werden, ob wirklich alle Entlüftungsventile geschlossen sind. Ein offenes Ventil führt zum schlagartigen Verlust der Bremswirkung und kann tödlich enden.
  9. Druckprüfung: Bevor die erste Probefahrt angetreten wird, sollte der Bremsdruck im Stand geprüft werden. Hierzu werden der Handbremshebel und das Bremspedal kurz betätigt. Falls sich dieses ungewohnt leicht betätigen lassen oder gar bis zum mechanischen Anschlag bewegt werden können, sind die Arbeiten nicht korrekt ausgeführt worden. In diesem Fall sollte dringend eine Fachwerkstatt beauftragt werden.
  10. Entsorgung: Alte Bremsflüssigkeit muss bei einer Entsorgungsstelle für Schadstoffe abgegeben werden.

Was tun, wenn Luft ins ABS-System gelangt?

Wenn Luft ins ABS-System gelangt, kann das Entlüften komplizierter werden. Einige Experten empfehlen, das ABS während des Entlüftens zu aktivieren, um die Luft aus dem System zu spülen. Am besten das ABS mutwillig vor dem Wechseln arbeiten lassen, damit der alte Rest in den Umlauf kommt. Und auch nach dem Wechseln wieder das ABS in Aktion rufen. Also rattern lassen, damit sich der kleine alte Rest mit dem frischen vermischt und somit ergibt sich eine relative Gesamtfrische. In manchen Fällen ist jedoch der Besuch einer Fachwerkstatt ratsam, da spezielle Diagnosegeräte erforderlich sein können.

Hilfreiche Tipps und Hinweise

  • Bei ABS muss man nur darauf achten, dass man bei der längsten Leitung anfängt und sich zur kürzesten durch arbeitet. Betrifft aber nur die Bremse vorne.
  • Für unerfahrene Schrauber ist es aber bedeutend einfacher und sicherer, wenn eine zweite Person zur Hilfe herangezogen wird. Eine Person bedient den Bremshebel und behält den Füllstand im Ausgleichsbehälter im Auge, während sich die zweite Person um das Öffnen und Schließen des Entlüftungsventils kümmert.
  • Falls einen das Gepumpe nervt und man die Bremspumpe schonen will (die ist ja eigentlich dafür gedacht, Druck aufzubauen, nicht Volumen zu fördern), ist ein Entlüfter sinnvoll.
  • Nach JEDEM Wechsel IMMER entlüften.

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