Die Fahrradbremse ist eine entscheidende Komponente, die dich in brenzligen Situationen vor Unfällen bewahrt. Sie ermöglicht es, die Geschwindigkeit zu regulieren und das Fahrrad sicher zum Stehen zu bringen. Der Bremshebel am Lenker überträgt die Bremskraft auf die Laufräder, jedoch nur, wenn der Bremsbelag korrekt auf die Felge oder Bremsscheibe drückt.
Äußere Einflüsse wie Wetter und Schmutz können den Verschleiß der Bremsbeläge beschleunigen, was zu einem Nachlassen der Bremswirkung führt. Daher ist es wichtig, die Bremsanlage regelmäßig zu kontrollieren und zu warten. Eine gut funktionierende Bremse ist essenziell für ein verkehrssicheres Fahrrad und schützt vor Stürzen und Verletzungen. Die Überprüfung der Bremsfunktion kann selbst durchgeführt werden, ohne dass ein Fachmann erforderlich ist. Besonders im Frühjahr, zu Beginn der neuen Fahrradsaison, ist die Wartung der Bremse wichtig, nachdem das Rad möglicherweise einige Monate im Keller gestanden hat.
Komponenten einer hydraulischen Scheibenbremse
Eine hydraulische Scheibenbremse ist ein fortschrittliches Bremssystem, das Hydraulikdruck nutzt, um ein Fahrrad zu verlangsamen oder anzuhalten. Zu den Hauptkomponenten gehören:
- Bremshebel: Der Teil, den der Radfahrer betätigt, um die Bremsen zu aktivieren.
- Bremssattel: Am Rahmen des Fahrrads befestigt und mit dem Rotor verbunden.
- Bremsbeläge: Drücken gegen die Bremsscheibe, um Reibung zu erzeugen.
- Rotor (Bremsscheibe): Eine kreisförmige Scheibe, die an der Radnabe befestigt ist.
- Bremsflüssigkeit: Überträgt den Druck vom Bremshebel zum Bremssattel.
Funktionsweise
Wenn der Bremshebel betätigt wird, sendet er ein Signal an den Bremssattel. Die Bremsbeläge, die aus Materialien wie Metall oder Keramik bestehen, werden gegen die Bremsscheibe gedrückt. Die Bremsbeläge werden vom Bremssattel gehalten und sind über eine Hydraulikleitung, die Bremsflüssigkeit enthält, mit dem Hebel verbunden. Dadurch erhöht sich der Druck im Bremssattel, was wiederum dazu führt, dass die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe drücken.
Hydraulische Scheibenbremsen bieten eine starke Bremsleistung und eine bessere Kontrolle über die Geschwindigkeit des Fahrrads. Die Hydraulikleitung ermöglicht es dem Fahrer, den Druck, der auf die Bremsbeläge ausgeübt wird, präzise zu steuern.
Unterschiedliche Bremssysteme
Generell gibt es verschiedene Arten von Fahrradbremsen, die auf unterschiedliche Weise funktionieren. Häufig sind an Fahrrädern entweder Felgenbremsen oder Scheibenbremsen verbaut, die sich leicht einstellen lassen. Sie kommen oft auch bei E-Bikes zum Einsatz.
Felgenbremsen
Felgenbremsen sind die häufigste Art von Bremsen an Fahrrädern. Sie bestehen aus zwei Bremsbelägen, die gegen beide Seiten der Felge drücken, um das Fahrrad zu verlangsamen und anzuhalten. Sie sind in der Regel leichter und günstiger als Scheibenbremsen, aber bei Nässe oder Schlamm weniger effektiv.
Scheibenbremsen
Die insbesondere bei MTBs immer beliebteren Scheibenbremsen bestehen aus einer Metallscheibe (aus rostfreiem Stahl), die an der Radnabe angebracht ist. Eine Art Klammer (Bremssattel) mit kleinen Bremsbelägen wird gegen diese Scheibe gepresst, um die Geschwindigkeit zu reduzieren. Der Vorteil dieses Bremsentyps liegt in der im Vergleich zu einer Felgenbremse höheren Bremskraft, vor allem bei feuchter Witterung. Es gibt mechanische und hydraulische Scheibenbremsen. Während erstere die Kraft mithilfe von Bremszügen vom Bremshebel auf den Bremssattel übertragen, verwenden zweitere eine Flüssigkeit (Mineralöl oder DOT) in einer Hydraulikleitung. Hydraulische Scheibenbremsen verfügen in der Regel über eine höhere Bremskraft und präzisere Dosierbarkeit. Heutzutage stellen Marken wie Shimano oder SRAM sehr leistungsstarke Scheibenbremsenmodelle her.
Mechanische vs. Hydraulische Scheibenbremsen
Mechanische Scheibenbremsen werden über ein Kabel betätigt und müssen manuell eingestellt werden. Hydraulische Scheibenbremsen bieten eine bessere Kontrolle über den Druck, der auf die Bremsbeläge ausgeübt wird.
Nabenbremsen
Im Gegensatz zu Felgenbremsen sitzen Nabenbremsen nah an der Fahrradnabe, dem Zentrum des Rades. Zu den Nabenbremsen zählen die Trommelbremse, die Rollenbremse und die Rücktrittbremse.
Wartung und Fehlerbehebung
Ein Problem besteht ebenfalls, wenn du den Bremshebel drückst und keine Bremswirkung zu spüren ist. Überprüfe, ob das Zugseil korrekt gespannt ist oder durchhängt. Wenn Bremsen quietschen, deutet das auf mangelhafte Bremsscheiben oder verschlissene Bremsbeläge hin. Um die Bremse am Fahrrad einzustellen und einer regelmäßigen Wartung zu unterziehen, benötigst du das richtige Werkzeug. Falls du kein Werkzeug zur Hand hast, hilft eine 1-Cent-Münze weiter.
Bremsbeläge wechseln
Der häufigste Grund für quietschende Fahrradbremsen sind abgenutzte Bremsbeläge, sodass sich der Bremseffekt erheblich verringert. Bei nasser Witterung fällt die Bremskraft aus, wenn Metall auf Metall reibt. Wenn du neue Bremsbeläge montieren willst, löst du die Schraube, an der die Beläge befestigt sind. Anschließend richtest du die neuen Beläge an der Felge aus. Schraube danach alles wieder fest und prüfe, ob du die Fahrradbremse nachstellen musst. Dazu ziehst du am Bremshebel und kontrollierst die Bremswirkung.
Abstand zwischen Bremsbelägen und Felge einstellen
Profis empfehlen einen Abstand zwischen Bremsbelägen und Felge von zwei bis vier Millimetern. Die Distanz sollte auf beiden Seiten gleich sein. Im normalen Zustand dürfen die Bremsklötze die Felge nicht berühren. Der Seilzug sollte nirgendwo klemmen. Mit dem Zugeinsteller oder der Schraube für die Befestigung korrigierst du den Abstand zwischen der Felge und den Bremsbelägen. Der Abstand vergrößert sich, wenn die Schraube oder der Zugeinsteller im Uhrzeigersinn gedreht werden. Um die Distanz zu verkleinern, drehst du das Werkzeug entgegen dem Uhrzeigersinn. Löse deshalb abhängig von der Bremsen-Art die Klemmschraube und befestige den Seilzug neu (Direktzug- und Seitenzugbremse) oder stelle die Beläge neu ein (Cantilever-Bremse).
Einige Bremsen bei Fahrrädern verfügen an den Bremsbügeln über eine Schraube zum Zentrieren der Bremsbeläge. Besitzt dein Bike eine hydraulische Felgenbremse, musst du lediglich die Stellschraube am Bremshebel nachstellen. Dadurch lässt sich der Abstand zwischen Bremsbelägen und Felge ändern. Um die Beläge in die gewünschte Position zu bringen, löst und verschiebst du den Bremszylinder inklusive Bremsbelag.
Abstand bei Scheibenbremsen einstellen
Bei mechanischen Scheibenbremsen werden die Abstände zwischen Bremsbelag und Scheibe auf beiden Seiten separat eingestellt. Dazu drehst du zuerst auf der rechten Seite die Einstellschraube des Bremsbelages. Im Anschluss stellst du den Abstand auf der linken Seite ein. Hier drehst du den Zugeinsteller im Uhrzeigersinn, um die Distanz zu vergrößern. Drehst du ihn in entgegengesetzter Richtung, verringert sich der Abstand. Um den eingestellten Abstand zu sichern, drehst du die Kontermutter im Uhrzeigersinn.
Bei der hydraulischen Scheibenbremse bleibt der Abstand gleich, weil sich die Bremsbeläge nach der Abnutzung automatisch nachstellen. Wichtig ist lediglich, dass auf beiden Seiten der gleiche Abstand besteht. Löse die beiden Schrauben des Bremssattels, ziehe die Bremse am Bremsgriff an und befestige die Schrauben im geschlossenen Zustand gleichmäßig.
Hebelweite einstellen
Wenn sich der Bremshebel der Disc-Brake trotz neuer oder noch intakter Bremsbeläge leer durchgeht, ohne dass die Scheibenbremse zupackt, kann es auch sein, dass die Hebelweite falsch eingestellt ist. Bei fast allen MTB-Scheibenbremsen kann man die Hebelweite über eine Schraube (meist ein kleiner Innensechskant) einstellen. Bei vielen hochwertigen Bremsen kann die Hebelweite sogar ohne Werkzeug angepasst werden. Ob mit oder ohne Werkzeug gilt: Dreht man die Schraube oder das Drehrad nach rechts, wandert der Hebel vom Lenker weg.
Entlüften der hydraulischen Bremse
Wenn sich der Bremshebel trotz intakter Bremsbeläge und korrekter Hebelweiteneinstellung bis zum Lenker durchziehen lässt, bleibt nur noch eine Fehlerquelle übrig: Dann befindet sich Luft im hydraulischen System der Scheibenbremse. Ein weiteres klares Anzeichen von Luft im Bremssystem ist ein schwammiger oder ständig wandernder Druckpunkt. Dann müssen Sie die Scheibenbremse entlüften. Weil das Entlüften je nach Hersteller und Bremsenmodell unterschiedlich funktioniert, man für diese Schrauber-Arbeiten spezielles Werkzeug braucht und weil die Bremse ein sicherheitsrelevantes Bauteil ist, raten wir in diesem Fall dazu, eine Fachwerkstatt aufzusuchen. In so einem Fall hilft es natürlich trotzdem, die ersten beiden Ursachen im Vorfeld schon einmal auszugrenzen.
Allgemeine Tipps zur Wartung
Wer viel Fahrrad fährt, kennt das Problem mit dem Verschleiß von Fahrradteilen. Deshalb ist es ratsam, das Bike ordentlich zu pflegen und zu warten. Schmutzige Beläge und Felgen führen zu quietschenden Bremsen und beeinträchtigen die Sicherheit. Wenn die eingestellte Bremse auf dem Reifen schleift, tritt auch bei diesem Fahrradteil der Verschleiß schneller auf.
Prüfe in regelmäßigen Abständen die gesamte Bremsanlage an deinem Bike. Als Faustformel gilt, einen monatlichen Check der Bremsanlage durchzuführen, wenn du täglich Rad fährst. Vor allem solltest du die Bremsbeläge im Blick behalten. Um herauszufinden, wann du sie wechseln solltest, prüfst du deren Dicke.
Richtiges Bremsen
Ob Kurven, Abfahrten oder Nässe: Wer auf dem Fahrrad unterwegs ist, muss das Bremsverhalten an die jeweilige Situation anpassen. Dabei ist das richtige Bremsen gar nicht so leicht - falsche und unsichere Bremsmanöver spielen bei Unfällen oft eine ausschlaggebende Rolle. Umso wichtiger ist es, sich auf die eigene Fahrtechnik verlassen zu können.
- Gleichzeitig Vorder- und Hinterradbremse nutzen: Bremst du nur mit dem Vorder- oder Hinterrad, kann nur eine Kraft übertragen werden. Ist diese einseitige Kraft zu groß, kommt es zum Überbremsen und das jeweilige Rad blockiert. Ziehst du ausschließlich die Vorderradbremse, und das auch noch recht heftig, blockiert das Vorderrad und das Hinterrad hebt vom Boden ab. Beim Bremsen wird die Radlast vom Hinterrad auf das Vorderrad umgelenkt. Die Radlast am Hinterrad nimmt ab, wodurch es schon recht früh blockiert. Ein blockiertes Hinterrad führt wiederum zu einem instabilen und unkontrollierbaren Fahrverhalten.
- In Kurven richtig bremsen: In Kurven wirken andere Kräfte als wenn du einfach nur geradeaus fährst. Diese Kräfte beeinflussen das Fahrverhalten und den Bremsvorgang. Da gibt es zum einen die Zentrifugalkraft, oder auch Fliehkraft, die bei Dreh- und Kreisbewegungen auftritt, und zum anderen die Seitenführungskraft. Da die Seitenführungskraft senkrecht zur Fahrtrichtung, die Bremskraft aber tangential (nach außen) wirkt, wird das Fahrrad auch bei einem leichten Bremsvorgang schnell nach außen gezogen. Merkst du, dass du zu schnell in die Kurve gefahren bist und das Tempo korrigieren musst, solltest du das Rad erst wieder aufrichten, bevor du die Bremse betätigst.
- Bremsleistung in Gefahrensituationen nutzen: Oft spielt es beim Unfallhergang eine große Rolle, dass der Radfahrer die verfügbare Bremsleistung in Gefahrensituationen nicht genügend ausnutzt. Da diese jedoch eine weitaus höhere Bremswirkung erzielt als die Hinterradbremse, kommt das Bike dadurch oft nicht schnell genug zum Stillstand.
- Bremsen am Berg: Beim Bremsen am Berg verschiebt sich die Radlast. Bei Bergabfahrten verlagert sie sich deutlich nach vorn, wodurch die Bremskraft hinten reduziert wird. Auch die Hangabtriebskraft parallel zur schiefen Ebene wirkt gegen die Bremskraft. Bei steilen Bergauffahrten verhält es sich genau umgekehrt. Die Hangabtriebskraft wirkt in Richtung der Bremskraft, der Fahrer wird nach unten bzw. hinten gezogen.
- Bremsen bei Regen und Glätte: Bei Regenwetter ist Vorsicht das A und O. Wenn die Fahrradfelgen und Bremsbeläge nass werden, kann nahezu keine Reibung entstehen. Betätigst du die Felgenbremse, wirst du bei den ersten Radumdrehungen kaum eine Wirkung spüren, da Felgen und Beläge erst trocken gebremst werden müssen, bis eine Reibung entsteht. Bei Nässe musst du den Bremsvorgang früher einleiten, um das Tempo rechtzeitig zu verringern oder zum Stillstand zu kommen. Außerdem solltest du damit rechnen, dass die Bremskraft plötzlich stärker wird, wenn du das Wasser verdrängt hast. Bei Glätte solltest du deshalb bestenfalls nur ausrollen lassen und gar nicht bremsen. Allgemein raten wir dazu, das Bike bei Glätte stehen zu lassen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die regelmäßige Wartung und das Verständnis der Funktionsweise der Fahrradbremsen entscheidend für die Sicherheit und Leistungsfähigkeit des Fahrrades sind.
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