Beim Thema Bremshebel am Motorrad gibt es viele Fragen bezüglich der Zulässigkeit und der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen. Dieser Artikel soll einen Überblick über die wichtigsten Aspekte verschaffen, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen des TÜV (Technischer Überwachungsverein) und ähnlicher Organisationen.
Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) und KBA-Nummer
Für fast alle Bremshebelmodelle ist keine TÜV-Abnahme oder Eintragung erforderlich, da sie bereits über eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) verfügen. Die KBA-Nummer, die diese Betriebserlaubnis bestätigt, ist auf der Innenseite des Bremshebels eingraviert.
Es ist wichtig zu beachten, dass das Sortiment ständig erweitert wird und manchmal neue Modelle noch nicht in der aktuellen ABE enthalten sind. Die ABE wird jedoch regelmäßig aktualisiert, um auch die neuesten Modelle abzudecken. Für Modelle, die noch nicht enthalten sind, liegt in der Regel eine Herstellererklärung bei.
Montage und Fahrzeugspezifische Bestellung
Der Austausch der Hebel ist auch für Laien problemlos möglich. Die Hebel sind speziell auf das jeweilige Modell und Baujahr abgestimmt. Es ist wichtig, fahrzeugspezifisch zu bestellen, indem zuerst nach dem Modelltyp und dann nach dem Baujahr (nicht nach der Erstzulassung) gesucht wird. Falls das Fahrzeug nicht in der Liste gefunden wird, sollte man Kontakt mit dem Händler aufnehmen.
Sicherheitsaspekte und Konstruktion
Im Falle eines Sturzes sind die Hebel so konstruiert, dass der Schaden minimiert wird! Die Modelle Midi, Edition, Stage, Core und Picco verfügen über eine Sollbruchstelle. Diese ist so konstruiert, dass der Hebel bei starker Krafteinwirkung bricht, um weitere Schäden am Motorrad zu vermeiden. Die Modelle Tector und Tec2 sind mit einer Klappfunktion ausgestattet, die bei einem Sturz oder Umfaller nach oben abklappt.
Alle Hebel bieten eine 6-fache Einstellung des Abstandes zum Lenker, sodass der Hebel genau auf die Griffweite angepasst werden kann. Für noch mehr Individualisierung sorgen die Modelle Tector und Tec2, die zusätzlich eine stufenlose Längenverstellung bieten.
Zusätzliche Bremse am Lenker
Es stellt sich die Frage, ob es legal ist, zusätzlich zum Kupplungshebel einen Bremshebel für die Hinterradbremse anzubringen, ohne die vorhandene Fußbremse zu ersetzen. Es ist ratsam, sich vor einem solchen Umbau mit dem TÜV oder einer ähnlichen Organisation in Verbindung zu setzen. Für Menschen mit Behinderungen gibt es möglicherweise Sonderregelungen, um ein Motorrad legal umzubauen.
Zubehörhebel und ihre Qualität
Es stellt sich die Frage, ob die billigen "gefrästen" Hebel (ab 35 Euro pro Paar) wirklich "unsicher" sind und bei hoher Belastung brechen oder auseinanderfallen können. Vielleicht sind sie genau so gut wie die teuren mit ABE und KBA-Nummer (ab 70 Euro pro Paar). Um Ärger zu vermeiden, sollte man aber definitiv keine Hebel mehr aus China kaufen.
Es ist wichtig zu bedenken, dass ein Bremshebel ohne Zertifikat einer Dauerbelastung über die Jahre möglicherweise nicht standhält. Spätestens beim vorderen Bremshebel sollte man Bedenken haben. Wenn das im falschen Augenblick passiert, kann es gefährlich werden.
Materialeigenschaften und Sollbruchstellen
Oft ist die Rede von hochfestem Flugzeugaluminium, aber es ist unklar, welche Materialeigenschaften tatsächlich erforderlich sind. Die einfachen Nachrüsthebel mit ABE aus Druckguss sind oftmals so dünn, dass sie beim Sturz eine schöne Bruchstelle ergeben können. Davon abgesehen sollte so ein Hebel ab einer gewissen Gewalteinwirkung auch brechen. Mit einem gebrochenen Hebel kann man nach Hause fahren und die Reparatur ist billig. Mit einer zerfetzten Bremsarmatur ist das Gegenteil der Fall.
Fast alle Hebel haben serienmäßig eine Sollbruchstelle. Das ist der Einschnitt bzw. die Vertiefung am Hebelende.
ABE nachträglich besorgen?
Wenn man einen Hebel ohne ABE hat, stellt sich die Frage, ob man eine ABE nachträglich besorgen kann. Es ist ratsam, den Herstellernamen des Hebels zu suchen und im Internet oder beim Hersteller anzufragen. Wenn es sich um Hebel ohne ABE handelt, müssen diese möglicherweise ausgetauscht werden.
Konsequenzen bei fehlender ABE
Wird ein Teil des Motorrads ohne Bauartgenehmigung festgestellt, so erlischt die Betriebserlaubnis (§ 19 Abs. 3 StVZO). Das bedeutet, dass die Maschine nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen darf. Wer ohne gültige Betriebserlaubnis erwischt wird, riskiert Bußgeld, Punkte in Flensburg oder den Verlust des Versicherungsschutzes. Das Führen eines Fahrzeugs ohne Versicherungsschutz ist eine Straftat.
Kupplungshebel vs. Bremshebel
Der Kupplungshebel ist dem TÜV-Prüfer in der Regel egal. Eine Zulassung braucht "nur" der Bremshebel. Schon aus optischen Gründen sollte man aber beide Hebel gleichaussehend haben wollen.
Spiel am Bremshebel
Wenn der Bremshebel Spiel hat und nicht ganz in die Ausgangsposition zurückkehrt, kann dies für den TÜV relevant sein. Es könnte eine Feder defekt sein oder die Dichtringe vom Kolben aufgequollen sein. Wenn der Bremshebel nicht ganz zurückgeht, wird die Ausgleichsbohrung zum Ausgleichsbehälter nicht geöffnet. Dadurch kann keine Bremsflüssigkeit bei Verschleiß der Beläge nachfließen, was zu einem wandernden Druckpunkt führen kann. Es ist ratsam, dies reparieren zu lassen, da die Vorderradbremse nicht unwichtig ist.
Original vs. Nachbau
Es gibt auch originale Nachbauteile. Wenn das Material bei dem Nachbau identisch ist, müsste es ja trotzdem geprüft sein. Wer originale Nachbauteile an seinem Bike haben will, kann diese kaufen. Wenn man sich etwas nicht leisten kann, begnügt man sich mit den Originalen.
UNECE-Regelung Nr. 81
Die Spitzen der an der Lenkeinrichtung angebrachten Kupplungs- und Bremshebel müssen wahrnehmbar kugelförmig sein und einen Kurvenradius von mindestens 7,0 mm aufweisen. Die übrigen Außenkanten dieser Hebel müssen entlang des gesamten Griffbereichs einen Kurvenradius von mindestens 2,0 mm aufweisen.
Austausch von Bremshebeln ohne ABE
Es stellt sich die Frage, ob man eine ABE benötigt, wenn man Bremshebel verbaut, welche genauso aussehen, wie die Originalen. Wenn es wegen einem gebrochenen Hebel zu einem Unfall kommt, gibt es Probleme. Nur weil ein Hebel aussieht wie das Original, heißt das nicht, dass er die gleiche hohe Festigkeit hat. Es gibt auch 20€-Nachbauten aus China ohne ABE, die höchstens als Deko im Partykeller taugen.
Fazit
Die Bestimmungen rund um Bremshebel und deren Zulassung können komplex sein. Es ist wichtig, sich vor dem Kauf und der Montage von Zubehörhebeln gründlich zu informieren und sicherzustellen, dass alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind. Im Zweifelsfall sollte man sich an den TÜV oder einen Fachmann wenden, um sicherzustellen, dass das Motorrad den Vorschriften entspricht und die Sicherheit gewährleistet ist.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| ABE | Allgemeine Betriebserlaubnis erforderlich |
| KBA-Nummer | Bestätigt die ABE, auf dem Hebel eingraviert |
| Materialqualität | Sollte hochwertig sein, um Bruch zu vermeiden |
| Sollbruchstelle | Soll bei Sturz den Schaden minimieren |
| Eintragung | In der Regel nicht erforderlich, wenn ABE vorhanden |
| China-Importe | Vorsicht vor billigen Hebeln ohne Zertifizierung |
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