Moderne Motorräder besitzen serienmäßig zwei Vorrichtungen, die dem Diebstahlschutz dienen: das Lenkradschloss und die elektronische Wegfahrsperre. Kleine Motorräder und ältere Bikes haben oftmals lediglich ein Lenkradschloss, da die Wegfahrsperre - anders als bei Automobilen - nicht zur Pflichtausrüstung zählt. Um Langfinger abzuschrecken, sind zusätzliche elektronische und mechanische Sicherungen am Motorrad zu empfehlen.
Wie funktionieren Motorradschlösser?
Zweiradschlösser lassen sich nach ihrer Bauart in verschiedene Typen unterteilen. Zur Sicherung von Motorrädern kommen hauptsächlich Ketten-, Bremsscheiben- und Bremshebelschlösser zum Einsatz.
Bis auf ältere Bikes sind alle Motorräder mit mindestens einer Bremsscheibe am Vorderrad ausgestattet. Dadurch lässt sich fast jedes Motorrad vor unbefugtem Zugriff schützen. Den besten Schutz bietet die Befestigung an der hinteren Bremsscheibe. Durch die Montage des Bremsscheibenschlosses am Hinterrad lässt sich das Motorrad bei aktiviertem Lenkradschloss nicht durch Anheben des Hinterrades wegrollen.
Bremsscheibenschlösser mit Alarm erweitern den Schutz für das Motorrad um eine weitere Funktion. Die Schlösser sind mit einem Erschütterungssensor ausgestattet, der auf jeden Wegroll-Versuch reagiert und einen lauten Warnton von sich gibt. Ob Bremsscheibenschlösser mit oder ohne Alarm - beide Varianten haben das Manko, sich nicht mit einem festen Gegenstand außerhalb des Motorrads verbinden zu lassen. Sie bieten sich daher als ergänzende Sicherung zu einem Kettenschloss oder für einen praktikablen Diebstahlschutz unterwegs an.
Auch das Bremshebelschloss erschwert Dieben das Entwenden des Motorrades. Das aus zwei Stahlriegeln bestehende Sicherungstool legt sich um Gasgriff und Bremshebel. Beim Verriegeln zieht das Bremshebelschloss automatisch die Hydraulikbremse an. Somit lässt sich das Motorrad nicht mehr wegrollen. Einen unbefugten Kaltstart vereitelt der verriegelte Gasgriff.
Ein an einem Boden- oder Wandanker befestigtes Kettenschloss bietet einen besonders hohen Diebstahlschutz. Durch die Befestigung des Gliederschlosses an einem einzementierten Anker lässt sich das Motorrad auch nicht anheben und in einen Transporter bugsieren. Die soliden Stahlringe lassen sich am ständigen Abstellplatz mit Dübeln im Boden befestigen.
Kaufberatung: Welche Sicherheitsstufen für Motorradschlösser gibt es?
Führende Hersteller von Motorradschlössern stufen ihre Produkte in Sicherheitskategorien ein. Die Kategorisierung ist herstellerspezifisch - ein Vergleich verschiedener Hersteller ist daher nicht möglich. Basis jeder Kategorisierung ist die Widerstandskraft, die ein Motorradschloss Angreifern und Werkzeugen entgegensetzt.
Es gibt verschiedene Sicherheitsstufen für Motorradschlösser. Die niederländische ART Stiftung unterteilt die Zertifizierung in fünf Sicherheitsstufen, die sich dort auch auf die geltenden Quoten für Zweiradversicherungen auswirken. Firmen wie Abus unterteilen ihre Produkte nach eigenen Sicherheitsstufen. Im Falle von Abus sind das die Stufen von eins bis 25. Bei Fahrradschlössern endet die Stufe bei 15, bei Motorradschlössern liegt sie höher. Trelock unterteilt in sechs Sicherheitsstufen.
Welche Kriterien machen gute Motorradschlösser aus?
Bei einem Test von Motorradschlössern setzt sich das Testprädikat meist aus mehreren Kriterien zusammen. Entscheidend ist neben dem Widerstand, den ein Motorradschloss aufbietet, die Zeit, die für den Dieb verstreicht. Auch das Aufsehen, das eine im Schloss integrierte Alarmanlage erregt, schreckt Diebe vom Vorhaben ab. Daneben ist die intuitive und sichere Handhabung beim Testen ein relevanter Aspekt.
Für den Käufer ist die Widerstandskraft, die ein Bremsscheibenschloss oder Kettenschloss aufbietet, nur schwer einzuschätzen. Ein Motorradschloss-Test gibt darüber Auskunft, welches Produkt dem Angriff mit unterschiedlichen Werkzeugen am besten widersteht.
Empfehlenswerte Motorradschlösser
Empfehlenswerte Motorradschlösser sind die, die sich sehr schlecht von Unbefugten öffnen lassen. Dazu zählen meist massive und sehr schwere Motorradschlösser aus gehärtetem Stahl oder besonderen Stahllegierungen. Dazu sollte der Durchmesser der Ketten möglichst dick sein und das Vorhängeschloss einen einbruchssicheren Schließzylinder besitzen. Praktisch sind auch solche Schlösser, die eine weiche Ummantelung bieten, damit die Felgen des Motorrads oder Roller nicht verkratzt werden. Bei einem Vergleich sollten Käufer:innen daher auch auf den Kettenschutz achten und nicht nur auf die Dicke der Ketten und ein stabiles Schloss.
Einige Beispiele für empfehlenswerte Motorradschlösser:
- Abus Granit Sledg 77 Bremsscheibenschloss: 13 mm starke Verriegelungsbolzen aus gehärtetem Spezialstahl sichern das Zweirad über die Bremsscheibe. Ein Memorykabel verbindet Lenker und Schloss miteinander, damit Motorradfahrer:innen nicht einfach losfahren, ohne es zu lösen.
- Vinz Trivor Kettenschloss: Das Vinz Trivor Kettenschloss mit 10,5 mm dicken Metallketten besteht aus gehärtetem Stahl und einer Zinklegierung. Das Motorradschloss selbst ist laut Angaben wasserdicht und korrosionsgeschützt. Eine Nylon-Ummantelung soll die Felgen vor Kratzern schützen. Drei Schlüssel sind im Set enthalten.
- Urban U8K120 Kettenschloss: Das 120 cm lange Kettenschloss von Urban besteht aus gehärtetem Stahl und besitzt laut Angaben Kettenglieder mit einem Durchmesser von 15 mm.
Testergebnisse und Kundenmeinungen
Im Folgenden werden einige Testergebnisse und Kundenmeinungen zu verschiedenen Motorradschlössern vorgestellt:
Abus Granit Detecto X Plus 8077
- MOTORRAD-Urteil: sehr gut
- Beschreibung: High-End-Schloss mit prima Ausstattung (unter anderem Alarm), überzeugt mit bester Wertigkeit und allerhöchster Sicherheit. Teuer, aber auch top!
- Handhabung: Durch das recht hohe Gewicht ist das Handling beim Anbringen an etwas verbauten Stellen etwas erschwert, und unter Umständen löst der laute Alarm ungewollt aus. Das Verschlusssystem passt nicht für jede Bremsscheibe, aber insgesamt ist das Schloss sehr kompatibel.
Hartmann Bremsscheibenschloss
- MOTORRAD-Urteil: sehr gut
- Beschreibung: Prima ausgestattet, absolut aufbruchsicher und ein sehr leckerer Preis. Die Louis-Eigenmarke Hartmann bietet ein erstklassiges Bremsscheibenschloss.
- Handhabung: Der Bügel lässt sich ganz herausnehmen, was das Anbringen und Verschließen an der Bremsscheibe erleichtert. Mitunter rastet der Bügel aber nur mit Nachdruck ein. Der Öffnungsspalt ist für fast alle Bremsscheibentypen ausreichend dimensioniert.
Kovix KHL Grip Lock - Alarm-Bremshebelschloss
- Kundenmeinung: Sehr leicht zu bedienen, robuste Ausführung und die Lautstärke der Alarmanlage ist sehr laut, wie gewünscht damit sich eventuelle Diebe hoffentlich abschrecken lassen!
- Zitat: "Wir alle kennen das klassische, robuste Bremsscheibenschloss, von dem ein meist auffällig eingefärbtes "Erinnerungskabel" an den Lenker führt. Einfacher lässt sich der ebenso effektive Diebstahlschutz mit dem Kovix Grip Lock herstellen. Das Bremshebelschloss arretiert dazu den gezogenen Bremshebel, hält diesen, durch Gummi geschützt, in einem stabilen Gehäuse aus einer korrisionsbeständigen Zinklegierung, wahlweise mit blauer oder roter Oberfläche. Zusätzlich zum mechanischen Schutzlevel (8 von 20) schreckt das Schloss Tunichtgute durch einen sehr lauten Alarm ab, der auf Bewegungen reagiert."
Wichtig: Billige Motorrad-Schlösser locken zwar als Mitnahmeartikel, machen aber kaum Sinn, weil sie Dieben nur ein müdes Lächeln abgewinnen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte das Motorrad ohnehin fest angeschlossen werden.
Zusätzliche Tipps zur Diebstahlsicherung
- Kombination verschiedener Schlösser: Verwenden Sie verschiedene Arten von Schlössern, um den Diebstahl zu erschweren.
- Sichtbarkeit: Platzieren Sie das Schloss gut sichtbar, um Diebe abzuschrecken.
- Abstellort: Parken Sie Ihr Motorrad an gut beleuchteten und frequentierten Orten.
- Alarmanlage: Installieren Sie eine Alarmanlage mit Bewegungssensor, um Diebe abzuschrecken und auf den Diebstahl aufmerksam zu machen.
- GPS-Tracker: Verwenden Sie einen GPS-Tracker, um Ihr Motorrad im Falle eines Diebstahls orten zu können.
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