Bremskolben fetten Motorrad Anleitung

Die Bremse ist ein besonders beanspruchtes Bauteil beim Motorradfahren, daher ist eine einwandfreie Funktion von großer Bedeutung. Eine regelmäßige Pflege der Bremssättel ist wichtig, um Schäden, Verschleiß und eine langanhaltende Funktion der Bremse zu gewährleisten.

Warum Bremskolbenpflege wichtig ist

Der Bremssattel ist äußeren Einflüssen und Bremsstaub ausgesetzt, was zu Verschmutzungen führen kann. Die Bremskolben werden hydraulisch gegen die Beläge und die Bremsscheibe gedrückt. Ablagerungen in den Bremssätteln und auf den Bremskolben können die Gleitfähigkeit beeinträchtigen und die Rückstellung verhindern oder verschlechtern, was dazu führt, dass die Bremse fest wird.

Wir empfehlen, die Bremssättel bei jedem Radwechsel zu pflegen und zu reinigen. Im sportlichen Einsatz sollte dies unter Umständen sogar früher erfolgen. Auch im Straßeneinsatz ist dies empfehlenswert. So können Sie die Funktion und Lebensdauer Ihrer Bremssättel verlängern und Komplettüberholungen vermeiden. Wer viel bremst oder Sinterbeläge verwendet, sollte die Bremssattelpflege regelmäßig durchführen. Auf der Rennstrecke raten wir generell zur Bremssattelpflege bei jedem Radausbau.

Info: Die Pflege der Bremssättel wird auch in Fachwerkstätten oftmals vernachlässigt. Für die Reinigung der Bremssättel bedarf es nicht viel und ist in der Regel in wenigen Minuten erledigt.

Reinigung der Bremssättel

  1. Spülen Sie den Bremssattel mit Bremsenreiniger von außen aus. Sprühen Sie dazu einfach in den Schlitz und ebenfalls die Bremskolben.
  2. Wenn Ablagerungen auf den Bremskolben zu sehen sind, reinigen Sie diese mit einer alten und feinen Zahnbürste oder einem Bürstenset unter Einsatz von Bremsenreiniger mechanisch. Achten Sie darauf, dass keine Kratzer in die Bremskolben bzw. die Beschichtung gelangen!
  3. Ablagerungen NIEMALS mit einem Schraubenzieher oder anderen Metallgegenständen „abkratzen“. Auch Schleifpapier ist ungeeignet und zerstört die Bremskolben bzw. deren Beschichtung.
  4. Wiederholen Sie den Vorgang ggf.

Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr und auf eigenes Risiko.

Tipps zur Reinigung

  • Bremssattel und Bremsscheiben NICHT mit Öl oder Ölspray reinigen, sondern speziellen Bremsenreiniger verwenden!
  • Bremsenreiniger ist aggressiv und gesundheitsschädlich: Achten Sie bei Benutzung darauf, dass die Werkstatträume gut gelüftet werden. Nicht rauchen! Nicht auf die Haut oder in die Augen sprühen! Einatmen der Dämpfe vermeiden!
  • Bei Einsatz von Bremsenreiniger alle Teile im Umkreis der einzusprühenden Bremssättel mit Lappen großflächig abdecken.
  • Bremsenreiniger sparsam und gezielt einsetzen, Sprühkopf direkt auf die zu reinigende Stelle richten und nur kurz betätigen.
  • Teile nach Einsprühen mit Bremsenreiniger sofort durchputzen. Dazu nicht fusselnde Lappen und eine kleine Bürste verwenden.
  • Bremssattel nicht mit harter Pressluft ausblasen! Wenn überhaupt: Druckluft beim Bremssattel nur sehr sparsam und ganz gezielt einsetzen.
  • Bremsstaub ist gesundheitsschädlich!

Bremsbeläge wechseln

Ein Wechsel der Bremsklötze am Motorrad ist aufwendiger und komplizierter als die reine Kontrolle der Belagstärke. Der Schraubertipp zeigt, was es alles zu beachten gibt.

Das Wichtigste zuerst: Bremsklötze immer paar- und radweise wechseln! Ein Satz Bremsklötze besteht in der Regel aus zwei Stück pro Scheibe. Nur in wenigen Fällen sind kleine Einzelbeläge verbaut, also pro Bremskolben ein Bremsklotz - das können bis zu sechs Stück pro Bremssattel sein. Niemals unterschiedlich dicke oder unterschiedlich alte Bremsklötze sowie von verschiedenen Herstellern in einem Bremssattel verwenden!

Das gilt auch bei Doppelscheibenbremsen im Vorderrad: Links und rechts werden nur gleiche Belag-Typen mit gleicher Laufleistung eingesetzt. Wenn auf den Rückseiten der alten Bremsklötze gelochte Scheiben oder Bleche aus Stahl oder Teflon montiert waren, müssen diese in sauberem Zustand an den neuen Bremsklötzen in gleicher Position wieder angebracht werden. Sie halten einen Teil der beim Bremsen entstehenden Hitze von den Bremskolben und damit auch von der Bremsflüssigkeit fern.

Tipp: Wenn Sie keine Original-Bremsbeläge verwenden wollen, fragen Sie zuerst Ihren Markenhändler. Der ist über den aktuellen Stand an Nachrüstbelägen gut informiert. Auch Tests in Motorrad können bei der Wahl helfen.

Gebrauchte Bremsbeläge, die stark verschmutzt sind, schon lange nicht mehr zum Einsatz kamen oder aus einer Unfallmaschine stammen, sollten getauscht werden! Obwohl zum Wechseln der Beläge die Bremssättel meist nicht abgebaut werden müssen, ist es empfehlenswert, da das Innere des Bremssattels oft eine gründliche Reinigung nötig hat.

Ausbau der Bremsklötze

  1. Motorrad sicher aufbocken.
  2. Achtung: Bremshebel bei abgebautem Bremssattel und/oder ausgebauten Klötzen nicht betätigen! Sonst fahren die Bremskolben ungehindert aus und müssen mühsam wieder in den Bremssattel gedrückt werden. Sie können sogar ganz aus ihren Bohrungen herausrutschen.
  3. Tipp: Wenn die alten Bremsklötze aus dem Bremssattel herausgenommen sind und die Bremskolben noch in ihrer herausgefahrenen Position stehen, den Bremssattel sorgfältig reinigen. Erst danach die Kolben in ihre Bohrungen drücken, um Platz zu schaffen für die neuen Bremsklötze.
  4. Bremsklotz-Haltestift: Die Bremsklötze werden durch einen "Haltestift" in korrekter Position im Bremssattel gehalten. Dieser Haltestift ist gesteckt oder geschraubt und hat immer eine Sicherung gegen selbständiges Rausdrehen oder Herausfallen. Diese muss vor dem Ausbau des Haltestifts entfernt werden.

Die Sicherung kann ein Splint sein, der rausgezogen, eine Madenschraube, die rausgedreht, oder eine kleine Sicherungsscheibe, die abgezogen wird. Am besten beim Kauf neuer Bremsklötze auch neue Sicherungssplinte oder Sicherungsscheiben kaufen, da die alten oft nicht mehr die volle Spannkraft besitzen - die Schraube dagegen ist weiter verwendbar. Wenn der Haltestift nur gesteckt ist, mit einem Splintdurchschlag vorsichtig ausschlagen. Durchschlag sicher auf der Mitte des Haltestifts ansetzen und mit kurzen, leichten Hammerschlägen austreiben. Der Haltestift rutscht Stück für Stück heraus. Ist der Haltestift eingeschraubt, diesen ausdrehen.

  • Bremsklötze aus der Bremszange herausziehen.

Einbau der Bremsklötze

  1. Achtung: Keine scharfkantigen Gegenstände wie Schraubendreher in die Bremssättel einführen, die Kolbengleitflächen können dadurch zerkratzt werden!
  2. Um Platz für die neuen (dicken) Beläge zu schaffen, die alten Bremsklötze wieder in den Schacht schieben, mit Handkraft dagegendrücken und damit die Bremskolben zurück in ihre Bohrungen drücken. Das Ganze muss mit Handkraft gehen, keine Zange oder Ähnliches zu Hilfe nehmen!
  3. Beim Zurückdrücken steigt der Flüssigkeitsstand im Bremsflüssigkeitsbehälter: Deswegen Pegelstand im Auge behalten! Steigt er bis zur Oberkante, mit einer kleinen Spritze etwas Flüssigkeit absaugen.
  4. Achtung: Bremsflüssigkeit ist aggressiv und gesundheitsschädlich. Deshalb von Haut und Körper, aber auch von Lack und Kunststoff fernhalten! Mit Handschuhen arbeiten. Danebengegangene Tropfen mit reichlich Wasser wegspülen.
  5. Spezielles Bremsenfett auf die Rückseite der Trägerplatten sowie den Kanten, an denen sie im Bremssattel anliegen, geben.
  6. Kontrollieren, ob die Bremsbelagfeder innen im Bremssattel richtig sitzt: Sie muss satt sitzen - falls ein Pfeil eingeritzt ist, muss dieser in Raddrehrichtung zeigen.
  7. Bremsklötze in den Bremssattel einschieben. Manchmal gleiten die Bremsklötze auf einer oder beiden Seiten in einer Nut oder Führung. Unbedingt darauf achten, dass die Bremsklötze korrekt in diese Führung eingesetzt werden.
  8. Bremsbelag-Haltestift durch die äußere Bohrung im Bremssattel einführen (wenn die Bremsbelagfeder außen auf die Bremsklötze eingesetzt wird: Pfeil muss in Fahrtrichtung zeigen). Weiter durch die Bohrungen in den Bremsklötzen, der Bremsbelagfeder und in die andere Seite des Bremssattels durchschieben.
  9. Beim Gewindestift: Diesen einschrauben. Kontermadenschraube einschrauben und gegen den Kopf des Haltestifts kontern. Oder Sicherungssplint(e) einstecken. Oder Sicherungsscheibe in die Nut einklicken.
  10. Durch Pumpen am Bremshebel Druck im System aufbauen, bis die neuen Bremsbeläge an der Scheibe anliegen.
  11. Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen (Spezifikation im Betriebshandbuch nachlesen). Erst bei deutlich fühlbarem Druckpunkt ist die Bremse betriebsbereit!

Bremsbeläge einfahren

Neuen Bremsbelägen darf man keinesfalls schon bei der ersten Bremsung ihre maximale Leistung abfordern, sondern sie müssen sorgsam und mit Gefühl eingefahren werden. Die Einfahrzeit sollte 100 bis 150 Kilometer betragen. Während dieser Zeit:

  • Bremse nicht längere Zeit „schleifend“ betätigen, sondern kurz und knackig bremsen.
  • Bremse nicht "gegen den Motor" einfahren, das schadet den neuen Bremsbelägen: Ihre Oberfläche wird heiß und verglast.
  • Nach jeder Verzögerung der Bremse wieder genügend Zeit zum Abkühlen geben.
  • Längere Bremsungen sollten in der Einfahrzeit vermieden werden, sind aber im Verkehr manchmal erforderlich: Nach einer "längeren, heftigen Bremsung" nicht mit gezogener Bremse anhalten, sondern mit dem Anhalten wieder freigeben.

Nach einiger Zeit packt die Bremse immer fester zu, das Bremsgefühl ist schön transparent.

Weitere Tipps und Hinweise

  • Bei festsitzenden Kolben ist eine Überholung des Bremssattels fällig. Dazu wird dieser ausgebaut und zerlegt. Alle Dichtungen sollten dabei grundsätzlich erneuert werden.
  • Die Bremskolben kann man mit feinem Schleifpapier wieder gängig machen (800er oder feiner), dabei aber umsichtig vorgehen. Vor dem Wiedereinbau dünn mit Bremsenpaste bestreichen.
  • Wer allerdings nicht wirklich weiß was er tut, tut besser nix sondern lässt die Arbeiten von einer Werkstatt machen!
  • Bei allen Arbeiten an der Bremsanlage Bremsflüssigkeit wechseln.
  • Peinlich auf Sauberkeit am Arbeitsplatz achten!
  • Bei einer voll betriebsfähigen Bremse lassen sich die Kolben mit den Fingern zurückdrücken.

Anhand dieser Tipps verhinderst du auf lange Sicht Schäden an der Bremsanlage und kannst teils sogar Bremssättel wieder flott machen, die leicht klemmen und nicht mehr ganz zurückstellen.

Reinigung der Bremszangen

Bewegen wir ein Motorrad auf der Rennstrecke ist die Belastung auf die Bremse bedeutend höher als auf der Straße. Ständiges starkes Bremsen und die damit verbundene Hitze Bremsen sorgen für erhöhten Verschleiß, Staubentwicklung und natürlich Anforderungen an das Bremssystem. Doch vorher noch schnell ein kleiner „Anatomiekurs“ der Bremszangen, damit auch klar ist warum man hier Hand anlegen sollte. Im Grundkörper der Zangen sind Kanäle, in denen sich die Bremsflüssigkeit befindet. Diese Kanäle führen vom Anschluss der Bremsleitung zu den Bremskolben. Die Bremskolben sind die einzigen beweglichen Teile in einer Bremszange. Zieht man nun oben am Bremshebel, baut sich Druck im System auf, wodurch die Bremskolben heraus gedrückt werden.

Beim säubern der Bremszangen gilt die größte Aufmerksamkeit daher den Bremskolben. Unser direkter Gegner hier heißt Bremsstaub und der setzt sich in den kleinsten Ecken fest. Je mehr Bremsstaub sich in den Zangen und an den Simmerringen der Bremskolben festsetzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bremskolben hängen. Meistens ist davon derjenige Bremskolben betroffen, der am weitesten vom Anschluss der Bremsleitung entfernt ist.

Klassischerweise kann eins von zwei Problemen auftreten: schief abgefahrene Bremsbeläge oder eine überhitzende Bremsanlage. Also wird es Zeit, es dem Bremsstaub zu zeigen!

Als Werkzeug bietet sich da ein ganz alltäglicher Gegenstand an - die Zahnbürste. Natürlich nicht die, die ihr noch weiter benutzen wollt, aber das sollte eigentlich klar sein. Eine normale Zahnbürste mit weichen Borsten tut es schon ganz gut und kostet nur ein paar Mark. Die Edelvariante ist eine elektrische Zahnbürste, durch die Vibration wird die Reinigung nochmals einfacher.

Da wir hier auch an Gummidichtungen arbeiten sind scharfe und aggressive Mittelchen wie Bremsenreiniger tabu, schließlich wollen wir die Dichtungen noch etwas benutzen. Als klassische Empfehlung liest man häufig von Spüli mit Wasser. Das funktioniert ganz gut, hat aber nicht die höchste Reinigungswirkung. Mein Mittel der Wahl ist ein sanfter, ph-neutraler und säurefreier Felgenreiniger.

Nachfolgend erkläre ich euch meinen standardmäßigen Ablauf bei einer Reinigung der Bremszangen. Hier direkt noch ein Appell: Solltet ihr euch bei manchen Schritten oder der generellen Arbeit an der Bremsanlage unsicher sein, dann lasst bitte die Finger davon!

  1. Anschließend demontiere ich eine Bremszange und entferne die Bremsbeläge. Solltet ihr auch zwei Zangen am Vorderrad haben, dann lasst die andere montiert.
  2. Jetzt haben wir freien Blick auf die Bremskolben.
  3. Nun pumpe ich vorsichtig am Bremshebel, bis die Kolben weit genug draußen stehen. Achtung: wenn ihr es hier übertreibt kann schnell ein Bremskolben herausfallen. Sollte das passieren muss das System neu entlüftet werden!
  4. Sollten ein oder mehrere Kolben schon sehr weit heraus stehen aber ein anderer noch nicht, seht ihr live den Effekt, den der Bremsstaub auf eure Bremsanlage hat.
  5. Nun sprühen wir den Felgenreiniger großzügig auf den Bremssattel und lassen ihn ein paar Minuten einwirken.
  6. Danach nehmen wir uns die Zahnbürste zur Hand und schrubben bis in jede kleine Ecke.
  7. Nachdem wir den Schmutz gelöst haben, nehmen wir die Sprühflasche mit dem klaren Wasser und spülen den Felgenreiniger und Bremsstaub ordentlich aus. Damit ist das Gröbste geschafft.
  8. Nun trockne ich den Bremssattel mit den Tüchern ordentlich ab. Restwasser lässt sich anschließend gut Druckluft entfernen.
  9. Jetzt kommt noch ein dünner Film der Bremszylinder-Paste auf die Bremskolben.

Fertig, Zeit den Sattel wieder mit Bremsbelägen zu bestücken und zurück an das Motorrad zu befördern.

Das kommt ganz drauf an, wie ihr euer Motorrad benutzt, wie stark die Bremsbeläge stauben und wie viel ihr fahrt. Ich für meinen Teil tue mir das nach jedem zweiten Rennstreckenevent an, bin aber auch ziemlich penibel. Bei einem Straßenmotorrad würde ich es ein oder zwei Mal im Jahr machen.

Und noch ein kleiner Tipp: Wenn man sowieso mit Felgenreiniger arbeitet, kann man bei einem normalen Waschgang des Motorrads auch ruhig die Bremszangen für ein paar Minuten darin tränken und danach ordentlich abspülen.

Problem Mögliche Ursache Lösung
Bremse schleift Verschmutzte oder festsitzende Bremskolben Reinigung und Schmierung der Bremskolben
Bremsbeläge verschleißen ungleichmäßig Hängender Bremskolben Reinigung und Überholung des Bremssattels
Bremse wird fest nach Betätigung Defekte oder verschmutzte Dichtungen Austausch der Dichtungen im Bremssattel

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0