Im Laufe der Zeit kann es vorkommen, dass die Scheibenbremse am Motorrad fest wird. Sowohl Schmutz als auch defekte Dichtungen können hierfür die Ursache sein. Eine funktionierende Bremsanlage ist jedoch überlebenswichtig, daher sollten nur Schrauber mit der notwendigen Erfahrung an der Bremse hantieren.
Symptome und Ursachen
- Schwergängige Bremse
- "Komischer, harter" Druckpunkt
- Schleifgeräusche
- Eine Bremsscheibe wird heiß, die andere bleibt kalt
- Stark unterschiedlich abgenutzte Bremsbeläge
Wenn die Bremsbeläge stark unterschiedlich abgenutzt sind, liegt als Ursache meistens ein festsitzender Bremskolben vor.
Vorbereitung und Demontage
Zunächst wird der Bremssattel der Scheibenbremse mit dem passenden Schraubenschlüssel abgeschraubt und die hintere Bremsplatte und die Halteschrauben zur Seite gelegt. Im Bremssattel und in der Bremsplatte werden jetzt die jeweiligen Bremsklötze sichtbar. Je nach Zustand lässt sich der bewegliche Bremsklotz herausnehmen.
Zur Vorbereitung wird ein Auffanggefäß (für auslaufende Bremsflüssigkeit) unter den Bremssattel gestellt. Bei geschlossenem Entlüftungsventil drückt man jetzt durch Betätigen des Bremshebels langsam den Bremsklotz und -kolben heraus. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Dabei ist aufzupassen, dass der Ring zwischen Bremsklotz und Bremskolben nicht verloren geht.
Wichtiger Hinweis
Die BMW Rep.-Anleitung schreibt: "Der Bremssattel darf nicht auseinander geschraubt werden! Man darf ihn aber zerlegen."
Nun, der Bremssattel ist mit zwei Schrauben zusammengeschraubt, die vom Hersteller streckgrenzengesteuert angezogen werden. Die Schrauben werden dabei plastisch verformt, und deswegen darf man sie nicht mehr lösen. Also gibt es die Schrauben auch nicht im ETK und im Werkstatthandbuch wird kein Anzugsmoment angegeben.
Reinigung und Prüfung
Zunächst entfernt man vorsichtig den groben Schmutz am Bremsklotz, Zwischenring sowie im Inneren des Bremssattels mit einem Tuch. Mit Bremsenreiniger und einer kleinen Bürste (z.B. Zahnbürste) wird die festsitzende Verschmutzung gelöst und mit einem Tuch entfernt, bis alle Rückstände verschwunden sind. Auf keinen Fall sollte versucht werden mit Schraubenzieher oder Schleifpapier den Schmutz zu entfernen.
Wenn sie nicht mehr hineingehen, dann sind sie vielleicht schon so verschmutzt. Normal lassen die sich leicht zurückdrücken. wie reinigen??? bremsenreiniger drauf?
Die Kolben kann man jedenfalls einfach mit einer Zahnbürste und Spüliwasser sauber machen.
Bei festsitzenden Kolben ist eine Überholung des Bremssattels fällig. Dazu wird dieser ausgebaut und zerlegt. Alle Dichtungen sollten dabei grundsätzlich erneuert werden. Die Bremskolben kann man mit feinem Schleifpapier wieder gängig machen (800er oder feiner), dabei aber umsichtig vorgehen.
Alternative Methoden zur Kolbenentfernung
- Mit Bremshebel herauspumpen: Den Kolben mit Bremshebel herauspumpen (oben Flüssigkeit nachfüllen).
- Mit Druckluft: Zangen beide abbauen und dort wo die Bremsleitung angeschlossen wird mit Druckluft reinblasen. Vorher ein Brettchen zwischen die Kolben und der Zange geben, damit die Kolben nicht an die Zange knallen.
- Mit Fettpresse: Schrauben Sie die Entlüftungsschraube raus, schrauben Sie einen Schmiernippel ein und nehmen Sie die Fettpresse.
Achtung bei der Reinigung
- Bremsenreiniger gehört nur an die Bremsscheibe! oder in den versifften Kettenritzelkasten...
- Bremsenreiniger an den Gummi Dichtungen ist halt so eine Sache.
Montage und Zusammenbau
Sind alle Teile gesäubert, bestreicht man die Rückseite des Bremsklotzes rund um den Druckpunkt des Bremsklotzes bzw. Damit der Zusammenbau leichter geht, empfiehlt es sich unbedingt den inneren Dichtring im Bremssattel mit Bremsflüssigkeit zu „fetten“.
Anschließend wird der Bremskolben gerade (Verkantungen vermeiden!) in den Sattel eingesetzt und bei geöffnetem Entlüftungsventil unter Zuhilfenahme eines Bremskolbenrücksteller in den Bremssattel gedrückt. Alternativ geht auch eine passende Schraubzwinge.
Sobald der Kolben die gleiche Höhe wie die Außenkante des Bremssattels erreicht hat, setzt man den vorbereiteten Zwischenring und Bremsklotz vor den Kolben und schiebt diesen dann in die Ausgangsposition zurück. Bremssattel und Bremsplatte werden wieder angeschraubt.
Wichtige Hinweise zum Zusammenbau
- Beim Einsetzen der NEUEN Dichtringe sollte man diese mit Bremsflüssigkeit benetzen.
- Ferner Kolben beim Einbau nicht verkanten.
Abschließende Arbeiten
Im letzten Arbeitsgang entlüftet man die Bremse.
Ich habe bei allen Arbeiten an der Bremsanlage meines Motorrades hinterher die Bremsflüssigkeit gewechselt. Danach muss entlüftet werden. Vorsicht, Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, d.h. sie nimmt Wasser aus der Umgebungsluft auf. Nur Flüssigkeit aus verschlossenen Behältern nachfüllen. Im Zweifelsfalle neue DOT 4 Bremsflüssigkeit kaufen.
Ausserdem greift Bremsflüssigkeit Lack und die Haut an. Nix verschütten sonst wird aus Candy Apple schnell Candy-Orangenhaut!
Empfehlungen und Tipps
- An der Bremse sollte nicht gespart werden.
- Ich habe die Sättel immer komplett zerlegt und die Kolben inspiziert, dabei sollten auch die die Dichtringe getauscht werden.
- Bei dieser Gelegenheit den Zylinder schön sauber machen und die Kolben dann mit Silikonfett einschmieren.
- Meiner Meinung nach gehört die obige Prozedur bei jedem Belagwechsel gemacht, weil durch blosses zurückdrücken des Kolbens kommt der Schmutz im System zwischen die Kolbengleitfläche.
- Die Qualität Eurer Beiträge dürft ihr selbst beurteilen.
- Ich habe eine R65 gangbar zu machen und brauche sicher mal den einen oder anderen Tipp.
- Wichtig ist alles schön sauber machen.
Zusätzliche Informationen
Falls sich das Teil auch an der Bremsleitung nicht bewegen lässt, einfach mal einen Tag in Bremsflüssigkeit einlegen.
Was auch helfen könnte ihn mal eine Stunde bei 250° im Backofen liegen lassen und danach noch mal in den Froster. Metall dehnt sich ja auch bei Hitze zeiht sich bei Kälte zusammen.
Bei Verwendung von Druckluft nen Lappen dick gewickelt davor, sonst schießen die vielleicht.
Und ich habe vergessen zu sagen, dass das Teil ausgebaut WAR. Liegt geschätzt 7 Jahre in der Kiste. So wie alle Teile von diesem Motorrad. Alles andere sieht schon aus wie neu, jetzt müssen noch die Bremsen gemacht werden.
Hauptsache Küchenpapier mit Blümchen. Dann kann ja nur alles gut werden. Aldi hat schönes Küchenpapier.
Ich hatte den schon im Schraubstock, auch damit konnte ich das Teil nicht lösen. Mit Kraftaufwand ist da nicht auszurichten.
Ich werde es morgen/heute mit der Fettpresse versuchen, das scheint mir an vielversprechendsten zu sein. Muss kucken, ob unser Vermieter eine hat, ich habe ja so gut wie nichts mehr nach dem letzten Umzug.
Hallo, dass man sich von so einem Bremssattel nicht unterkriegen lassen will, kann ich ja verstehen. Aber ich möchte gar nicht wissen, wie der Kolben aussieht, wenn er denn draußen ist. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kannst Du den entsorgen.
Den Bremssattelkolben für die 5G5 scheint es, wenn überhaupt, nur als Originalteil zu geben.
Bei einer voll betriebsfähigen Bremse lassen sich die Kolben mit den Fingern zurückdrücken.
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