Bremskolben am Motorrad zurückdrücken: Eine Anleitung

Das Zurückdrücken der Bremskolben ist ein wesentlicher Schritt beim Wechseln der Bremsbeläge am Motorrad. Hier finden Sie eine detaillierte Anleitung, die Ihnen hilft, diese Aufgabe sicher und effektiv durchzuführen.

Vorbereitung und Allgemeine Hinweise

Bevor Sie mit der Arbeit an den Bremsen beginnen, sollten Sie sicherstellen, dass Sie alle notwendigen Werkzeuge und Materialien zur Hand haben. Dazu gehören:

  • Bremsenreiniger
  • Zahnbürste oder weicher Lappen
  • Bremszylinderpaste oder Silikonöl
  • Bremskolbenrücksteller oder Rohrzange (mit Schutz)
  • Neue Bremsbeläge
  • ggf. neue Sicherungssplinte oder Sicherungsscheiben

Es ist wichtig, im Vorfeld zu klären, ob das Motorrad über eine elektronische Feststellbremse verfügt. Im schlimmsten Fall kann durch eine solche Aktion die Elektronik und auch die Mechanik innerhalb des Bremssattels deutlichen Schaden nehmen und zu teuren Reparaturen führen. Bei elektronischen Feststellbremsen muss man diese in den meisten Fällen zunächst in den Wartungsmodus stellen und den Bremskolben zurückdrehen. Nach der Arbeit an den Bremsen, wie dem Zurückdrücken des Bremskolbens, sind diese wieder zu kalibrieren.

Wichtig: Arbeiten an der Bremsanlage erfordern Sorgfalt und Präzision. Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie die Arbeit von einer Fachwerkstatt durchführen lassen.

Reinigung und Vorbereitung der Bremskolben

Die Kolben kann man jedenfalls einfach mit einer Zahnbürste und Spüli-Wasser sauber machen. Vor dem "Zurückdrücken" die Bremskolben immer gründlich aber (oberflächen-)schonend reinigen oder mind. mit Silikonöl/Brunox benetzen. Die Kolben lassen sich mit einem Schraubendreher zwischen den alten Belägen leicht zurück drücken. Vorher etwas Bremszylinderpaste dran.

Bremsenreiniger an den Gummi Dichtungen ist halt so eine Sache. Bremsenreiniger gehört nur an die Bremsscheibe! oder in den versifften Kettenritzelkasten... Reinigen mit DOT 4 ?

Ich stecke bei ausgebautem Bremssattel die Alten Beläge wieder rein und betätige dann die Bremse. Die Kolben kommen dann weiter raus, den Dreck entferne ich mit Petroleum und ner Zahnbürste- danach mit etwas Bremsenreiniger absprühen.

Achtung: Bremsenreiniger ist aggressiv und gesundheitsschädlich. Bei Benutzung darauf achten, dass die Werkstatträume gut gelüftet werden. Nicht rauchen! Nicht auf die Haut oder in die Augen sprühen! Einatmen der Dämpfe vermeiden!

Zurückdrücken der Bremskolben

Du schraubst den Bremsflüssigkeitbehälter auf (somit hast Du weniger Gegendruck), nimm eine Wasserpumpenzange & drücke die Backen einzeln zurück.

Wenn man keinen "Bremskolbenrücksteller" hat, nimmt man eine Rohrzange, so mach ich das seit 20 Jahren.Es langen auch 2 größere Schraubendreher. Rohrzange geht natürlich auch, aber die Gefahr den Bremssattel zu verkratzen wenn man nix unterleg, ist groß. Und die Kolben verkanten sich leichter.

Zum Zurückdrücken die Bremskolben immer gründlich aber (oberflächen-)schonend reinigen oder mind. mit Silikonöl/Brunox benetzen.

Wichtig: Bremshebel bei abgebautem Bremssattel und/oder ausgebauten Klötzen nicht betätigen! Sonst fahren die Bremskolben ungehindert aus und müssen mühsam wieder in den Bremssattel gedrückt werden. Sie können sogar ganz aus ihren Bohrungen herausrutschen.

Alternative Methoden und Werkzeuge

  • Bremskolbenrücksteller: Ein spezielles Werkzeug, das das Zurückdrücken erleichtert und das Risiko von Beschädigungen minimiert.
  • Schraubzwinge: In Kombination mit einer passenden Unterlegescheibe kann eine Schraubzwinge verwendet werden, um den Kolben gleichmäßig zurückzudrücken.

Nach dem Zurückdrücken

Nach dem Zurückdrücken der Kolben, neue Bremsbeläge sind nun drin und es bremst sich ne ganze Ecke besser als mit den Alten.

Durch Pumpen am Bremshebel Druck im System aufbauen, bis die neuen Bremsbeläge an der Scheibe anliegen. Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen (Spezifikation im Betriebshandbuch nachlesen). Erst bei deutlich fühlbarem Druckpunkt ist die Bremse betriebsbereit!

Wichtig: Bremsflüssigkeit ist aggressiv und gesundheitsschädlich. Deshalb von Haut und Körper, aber auch von Lack und Kunststoff fernhalten! Mit Handschuhen arbeiten. Danebengegangene Tropfen mit reichlich Wasser wegspülen.

Besondere Hinweise zu ABS und Bremsflüssigkeit

Kupferpaste soll aufgrund seiner el. Leitfähigkeit die ABS-Sensoren stören. Inzwischen gibt es Keramikpasten die diesbezüglich unauffällig sind.

Ich habe bei allen Arbeiten an der Bremsanlage meines Motorrades hinterher die Bremsflüssigkeit gewechselt. Danach muss entlüftet werden. Vorsicht, Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, d.h. sie nimmt Wasser aus der Umgebungsluft auf. Nur Flüssigkeit aus verschlossenen Behältern nachfüllen. Im Zweifelsfalle neue DOT 4 Bremsflüssigkeit kaufen. Ausserdem greift Bremsflüssigkeit Lack und die Haut an.

Zusätzliche Tipps und Informationen

  • Reinigung: Eine betriebsfertige und funktionierende Bremse ist selbstreinigend. Lediglich beim Belagwechsel kann mit Druckluft ausgeblasen werden. Bremsscheiben müssen nicht gereinigt werden, allenfalls vor dem Einsetzen neuer Beläge mit Druckluft abblasen.
  • Austausch von Dichtungen: Bei festsitzenden Kolben ist eine Überholung des Bremssattels fällig und alle Dichtungen sollten dabei grundsätzlich erneuert werden.
  • Schleifpapier: Die Bremskolben kann man mit feinem Schleifpapier wieder gängig machen (800er oder feiner), dabei aber umsichtig vorgehen. Vor dem Wiedereinbau dünn mit Bremsenpaste oder Kupferpaste bestreichen.
  • Bremsbeläge einfahren: Neuen Bremsbelägen darf man keinesfalls schon bei der ersten Bremsung ihre maximale Leistung abfordern, sondern sie müssen sorgsam und mit Gefühl eingefahren werden. Die Einfahrzeit sollte 100 bis 150 Kilometer betragen.

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