So manches Zweirad hat beim Kauf noch keine Fahrradbeleuchtung vormontiert und man möchte die Lampen und Kabel selbst anbringen, doch wie genau? Diese Anleitung richtet sich eher an Anfänger und wird diverse Speziallösungen (Verlegung in der Gabel usw.) ausklammern.
Verkabelung: Eindraht- oder Zweidrahtsystem?
Zuerst möchten wir auf die Verkabelung im Allgemeinen eingehen. Es gibt zwei Verfahren: die Eindraht- und die Zweidrahtverkabelung (Doppelkabel mit zwei Adern).
Zweidrahtverkabelung
Bei der Zweidrahtverkabelung gibt es das "stromführende Kabel" und den "Masseanschluss". Ein doppeladriges Lichtkabel hat in der Regel eine schwarz-weiße und eine schwarze Ader. Die schwarz-weiße Ader wird für den Masseanschluss verwendet.
Eindrahtverkabelung
Bei der Eindrahtverkabelung fällt das Kabel für den Masseleiter weg. Hier läuft die "Masse" über den leitenden Fahrradrahmen. Die Eindrahtmethode kommt allerdings immer weniger zum Einsatz. So mancher Fahrradrahmen kommt schon nicht mehr komplett in leitendem Metall daher.
Außerdem ist die Eindrahtmethode fehleranfälliger, da die Kontaktstellen am Rahmen rosten, also korrodieren können und dieses dann zu Unterbrechungen beim Stromfluss führen kann. Wir gehen aus diesem Grund hier nur auf die Zweidrahtverkabelung ein.
Polarität beachten!
An allen Komponenten der Fahrradbeleuchtung, wie Nabendynamo, Scheinwerfer und Rücklicht finden Sie an den Anschlüssen Symbole für "Plus" und "Minus", also stromführende Ader und Masseleiter. Achten Sie bei der Montage also darauf, die Anschlüsse nicht zu vertauschen/verkehrt herum zu polen, da sonst das Licht nicht leuchten kann.
Der Pluspol wird in der Regel mit einem + Zeichen versehen. Die Masse wird uneinheitlich mit verschiedenen Symbolen gekennzeichnet.
Montage des Rücklichts
Befestigen Sie die neue Rücklampe entsprechend hinten am Sattelrohr, Gepäckträger, Schutzblech oder Seitenstrebe am Fahrrad. Die Rücklampe wird mit einem Kabel direkt mit dem Frontscheinwerfer verbunden. Über ihn erhält die rückwärtige Leuchte auch das Einschaltsignal.
Verbindungskabel verlegen
Das Verbindungskabel von der Frontlampe zur Rücklampe sollte gut geschützt am Rahmen angebracht werden. Der einfachste und kürzeste Weg ist sicher über das Oberrohr des Rahmens. Hier ist das Lichtkabel allerdings nicht gut geschützt und kann bei einer unbedachten Bewegung und Sturz mit dem Bike abreißen.
Der sichere, wenn auch ein wenig längere Weg, ist die Verkabelung unter dem Tretlager entlang, bis nach hinten zum Rücklicht. Also an der unteren Strebe zur Nabe entlang und dann an einer nach oben führenden Strebe (Gepäckträgerstrebe) in die Nähe zum Rücklicht.
Befestigen Sie das Verbindungskabel unbedingt mit mehreren Kabelbindern oder mehreren Streifen Isolierband am Rahmen um es zu schützen.
Kabelverlegung im Rahmen
Bei vielen Fahrrädern gibt es auch die Möglichkeit, die Lichtkabel vom Frontscheinwerfer zur Rückleuchte direkt im Rahmen zu verlegen. Dieser muss allerdings entsprechende Bohrungen aufweisen, in die das Kabel in das Innere gesteckt und auch wieder herausgeführt werden kann. Der Vorteil hierbei ist eine fast unsichtbare Verlegung der Verbindungskabel.
Allerdings ist die Verlegung im Rahmeninneren eine recht kniffelige Angelegenheit; vor allem das vorne eingeführte Kabel aus der hinteren Bohrung wieder herauszubekommen. Einfacher geht das Ganze, wenn Sie ein bereits vorhandenes Kabel ersetzen wollen. Dann können Sie das neue Kabel mit etwas Klebeband am alten befestigen und dann hinten so weit herausziehen bis das neue Lichtkabel zu sehen ist.
Flachsteckerhülsen verwenden
Um das Lichtkabel mit seinen blanken Enden an den Kontakten der Rücklampe zu befestigen, sollten Sie die beiden Adern des Kabels mit sogenannten Flachsteckerhülsen versehen und diese dann auf die beiden Flachstecker der Rückleuchte stecken. Die Stecker sollten auf keinen Fall wackeln, sondern ordentlich fest sitzen.
Gegebenenfalls sollten Sie die Stecker mit einer Flachzange etwas zusammenpressen.
Testfahrt durchführen
Führen Sie jetzt eine Testfahrt durch und betätigen Sie den Schalter am Frontscheinwerfer. Prüfen Sie ob die hintere Lampe auch leuchtet.
Alternative Verkabelungsmethoden
Generell gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, man verlegt zwei Kabel (bzw. Bei der Eindrahtverkabelung spart man sich ein wenig Draht. Es wird also ein Doppelkabel vom Dynamo zum Scheinwerfer gelegt und ein weiteres Doppelkabel von zwei Anschlüssen des Scheinwerfers zum Rücklicht.
Jeder Scheinwerfer der für Nabendynamos geeignet ist, besitzt diese zusätzlichen Anschlüsse für das Rücklicht.
Auch wenn ein Dynamo Wechselstrom liefert, sollte man die Polarität beachten. Denn teilweise ist sowohl die Masse des Nabendynamos als auch die Masse des Scheinwerfers mit dem Rahmen verbunden.
Ein Doppelkabel besteht i.d.R. aus einem schwarzen und einem schwarz-weißen Kabel. An Dynamo, Scheinwerfer und Rücklicht muss man nun natürlich wissen, welcher Anschluss der Masseanschluss ist.
Jetzt weiß man also, welches Kabel man wo anschließen muss und kann theoretisch loslegen. In der Praxis stellt sich natürlich vor allem die Frage, wie man das Kabel am besten verlegt und anschließt, damit die Verbindung möglichst lange hält.
Anschluss am Nabendynamo
Bei vielen Scheinwerfern kann man sich diesen Schritt sparen: das Anschlusskabel ist ohnehin bereits fest mit dem Scheinwerfer verbunden. Nun wird das Kabel an der Gabel bis zum Nabendynamo verlegt. Damit das Kabel auch an der Gabel bleibt, wird es dort in regelmäßigen Abständen befestigt. Meistens werden dazu Kabelbinder verwendet.
Wenn man das ganze nun noch etwas robuster machen möchte, kann man auch zusätzlich einen Isolierschlauch bzw. Bougierrohr (ca. 5-6 mm Durchmesser) verwenden. Durch dieses schiebt man das Scheinwerferkabel hindurch und befestigt es dann, ebenfalls mit Kabelbindern oder Isolierband, am Rahmen.
Zuletzt fehlt nun noch der Anschluss des Kabels am Nabendynamo. Hier gibt es je nach Hersteller unterschiedliche Systeme. Am weitesten verbreitet dürften Nabendynamos von Shimano sein. Hier wird zum Dynamo ein kleiner Stecker mitgeliefert (auch einzeln erhältlich, z.B. *Anzeige: Amazon).
Um diesen zu öffnen, drückt man die kleine Lasche mit einem Schraubenzieher herein und zieht das Innenteil heraus. Die beiden Kontakte des Anschlusskabels werden dann ca. 1,5 cm abisoliert und von oben durch das Innenteil geführt (Polung beachten, Massesymbol ist auf dem Innenteil aufgeprägt). Die Kontakte dann nach oben biegen und das Außenteil wieder auf den Stecker schieben. Ganz ähnliche Stecker verwenden übrigens SRAM, Shutter Precision und Supernova. Nur die SON-Nabendynamos verwenden ein anderes System.
Zusätzliche Tipps zur Kabelverlegung
Zunächst wird man das Kabel irgendwo am Rahmen entlang verlegen müssen. Der kürzeste Weg wäre entlang des Oberrohrs. Das ist jedoch eher nicht empfehlenswert, da das Kabel dort besonders anfällig gegenüber Beschädigungen ist. Eine Möglichkeit ist es auch, das Kabel auf der kompletten Länge mit Isolierband zu überkleben.
Wesentlich eleganter, aber auch aufwändiger ist es, das Kabel im Rahmen zu verlegen. Das geht allerdings nur, wenn entsprechende Bohrungen im Rahmen vorhanden sind. Die Schwierigkeit ist dann, das Kabel hier hindurch zu bekommen.
Nun gibt es eine Möglichkeit, von der ich jedoch abraten würde. In manchen Schutzblechen sind Kontaktstreifen integriert, über die man den Strom leiten kann.
Ich würde daher lieber das Kabel wie gehabt weiter verlegen. Vom Tretlager bis zur Nabe und dort an einer Gepäckträgerstrebe bis zum Rücklicht nach oben. Auch hier erfolgt die Befestigung wieder mit Kabelbindern oder Isolierband. Wenn man zusätzlichen Isolierschlauch verwenden will, um das Ganze robuster zu machen, lohnt es sich hier übrigens besonders.
Abschluss am Rücklicht
Nun ist man also am Rücklicht angelangt und fast fertig. Jetzt kommt es darauf an, ob man die blanken Kabelenden sinnvoll am Rücklicht befestigen kann oder nicht. Manche Rücklichter sehen dafür verschiedene Klemmkontakte vor, andere aber auch nicht.
Wenn nicht, dann werden sich wohl auch hier 2,8 mm Flachstecker befinden. Man kommt dann leider nicht drum herum, am Kabelende noch zwei 2,8 mm Flachsteckhülsen zu montieren.
Auch am Frontscheinwerfer muss das Kabel noch angeschlossen werden, hier sind eigentlich immer 2,8 mm Flachstecker vorhanden. Bedenken sollte man, dass das Kabel nicht zu straff montiert werden darf, da es sonst durch den Lenkeinschlag beschädigt wird. Also hier etwas Spiel lassen.
Flachsteckhülsen montieren
Möglicherweise muss man bei der Montage der Fahrradbeleuchtung Flachsteckhülsen an einem Kabel montieren. Wenn man ein Kabel mit bereits montierten Flachsteckhülsen verwendet, erspart man sich etwas Arbeit.
Kabel ca. 5 mm abisolieren. Kabel in den Kabelschuh legen, die vorderen Flügel müssen über dem abisolierten Teil liegen, die hinteren Flügel über der Isolierung. Mit einer Crimpzange schließen.
Ein kurzes Stück Schrumpfschlauch über den Stecker legen und durch Wärmezufuhr schrumpfen. Die Isolierung per Schrumpfschlauch kann man zur Not auch weglassen. Aber es macht sich recht gut, weil der Stecker dann besser geschützt und isoliert ist.
Das E-Bike Bremslicht
Wer jedoch E-Bike fährt, hat den großen Vorteil eine Lampe direkt mit dem Akku des E-Motors zu betreiben. So wird kein zusätzlicher Akku an der Lampe gebraucht, ein aufgeräumtes Cockpit und die bequeme Bedienung der Lampe über die Steuereinheit des E-Bikes kommen noch dazu.
Allerdings muss die Spannung für die Leuchten direkt am Motor abgegriffen werden. Der Aufwand hierfür kann vom Entfernen von Verkleidungsteilen hin bis fast zur kompletten Motordemontage reichen.
Hilfe vom Fachmann
Ich hoffe diese Anleitung hat dir geholfen, deine Verkabelung anzubringen. Und für alle, die nach dem Lesen dieser Anleitung jetzt der Mut verlässt noch ein Tipp. So schwer ist das Ganze nicht. Aber zugegeben: wenn man das das erste Mal macht, wird man wohl eine ganze Weile benötigen.
Passionierte Bastler wird das nicht abschrecken, aber allen anderen empfehle ich, mal im nächstgelegenen Fahrradgeschäft nachzufragen. Die wissen in der Regel wie man sowas macht und haben das nötige Material da.
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