Die Funktion des Bremssattels beim Fahrrad

Ein Bremssattel ist unverzichtbar für die Funktion deines Fahrradbremssystems. Er sorgt dafür, dass die Bremskraft zuverlässig auf die Bremsscheibe übertragen wird. Ohne dieses Bauteil würde dein Fahrrad nicht sicher zum Stehen kommen.

Im Inneren des Bremssattels befinden sich die Bremsbeläge, die beim Bremsvorgang auf die Bremsscheibe gepresst werden. Dieses Zusammenspiel erzeugt die Reibung, die schließlich dein Fahrrad verlangsamt oder stoppt. Dabei spielt es keine Rolle, ob hydraulische oder mechanische Bremsen verbaut sind.

Sobald du den Bremshebel betätigst, wird entweder Hydraulikflüssigkeit (bei hydraulischen Bremsen) oder ein Bremszug (bei mechanischen Bremsen) aktiviert. Diese Kraft wird genutzt, um die Bremsbeläge durch Kolbenmechanismen auf die rotierende Bremsscheibe zu drücken.

Hydraulische vs. Mechanische Bremssättel

Es gibt mechanische und hydraulische Scheibenbremsen. Während erstere die Kraft mithilfe von Bremszügen vom Bremshebel auf den Bremssattel übertragen, verwenden zweitere eine Flüssigkeit (Mineralöl oder DOT) in einer Hydraulikleitung.

Diese Modelle nutzen Hydraulikflüssigkeit, um die nötige Bremskraft zu erzeugen. Sie sind besonders effizient und bieten ein direktes, kraftvolles Bremsgefühl. Vor allem bei Mountain-, Gravel- oder Rennrädern kommen hydraulische Bremssättel häufig zum Einsatz.

Mechanische Varianten kommen ohne Hydraulikflüssigkeit aus und übertragen die Kraft über einen Zugseilmechanismus. Vor allem bei Tourenrädern und Einsteigermodellen sind diese Bremssättel verbreitet.

Die wichtigsten Bauteile der Scheibenbremse

  1. Bremsscheibe: Bremsscheiben sind eine einfache Möglichkeit, die Bremsen zu tunen. Kleine Scheiben mit 160 Millimetern Durchmesser kommen mittlerweile fast nur noch am Hinterbau von Racehardtails zum Einsatz. Mit Durchmessern von 180 Millimetern ist der Durchschnitts-Biker gut bedient. Gravity-Fans wählen für mehr Reserven auf Abfahrten 200 Millimeter Durchmesser oder mehr. Auch das Material und die Dicke der Scheibe haben Einfluss auf die Bremskraft. Zweiteilige Modelle wie die Icetech von Shimano leiten mit Alu-Bauteilen die Hitze besser ab. Hundertprozentigen Schutz vor Fading bei Überhitzung bieten aber auch sie nicht.
  2. Bremssattel: Im Bremssattel sitzen die Bremskolben, die von beiden Seiten Druck auf die Bremsbeläge und die Scheibe ausüben. Mittlerweile haben sich Vier-Kolben-Systeme durchgesetzt. Sie arbeiten materialschonender, verteilen den Druck auf eine größere Fläche und erzeugen im Grenzbereich meist höhere Bremskräfte. Auch die Standfestigkeit der Bremse gegen Überhitzung ist bei Vier-Kolben-Modellen in der Regel höher. Die Bremsflüssigkeit dient als Medium, um den Druck vom Geberkolben am Bremshebel auf den Nehmerkolben am Bremssattel (Bremszange) zu übertragen.
  3. Bremsbeläge: Reibung erzeugt Hitze. Deshalb bestehen Bremsbeläge aus temperaturstabilen Materialien. Bei organischen Belägen kommen spezielle Kunstharzmischungen zum Einsatz. Gesinterte Bremsbeläge bestehen aus Metall. Je höher der Reibwert der Beläge, desto kraftvoller packen sie zu. Manche Nachrüstbeläge können die Leistung der Bremsanlage verbessern.
  4. Bremsgriffe: Mit dem Bremsgriff lässt sich die Bremskraft modulieren und mehr oder weniger fein dosieren. Der Griff übersetzt die Fingerkraft zunächst mechanisch über den Hebelarm des Griffs und dann hydraulisch: Im Inneren sitzt die Hochdruckpumpe, ein kleiner Geberkolben, der den Bremsdruck erzeugt und via Druckleitung zum Bremssattel schickt. Im Griff integriert ist ein kleiner Behälter mit einem Ausgleichsvolumen, das Bremsflüssigkeit freigibt, wenn sich die Beläge abschleifen und die Kolben weiter ausfahren. Zum Bremsen reicht ein Finger, bei kraftvollen Bremsmanövern und länger andauernden Bremsungen in steilem Gelände kann man auch mal mit zwei Fingern zupacken. Alle übrigen Finger sollten stets den Lenker fest im Griff haben!

Verschiedene Bremsenarten

Je nachdem, ob du ein Citybike, Rennrad, Mountainbike oder Trekkingrad fährst, gibt es verschiedene Bremsenarten, die unterschiedliche Merkmale und Vorzüge haben:

  • Bremsen mit Bremsklötzen: Bei diesen Bremsen kommen Bremsklötze aus Gummi zum Einsatz, die beim Betätigen der Bremshebel gegen die Felge gepresst werden. Dieses weit verbreitete System bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Diese leicht zu installierenden und wartenden Bremsen werden häufig bei Citybikes und Rennrädern verbaut. Sie sind vor allem bei trockenem Wetter optimal, bei feuchten Straßen verlieren sie etwas an Leistung. „V-Brake“-Bremsen sind Felgenbremsen, die leistungsstärker und besser geeignet für Reisefahrräder sowie Mountainbikes sind. Bei diesen häufig mit schwierigeren Bedingungen verbundenen Nutzungsarten kann der Bremsvorgang dank der V-Brakes besser dosiert werden und die höhere Bremskraft im Vergleich zu herkömmlichen Felgenbremsen macht sich positiv bemerkbar.
  • Scheibenbremsen: Die insbesondere bei MTBs immer beliebteren Scheibenbremsen bestehen aus einer Metallscheibe (aus rostfreiem Stahl), die an der Radnabe angebracht ist. Eine Art Klammer (Bremssattel) mit kleinen Bremsbelägen wird gegen diese Scheibe gepresst, um die Geschwindigkeit zu reduzieren. Der Vorteil dieses Bremsentyps liegt in der im Vergleich zu einer Felgenbremse höheren Bremskraft, vor allem bei feuchter Witterung. Es gibt mechanische und hydraulische Scheibenbremsen. Hydraulische Scheibenbremsen verfügen in der Regel über eine höhere Bremskraft und präzisere Dosierbarkeit. Heutzutage stellen Marken wie Shimano oder SRAM sehr leistungsstarke Scheibenbremsenmodelle her.

Pflege und Wartung

Um die optimale Funktion deines Bremssattels zu gewährleisten, solltest du folgende Punkte beachten:

  • Reinigung: Verunreinigungen durch Schmutz und Dreck können die Funktion beeinträchtigen.
  • Kontrolle der Bremsbeläge: Verschlissene Bremsbeläge beeinträchtigen die Bremskraft erheblich.
  • Kompatibilität prüfen: Achte darauf, dass Bremssattel, Bremsscheibe und Bremsaufnahme zusammenpassen.

Trouble-Shooting Bremse

Die Bremse quietscht oder zieht nicht mehr richtig? Keine Panik, oft lassen sich die Ursachen mit ein paar Handgriffen beseitigen. Die besten Tipps für mehr Brems-Power.

  1. Quietschende Bremse
    • Problem: Beim Ziehen am Bremshebel quietscht die Bremse nervtötend.
    • Lösung: Grund dafür sind meist verunreinigte Bremsbeläge. Weitere Begleiterscheinung ist meist eine schlechtere Bremsleistung. Bei kleineren Verunreinigungen hilft es, die Bremse neu einzubremsen oder die Beläge mit feinem Sandpapier abzuschleifen. Hinterher beseitigt man Staub und Schmutzreste mit einem speziellen Bremsenreiniger. Am besten damit auch gleich noch die Bremsscheibe säubern.
  2. Wechsel Bremsflüssigkeit
    • Problem: Mit neuer Bremsflüssigkeit funktioniert die Bremse schlechter als zuvor.
    • Lösung: Vorsicht! Falsche Bremsflüssigkeit zerstört die Dichtungen der Bremse. Manche Bremsen arbeiten mit Mineralöl. Vorteil: längere Wartungsintervalle. Bei anderen Bremsenmodellen kommt DOT-Bremsflüssigkeit zum Einsatz. Sie muss im Schnitt einmal jährlich erneuert werden. DOT und Mineralöl unterscheiden sich in ihren chemischen Eigenschaften. Unbedingt vor dem Wechsel die erforderliche Bremsflüssigkeit checken.
  3. Druckpunkt
    • Problem: Die Bremsen greifen erst, wenn der Bremshebel bis zum Lenker durchgezogen ist.
    • Lösung: Ein später oder schwammiger Druckpunkt kann mehrere Gründe haben:
      1. Die Bremsbeläge sind verschlissen. Dann reicht das Öl im hydrau­lischen Behälter nicht mehr aus, um genügend Druck im System zu erzeugen. Sind die Beläge bis zur Verschleißmarkierung auf der Trägerplatte runtergebremst, hilft nur noch ein Belagswechsel.
      2. Die Weite der Bremshebel ist zu eng eingestellt (siehe Punkt 4). In diesem Fall die Griffweite mit der Einstellschraube vergrößern.
      3. Luft im System der Bremse. Um die Bremse zu entlüften, sind Spezialwerkzeuge nötig. Da die Bremse ein sicherheitsrelevantes Bauteil ist, raten wir, das Entlüften im Bikeshop vornehmen zu lassen.
  4. Bremsgriff einstellen
    • Problem: Falsch montierte Bremshebel verringern die Bremsleistung und schmälern den Komfort beim Fahren.
    • Lösung: Oft sitzen die Bremsen zu weit außen. Die Befestigungsschraube lockern und die Hebel so weit nach innen am Lenker schieben, bis man den äußeren Teil des Hebels mit dem Zeigefinger greift. So hat man einen besseren Hebel, kann kraftvoller und dosierter bremsen. Die Neigung der Bremse so einstellen, dass Arm und Hand in etwa eine Achse bilden und kein übermäßiger Druck das Handgelenk belastet. Die Griffweite mit der Rändelschraube an der Bremse in etwa so einstellen, dass am Druckpunkt der Bremshebel parallel zum Lenker steht.
  5. Schleifende Bremse
    • Problem: Ohne am Bremshebel zu ziehen, schleifen die Bremsbeläge leicht an der Scheibe. Unregelmäßige Schleifgeräusche an der Bremse können an einer verbogenen Bremsscheibe liegen.
    • Lösung: Durch Überhitzung oder Schäden beim Transport kann die Bremsscheibe verbiegen. Mit einem speziellen Richtwerkzeug, in das der Rand der Scheibe eingeklemmt wird, lässt sich diese wieder gerade ausrichten. Achtung, dabei die Scheibe nicht mit fettigen oder öligen Fingern berühren. Richten Sie dann den Bremssattel neu aus.

2-Kolben- vs. 4-Kolben-Bremsen

Das Prinzip von 4-Kolben-Bremsen ist das gleiche wie bei 2-Kolben-Bremsen, nur dass anstatt zwei vier Kolben bewegt werden. Dadurch haben sie bei gleicher Hebelkraft mehr Bremspower als 2-Kolben-Scheibenbremsen.

Um die richtige Bremse zu wählen, sollte man sich zuerst mal im Klaren sein, wo die Bremse eingesetzt wird. Eher im Cross Country oder in Richtung Gravity. Generell kann man sagen, dass 4-Kolben-Bremsen mehr Bremspower bei gleicher Hebelkraft aufbringen. Somit sind sie eher für die abfahrtslastigen Fahrstile geeignet.

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