Die Funktion des Motorrad-Hinterradbremssattels

Der Bremssattel ist ein wesentlicher Bestandteil der Scheibenbremse eines Motorrads. Er besteht zumeist aus einer Aluminiumlegierung und unterscheidet sich in Festsattel- und Schwimmsattelzange.

Festsattel- und Schwimmsattelzangen

Die Festsattelzange ist starr an der Gabel befestigt und verfügt über Bremskolben auf beiden Seiten der Bremsscheibe. Diese Bremskolben drücken bei Betätigung des Bremshebels auf die Scheibe.

Der Schwimmsattel ist beweglich an der Gabel montiert und lässt sich auf meistens zwei Bolzen parallel zur Radachse verschieben, er schwimmt. Der oder die Kolben befinden sich lediglich auf der äußeren Bremsscheibenseite. Beim Bremsen legt sich zuerst der vom Kolben betätigte Belag an die Scheibe an, bei weiterem Druckaufbau verschiebt sich die gesamte Zange, bis der direkt in der Zange befindliche Belag auf der anderen Seite an der Bremsscheibe anliegt.

Bestandteile und ihre Funktionen

Bremsflüssigkeit: Flüssigkeit auf Glykolbasis, die den über die Bremshebel ausgelösten Druck auf die Bremskolben weiterleitet. Bremsflüssigkeiten werden nach DOT-Klassen spezifiziert, die zum Beispiel den Siedepunkt definieren. Am gebräuchlichsten ist DOT 4, zuweilen auch DOT 3 oder DOT 5.1. Diese können miteinander vermischt werden. Eine Ausnahme ist die auf Silikon basierende Bremsflüssigkeit DOT 5, wie sie Harley-Davidson und Buell für viele Modelle vorschreiben.

Die Spezifikationen geben in erster Linie die Siedepunkte an: DOT 3 bei 205°C, DOT 4 bei 230°C, DOT 5 und 5.1 bei 260°C. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch (wasseranziehend) und muss deshalb regelmäßig ausgetauscht werden, weil eventuell vorhandenes Wasser den Siedepunkt der Flüssigkeit senkt, was zu Dampfblasenbildung und schlimmstenfalls zum Ausfall der Bremse führt.

Bremsleitungen: Teilen sich auf in Gummi- und Stahlflexleitungen. Gummileitungen sind kostengünstig herzustellen, brauchen jedoch regelmäßige Pflege, dehnen sich im Lauf der Zeit aus und altern, so dass sie nach etwa fünf Jahren ausgetauscht werden müssen. Stahlflexleitungen sind alterungsbeständig und besitzen zumeist einen gegenüber Gummileitungen klarer definierten Druckpunkt, der sich nicht verändern kann.

Bremsscheibe: Radseitiger Teil einer Scheibenbremse, auf die die Bremsbeläge wirken, um die Bewegungsenergie in Wärme umzuwandeln und damit ein Fahrzeug zu verzögern. Sie besteht aus der eigentlichen Bremsfläche und einem Träger, der die Scheibe mit der Nabe verbindet. Bremsscheiben und -beläge können bei intensiver Beanspruchung 500° C und mehr erreichen. Eine Besonderheit stellen im Rennsport gebräuchliche Kohlefaser-Scheiben dar. Wave-Bremsscheiben mit welligem Design stammen aus dem Motocross.

Wartung und mögliche Probleme

Reinigung und Schmierung

Es ist ratsam, den Bremssattel bei jedem Reifenwechsel zu demontieren, um den Bremskolben und die Gleitschäfte der Schrauben zu reinigen und leicht mit Silikonfett zu bestreichen. Etwas Montagepaste auf das Gewinde hilft ebenfalls.

Feststellung von Problemen

Beim Wechsel der hinteren Bremsscheibe und der Beläge kann es vorkommen, dass der hintere Bremssattel seine schwimmende Eigenschaft verloren hat. In diesem Fall kann Oxidation die Gleitfunktion vereiteln. Es ist wichtig zu prüfen, ob die Bremsbeläge gleichmäßig abgefahren sind.

Ein weiteres Problem kann ein Spiel des Bremssattels sein, das sich durch Wackeln äußert. Alle Schrauben sollten fest sein, und es sollte geprüft werden, ob die Bremsscheibe einen Seitenschlag hat.

Behebung von Problemen

Wenn der Gleitbolzen fest sitzt, kann man versuchen, ihn mit Rostlöser und einem Bremskolbenrückdrücker zu lösen. Manchmal ist es notwendig, die vordere Manschette zu zerstören, um an den Bolzen zu gelangen.

Wenn die Bremse schleift und heiß wird, sollten die Bremskolben und Gleitflächen gereinigt und geschmiert werden. Auch das Spiel am Bremspedal sollte überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Bremse nicht heiß läuft.

Ersatzteile

Es kann schwierig sein, einzelne Gleitbolzen als Ersatzteil zu bekommen. Dies liegt daran, dass sie bei sachgemäßer Wartung lange halten. Wenn sie jedoch beschädigt sind, muss möglicherweise der gesamte Sattel ausgetauscht werden.

Zusätzliche Tipps

  • Beim Reifenwechsel hinten müssen die Gleitstifte nicht demontiert werden. Die komplette Bremsplatte kann mit dem Sattel zusammen gelassen werden.
  • Beim Einbau ist darauf zu achten, dass die Bremsplatte richtig in der Schwingen Nut sitzt.
  • Es ist ratsam, in hochwertige Schrauben zu investieren, um Probleme mit dem Gewinde zu vermeiden.

Anlauffeder

Die Anlauffeder hält die Beläge unter Vorspannung im Schwimmsattel. Eine beschädigte oder falsch positionierte Feder kann zu Problemen führen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0