Die neue Shimano XT BR-M8020 Vierkolbenbremse verspricht Bremskraft satt.
Ob sie den Ansprüchen gerecht wird, hat bc-Racingteam-Fahrer Björn getestet!
Shimano präsentierte im Rahmen der Eurobike 2017 die neue Shimano XT Scheibenbremse BR-M8020.
Der neue Vierkolbenbremssattel, den der Hersteller von einer bestehenden Vierkolbenbremse übernahm und somit mit bewährter Technik die XT-Familie erweitert, spricht aggressive Trailrider sowie eMTB-Fahrer an, die hohe Bremskraft bei guter Dosierbarkeit suchen.
Das trifft auch auf mich zu, mit fahrfertigen 94 kg, straff und progressiv abgestimmtem Fahrwerk und einem verspielten Fahrstil brauche ich Bremspower satt.
Die neue Shimano XT BR-M8020 Vierkolbenbremse
Während Shimano beim Bremshebel auf den bewährten XT M8000 Bremsgriff setzt, liegt das neue voluminöse Gehäuse des Vierkolbensattels schwer in der Hand und erklärt das Mehrgewicht von ca. 30 g pro Bremssattel zur Shimano BR-M8000 (Bremshebel und Leitung sind die Gleichen).
Die Kühlrippen der IceTec Beläge und die Kühlhülse am Ansatz der Bremsleitung, zur besseren Wärmeableitung, veranschaulichen noch mehr, dass größter Wert auf Haltbarkeit und Bremskraft gelegt wurde.
Der kurze, ergonomische Bremshebel liegt gut in der Hand, ist angenehm abgerundet und hat eine werkzeuglose Hebelweiteneinstellung.
Die Verstellung des Leerwegs (Druckpunkt) wird über eine Kreuz-Schlitzschraube vorgenommen.
Die zweite Generation I-Spec erlaubt es den Schalthebel und Bremsgriff an einer Klemmschelle zu montieren, trotzdem ist eine unabhängige Ausrichtung beider Komponenten möglich.
Das funktioniert unwahrscheinlich gut, spart Gewicht und das Cockpit sieht aufgeräumt aus.
Mechanische Sicherheitsvorkehrungen an allen wichtigen Schrauben und Bolzen, Oberflächenbeschaffenheit und Verarbeitungsqualität hinterlassen einen sehr guten Eindruck, was meine Erwartungen an ein Produkt in dieser Preisklasse erfüllt.
Shimano setzt auch bei der Vierkolbenbremse auf die bewährten Bremsgriffe der XT-Serie.
Die Ergonomie der Bremshebel ist hervorragend.
Aufbau und Funktion
Was unterscheidet eine Vierkolbenbremse von einer Zweikolbenbremse?
Das Prinzip einer hydraulischen Vierkolbenbremse ist das gleiche Prinzip wie bei einer herkömmlichen hydraulischen Zweikolbenbremse, wie sie an den meisten Mountainbikes zu finden ist.
Dabei wird der Trägerstoff (Mineralöl oder DOT) über eine angelegte Kraft am Bremshebel von dem Geberkolben zum Bremskolben weitergegeben.
Je mehr Flüssigkeit vom Geberkolben in das System gedrückt wird, desto weiter werden die Bremskolben hinausgedrängt und der Anpressdruck der Bremsbeläge auf die Scheibe erhöht sich.
Bei einer Vierkolbenbremse drücken, anders als bei der Zweikolbenbremse, je zwei Kolben, mit unterschiedlichem Durchmesser, auf einen Bremsbelag.
Das gewährt eine bessere Flächenpressung bei größerer Reibfläche der Bremsbeläge und bewirkt so die höhere Bremskraft.
Darüber hinaus kann ein Vierkolbenbremssattel Hitze, die vor allem beim Bremsen auf längeren Abfahrten entsteht, über die größere Fläche des Bremssattels besser abführen.
Begünstigt wird das schnelle Abführen von Hitze durch Beläge und Bremsscheibe mit IceTech Technologie und langer Kühlhülse am Ansatz der Bremsleitung.
Äußerlich unauffällig bietet die Shimano XT BR-M8020 maximale Bremspower.
Montage
Shimano ist für eine problemlose Montage bekannt und so geht es auch bei diesem Modell gewohnt leicht von der Hand.
Der Shimano-Bremsgriff lässt sich durch die geteilte Klemme, ohne Demontage der Griffe, schnell montieren.
Auch gelingt das schleiffreie Einstellen des Bremssattels durch einen großen Spalt zwischen Scheibe und Belägen schnell.
Das Kürzen der Leitung und damit verbundene Entlüften der Bremse erweist sich dank Shimanos One-Way Entlüftung als äußerst effektiv.
Befüllt ist die Bremse mit Mineralöl, welches umwelt- und hautfreundlicher ist als das von der Konkurrenz verwendete Dot.
Auf dem Trail
Bevor ich die neue Bremse auf dem Trail testen konnte, bremste ich die neuen „Resin“-Beläge zunächst auf einer Asphaltstraße ein.
Moderates Einbremsen ist wichtig, um Bremsscheibe und Bremsbelag aneinander zu „gewöhnen“.
Erst wenn ein Materialaustausch von Scheibe und Belag stattgefunden hat, erzielt eine Bremse hohe Reib- und gute Verschleißwerte und die Bremse steht verlässlich und kraftvoll zur Verfügung.
Erst danach ging es auf nasse und steile Trails im Teutoburger Wald.
Hier war weniger die maximale Bremskraft gefordert, vielmehr musste durch ein dosiertes Betätigen des Bremsgebers die Bremskraft so generiert werden, dass der Reifen viel Traktion auf den Boden bringt.
Kontrollierte Verzögerungen lassen sich mit niedrigen Fingerkräften über die ergonomischen, kurzen Hebel einleiten, sodass die Gratwanderung zwischen Traktion und Traktionsverlust gelingt.
Schließlich ist die Bremskraft einer Bremse nur nutzbar, wenn sie vom Fahrer dosiert werden kann und nicht unmittelbar zum Blockieren der Reifen führt.
Kommt es zur brenzligen Situation, in der die Bremse den Fahrer schnell und sicher zum Stehen bringen muss, ermöglicht die gleichmäßige Modulation der Bremsleistung dosierbare Standfestigkeit, um auch schwerere Fahrer sicher und schnell zum Stehen zu bringen.
Um maximale Standfestigkeit und Bremspower zu erreichen, empfehle ich am Vorderrad eine 200 mm Bremsscheibe zu montieren.
Insbesondere auf langen Abfahrten macht sich die Servo Wave Technologie positiv bemerkbar.
Diese spart viel Kraft, da durch eine Übersetzung der Hebelkraft nur geringe Fingerkräfte benötigt werden.
So wandern die Bremsbeläge zu Beginn des Bremsvorgangs zügig zur Bremsscheibe und verfügen dann immer noch über einen großen Teil des Hebelweges - um die Bremskraft gezielt zu dosieren.
Wer maximale Bremspower braucht, der ist mit Shimanos Vierkolbenbremse bestens bedient!
Lohnt sich der Umstieg auf die Vierkolbenbremse?
Nach einmonatigem Testzeitraum liefert die Shimano XT Scheibenbremse BR-M8020 keinen Grund zur Beanstandung.
Die organischen „Resin“-Beläge geben sich trotz Nässe unauffällig leise und zeigen keinen übermäßigen Verschleiß.
Auch findet keine Luft in das System.
Ergonomische Bremshebel, Standfestigkeit und Fertigungsqualität genügen höchsten Ansprüchen - Shimano liefert hier also erneut ein Spitzenprodukt in gewohnter Qualität ab.
Die Shimano BR-M8020 Vierkolbenbremse empfiehlt sich meines Erachtens bestens Bikern, denen maximale Bremskraft und Fading-Sicherheit besonders wichtig sind.
Für das sehr geringe Mehrgewicht zur Shimano BR-M8000 Zweikolbenbremse wird man durch noch mehr Bremskraft bei hervorragender Dosierbarkeit entschädigt.
Shimano XT M8100 Vierkolben Bremse im Dauertest
Unser 92 kg schwerer Testchef Felix hat die mittelpreisige Shimano XT M8100 Vierkolben Bremse - mit 203 mm Bremsscheiben vorne und hinten versteht sich - über 10 Monate in seinem abfahrtsorientierten NICOLAI G1 getestet.
Die großen Highlights der neuen Bremsen-Generation von Shimano stecken im Bremshebel.
Er ist nicht nur mit einer breiten Klemme am Lenker befestigt, sondern stützt sich auch beim Bremsen an einem zweiten Auflagepunkt an den Lenker.
So soll der Hebel beim Betätigen noch steifer und das Fingergefühl noch direkter sein.
Typisch Shimano kommt die Servo-Wave-Technologie zum Einsatz, bei der zu Beginn die Beläge schnell an die Scheibe gedrückt werden.
Im Verlauf des Hebelwegs verändert sich das Hebelverhältnis und die Bremse wird kräftiger.
Genau dadurch erzeugt Shimano das typische Fingergefühl, bei dem die XT M8100 sehr schnell,aber dennoch gut dosierbar zupackt.
Ebenso typisch ist die werkzeuglose Hebelweitenverstellung, die einen breiten Einstellbereich bietet.
Die neu designten Kühlrippen der ICE-TECH-Bremsbeläge sehen einfach klasse aus, klappern aber auf ruppigen Strecken laut und nervig.
Oftmals reicht es, die Belagfeder etwas weiter zu spreizen und die Beläge neu einzusetzen.
Wenn das nichts hilft, lässt sich das Problem mit etwas Klettband zwischen Sattel und Kühlrippen in den Griff bekommen.
Trotz anfänglichen Klappern setzt Felix weiterhin auf die ICE-TECH-Beläge mit Kühlrippen.
Auf dem Trail überzeugt die Shimano XT M8100-Bremse vor allem mit ihrer Bremspower, die sie auch ohne viel Handkraft früh und vor allem konstant bereitstellt.
Auch auf langen Abfahrten von 1.000 Höhenmetern und mehr konnte Felix trotz seiner 93 kg Gewicht die sehr hitzebeständige Bremse nicht überfordern.
Dazu tragen sicherlich auch die leichten ICE-TECH-Bremsscheiben mit Aluminiumkern und großzügigen Kühlflächen ihren Teil bei.
Doch ein Problem konnte Shimano auch mit der neuesten Bremsen-Generation nicht in den Griff bekommen: Der Druckpunkt der Shimano XT M8100-Bremse wandert vor allem auf ruppigen Trails beachtlich.
Bei einer Bremsung packt die Bremse genauso zu wie man es sich wünscht, während der Druckpunkt vor der nächsten Kurve viel weiter vom Hebel entfernt sitzt, nur um vor dem nächsten Steilstück fast am Griff zu liegen.
Unser Tester Felix bekam das Druckpunktwandern mit regelmäßigem Entlüften und Überfüllen des Hebels - mit der Trichter-Methode wenigstens schnell und einfach - in den Griff, ganz weg war es allerdings nie.
Beim Wechsel der Beläge ist dann allerdings Vorsicht geboten, um die Dichtungen des Bremshebels beim Zurückdrücken der Kolben nicht zu sehr zu belasten.
Hier empfiehlt es sich, den Entlüftungstrichter am Hebel anzusetzen und/oder die Druckpunktverstellung ganz zuzudrehen.
Mit der neuesten Generation der XT-Vierkolbenbremse ist Shimano nicht nur optisch ein absolutes Highlight gelungen.
Die XT M8100 zählt auch zu den kraftvollsten und standfestesten Bremsen auf dem Markt.
Love it or hate it - ersteres gilt für das Shimano-typische Hebelgefühl, das nicht nur unser Tester Felix sehr schätzt.
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