Nachdem die MAVEN-Bremse letztes Jahr den Markt bereit aufgemischt hat, tritt jetzt die neue SRAM Motive Bremse aufs Parkett. Sie soll auf lange Sicht die Level- und CODE-Scheibenbremse ersetzen und vom harten Down-Country- bis zum Trail-Einsatz alles abdecken. Gleichzeitig stellt SRAM ihr verschlanktes MTB-Bremsen-Portfolio vollständig auf Mineralöl um. Dafür bringt SRAM die neue Motive-Bremse auf den Markt, die mit vier Kolben, Mineralöl und geringem Gewicht Bestleistungen im Trail- und XC-Bereich liefern soll.
Damit soll sie die SRAM Level-Bremse, die als Vier- sowie Zweikolbenbremse erhältlich ist, nochmal übertreffen. Zusätzlich zur neuen Motive bringt SRAM auch noch eine neue Variante der MAVEN, die letztes Jahr beinahe als Testsieger aus dem großen Bremsenvergleichstest hervorging, sowie zwei neue Modelle, die DB4 und DB6 MTB-Scheibenbremse. Das hat auch SRAM erkannt und wird auf lange Sicht die leistungsschwache SRAM Level-Bremse mit DOT Bremsflüssigkeit vom Markt nehmen.
Der erwartete Thronfolger: Die neue SRAM Motive Bremse, die darauf ausgelegt ist, als eine Art Mischung aus SRAM CODE und Level die Bremsleistung der CODE mit dem geringen Gewicht der Level zu kombinieren. Daher werden, wie schon angekündigt, das CODE- und Level-Modell aus dem Line-up verschwinden. Die neue SRAM Motive MTB-Scheibenbremse präsentiert sich als deutlich schlankere Alternative zur MAVEN - sowohl die Geber-Einheit am Lenker als auch der Bremssattel sind kompakter geworden.
Technische Details und Design
Die Gewichtsersparnis kommt durch mehrere Faktoren zustande: Die kompakteren Geber- und Sattelgehäuse enthalten kleinere Bremskolben, und auch einige Features wurden zugunsten der Diät gestrichen. Eine Druckpunktverstellung gibt es bei keiner der drei Motive-Varianten, stattdessen bieten alle Modelle eine werkzeuglose Griffweitenverstellung. Die von uns getestete Motive Ultimate setzt auf Carbon-Bremshebel, jedoch ohne SwingLink, das bei anderen SRAM-Bremsen für mehr Modulation und geringere Fingerkraft sorgt.
Stattdessen kommt hier das DirectLink-Prinzip zum Einsatz, bei dem der Geberkolben direkt vom Bremshebel angesteuert wird. Alle Motive-Modelle werden - wie eingangs erwähnt - mit SRAM Mineralöl betrieben - dazu später mehr. Für einfache Wartung sorgt der Bleeding Edge Port, der ein sauberes und tropffreies Entlüften ermöglicht.
Modellvarianten der SRAM Motive
Die neue SRAM Motive kommt in drei Modellvarianten auf den Markt, die sich in Preis, Gewicht und einigen technischen Details unterscheiden. Zusätzlich gibt es - wie schon von der MAVEN bekannt - auch ein limitiertes SRAM Motive Ultimate Stealth Expert Kit im auffälligen blaugrünen Splatter-Finish.
SRAM Motive Ultimate
Die SRAM Motive Ultimate ist die edelste Version der neuen Bremsenserie und kommt mit einer silber eloxierten Oberfläche, die ihr ein hochwertiges Finish verleiht. Sie setzt auf einen Carbon-Bremshebel, der nicht nur Gewicht spart, sondern auch für eine angenehme Haptik sorgt. Zusätzlich verwendet SRAM bei diesem Modell Titan-Hardware, um noch einige Gramm einzusparen. Mit nur 260 g ohne Bremsscheibe ist die Ultimate die leichteste Variante der Motive-Reihe.
SRAM Motive Silver
Die SRAM Motive Silver unterscheidet sich optisch von der Ultimate durch ihre schwarze, glatt polierte Oberfläche, auch wenn der Name anderes vermuten lässt. Statt eines Carbon-Hebels kommt hier eine Aluminium-Variante zum Einsatz, was sie etwas schwerer macht. Die Schrauben bestehen aus Edelstahl, was das Gewicht auf 273 g ohne Bremsscheibe anhebt - immer noch ein beachtlicher Wert.
SRAM Motive Bronze
Die SRAM Motive Bronze ist die günstigste Version der Serie und kommt in einem komplett schwarzen Design mit sandgestrahlter rauer Oberfläche. Wie die Silver setzt sie auf einen Alu-Hebel, verwendet jedoch Stahl-Hardware, wodurch sich das Gewicht auf 279 g ohne Bremsscheibe etwas anhebt. Darüber hinaus unterscheidet sich das Bronze-Modell durch einige technische Details von den teureren Varianten: Anstatt der drehbaren Banjo-Leitung am Bremssattel gibt es hier eine fest verschraubte Presspassung. Der Bremshebel hat außerdem kein Kugellager, sondern dreht sich in einer Gleitbuchse, was ihn etwas weniger leichtgängig macht.
SRAM Motive Ultimate Stealth Expert Kit
Zusätzlich zu den drei Varianten bietet SRAM die Motive Ultimate in einem limitierten Ultimate Stealth Expert Kit für 655 € an, das sich für ambitionierte Tuner besonders lohnt. Neben zwei Motive Ultimate Bremsen im auffälligen grünen Splatter-Design enthält das Set vier leichte CL-X-Bremsscheiben in den Größen 2 x 180 mm und 2 x 160 mm, sodass je nach Einsatzgebiet flexibel kombiniert und ausprobiert werden kann. Darüber hinaus ist ein komplettes Entlüftungsset enthalten - das im Einzelkauf bereits 137 € kostet - sowie jeweils zwei Sätze gesinterte und organische Bremsbeläge, um beide Mischungen zu testen und an den eigenen Fahrstil anpassen zu können.
Erweiterung des Bremsen-Portfolios: DB- und MAVEN-Segment
Neben der neuen Motive-Serie erweitert SRAM auch sein Bremsen-Portfolio im DB- und MAVEN-Segment. Nachdem die DB8 als erste SRAM-Bremse mit Mineralöl den Markt betrat, bekommt sie nun Verstärkung durch die neuen Modelle DB4 und DB6. Wie die DB8 sind die beiden so konzipiert, dass robust, erschwinglich und gleichzeitig leistungsstark sind - als ideale Alternative für Fahrer bieten, die Wert auf Langlebigkeit legen.
Optisch sind die neuen DB-Modelle mit ihrem filigraneren Geber-Design etwas schlanker als die klobige DB8, was sich aber im Gewicht nicht bemerkbar macht. Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Im Gegensatz zu anderen SRAM-Bremsen sind die Bremshebel seitengebunden, also nicht links/rechts kompatibel. Die Klemmschelle ist fix mit dem Geber verbunden, was die Montage zwar einfach, aber weniger flexibel macht.
- Die SRAM DB4 verfügt lediglich über eine werkzeugbasierte Hebelweitenverstellung.
- Die Klemmen sind nicht MatchMaker kompatibel, das heißt Brems und Schalt- oder Dropperhebel müssen immer mit verschiedenen Klemmen am Lenker befestigt werden.
- Die SRAM DB6 bietet ebenfalls nur die Hebelweiteneinstellung.
- Im Gegensatz zur DB4 Bremse ist die DB6 MatchMaker Kompatibel, was ein cleanes cockpit ermöglicht.
Die SRAM MAVEN ist aktuell das stärkste Modell im SRAM Line-up - an manchen Bikes war sie uns sogar schon zu ungestüm. Zudem verzichtet die neue Base alternativlos auf die Druckpunkteinstellung und auf das kleine Kugellager am Bremsgriff, stattdessen setzt sie auf eine Gleitbuchse. Die werkzeuglose Hebelweiteneinstellung bleibt erhalten.
Zudem bietet SRAM erneut das MAVEN Ultimate Expert Kit an. Damals war die Farbe der limitierten Ultimate Edition Splatter Red - jetzt kommt die Maven Ultimate im gleichen Splatter Grün wie die Motive. Das Kit enthält abermals ein Entlüftungsset und 4 x HS2-Bremsscheiben mit 2 x 200 mm, 1 x 220 mm und 1x 180 mm Durchmesser und Sinter- sowie organische Bremsbeläge, um auszuprobieren und zu tunen.
Montage und Einrichtung
Die Montage der SRAM Motive-Bremsen gestaltet sich insgesamt sehr einfach und ist mit einem Torx 25-Schraubendreher einfach durchführbar. Die Lenkerklemme ist nicht fest mit der Geber-Einheit verbunden, was die Lenker-Montage etwas fummeliger macht, aber für Flexibilität bei der Cockpit-Gestaltung sorgt. Der Bremssattel ist ebenso unkompliziert montiert. SRAM legt im Expert-Kit gleich zwei 20P-Adapter bei, sodass ihr auch Scheiben mit 20 mm mehr Durchmesser fahren könnt, sofern Rahmen bzw. Gabel das zulassen.
Dank des Banjo-Gelenks kann die Bremsleitung sauber in eine Flucht mit der Kettenstrebe bzw. Federgabel gebracht werden. Wer die Brems-Performance optimieren möchte, hat hier ein paar Optionen: Statt der leichten CL-X-Bremsscheiben lassen sich die HS2-Scheiben verbauen, die hitzebeständiger sind und laut SRAM bei gleicher Größe 7 % mehr Bremskraft liefern. Wer den Scheibendurchmesser um 20 mm erhöht, soll sogar die Bremskraft um 14 % noch weiter steigern.
Entlüftung der SRAM Motive
Das Entlüften der SRAM Motive funktioniert effizient, nach dem gewohnten SRAM-Prinzip mit zwei Spritzen - eine oben am Geber mit Gewinde und eine unten am Bremssattel über den Bleeding Edge Port zum Einklicken. Laufrad ausbauen, Bremsbeläge entfernen, Spritzen-Adapter in den Bleed Port einstecken und über die Rändelschraube öffnen. Das Mineralöl mehrfach von oben nach unten und umgekehrt durch die Spritzen pumpen, um Luftblasen aus dem System zu entfernen.
Ähnlich wie bei der MAVEN kann auch hier das Piston Massage Werkzeug genutzt werden, um die Bremskolben vollständig zurückzudrücken und anschließend per Bremshebel wieder sanft gegen den Bleed Block auszufahren. Generell ist das Entlüften zwar etwas aufwendiger als das Shimano Trichter-System, aber dank des offiziellen SRAM How-to-Videos auch für weniger erfahrene Schrauber gut machbar.
Ein großer Vorteil der neuen SRAM Mineralölbremsen ist die wartungsärmere Flüssigkeit. Mineralöl ist hydrophob und stößt Wasser ab, sodass ein vollständiger Wechsel nur alle zwei Jahre nötig ist. Im Gegensatz dazu nimmt die DOT-Bremsflüssigkeit Feuchtigkeit aus der Umgebung auf, was häufigere Wechsel erforderlich macht. Zusätzlich ist Mineralöl nicht ätzend und greift keine Lacke an.
Fahrverhalten und Bremsgefühl
Die Hebel-Ergonomie der SRAM Motive fühlt sich gewohnt SRAM-typisch an. Der Carbon-Hebel der Ultimate-Version hat eine angenehme Haptik und fühlt sich verglichen zum Aluminium-Hebel weniger kalt an. Hängt man lang und hart in der Bremse, kann die neue Motive auch mal an ihre Grenzen kommen. Durch die DirectLink-Ansteuerung ohne SwingLink-Umlenkung gleitet der Hebel im Leerweg leichtgängiger bis zum Druckpunkt als bei der MAVEN.
Auf dem Trail ist das Bremsgefühl direkt und präzise, SRAM selbst beschreibt es als „CODE-artig“, was sich im Test bestätigt. Die Bremsleistung liegt gefühlt auf der Kraft einer SRAM CODE-Ultimate beziehungsweise wie eine bissigere Level-Bremse. Der Bereich zum Modulieren der Bremse ist eher schmal, was vermutlich ebenfalls am fehlenden SwingLink liegt. Wer sich mit dem On/Off-Bremsverhalten von Shimano-Bremsen wohlfühlt, wird auch mit der SRAM Motive sehr gut zurechtkommen.
Selbst auf langen, steilen Abfahrten zeigte die Bremse kein Überhitzen oder Fading, der Druckpunkt bleibt konstant und wandert nicht. Wer dennoch eine höhere Hitzebeständigkeit möchte, kann mit den HS2-Bremsscheiben noch mehr Reserven aus dem System holen. Durch die DirectLink-Ansteuerung erfordert die Bremse auf sehr langen, steilen Abfahrten etwas mehr Fingerkraft, weshalb sich der Griff zur nächstgrößeren Bremsscheibe oder zur HS2-Variante lohnt. Außerdem haben uns in Sachen Bremskraft die gesinterten Beläge besser gefallen.
Fazit
SRAMs neues Bremsen-Portfolio mit 3 Bremsen in 3 Varianten ist jetzt deutlich übersichtlicher. Mit der MAVEN als High-End-Stopper, der DB-Serie als kraftvolle, budgetfreundliche Alternative und der Motive für den leichteren Trail- und Down-Country-Einsatz deckt SRAM eine breite Zielgruppe ab. Die neue Motive überzeugt: Sie verzögert zuverlässig, bleibt dabei aber weniger aggressiv als die MAVEN - genau richtig für den anvisierten Down-Country- und leichten Trail-Einsatz.
Zusätzliche Informationen
Neben den technischen Aspekten und der Performance der SRAM Motive Bremse ist es auch wichtig, einige allgemeine Aspekte rund um MTB-Scheibenbremsen zu betrachten.
Bremsflüssigkeit: Mineralöl vs. DOT
Hydraulisch betätigte Bremsen übertragen die Kraft durch eine Flüssigkeit. Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT. Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Aus diesem Grund ist auch penibles Entlüften - also kleinste Lufteinschlüsse aus dem Bremssystem zu entfernen - so wichtig. Noch ein Faktor: Bremsflüssigkeit siedet viel später als Wasser.
DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich und ist hygroskopisch, d.h. sie bindet Wasser und bildet eine homogene Flüssigkeit. Dadurch ändern sich die Eigenschaften von DOT und der Siedepunkt sinkt. Darum sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig getauscht werden. Zudem ist DOT gesundheitsschädlich und aggressiv gegenüber Lack, Haut und Klamotten.
Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden. Mineralöl zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht. Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt in jedem Fall dem Hersteller, einfaches Wechseln zwischen den verschiedenen Flüssigkeiten ist nicht möglich.
Bremsbeläge: Organisch vs. Metallisch
Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische. Das Reibmaterial ist für die Reibung verantwortlich und erzeugt dadurch auch die Bremspower, die man am Ende spürt. Das Gleitmittel wiederum versucht, den Verschleiß zu begrenzen und den Reibungskoeffizienten stabil zu halten. Die Fasern unterscheiden sich in organischen Materialien wie Kevlar und Carbon oder metallischen Materialien wie Kupfer oder Stahl.
Bremsscheiben: Größe und Material
Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl - zumindest die Reibfläche, an der die Beläge anliegen. Die Dicke der Bremsscheiben variiert hingegen und ist vor allem mit der Wärmeableitung gekoppelt. Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll. Es gibt ein- und zweiteilige Bremsscheiben. Letztere sind auf einem „Stern“ in der Mitte vernietet und schwimmend gelagert. So wird verhindert, dass sich die Reibscheiben bei Wärme ungleichmäßig ausdehnen und verziehen können. Kommt es zur Befestigung der Bremsscheiben am Rad, ist der Markt zwischen Shimano und dem Rest der Bremsenwelt gespalten. Stichwort 6-Bolt vs. Centerlock.
Tabelle der SRAM Motive Modelle
| Modell | Material Hebel | Material Schrauben | Gewicht (ohne Scheibe) | Besondere Merkmale |
|---|---|---|---|---|
| Ultimate | Carbon | Titan | 260g | Silber eloxierte Oberfläche |
| Silver | Aluminium | Edelstahl | 273g | Schwarz, glatt polierte Oberfläche |
| Bronze | Aluminium | Stahl | 279g | Schwarz, sandgestrahlte raue Oberfläche |
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