MTB Bremsscheiben im Test: Ein umfassender Überblick

Die Bremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil mit hoher Sicherheitsrelevanz. Eine Bremse hat nur eine Aufgabe zu erfüllen: Wenn man es möchte, muss sie einen sicher abbremsen und gegebenenfalls zum Stehen bringen. Genau diesen Anspruch haben wir bei unserem Test an jede Bremse gestellt.

Gut zwei Dekaden später hat sich optisch wie technisch doch so einiges an den Bremsanlagen verändert, etwa eine automatische Belagsnachstellung, teilweise werkzeuglose Druck- und Hebelweitenverstellung, verschiedenste verfügbare Bremsbelagsmaterialien, Bremsscheibengrößen je nach Einsatzbereich von 140 bis mittlerweile 225 Millimeter Durchmesser, Bremsscheiben in unterschiedlichsten Materialausführungen, statt DOT Bremsflüssigkeit oder Mineralöl kommen mittlerweile auch schon Bio Öle zum Einsatz … um nur einige der Veränderungen aufzuzählen.

Testverfahren und -strecke

Unsere Teststrecke hat bestimmt schon 100 verschiedene Bremsen, Beläge, Scheibengrößen etc. gesehen. Die Strecke ist etwa drei Kilometer lang, man legt dabei 240 Tiefenmeter zurück, und der Untergrund ist asphaltiert. Mit jeder Bremse absolvierten wir mehrere Abfahrten. Nach dem Einbremsen führten wir Bremsungen bei 30 bis 70 km/h durch. Anschließend musste sich jede Bremse bei einer Dauerbremsung von oben bis unten beweisen. Um die Verzögerung aller Bremsen vergleichen zu können, wurde jede mit einer 200/203 Millimeter Scheibe bestückt.

Einzeltests der Bremsen

Magura MT7

Die MT7 kann mit Loïc Bruni, einem der schnellsten Downhiller, werben. Zudem hat man für den bzw. mit dem mehrfachen Weltmeister auch einen extra Bremshebel entworfen. Doch nicht nur die Stars haben bei Magura die Möglichkeit des Customizing, sondern jeder Kunde. Mit den Storm HC, MDR-P bzw. -C stehen alleine schon drei verschiedene Scheibentypen zur Auswahl, die mit drei unterschiedlichen Belägen kombiniert werden können. Für die farbliche Anpassung gibt es verschiedene Cover, Blenden am Bremssattel, und natürlich gibt es auch verschiedene Bremshebel.

Der Powerstopper hat einen vergleichsweise weicheren Druckpunkt, überzeugt uns aber mit einer hohen Leistung und Standfestigkeit. Erst bei Vollbremsungen über 60 km/h setzt merkliches, wenn auch nicht hohes Fading ein. Der Dauerbremsung zeigte die MT7 ihre „kalte Schulter“ und unterstreicht so ihre Zuverlässigkeit. Auffällig ist, dass die Bremse gerne zum Schleifen neigt, auch wenn der Bremssattel exakt ausgerichtet ist. Der Hebel lässt sich in einem weiten Bereich und somit gut für alle Handgrößen einstellen.

Das Duo Loïc Bruni und Magura MT7 scheint zu funktionieren. Die Bremse überzeugt im Test mit einer hohen Leistung und Standfestigkeit. Kleiner Kritikpunkt ist, dass sie zum Schleifen neigt.

Hope Tech 3 E4

In puncto Individualisierung und Exklusivität ist Hope klar der Spitzenreiter. Sechs Eloxalfarben stehen bei Bremsscheibe bzw. Bremsanlage zur Auswahl, doch selbst in Schwarz oder Silber sind die CNC gefrästen Bauteile ein Hingucker. Bremsscheiben gibt es ab der kleinen 140er bis hin zur großen 225er. Trotz der brachialen Optik und des verhältnismäßig günstigen Preises fällt das Gewicht der Tech 3 E4, insbesondere von Bremshebel und -sattel, sehr gering aus.

Der Tech 3 Hebel bietet sämtliche Einstellmöglichkeiten, alles per Rändelschraube und ohne Werkzeug. Der Bremshebel ist ergonomisch geformt, liegt aber etwas „kantiger“ in der Hand. Eine individuelle Einstellung ist gut möglich. In puncto Leistung kommt die Hope nicht auf das Niveau der anderen Stopper, Fading war aber keines bzw. nur kaum zu spüren. Der Dauerbremsversuch lieferte identische Eindrücke.

Hope hat mit der Tech 3 E4 eine der leichtesten, individuellsten und auch günstigsten Bremsen im Test.

Hayes Dominion A4

Die Dominion A4 ist bereits seit 2018 auf dem Markt und hat einige Features zu bieten. Der Bremssattel verfügt über zwei Entlüftungs Ports und kann separat gespült werden. Zudem gibt es am Sattel die sogenannte Crosshair Technology, die ein schleiffreies Ausrichten erleichtert. Erwähnenswert ist noch, dass man beim Kauf zwischen einem langen bzw. kurzen Bremshebel, je nach Vorliebe und Handgröße, wählen kann. Serienmäßig kommt die Bremse mit dem semimetallischen Bremsbelag, der gesinterte metallische Belag ist aber im Lieferumfang.

Die Ergonomie des Hebels ist gut, die Einstellung der Weite groß und für alle Handgrößen geeignet. Die Bremsleitung im Praxistest hat uns voll überzeugt - die Dominion A4 liefert mit die meiste Power. Selbst bei Vollbremsungen bei ca. 65 km/h war kaum ein Fading vorhanden, Geräusche blieben aus. Erst bei der Dauerbremsung fing sie gelegentlich an zu singen und der Druckpunkt wanderte dabei merklich. Die Standfestigkeit war aber über den gesamten Testverlauf gegeben.

Die Dominion A4 von Hayes hat uns beim Test mit hoher Leistung, guter Standfestigkeit und angenehmer Ergonomie überzeugt. Sie zählt klar zu unseren Favoriten.

Sram Code RSC

Natürlich steht die Optik einer Bremse erst mal hinten an, doch wenn andere Kriterien ausgewogen sind, kann man sich auch davon leiten lassen. Die Code RSC mit ihren Oil slick Schrauben ist definitiv ein Hingucker. Für das Lenkerklemmsystem Matchmaker X gibt es mittlerweile sämtliche Adapter oder Hebel, und alles lässt sich an dieser einen Schelle sauber montieren. Am Hebel selbst kann man Hebelweite und Druckpunkt individuell und in großen Bereichen einstellen. Einzig beim Gewicht hat die Konkurrenz die Nase vorne.

Die bunt schillernde Code brauchte deutlich mehr Einbremszeit, bis sie ihre volle Leistung entfaltete. Dann jedoch war ordentlich Bremspower vorhanden; selbst bei einer Vollbremsung aus 65 km/h war kaum Fading zu spüren. Das Dauerbremsen war die Disziplin der Code - sie überzeugte vollends, ohne jegliche Auffälligkeiten.

Die Schöne und zugleich das Biest - Sram hat mit der Code RSC eine ästhetische, aber auch leistungsstarke Bremse.

Shimano XTR M9120

Die M9120 ist eine Bremse, vollgepackt mit Innovationen. Die Bremsbeläge verfügen zur besseren Wärmeableitung über Kühlrippen, die Kolben sind aus Keramik, und die Servo Wave Technologie am Bremshebel ermöglicht eine effiziente Nutzung des Hebelwegs. Die Bremsscheibe ist in Sandwichbauweise mit einem Aluminiumkern gefertigt, ebenfalls um die Wärmeableitung zu verbessern. Die Scheibe sticht zudem durch ihr geringes Gewicht aus der Masse hervor.

Zur individuellen Anpassung lassen sich am Bremshebel Hebelweite und Druckpunkt einstellen. Top, wie von Shimano Bremsen gewohnt, ist die perfekte Hebelergonomie. Der Druckpunkt ist definiert, die Leistung gut dosierbar und hoch. Bei Vollbremsungen ab 50 km/h aufwärts setzt deutliches Fading ein. Bei diesen Bremsversuchen verschenkte die XTR auch den Testsieg, da sich ein Belag von der Trägerplatte löste. Bei einer Wiederholung des Tests gab es aber keine Probleme mehr.

Ein bekanntes Verhalten von Shimano Bremsen ist das merkliche Wandern des Druckpunkts - so auch bei der XTR.

Trickstuff Direttissima

„Made in Freiburg“ ist auf der Innenseite des Bremssattels zu lesen; und auch „Made with love“ würde wohl gut auf der Bremse passen. Es ist schön, die Direttissima an dem Bike zu haben. Die gefrästen Bauteile wirken edel, aber auch minimalistisch. Natürlich lässt sich die Hebelweite verstellen, doch ist für die einmalige Anpassung ein Inbus nötig. Die Farbenvielfalt hat Trickstuff abgelegt - die Bremse ist in Schwarz und/oder Silber konfigurierbar.

Passend zur hochwertigen Bremse gibt es die Dächle Scheibe mit der Grad Fase am äußeren Umfang für einen leichteren Radeinbau. Das Gefühl am Bremshebel ist anders als beim Vorgänger. Der Druckpunkt ist gut definiert, aber nicht mehr so hart. Auch der Hebel ist „runder“ geworden und liegt sehr gut in der Hand. Bei den Vollbremsungen zeigt die Trickstuff eine sehr hohe Leistung. Diese, gepaart mit hoher Standfestigkeit, bedeutet: eine Bremse fürs Grobe und Steile.

Einziges Manko ist der Druckpunkt, der zum Ende hin fast ganz nach außen wanderte, was ein Schleifen der Bremse zur Folge hatte. Beim Dauerbremsen zeigte die Bremse ein ähnliches Bild: gute Leistung, standfest, aber mit wanderndem Druckpunkt.

Fahrrad-Bremsscheibe Vergleich 2025

Die besten Fahrrad-Bremsscheiben: Wählen Sie Ihren persönlichen Testsieger aus der Bestenliste.

Modell Preis pro Stück Material Außendurchmesser Gewicht Bremswirkung Befestigungssystem
SHIMANO SM-RT64 21,95 € Edelstahl 180 mm 175 g sehr gut Centerlock
Magura Storm HC 2700929 15,99 € Edelstahl 180 mm 148 g sehr gut 6 Loch
Reverse 01904 18,90 € Edelstahl 203 mm 202 g besonders gut 6 Loch
Newgoal Fahrrad-Bremsscheibe 203 mm 29,99 € Edelstahl 203 mm 240 g besonders gut 6 Loch
Shimano SM-RT54 14,95 € Edelstahl 180 mm 280 g sehr gut Centerlock
Dymoece Schwimmende Bremsscheibe 15,99 € Legierter Stahl 160 mm 140 g besonders gut 6 Loch
YBEKI Bremsscheibe 25,99 € Edelstahl 160 mm 280 g besonders gut 6 Loch
SHIMANO SM-RT54S 14,48 € Edelstahl 160 mm 140 g gut Centerlock

Weitere Informationen

Bei der Wahl der richtigen Bremsscheibe spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Der Durchmesser der Bremsscheibe beeinflusst das Bremsverhalten am stärksten. Je größer der Durchmesser, desto größer ist die Bremskraft. Mittlerweile haben Bremsscheiben eine Stärke von ca. 1,6 mm bis sogar 2,3 mm. Die Stärke spielt damit bei der Kompatibilität neuerdings auch eine Rolle.

Für dein leichtes XC Bike ist jedes Gramm wichtig und Du bist technisch versiert? Dann wählst Du Scheiben mit 160 mm / 160 mm oder 160 mm / 140 mm (VR / HR) Durchmesser mit geringer Stärke und kleiner Reibfläche. Für dein All-Mountain Bike wählst Du Scheiben mit 180 mm/ 160 mm Durchmesser mit etwas größerer Reibfläche und Stärke oder 203 mm / 180 mm mit kleiner Reibfläche.

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