Die Wahl der passenden Bremsscheibe für Ihr Rad ist wichtig, damit Sie adäquat in die Eisen gehen können und allzeit sicher unterwegs sind. Willkommen in der Scheibenwelt! Genauer: In der großen Auswahl verschiedener Bremsscheiben. Worauf es bei den Bremsen ankommt und wo die Vorzüge sowie Nachteile liegen, erfahren Sie im folgenden Kaufberater.
Warum spezielle Bremsen für E-Bikes notwendig sind
Einerseits ist ein Pedelec, dass dich bis etwa 25 km/h unterstützt, gesetzlich einem Fahrrad gleichgestellt (Stand 2021). Andererseits ist es in der Praxis durch den E-Bike-Antrieb nicht nur deutlich schneller, sondern eben auch schwerer. Dies bedarf besonderer Anforderungen- gerade im Bereich der Bremsen. Zudem steigen bei E-Bikes die Systemgewichte durch bis zu 25 Kilogramm schwere Räder, die Fahrgewohnheiten ändern sich. Das macht eine gesonderte Betrachtung der E-MTB-Bremsen und der Bremssysteme nötig.
Nimmt man ein durchschnittliches E-Bike Fully mit 22 bis 23 Kilogramm, einen Tourenrucksack inklusive Trinkblase mit etwa 4 Kilogramm sowie einen 90 Kilogramm schweren Fahrer, liegt das Systemgewicht bei knapp 117 Kilogramm. Deshalb setzen wir bei unserem Test 130 Kilogramm als Minimum an. TRP liegt genau an dieser Grenze, Magura gibt seine Bremsen bis 185 Kilogramm frei. BFO, Shimano und Trickstuff nennen nach oben keine Gewichtsbeschränkung.
Felgen- oder Scheibenbremse? Mechanisch oder hydraulisch?
Bei besonders günstigen E-Bikes (deutlich unter 1.500,00 Euro), findet man fast nur mechanische Bremsen, die im Vergleich zu hydraulischen Bremsen weniger Bremskraft bieten. Oft werden zwar Scheibenbremsen verbaut, allerdings wird der entscheidende Faktor (mechanisch oder hydraulisch) nicht beachtet.
Mechanische Bremsen
Bevor die Hydraulik beim Fahrrad Einzug hielt, wurden die Bremse - wie die Schaltung - über einen Seilzug angesteuert. Auch wenn das System in der Theorie gut funktioniert und bewährt ist, muss man in der Praxis ein paar Abstriche machen. Dadurch, dass die Kraft vom Handbremshebel über die Seilzüge übertragen wird, braucht man bei einem schwereren E-Bike auch entsprechend viel Kraft in den Fingern. In der Wartung sind die mechanischen Bremsen aufgrund ihrer Einfachheit zwar simpel, sie müssen aber auch häufiger nach- und eingestellt werden. Bei einem klassischen Fahrrad ist die Bremsleistung der mechanischen Felgen- und Scheibenbremsen in der Regel ausreichend, bei einem E-Bike solltest du aufgrund der höheren Anforderungen aber unbedingt auf hydraulische Bremsen achten.
Hydraulische Bremsen
Bereits Ende der 1980er Jahre entwickelte Magura, ein etablierter Zweirad-Bremsen-Hersteller, die erste hydraulische Felgenbremse. Bis heute sind deren Nachfolger - wie etwa die Magura HS11-Felgenbremse - ein Klassiker bei Trekking- und Citybikes mit und ohne Motor. Auch wenn die hydraulische Felgenbremse bereits sehr gut funktioniert, bietet die hydraulische Scheibenbremse noch einige Vorteile, wie z.B. eine bessere Bremsleistung bei Nässe oder einen geringeren Pflegeaufwand. Die hydraulischen Felgen- und Scheibenbremsen von Magura und Shimano setzen auf wartungsfreies Mineral Oil, während die Hersteller wie SRAM und Formula Bremsflüssigkeit aus der Automobilbranche (DOT) verwenden. Während das Mineral Oil nur selten entlüftet werden muss, sollte die Bremsflüssigkeit etwa alle zwei Jahre getauscht werden. Der große Vorteil: Bis zum vollständigen Verschleiß stellen sich die Bremsbeläge „automatisch“ nach, sodass man die Bremse nur selten nach- bzw. einstellen muss.
Fast alle bei uns erhältlichen E-Bikes verfügen über hydraulische Bremssysteme, da diese die beste Bremswirkung und Dosierbarkeit bieten. Insbesondere bei City-E-Bikes gibt es einige Modelle mit Rücktrittbremse, die den Umstieg erleichtern sollen. Dennoch empfehlen wir dir, dich unbedingt auch mit den Handbremshebeln vertraut zu machen. Denn, wenn du dich auf deinem E-Bike sicher fühlst, tust du nicht nur dir, sondern auch allen anderen Verkehrsteilnehmern einen großen Gefallen. Ganz nach dem Motto von Spiderman. 😉
Funktionsweise von Scheibenbremsen
Hydraulische Scheibenbremsen werden bei E-Bikes immer häufiger eingesetzt. Dieses Bremssystem besteht aus einer Bremsscheibe im Rad und einem hydraulischen Bremssattel, der über einen Schlauch mit Hydraulikflüssigkeit mit den Bremshebeln am Lenker verbunden ist. Du bremst, indem du die Hebel am Lenker drückst. Scheibenbremsen funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Autobremsen. Die Bremsscheibe befindet sich in der Mitte des Rades, diese Scheibe dreht sich, wenn das Rad angetrieben wird. Sobald du bremst, drücken die Bremsbeläge gegen die rotierende Scheibe.
Alternative: Felgenbremsen
Eine Felgenbremse ist ein Bremssystem, bei dem ein Bremsbelag gegen die Außenseite des Reifens (= Felge) drückt, damit du bremsen kannst. Bei hydraulischen Felgenbremsen wird Öl durch das Bremskabel befördert, sobald du den Bremshebel betätigst. QWIC sieht Felgenbremsen, auch V-Brakes genannt, als ein zuverlässiges Bremssystem mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Dieses Bremssystem erfordert jedoch einiges an Wartung.
E-Bike ABS von Bosch
2017 hat Bosch eBike Systems das ABS für E-Bikes mit Bosch-Antrieb vorgestellt. Es kann dadurch sowohl drohendes Wegrutschen als auch einen Überschlag frühzeitig erkennen und verhindern. Das eBike ABS greift dazu in die Magura-Vorderradbremse ein und öffnet die Bremse für wenige Millisekunden. Damit funktioniert es genau wie das bewährte ABS in anderen motorisierten Fahrzeugen. Aufgrund der Mehrkosten und des höheren Gewichts ist das System bei E-Bikes jedoch wenig populär und kam nur in ausgewählten Modellen zum Einsatz (wie z.B. KTM Macina Sport ABS).
Empfehlungen für die richtige Bremsenausstattung
Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, empfehlen wir generell den Einsatz von großen 203mm Bremsscheiben am Vorder- und 180mm Discs am Hinterrad. Das Gute dabei: Die Bremse kann so mit nur einem Finger betätigt werden. Wer noch mehr Power braucht: Trickstuff bietet eine 223mm Bremsscheibe, Now8 sogar ein 254mm großes Modell an.
Montage und Justierung
Bevor die Bremsen ans Rad geschraubt werden, sollten die Aufnahmen gecheckt werden. Meist sind diese durch Lackauftrag oder dem in der Produktion nicht durchgeführten Frässchritt nicht perfekt plan. Deshalb sollte, wenn nötig, die Bremsaufnahme beim Händler nachgearbeitet werden. Beim Bremssattel setzen alle Hersteller auf drehbare Leitungsabgänge und den Postmount-Standard.
Bei den Bremshebeln gibt es große Unterschiede: Während BFO, Magura und Sram dank Flip-Flop-Hebel rechts oder links montiert werden können, ist die jeweilige Seite bei Shimano, Trickstuff und TRP vorgegeben. Ist die Bremse ordentlich montiert, sollten alle Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel angezogen werden.
Der Bremshebel sollte zudem gut in der Hand liegen und keine störenden Kanten aufweisen. Der Bremshebel sollte zudem gut in der Hand liegen und keine störenden Kanten aufweisen.
Bremsmedium und Bremsbeläge
Mit Blick auf die ökologische Verträglichkeit setzt BFO mit Wasser Maßstäbe. In der Masse ist aber Mineralöl am stärksten vertreten und verdrängt DOT (im Test nur bei Sram) langsam aber sicher.
Im Test finden sich drei Arten von Belägen: Organische, Semimetall und Sintermetall. In den Punkten Geräuschentwicklung, Dosierbarkeit, Einbremszeit und Hitzeschirmung bieten organische Beläge meist Vorteile. Allerdings sollten sie beim Einbremsvorgang am Ende heiß gefahren werden, damit sie ausgasen. Beim Verschleiß und der Hitzebeständigkeit sind Sintermetallbe-läge oft besser. Auch wenn es die Her-steller oft nicht gerne sehen: Ein Wechsel auf Fremdbeläge kann die Bremsleistung positiv wie negativ beeinflussen.
Wartung von Scheibenbremsen
Im Gegensatz zur herkömmlichen Seilzugbremse braucht die Scheibenbremse sehr wenig Wartung. Die Scheibenbremse ist selbstnachstellend, es muss nichts geölt werden, selten müssen die Beläge erneuert werden.
Damit Scheibenbremsen zuverlässig funktionieren, sollten sie regelmäßig mit einem speziellen Bremsenreiniger gereinigt werden. Dabei ist es wichtig, die Gebrauchsanweisung des Reinigungsmittels zu beachten, um Rückstände auf der Bremsscheibe zu vermeiden. Wenn die Bremsscheibe schleift oder ungleichmäßig bremst, ist eine korrekte Einstellung erforderlich.
Mit Blick auf den Bremsenservice wird geprüft, ob der Entlüftungsvorgang einfach von der Hand geht, die Entlüftungsschrauben leicht erreichbar sind, der Hebel dazu verdreht oder abgebaut werden muss, ein durchgängiger Fluss im Bremssattel gewährleistet ist und welches Bremsmedium verwendet wird.
Fett oder Öl auf den Bremsbelägen schränkt die Funktion der Bremse stark ein und in der Regel müssen dann die Beläge getauscht werden. Um dies zu vermeiden sollte man darauf achten dass beim Ölen der Federgabel und schmieren der Kette kein Öl auf die Bremse kommt.
Umgang mit der Scheibenbremsanlage
Die Scheibenbremsanlage ist ein sogenanntes offenes System (ähnlich dem Motorrad). Wenn Sie das Fahrrad auf den Kopf stellen, kann es sein, dass Luft vom Bremshebel- /Ausgleichsbehälter in die Leitung steigt. Ist das der Fall, haben sie einen weichen Druckpunkt, ein „schwammiges“ Gefühl und eine schlechte, bis gar keine Bremswirkung. Um dies zu vermeiden, sollten Sie daher, wenn Sie das Fahrrad auf den Kopf stellen, oder im liegend transportieren möchten, die Bremsleitungen verschließen. Das heißt, ganz einfach mit einem Gummiband (um den Hebel und Griff) den Hebel fixieren. Möchten Sie das vordere oder hintere Rad ausbauen um das Rad auf den Kopf zu stellen oder liegend zu transportieren, legen Sie bitte unbedingt den Kunststoff Abstandhalter (orange) zwischen die Bremsbeläge. Anschließend wie oben beschrieben, den Bremshebel fixieren.
Richtiges Einbremsen von Scheibenbremsen
- Auf mittlere Geschwindigkeit beschleunigen und gleichmäßig auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen (nicht vollständig Stoppen).
- Auf etwas höherer Geschwindigkeit beschleunigen und auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen (nicht vollständig Stoppen).
Durch leichtes langanhaltendes Bremsen können die Bremsbeläge sehr heiss werden und dadurch die Beläge verglasen. Das führt zu schlechter Bremswirkung und Geräuschentwicklung. Deshalb ist es besser kräftig intervallmäßig zu bremsen. Sollten die Bremsbeläge verglast sein, ist es möglich, den verglasten Teilbelag, bei hoher Geschwindigkeit durch langes mehrfaches kräftiges Bremsen (am besten Bergab) wieder wegzuschleifen.
Geräuschentwicklung bei Scheibenbremsen
Scheibenbremsen neigen dazu Geräusche zu verursachen. Das kann kommen und gehen. Sie können manchmal schleifen (z.B. Kurvenlage) oder auch quietschen. Dies ist bis zu einem gewissen Grad völlig normal und bauartbedingt.
Zusammenfassung der Testergebnisse
Das Gute vorweg: Keine Bremse im Test hatte einen Ausfall zu verbuchen. Das zeigt, dass alle Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht haben. Im Detail unterscheiden sich die Bremsen dann aber recht stark, was sich im engen Notenausgang nicht zwingend widerspiegelt. Beim Preis-Leistungsverhältnis geht kein Weg an Maguras MT5 vorbei. Ganz ehrlich - mehr braucht man eigentlich nicht. Der Testsieg geht diesmal an zwei Hersteller. Bei den Big-Playern holt sich Sram mit der neuen Code RSC durch eine exzellente Vorstellung verdient den Sieg. „Overall“ geht aber kein Weg an der extrem teuren und exklusiven Trickstuff Direttissima vorbei.
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