Der Mythos des brennenden Skeletts auf dem Motorrad

Erfolgreiche Hollywoodfilme stellen die Studios vor ein ernsthaftes Problem: entweder wegen der hohen Einspielergebnisse einen weiteren Teil hinterherschieben oder es bei dem einen Kassenschlager belassen und ihm so einen gewissen Kultfaktor verpassen. Wir leben in einer geldgeilen Welt und die Filmbosse lassen sich meist von den Dollars blenden. Herauskommt dann ebenso häufig nur ein billiger Abklatsch. Selten schafft es der zweite Teil einer Filmreihe, an die Erfolge des ersten anzuknüpfen: Das jüngste positive Beispiel ist "Hangover 2". Als Gegenteil davon erweist sich "Ghost Rider: Spirit Of Vengeance".

Lagen die Einnahmen der ersten Adaption des Marvel Comics bei fast 300 Millionen Dollar, kommt die Fortsetzung "Spirit Of Vengeance" nicht einmal auf die Hälfte davon - und das, obwohl wieder Hollywood-Actionstar Nicolas Cage ("Con Air", "Trespass", "Pakt der Rache") in die knochige Hülle des Kopfgeldjägers des Teufels schlüpft. Das Problem: Der Rest der Crew des ersten Films fehlt und damit so zugkräftige Namen wie Peter Fonda ("Easy Rider"), Sam Elliott ("Up In The Air", "Wir waren Helden", "Hulk") oder Eva Mendes ("The Spirit", "Training Day"). Stattdessen stehen die noch relativ unbekannten Namen Ciaran Hinds, Idris Elba und Violante Placido auf dem Filmplakat. Auch das Regieteam ist ein anderes.

Mag sein, dass Cage als alter Blockbuster-Garant einen größeren Teil des Budgetkuchens einstreicht als noch beim ersten Teil. Ein zweiter zugkräftiger Star hätte dem Film auf jeden Fall gut getan. Denn die Story von "Ghost Rider: Spirit Of Vengeance" ist so schlecht nicht: Der Stuntman Johnny Blaze (Nicolas Cage) lebt völlig zurückgezogen, meidet die Zivilisation. Er hat vor Jahren seine Seele dem Teufel verkauft, um seinen Vater zu retten - und wurde dabei über den Tisch gezogen. Seitdem muss er als "Ghost Rider", als brennendes, auf einem Motorrad dahinbrausendes Skelett durchs Land streifen und als Kopfgeldjäger des Teufels die bösen Buben mit einer Flammenkette in die Hölle verfrachten.

Doch seine Ruhe wird gestört, als Moreau (Idris Elba; "Prometheus") bei ihm auf der Matte steht und Blaze die Erlösung von seinem satanischen Fluch verspricht - wenn er ihm dabei hilft, den Jungen Danny (Fergus Riordan) vor dem Teufel und seiner Armee zu beschützen. Bekommt der Beelzebub den Kleinen in die Hände, droht der Weltuntergang. Da Blaze eh noch eine Rechnung mit dem Gehörnten offen hat, willigt er ein. Gemeinsam mit Dannys Mutter Nadja (Violante Placido; "The American") und Moreau versucht Blaze, Danny zu beschützen. Das gelingt nur suboptimal.

Als sich die drei in einem uralten Kloster in Sicherheit wiegen, Blaze bereits den Lohn für seine Arbeit bekommen hat und er den Fluch des "Ghost Riders" losgeworden ist, schlagen die Schergen des Teufels zu, allen voran Ray Carrigan (Johnny Whitworth; "Todeszug nach Yuma"). Danny fällt in des Satans Hände und der beginnt mit einem teuflischen Ritual, denn Danny ist kein normaler Mensch.

Wie gesagt, die Story ist brauchbar. Der Wechsel zu einem neuen Regieteam ist dem Film anzusehen. Wer sich bei "Ghost Rider: Spirit Of Vengeance" irgendwie an "Crank" mit Jason Statham erinnert fühlt, liegt goldrichtig, denn Brian Taylor und Mark Neveldine saßen auch bei diesem neuartigen Action-Kracher in den Regiestühlen. Die düstere Stimmung des ersten "Ghost Rider" muss dank Taylor/Neveldine zahlreichen Actionsequenzen weichen, die teilweise am helllichten Tag spielen. Das ist ein klarer Minuspunkt. Das das Duo Taylor/Neveldine zuvor mit "Crank 2" bereits für einen zweiten Teil verantwortlich zeichnet, der die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte und an den Kinokassen durchgefallen ist - geschenkt.

Fans des Comics sollten den Film meiden. Für den Rest sei gesagt: "Ghost Rider: Spirit Of Vengeance" macht Spaß. Unterhält für rund anderthalb Stunden. Popcorn-Kino mit ein paar harten Szenen und zum Teil auch sehenswerten 3D-Effekten gewürzt. An Nicolas Cage ist nichts auszusetzen. Violante Placido ist eine Augenweide. Aber Ciaran Hinds ist eben nicht Peter Fonda und Sam Elliott genießt seit "Road House" (mit Patrick Swayze) und vor allem seit "The Big Lebowski" (mit Jeff Bridges) Kultstatus. Was, er zugegebenermaßen, auch seiner einzigartigen Stimme (in Deutsch synchronisiert von Gunter Schoß) zu verdanken ist.

Elliotts Kultfaktor und Fondas teuflische Coolness kann auch die geballte Action im zweiten "Ghost Rider"-Film nicht aufwiegen. Der erste Teil war besser, die Einspielergebnisse beweisen es.

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