Fahrradbrille Winter Test: So finden Sie die optimale Brille für klare Sicht

Bei allem Radlspaß sollte der Sicherheitsaspekt nicht außer Acht gelassen werden - vom Sonnenschutz ganz zu schweigen. Hierfür sind speziell auf die Bedürfnisse von Radfahrenden abgestimmte Sonnen- bzw. Fahrradbrillen unerlässlich.

Die Bedeutung der richtigen Fahrradbrille im Winter

Je nach Startzeit verläuft beispielsweise die Pendelstrecke von der Dunkelheit über den Sonnenaufgang ins Helle. Oder die Heimfahrt mündet von der Nachmittagssonne über die Dämmerung in die Nacht. Hier können selbsttönende Gläser die passende Antwort sein.

Neben dem Schutz vor Sonnenstrahlung hat eine Radbrille auch wichtige und praktische Aufgaben. Darüber hinaus sollten Gläser an Radbrillen entsprechend stark gebogen sein, um einen optimalen Abschluss an Stirn und Wangen zu bieten - ganz ohne Zugluft.

Kurzum: Die Wahl der perfekten Brille obliegt vielen Faktoren - natürlich auch der Preisfrage. Weiter raten wir dazu, die Brille vor dem Kauf unbedingt Probe zu tragen. Jede Kopfform, jeder Anspruch ist anders.

Selbsttönende Gläser: Flexibilität bei wechselnden Lichtverhältnissen

Sich automatisch tönende Brillengläser sind aus phototropem, also lichtwendigem, Material. Dabei entfalten sich die lichtempfindlichen Moleküle wie Blüten, absorbieren, reflektieren oder streuen sichtbares Licht. Aber auch bei Bewölkung oder diesigem Wetter dunkeln die Gläser leicht ab.

Die übrige reicht aus, um die Brillengläser einzudunkeln. Einen ähnlichen Effekt besitzen auch Fenstergläser in Autos und Häusern. Sie besitzen UV-Filter und schränken damit die Funktion der Gläser ein.

Im Test überzeugten die Rush Reactiv Performance 1-3 mit photochromatischem Glas, oranger Grundtönung und blauem Spiegel, das Kontraste verstärkt und „eine tolle Stimmung im Wald und am Berg“ erzeugt.

Im Bike-Magazin Test 2024 überzeugte die Rush Reactiv Performance 1-3 Sportbrille von Julbo mit 47 von 60 möglichen Punkten mit einem guten Sitz und Windschutz.

Im Bike-Magazin Test 2024 erzielte die Ronin RIG Photochromic von Sweet Protection ganze 47 von 60 Punkten. Gelobt werden das „sehr helle Glas mit breitem Tönungsbereich“ sowie das große Sichtfeld und der starke Schutz vor Fahrtwind.

Im Rennrad-News Praxistest überzeugte die Oakley Encoder Prizm mit exzellenter Passform und sehr festem Sitz. Selbst bei tief gesenktem Kopf oder im Wiegetritt verrutscht die Brille nicht.

Besondere Charakteristiken photochromer Gläser

Neben den bereits erwähnten praktischen Gesichtspunkten besitzen photochrome Gläser auch spezielle Charakteristiken: Bei der Geschwindigkeit von Abdunklung und Aufhellung gibt es Faktoren, welche die Funktion beeinflussen. Bei Fahrten mit schnellen Hell-Dunkel-Wechseln kann das nicht unproblematisch sein.

Tunnel mit ihrem abruptem Wechsel von Tageslicht zu vollkommener Dunkelheit zeigen hier die Grenzen der Technologie am deutlichsten auf. Vergangene Praxistests unserer Redaktion zeigten auch, dass ab circa 30 Grad einige Gläser sogar spürbar weniger stark abdunkeln.

Photochrome Gläser zeigen mit der Zeit einen Alterungseffekt, da der chemische Prozess je nach Hersteller, Glas und Nutzung nachlässt. Teils ist nach zwei, drei Jahren eine Verlangsamung der Funktion wahrnehmbar. Optisch macht sich das als gelbliche Verfärbung der Gläser bemerkbar.

Im Test bieten das Victgoal, Red Bull Spect Eyewear, Shimano und Swiss Eye. Eindunkeln sollten photochrome Gläser auf jeden Fall bis Kategorie 2.

Einschränkungen und Alterungseffekte

Einen ähnlichen Effekt besitzen auch Fenstergläser in Autos und Häusern. Sie besitzen UV-Filter und schränken damit die Funktion der Gläser ein.

Filterkategorien und Tönungsintensität

Grundsätzlich gibt es Details, die Sehen, Qualität und Handhabung verbessern und damit für den optimalen Durchblick sorgen. Zur Einordnung der Tönungen gibt es fünf Kategorien - links als Überblick dargestellt. Dabei ist die Tönungsintensität vorrangig als Schutzfunktion gegen Blendung und Helligkeit zu verstehen.

Die Umgebung wird abgedunkelt, die Sehleistung des Auges wieder erhöht. Für Radfahrer sind Kategorie 0 bis 2 relevant. Erklärungsbedürftig ist die exponentiell zunehmende Wirkung: Die Unterschiede der Kategorie 0 oder 1 sind weitaus geringer sichtbar als in Kategorie 3 und 4.

Wer zumeist bei Nacht und starker Bewölkung unterwegs ist, wählt ein Glas ab Filterkategorie 0.

Filterkategorien von Sonnenbrillen in der Übersicht:

Filterkategorie Geeignet für Blendschutz
0 Bewölkte Tage und Dämmerung Bis 20 % des Lichts werden absorbiert
1 Bedeckte Tage Bis 57 % des Lichts werden absorbiert
2 Sommertage in Mitteleuropa Bis 82 % des Lichts werden absorbiert
3 Aufenthalte im Schnee, in den Bergen und am Meer in Südeuropa Bis 92 % des Lichts werden absorbiert
4 Aufenthalte im Hochgebirge oder auf Gletschern (nicht zum Autofahren geeignet!) Bis 97 % des Lichts werden absorbiert

Spezielle Filterfarben für den Winter

Gelb oder Orange bei schlechter Sicht: Gelbe und orange Scheiben sind bei schlechter Sicht eine gute Wahl. Die beste Wahl ist dabei die orange Scheibe. Sie schluckt einen Großteil der blauen Strahlen und lässt grünes und rotes Licht durch.

Der Rot-Grün-Kanal im Auge ist für die Helligkeit zuständig, die Kontraste erscheinen uns heller, die Kanten schärfer. Das funktioniert mit ­gelben Gläsern ähnlich, wobei der Seheindruck sehr grell wird, sobald die Sonne durchkommt.

Klare Scheibe, klare Sicht: Eine klare Scheibe hat zwar keine kontrastverstärkende Wirkung, lässt dafür jedoch viel mehr Licht durch als beispielsweise selbsttönende Gläser.

Diese dunkeln nämlich aufgrund der UV-Strahlung auch bei bewölktem Himmel ab, was bei Waldpassagen gefährlich werden kann wegen des schwachen Restlichts. Für Winterradler, die mit Licht in der Dämmerung und den Abendstunden trainieren, ist die klare Scheibe alternativ­los.

Im Interview erklärt der Sportoptiker und aktive Radsportler Jens Heymer, warum Orange die beste Filterfarbe ist für die dunkle Jahreszeit und diese den besten Durchblick auf der Straße oder der Schotterpiste bietet.

Gleichzeitig kommt mehr Gelb und Orange durch, was bei der ­Orientierung beim Durchfahren von Waldstücken hilft. Außerdem regt Orange den Organismus an, man fühlt sich fitter. Orange ist wie Doping, aber legal!

Zusätzliche Features für optimalen Komfort

Bei Antifog-Beschichtungen ist die Oberfläche des Glases hydrophil und zieht Wassermoleküle an - im Test beispielsweise bei Uvex. Eine Tröpfchenbildung wird verhindert, das Wasser verläuft auf der Oberfläche, störende Reflexionen werden unterbunden.

Deutlich öfter wird dem Scheibenbeschlagen via im Rahmen mitgedachter Antifog-Belüftung vorgebeugt. Hier sticht Adidas mit sehr wirksamem 9-fach-Belüftungssystem im Test heraus.

Neben dem optischen Gesichtspunkt verbessern sie den Blendschutz, lassen aber weniger Licht ins Glas. Außerdem verkratzt die Oberfläche schneller.

Bei Justage und Passform bringen diverse Gestellgrößen Vorteile. Im Test nur bei Pop Eyes und Evil Eye zu finden. Perfekt lassen sich Brillen dann mit einstellbaren Nasenbügeln anpassen.

Einzig bei Evil Eye lässt sich zudem die Bügelposition für optimale Inklination in drei verschiedene Ausrichtungen verstellen. Stehen Augenbrauen, Wimpern oder Wangenknochen an? Das gibt Punktabzug.

Große Gläser schützen meist besser. Beschlagende Brillengläser konnten wir vor allem bei sportiver Fahrweise bergauf oder kühlen Bedingungen provozieren.

Für noch genauere Anpassung der Brille sind Ersatz-Nasenpads top. Im Test einzig bei Evil Eye im Lieferumfang.

Ein komfortables Auflagegefühl liefern aber auch Bollé, Cratoni, Evil Eye, Oakley, Swiss Eye und Pop Eyes.

Passform und Komfort

Die Brille sollte rutschfest sitzen, nicht drücken und auch bei Bewegung oder Schweiß stabil bleiben. Gummierte Bügel und verstellbare Nasenpads können den Tragekomfort erhöhen und sorgen für einen sicheren Halt, besonders bei sportlicher Fahrweise.

Wenn man trotz Anpassung bereits nach kurzer Zeit Druckgefühle verspürt, hat man womöglich nicht die passende Größe bzw. das richtige Brillenmodell ausgewählt. Daher lohnt es sich auch, die Abmessungen der Brille im Auge zu behalten.

Damit die Brille nicht von der Nase rutschen kann, sollten die Brillenbügel im Idealfall gummiert sein - das gleiche gilt für den Nasensteg.

Umgang und Pflege

Für der Reinigung gilt: Mikrofasertuch bzw. -beutel schlägt T-Shirt. Das gleiche gilt für Küchenpapier oder Taschentücher, speziell erstere wirken oft wie feines Schmirgelpapier. Wasser und zur Not ein Schuss Spülmittel helfen in Kombination mit im Lieferumfang der Brille befindlichen Mikrofaserbeutel auch bei groben Verunreinigungen.

Empfohlene Modelle im Test

Im wahrsten Wortsinn finden wir in unserem Test Licht und Schatten. Und das in unterschiedlicher Ausprägung und Wechselgeschwindigkeit. Aber auch Alpina, Adidas, Evil Eye und Pop Eyes überzeugen.

Im Test erzielt Uvex mit sehr angenehmem Tragegefühl den Bestwert - und verdient sich einen Preis-Leistungs-Tipp. Beide zeichnen wir mit einer Empfehlung aus.

Weitere Empfehlungen:

  • Oakley Encoder Prizm: Exzellente Passform und sehr fester Sitz.
  • Scott Pro Shield: Sehr gute Passform und stabiler Sitz auch bei langen Fahrten.
  • 100% Speedcraft SL Hiper Mirror: Erstklassiges Glas, effektive Belüftung und sicherer Sitz.

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