Ein Falt-E-Bike ist ein optimales Fortbewegungsmittel für Pendler, die ihren Arbeitsweg sowohl mit der Bahn als auch mit dem Rad zurücklegen. Aber auch für Menschen, die viel mit ihrem Wohnmobil reisen, sind sie ideale Begleiter. Mit der Electric G Line von Brompton soll nun ein neues E-Faltrad auf den Markt kommen, welches das Fahrgefühl eines vollwertigen Fahrrads verspricht und seinen Besitzer komfortabel auch über die Stadtgrenzen hinaus tragen soll. IMTEST durfte es bereits probefahren.
Brompton-E-Bike: Eines für alles
Eine neue Geometrie und 20-Zollreifen versprechen einen ganz neuen Komfort, wenn man mit dem Faltrad der Electric G Line unterwegs ist. Denn bislang kamen die beliebten Bompton-Räder mit sehr dünnen, 16-Zoll-Reifen, die mitunter wenig Dämpfung boten, wie IMTEST in einem Praxistest festgestellt hat. Mit dem Tubeless-Ready-Reifen G-One von Schwalbe setzt Brompton jetzt auf einen Gravelbike-Reifen, der nicht nur für vielfältige Untergründe ausgelegt ist, sondern auch dank braunem Seitenstreifen optisch ein echter Hingucker ist.
Dort, wo die Testfahrer auf Kopfsteinpflaster und Schotterwegen mit dem Modell der P-Line beispielsweise noch gut durchgeschüttelt worden sind, fährt das neue Brompton-E-Bike sehr geschmeidig und bügelt Unebenheiten gekonnt aus. Ebenso überzeugten die Laufruhe sowie der Komfort von Sattel und Griffen.
Laut Will Butler-Adams, CEO von Brompton, ist die G Line "das eine Fahrrad, das alles kann". Er erklärt weiter: „Das klassische Brompton wurde jedoch für staugeplagte Städte gebaut. Jetzt, da es immer mehr Menschen hinauszieht, war es an der Zeit, all das, was ein Brompton so besonders macht, so zu modifizieren, dass das Bike auch außerhalb des urbanen Umfelds auf anspruchsvollerem Terrain funktioniert.“
Technische Details und Ausstattung
Nach eigenen Angaben kommt das Electric G Line mit einer komplett neuen E-Technologie, bei dem der neue Antrieb erstmals im Rahmen integriert ist. Dabei soll der Nabenmotor nicht nur Kraft, sondern auch Stabilität und Traktion auf jedem Terrain liefern. Updates für das System können einfach via Bluetooth vom Smartphone aufgespielt werden. Ebenso fungiert das Handy als Dashboard der App, mit deren Hilfe Feineinstellung vorgenommen werden können und die Beleuchtung gesteuert wird. Denn auf ein richtiges Display verzichtet der Hersteller wie schon bei allen Vorgängern. Dabei sollen alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sein.
Der Akku, der eine Kapazität von 345 Wattstunden laut Hersteller aufweist, soll Ausflüge von bis zu 60 Kilometern ermöglichen. Die Batterie befindet sich in einer Tasche am Steuerrohrrahmen. Möchte man das Rad in gefaltetem Zustand tragen, kann man sich diese Tasche um die Schulter hängen. Ein Beleuchtungsset, das sich über die Batterie speist, vervollständigt die Ausstattung.
Als Gewicht gibt der Hersteller 19,5 Kilogramm inklusive der Batterie an, ohne soll es nur 16,1 Kilogramm wiegen. Der Preis ist mit 3.999 Euro angegeben, ebenso gibt es ab 2.849 Euro eine Variante ohne Motor.
Verbesserungen für mehr Komfort
Verbesserungen gegenüber anderen Modellen sind der breite Sattel sowie ein Tragegriff unter der Sattelnase. So lässt sich das E-Bike noch leichter heben oder ziehen.
Produktdetails:
- Motor: Hinterradnabenmotor mit 40 Nm
- Akku: 345 Wh
- Kettenschaltung: 4 Gänge
- Gewicht: 19,5 kg / zul. Gesamtgewicht: 130 kg
- Preis: 3.999 Euro
Kritikpunkte
Ein weiterer Meckerpunkt verbleibt und auch der betrifft das Electric G-Line (aber potentiell auch das Bio mit der Akkubeleuchtung von Brompton): Der neu konstruierte Lampenhalter drückt auf den Bereich des vorderen Schutzblechs vor der Gabel und zwar so deutlich, dass beim G-One gerade mal 1,5 -2mm Freigang zwischen Reifen und Schutzblech verbleiben. Das gibt voraussichtlich unschöne Schleifgeräusche bei der ersten Schlammpassage und schon ein kleiner Kiesel vom proklamierten Einsatzgebiet "Gravel" kann für mächtigen Verdruss sorgen.
Ästhetikgemecker gilt den Bremsscheiben am Electric: Dass sie da vorne 140mm und hinten 160mm gross sind war ja bereits bekannt. Dass die 160er Scheibe vermutlich erst sehr spät im Entwicklungsprozess hinzugefügt wurde lässt die Adaptierung der Bremszange vermuten, die das Ergebnis hat, dass die Bremszange optisch unschön über den Rahmen hinaussteht. Technisch kein Problem - optisch hat es die Wirkung einer schlecht zugeschnittenen Fußleiste in der Wohnung. Minimales Gemecker gilt schliesslich der Klingel.
Bleibt die spannende Frage nach dem Gewicht. Die knapp 20kg für das Electric G-Line hören sich ziemlich übel an. In Grösse L sind es nachgewogen tatsächlich 19,8kg, die das Electric G-Line auf die Waage bringt in der Ausstattung mit Licht, Schutzblechen und Gepäckträger incl. Akku und kleiner Tasche mit den G One. Der Akku samt kleiner Tasche wiegt 3,4kg - bleiben also 16,4kg für das Rad. Das ist mehr als das doppelte einer T-Line und allein das macht schon klar: ein Rad, das man mit Freude durch die Gegend schleppt ist das gewiss nicht.
Für wen ist das Brompton Electric G Line geeignet?
All in also ein ausgesprochen positives Verdikt für das G-Line. Bleibt die Frage: Für wen taugt das Rad denn nun eigentlich und welche Version für wen? Dann lädt man sein G-Line in den Kofferraum eines VW-Passat Kombi, fährt gemeinsam mit der ebenfalls G-Line-bewehrten Kumpeline per Auto aus der Grosstadt in die Natur, mit der Seilbahn den Berg hoch und macht dort einen Haufen Instagramm-Fotos. Diese Zielgruppe ist hier im Forum wohl nur in sehr geringer Zahl anzutreffen.
Genau wie das 16" Brompton ist auch das G-Line der perfekte Begleiter für das Deutschlandticket. Komplett kostenfrei (was flexible Kosten angeht) irgendwo hin fahren und dort eine Tour. Im Gegensatz zum 16" darf es bei der G-Line aber auch deutlich rauer zugehen von der Streckenbeschaffenheit und das ist ein Segen. Im Alltag brilliert es da, wo das 16er an seine Grenzen kommt.
Wer also in Prag wohnt, in Rothenburg ob der Tauber oder anderen Kopfsteinpflasterstädten, wer einen Pedelweg zur Arbeit durch den Wald hat oder einen, mit schlicht miserablem Strassenbelag, ist bei der G-Line durch die breiten und grösseren Räder zwar deutlich uninformierter über den Strassenzustand, aber das ist hilfreich und erwünscht. Als Reiserad kann ich es mir auch sehr gut vorstellen - ein wenig Abstriche bei der Kompaktheit, aber in der Summe immer noch deutlich vor dem Mitbewerb in der praktischen Anwendung - ausser beim Fliegen ziemlich weit vorne und noch mehr als das 16" geeignet als der Ersatz für ein großes Rad mit dem Bonus der Faltbarkeit, der schon das 16" zum brillianten Reiserad macht, speziell unter dem Aspekt multimodulare Reise.
Weniger geeignet für: Segler, Wohnmobilfahrer mit kleinem Mobil, immer-Mitreinnehmer, Vielflieger, Platzminimalisten aller Art und - je nach Wohn- und Einsatzszenario - für schwächere und kleinere Leute.
Für die flotte Runde in der Großstadt, das Pendeln zur Arbeit auf halbwegs anständigem Asfalt incl. ständigem treppauf-treppab, stetem Durchschlängeln durch enge Lücken und dann noch fluchs in die U-Bahn hüpfen, schnell falten und überall mit reinnehmen von Arbeit über Supermarkt bis Kneipe oder Museum oder ständiges ICE-Fahren bleibt das 16"er ungeschlagen. Ein solches Hosentaschenbike ist das G-Line nicht.
Ich würde das G-Line in vielen, wenn nicht den meisten Fällen nicht als Ersatz für ein 16" Brommi sehen sondern als Ergänzung - es ist ein komplett anderes Rad mit an vielen Stellen anderen Stärken und Schwächen. Der Einsatzbereich überlappt ein Stück, ist aber nicht identisch in meinen Augen sondern verschoben. Ein Rad, das aber bei vielen, für die ein Brommi bislang nicht in Frage kam, die Karten neu legt und damit neben erweiterungs- oder wechselwilligen Bestandsbromptonauten viele Leute anspricht, die die neuen Stärken zu schätzen wissen und die weggefallenen oder eingeschränkten Alten nicht vermissen.
So könnte das G-Line neben Faltradinteressierten, die bisher von der 16" Bereifung und der hohen Agilität abgeschreckt wurden auch z.B. für bisherige Interessenten an Kompakträdern wie i:Sy und Quio interessant sein: Preislich eher günstiger aufgestellt, deutlich leichter, Version ohne Motor verfügbar und durch die Faltbarkeit noch mal deutlich kompakter und deutlich spassiger zu fahren.
Empfehlungen für die Wahl der Ausstattung
Fangen wir beim einfachen an: Ausser eingefleischten Sportlern, die ein bahntaugliches Gravelbike suchen und aus Imagegründen keine Schutzbleche mögen würde ich allen die Variante mit Blechen und Gepäckträger empfehlen - aus zwei Gründen: es ist sehr viel alltagstauglicher und es rollt gefaltet sehr viel besser. Und letzteres ist beim Gewicht des G-Line sozusagen ein gewichtiger Faktor. Schutzblech und Träger bringen zwar mit einem knappen Kilo extra erstaunlich viel Zusatzspeck, der Nutzen wiegt das aber in den meisten Fällen auf.
Zweite einfache Entscheidung: Die Bereifung. Ausser denen, die nur innerstädtisch pendeln würde ich allen den G-One empfehlen statt des Conti. Auch hier zwei Gründe: Der Conti ist ein exzellenter Reifen und die aktuelle Messlatte für Alltagsreifen mit niedrigem Rollwiderstand - aber deutlich schlechter für Naturwege etc. geeignet als der G-One. Der G-One taugt aber auch prima für Asfalt oder den schmierigen Winter in der Stadt - wo der Conti an und über seine Grenzen kommt.
Schwieriger: Die Farbwahl. Das orange sieht sehr cool aus, speziell am Electric in Kombination mit der blauen Akkutasche. Allerdings ist es arg orange - Besen oder Schneepflug vorne dran und es geht als Kommunal- oder BSR Fahrzeug durch (Berliner Stadtreinigung). Schöner wär's, Gabel und Hinterbau wären schwarz. Aber: Wer schicke Fotos machen will und eine Instagram-Karriere anstrebt für den ist das die Farbe der Wahl.
Bio oder Elektrisch: Ganz schwierig. Zumindest für mich. Eigentlich finde ich bio prima. Hätte mir da aber eine Kettenschaltung gewünscht mit 10 oder 11 Gängen. Oder eine Rohloff (auch wenn mir das ab Werk wahrscheinlich zu teuer wäre). Die Alfine mag ich einfach nicht. Und für meine Einsatzzwecke ist die Bandbreite limitierter als mir lieb ist. Objektiv spricht wenig dagegen - die Entfaltung ist grob da, wo ein 11-Gang Gravelbke mit einfach-GRX auch rauskommt. Für die eBike-Fraktion stellt sich die Frage eh nicht - die nehmen das Electric.
Die drei einzigen, aber durchaus bedenkenswerten Haken beim Electric sind die Notwendigkeit proprietärer Taschen, der eher kleine Akku und - auf den ersten Blick - die etwas limitiert wirkende Schaltung. Punkt eins ist eine Preisfrage, Punkt zwei ist wohl mindestens vorläufig leider so - ob es jemals Abhilfe gibt ist unklar (andererseits will ja auch nicht jeder weit fahren) und Punkt drei dürfte für die allermeisten nur in der Theorie ein Problem sein und damit ein psychologisches Kaufhemmnis - in der Praxis dürfte das ziemlich gut funktionieren; dieses Problem ist also keines.
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