BULLS, einer der bekanntesten Bike-Hersteller Europas, verspricht mit ihrem SONIC EVO AM 3 ABS Performance ohne Kompromisse. Dafür bestückt der Hersteller das E-MTB mit Bosch Performance Line CX-Motor, ABS-Bremssystem und Mullet-Setup. Für unseren E-Mountainbike-Vergleichstest bis 7.000 € haben sie uns ihr SONIC EVO AM 3 ABS geschickt. Die SONIC-Modellreihe gibt es in verschiedenen Ausstattungs-, Antriebs-, und Federwegs-Varianten.
Das Modell in diesem Test, das SONIC EVO AM 3 ABS, ist mit dem Bosch Performance Line CX-Motor ausgestattet, außerdem mit gemischten Laufradgrößen und 150/150 mm Federweg. Preislich ist unser BULLS SONIC EVO eine echte Ansage, denn das SONIC EVO AM 3 ABS geht für 6.299 € über die Ladentheke und ist das günstigste E-MTB im Vergleichstest. In Sachen Gewicht rutscht das BULLS SONIC EVO mit 26,1 kg in Größe L zusammen mit dem MERIDA eONE-SIXTY 875 schnell ans hintere Ende des Testfelds - die beiden sind die schwersten E-Mountainbikes im Vergleichstest.
Bei dem zulässigen Gesamtgewicht von 150 kg bleiben euch noch ganze 124 kg für Zuladung übrig. Damit hat das SONIC EVO die höchste maximale Zuladung im Testfeld.
Design und Besonderheiten
Optisch fällt die für die SONIC-Modellreihe typische klare Formensprache auf, bei der Sitzstreben und Oberrohr eine durchgängige Linie bilden. Im Gegensatz zur schlichten Lackierung der anderen Bikes im Test ist das BULLS SONIC EVO in eine etwas auffälligere, grüne Lackierung gehüllt. Schweißnähte findet man am SONIC nur am Hinterbau, denn der wurde aus Aluminium geschweißt. Der Hauptrahmen wurde wie das Propain Sresh oder das Canyon Strive:ON aus Carbon gefertigt.
Dadurch wirkt der Rahmen wie aus einem Guss, nur der Knick im Oberrohr trübt nach unserem Geschmack die Optik etwas. An dem Knick schlägt zudem der Bremshebel beim Eindrehen an, wodurch das Oberrohr schnell zerkratzt wird. Auch nicht ganz nach unserem Geschmack ist der Tretlagerbereich des BULLS SONIC EVO, bei dem der Bosch Performance Line CX-Motor nicht ganz so schön integriert ist wie beim Canyon Strive:ON. Dadurch wirkt er etwas klobig.
Mit 85 Nm und 600 Watt Maximalleistung liefert der Motor ordentlich Power. Gespeist wird er vom Bosch PowerTube-Akku mit 750 Wh, der im Unterrohr seinen Platz findet. Kleine Fahrer, die Rahmengröße S benötigen, müssen sich leider mit dem kleineren 625 Wh Akku zufriedengeben. Egal welcher Akku, er lässt sich über alle Rahmengrößen hinweg bequem seitlich aus dem Unterrohr entnehmen und ist im verbauten Zustand im Bike durch ein Schloss gesichert. Dadurch hat das BULLS SONIC EVO die bequemste Akkuentnahme im Test.
Der FIDLOCK-Flaschenhalter am Unterrohr dient gleichzeitig auch als Verriegelung für die Abdeckung des Akkufachs. Wer den Akku im verbauten Zustand im Bike laden will, kann das auch über den Ladeport am oberen Ende des Unterrohrs vornehmen. Ein Display sucht man am BULLS SONIC EVO vergebens, nur ein Bosch System Controller im Oberrohr bietet in verschiedenen Farben Übersicht über Akkustand und Unterstützungsstufe.
Bosch ABS-Bremssystem
Ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleichstest hat das BULLS SONIC EVO durch das verbaute Bosch ABS-Bremssystem. Das soll durch einen Öldrucksensor und Raddrehzahlsensoren an beiden Rädern erkennen, wenn die Bremsen blockieren, und die Bremskraft mit einer speziellen Software automatisch anpassen. Dadurch wird laut Hersteller ein vollständiges Blockieren des Vorderrads vermieden.
Das Gehirn der Bremsanlage, die Bosch ABS Kontrolleinheit, sitzt in Form eines schwarzen Kästchens an der verbauten SR Suntour 36 AION-Federgabel mit 150 mm Federweg (heißt in der Serie BULLS Lytro 36 Supreme SL 1.8 Boost). Die konnte mit ihrer schlechten Einstellbarkeit leider nicht überzeugen, denn zum Verstellen des Rebounds braucht man sehr viel Kraft in den Fingern. Hier sollte man lieber gleich zum Werkzeug greifen. Auch optisch wirkt die Federgabel nicht sonderlich hochwertig und selbst der Gabelschaft wurde nicht farblich angepasst.
Aufgebaut ist das E-Mountainbike mit gemischten Laufradgrößen mit 29” vorne und 27,5” hinten. Auf den Mavic Crossride 1 CL MS Alu-Felgen sind Reifen aus dem Hause Schwalbe aufgezogen: vorne ein 2,6” breiter Magic Mary Performance und hinten ein 2,4” breiter Big Betty Performance.
Ausstattung im Detail
BULLS setzt am SONIC EVO auf eine umfangreiche Alltagsausstattung und verbaut neben der MonkeyLink-Halterung für ein Frontlicht (das im Lieferumfang aber nicht enthalten ist) zusätzlich MonkeyLink Twinlight-Rücklichter in den Sitzstreben ein.
Technische Daten
Hier eine Übersicht der technischen Details des BULLS SONIC EVO AM 3:
| Ausstattung | Details |
|---|---|
| Motor | Bosch Performance Line CX 85 Nm |
| Akku | Bosch PowerTube 750 Wh |
| Display | Bosch System Controller |
| Federgabel | SR Suntour 36 AION 150 mm |
| Dämpfer | SR Suntour EDGE Comp 2CR 150 mm |
| Sattelstütze | LIMOTEC Alpha 1 150 mm |
| Bremsen | TRP Trail Evo ABS 2.3 203/203 mm |
| Schaltung | Shimano XT/DEORE 1x12 |
| Vorbau | BULLS MTB SLS 50 mm |
| Lenker | BULLS riserbar 780 mm |
| Reifen | Schwalbe Magic Mary Performance / Schwalbe Big Betty Perfomance 2,6/2,4 |
| Gewicht | 26,1 kg |
| Zul. Gesamtgewicht | 150 kg |
Fahrgefühl und Performance
Schwingt man sich auf das BULLS SONIC EVO, nimmt man eine etwas gestreckte Sitzposition ein. Dadurch ist die Position auf dem Bike nicht ganz so bequem wie zum Beispiel beim MERIDA eONE-SIXTY 875 und man muss hier Abstriche im Komfort machen. In puncto Motorleistung unterstützt der Bosch Performance Line CX aber kräftiger als der Shimano EP801-Motor im MERIDA, trotz gleichem Drehmoment.
Das BULLS SONIC EVO meistert den Uphill solide, sowohl auf flachen Forstwegen als auch in steilen Abschnitten, kommt aber nicht an die Kletterfähigkeiten der anderen E-MTBs im Vergleichstest ran. Dreht man dem Aufstieg den Rücken zu und startet in den Trail, steht man nicht integriert, sondern eher etwas stelzig oben auf dem Bike. Auf den ersten Trail-Metern macht sich das fordernde und wenig intuitive Handling bemerkbar.
Das Bike setzt Lenkimpulse wenig berechenbar um und agiert in Kurven bei hohen Geschwindigkeiten giftig. Vor allem auch Anfänger haben dadurch Schwierigkeiten, das E-MTB kontrolliert über den Trail zu bewegen, und es bedarf einer erfahrenen Hand, um das BULLS SONIC EVO im Zaum zu halten. Will man bei hoher Geschwindigkeit verzögern, muss man sich erst einmal an das neue Bremsgefühl des ABS-Systems und somit den verlängerten Bremsweg auf losem Untergrund gewöhnen.
Abrupte Vollbremsungen sind zwar kontrolliert möglich, doch verlängern unter Umständen den Bremsweg. Das erfordert ein Umdenken im Kopf und die Umstellung der eigenen Fahrgewohnheiten. Statt dass man - wie im Rennmodus - gezielt Bremspunkte vor Kurven platziert, kann man mit angezogener Bremse durch lange Kurven rollen, ohne Angst vor einem blockierenden Vorderrad haben zu müssen.
Das ABS lässt sich für den Trail-Einsatz auch einfach per Remote abschalten und für die Heimfahrt wieder reaktivieren. So sollte auf dem Trail ein Überschlag über das Vorderrad ausgeschlossen sein. Kommt das Fahrwerk auf moderaten und gemäßigten Trails mit Schlägen noch gut zurecht, sieht es auf Highspeed-Trails ganz anders aus: Hier konnte uns das Fahrwerk des BULLS SONIC EVO nicht überzeugen, denn das spricht bei Unebenheiten wenig feinfühlig und eher straff an.
In Kombination mit den eher traktionsschwachen Reifen hat man noch weniger Grip. Auch erreicht das Fahrwerk schnell die Federwegs-Grenze und verhaspelt sich, wenn Schläge schnell aufeinander folgen. Dadurch leidet auch die Spurtreue. Bei hohen Geschwindigkeiten durch Steinfeldern und Kompressionen lässt sich die angepeilte Linie nicht mehr präzise halten. Das kann mitunter gefährlich werden, wenn man in diesem Moment auf einen Sprung zurollt.
Das BULLS SONIC EVO ist eher für gemütliche Touren- oder Trekking-Fahrer, die gerne steile Anstiege erklimmen, als für Piloten, die mit hoher Geschwindigkeit über den Trail jagen. Durch die verbaute Lichtanlage eignet es sich auch für Pendler, die gerne mit dem E-MTB zur Arbeit und auf dem Heimweg auch mal gemütliche Trails mitnehmen wollen.
Das verbaute ABS-Bremssystem bietet zwar auf Forststraßen zusätzliche Sicherheit. Für Fahrer, die ihr Bike gern ans Limit bringen, ist das BULLS SONIC EVO aber in Kombination mit dem weniger performanten Fahrwerk eher nichts.
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