Bulls Fahrräder und Zubehör im Test: Ein umfassender Überblick

Die in Köln ansässige Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) führt für ihre Händler auch Eigenmarken, darunter die sportlich ausgerichtete Marke Bulls. Mehr als 10.000 Fahrradfachhändler bilden in Deutschland und im benachbarten Ausland die ZEG.

Bulls Grinder 4 im Detail

Für das Gravel-Spezial im vergangenen Jahr konnten wir bereits das Carbonbike namens Machete als Neuheit ­unter die Lupe nehmen, in dieses Testfeld schicken die Kölner nun das günstigere Alu-Pendant Grinder mit der hochwertigsten Ausstattung. Das übernimmt unverändert die Geometrie des Machete, was unter anderem bedeutet, dass man auf dem Rad sehr aufrecht sitzt.

Durch den kurzen Vorbau und eine ­Sattelstütze ohne Versatz ist der Abstand zwischen Sattel und Lenker relativ klein; auf dem Testrad in Größe M fühlten sich die 1,80 Meter großen Tester etwas eingeengt. Dass der Lenker bei der nächsten Größe L fast drei Zentimeter höher liegt, sollten vor allem Interessenten bedenken, die das Rad vor dem Kauf nicht Probe fahren können. Auch die Breite des Lenkers, mit nur wenig ­Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterlenker, unterstreicht die Idee eines eher gemütlichen Tourers.

Dazu passt das Fahrverhalten, das von stoischem Geradeauslauf geprägt ist. Mit gut elf Kilogramm Gesamtgewicht und vergleichsweise schweren Laufrädern wirkt das Rad insgesamt wenig spritzig, dafür liegt es satt auch auf ruppigen Pisten und verzeiht manch kleinen Fahrfehler. Im TOUR-Testlabor offenbart das Grinder ein extrem steifes Rahmen-Set; hohe Zuladung dürfte ihm demnach wenig ausmachen.

Kritikpunkt und gleichzeitig maßgeblicher Dämpfer für die Gesamtnote ist - neben dem hohen Gewicht - der unterdurchschnittliche Federungskomfort, vor allem an der Front: Die wuchtige Carbongabel, der Stummelvorbau und der unnachgiebige Alu-Lenker führen in Summe dazu, dass kaum etwas federt. Auffangen lässt sich das nur über den Reifendruck, immerhin sind griffige 45er-Pneus aufgezogen, die auf den Felgen allerdings etwas schmaler ausfallen.

Ausstattung und Besonderheiten

Der robuste “Schleifer” (die deutsche Bedeutung von “Grinder”) zeigt sich indes klar auf Touren ausgerichtet; etliche Ösen zur Befestigung von Flaschenhaltern, Gepäckträgern und Schutzblechen laden dazu ein, das Rad auf Expeditionskurs zu trimmen. Außergewöhnlich sind die vier Gewindeösen unter dem Oberrohr, an denen sich eine als Zubehör erhältliche Rahmentasche befestigen lässt.

Weitere Mitgaben sind Stecklichthalterungen, in die beim Kauf allerdings zunächst nur Reflektoren eingeclipst sind; sonderlich stabil wirken sie nicht. Wir würden höherwertige Akkulampen empfehlen oder gleich den Umbau auf Dynamolicht, denn in Gabel und Rahmen sind Kabelkanäle vorbereitet.

Kompromisse erfordert die Testrad-Ausstattung hinsichtlich des Shimano-GRX-Getriebes mit einem Kettenblatt und elf Ritzeln. Die nur leichte Untersetzung im ersten Gang könnte, wenn viel Gepäck am Rad auf steile Anstiege trifft, für weniger trainierte Radler zu straff sein. Am anderen Ende des Übersetzungsspektrums erlaubt das 40er-Kettenblatt auf der Straße keine hohen Geschwindigkeiten, spätestens ab 45 km/h muss man das Grinder rollen lassen.

Die Sprünge zwischen den Gängen fallen vor allem im mittleren Bereich zudem groß aus. Eine qualitativ vergleichbare Version des Rades mit Zweifach-Kurbel bietet Bulls leider nicht an. Wer schneller fahren möchte und sich überwiegend auf befestigten Wegen bzw. Asphalt tummelt, der könnte an einer Ausstattung mit 2x10-Rennrad-Getriebe (Shimano Tiagra) und schnellen 38-Millimeter-Reifen Gefallen finden: Sie kostet 100 Euro mehr als unser Testmodell.

Die günstigeren Varianten des Gelände-­Grinders - der Einstieg beginnt bereits bei 1299 Euro - sind zwar teils mit Doppel-­Kettenblatt ausgestattet, bieten dann aber nur 40-Millimeter-Reifen und ausschließlich mechanisch betätigte Scheibenbremsen, die wir für den Einsatz am Reiserad nicht mehr empfehlen würden. Interessant für Pendler könnte eines der drei komplett ausgestatteten Modelle mit Schutzblechen, Gepäckträger und Dynamolicht sein; die Top-Version für 1999 Euro konnte uns im Test bereits überzeugen. Abgerundet wird das Portfolio von zwei Frauen-Modellen, die auf einem Rahmen mit tiefem Einstieg basieren. Das Machete mit leichterem Carbonrahmen beginnt bei 2799 Euro.

Bulls Grinder 4: Infos & Test-Note

  • Preis: 1899 Euro
  • Gewicht Komplettrad: 11,2 Kilo
  • Rahmengrößen: S, M, L, XL (Testgröße gefettet)
  • TOUR-Note: 2,8

Geometrie

  • Sitz-/Ober-/Steuerrohr: 432/565/161 Millimeter
  • Stack/Reach/STR: 611/383 Millimeter/1,60
  • Stack+/Reach+/STR+: 664/554 Millimeter/1,20
  • Radstand/Nachlauf: 1000/64 Millimeter

Ausstattung

  • Antrieb/Schaltung: Shimano GRX 600/812 (1x11; 40, 11-42 Z.) | Note: 3,0
  • Bremsen: Shimano GRX 400 (160/160 mm) | Note: 2,0
  • Reifen: Schwalbe G-One Bite TLE 45 mm (eff.: 42 mm) | Note: 1,0
  • Laufräder: Ryde Road 21/Formula
  • Laufradgewichte: 1998/2681 Gramm (v./h.)

Messwerte

  • Gewicht Komplettrad: 11.180 Gramm | Note: 5,0
  • Fahrstabilität: 10,5 N/mm | Note: 1,0
  • Komfort Heck: 178 N/mm | Note: 2,7
  • Komfort Front: 142 N/mm | Note: 4,3
  • Antritt/Tretlagersteifigkeit: 94 N/mm | Note: 1,0

Vor- und Nachteile des Bulls Grinder 4

  • Plus: sehr robuster Rahmen, viele Befestigungsmöglichkeiten für Zubehör
  • Minus: nur vier grob abgestufte Größen, relativ schwer und hart

Bulls BP Team: Der Bulls Rucksack zum Bike?

Die deutsche Fahrradmarke Bulls steht seit 1995 für ein breites Portfolio an Fahrrädern, vom günstigen Einsteigerfahrrad bis hin zur Rennmaschine für Profis. Mit dem 2007 gegründeten Bulls Racing Team konnten nicht nur Rennerfolge gefeiert werden, auch die Erfahrung der Profis konnte in die Weiterentwicklung der Produkte einfließen.

Bulls bewirbt ihn mit dem Slogan: Der Bulls Rucksack zum Bike. Praktisch auf dem Rad und im Alltag. Doch auf welchem Rad? Für uns hat der Rucksack ganz klar eine Mountainbike DNA. Dementsprechend erwarten wir von ihm eine gute Performance bei Tagestouren auch abseits befestigter Straßen.

Der BP Team findet genau die Mittellösung. Mit 16 Liter Volumen trifft er genau in die Kategorie Tagestour. Dabei bietet er zwei große Hauptfächer, die sich beide sehr großflächig öffnen lassen. Das vordere Fach bietet drei Netztaschen und ist ausreichend groß dimensioniert, sodass hier ideal Werkzeug und andere Kleinteile transportiert werden können.

Das hintere Fach bietet ebenfalls drei Netztaschen, dabei ist die Oberste mit einem Reisverschluss verschließbar und besitzt einen Schlüsselhalter. Die Netztasche ist somit perfekt für das sichere Verstauen von Geldbeutel, Smartphone und Schlüssel. Darüber hinaus befindet sich in dem hinteren Fach eine Tasche, in der entweder eine Trinkblase oder ein E-Bike Akku mit einer maximalen Länge von 49cm mitgeführt werden können.

An der Front befindet sich ein offenes Fach, das sich durch Einsätze flexibel dehnen lässt. Hier finden Helm oder eine sperrige Jacke ihren Platz. Zusätzlich gibt es auch zwei offene, flexible Seitentaschen, die sich ideal für Trinkflaschen eignen. Abschließend sei positiv zu erwähnen, dass das gewählte Material im Inneren in einem stylischen Grün-Braun gehalten ist.

Der Bulls BP Team ist recht flexibel in seiner Rückenplatte gehalten, das hat Vor- und Nachteile und ist gleichzeitig Geschmackssache, denn nicht jeder Körperbau ist gleich. Auf der positiven Seite besteht die Möglichkeit den Rucksack eng anliegend an seinen Körper mittels der Verstell-Riemen anzupassen, auf der Negativen gibt es keinen Platz, damit Luft ausreichend zwischen Körper und Rucksack zirkulieren kann.

Grundsätzlich trägt sich der BP Team allerdings recht komfortabel. Die Rückenpolster sind angenehm weich gehalten und die Schulterriemen haben eine relativ dünne Polsterung, sind dafür aber auch überdurchschnittlich breit gehalten. Von daher empfiehlt es sich den BP Team nicht allzu schwer zu beladen.

Bulls Iconic Evo FS1: Ein komfortables SUV-E-Bike

Ein wirklich interessantes SUV-E-Bike kommt von Bulls: Das Iconic Evo FS1 besitzt so viele Komfortelemente wie sonst kein Rad im Testfeld. Die gefederte Hinterbau-Schwinge ist starr, im Bulls Vokabular als Monolink Swingarm bezeichnet, und pendelt mit bis zu 120 mm Federweg max. aus.

Clever auch die Lichtanlage: Eine Frontlampe befindet sich unter dem Vorbau. Im(!) Steuerrohr ist ein weiterer Scheinwerfer integriert, der dank Fixierung am Gabelschaft beim Lenken mitpendelt. Ruppige Piste? Nicht nur beim Blick auf die Komponenten, auch in der Praxis zeigt sich das Bulls von seiner Schokoladenseite.

Die äußerst bequeme Sitzhaltung erinnert an die typischer Hollandräder. Sie mindert den Druck auf Hände, Handgelenke und Arme, die lediglich zum Steuern genutzt werden müssen. Das Iconic mit seinen 120 mm Federweg ist ordentlich schluckfreudig und bügelt die teilweise holprige Piste entlang der Altmühl glatt. Schlaglöchern braucht man nicht mehr auszuweichen, man fährt einfach durch.

Obwohl das Fahrwerk durchaus Trailtalent besitzt, die gemäßigte Sitzposition entfaltet ihr Potential auf ruppigen Waldwegen oder glättet Kopfsteinpflaster zu feinstem Asphalt. Wer einen super bequemen Tourer für entspannte Ausfahrten sucht, ist beim Bulls Iconic Evo FS1 richtig.

Bulls SONIC EVO EN-SL 1: Günstiges E-MTB im Test

Mit dem für 6.699 € erhältlichen SONIC EVO EN-SL 1 entsendet BULLS das günstigste E-MTB in den großen E-Mountainbike-Vergleichstest mit 30 Bikes. Kann sich das leichte Vollcarbon-Bike dank neuem Shimano EP801-Motor, großem 750-Wh-Akku und automatischer Shimano XT Di2-Schaltung an die Spitze des Testfelds katapultieren?

BULLS ist eine Marke der ZEG, dem größten Fahrrad-Fachhandelsverband Europas mit über 1.000 Stores. Bei BULLS unterteilt sich das E-MTB Portfolio in die kraftvollen SONIC EVO-Bikes mit Bosch-Motoren und in die leichtgewichtigeren SONIC EVO SL-Bikes mit Shimano-Motoren.

Das Kürzel EN steht für Enduro und zeichnet die langhubigsten E-MTBs im Sortiment für den anspruchsvollen Einsatz im groben Gelände aus. Dafür wurde dem EN-SL 1 ein Fahrwerk mit 160 mm Federweg an Front und Heck sowie 29” große Laufräder verpasst. Außerdem setzen die Stierbändiger bei BULLS auf den neuen Shimano EP801-Motor, der in dieser Form nur einmal im Vergleichstest vertreten ist.

Obwohl das SONIC EVO EN-SL 1 das günstigste E-MTB im Vergleichstest ist, geizt es nicht mit spannenden Eckdaten. Es besitzt einen durchgestylten Vollcarbon-Rahmen mit sehr schlanken Rohrdurchmessern, was unter anderem durch den schmalen BMZ-Akku mit Carbon-Gehäuse realisiert wird. Der 750 Wh große Akku bildet ähnlich wie beim ROTWILD R.X735 die Seitenwand des Unterrohrs und kann werkzeugfrei im 45° Winkel nach oben entnommen werden.

Am Cockpit sorgen der BULLS-Lenker mit interner Zugverlegung für die Motor-Remote und das Schaltungskabel für eine aufgeräumte Optik. Obwohl das BULLS SONIC EVO EN-SL 1 auf den ersten Blick einen sehr sportiven Eindruck macht, besitzt es doch zahlreiche Alltags- und Touren-Features. An der Front sorgt eine MonkeyLink-Aufnahme für eine werkzeuglose Montage eines Frontlichts wie die Supernova M99 - mit nur einem Handgriff lässt es sich anknipsen. Es wird dann vom großen Hauptakku mit Strom versorgt. Auf der Unterseite des Oberrohrs ist - fast unsichtbar - ein FIDLOCK-Flaschenhalter integriert, zudem finden sich noch weitere Anschraubpunkte für zusätzliches Zubehör.

Ausstattung des BULLS SONIC EVO EN-SL 1

Komponente Details
Motor Shimano EP801 85 Nm
Akku BMZ 750 Wh
Display Shimano SC-EM800
Federgabel RockShox Lyrik Select 160 mm
Dämpfer RockShox Super Deluxe Select+ 160 mm
Sattelstütze Limotech Alpha 1 150 mm
Bremsen Shimano DEORE BR-M6120 200/200 mm
Schaltung Shimano DEORE XT Di2 1x11V
Vorbau Poligon BULLS 50 mm
Lenker BULLS Riser 785 mm
Laufradsatz Mavic E-Deemax 30 29"
Reifen Schwalbe Magic Mary Super Trail Evo Soft/ Schwalbe Big Betty Super Trail Evo Soft 2,4/2,4

Technische Daten

  • Größe: S, M, L, XL
  • Gewicht: 22,1 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 130 kg

Das BULLS SONIC EVO EN-SL 1 kann für alle, die auf der Suche nach einem preiswerten Touren- und Alltags-Bike sind, die richtige Wahl sein. Alle, die sich ein E-MTB mit komfortablem Fahrwerk, großem Akku und vielen Features wünschen, und gelegentlich die eigenen Hometrails damit in Angriff nehmen wollen, sind mit dem BULLS gut bedient. Auch schaltfaule Cruiser, die sich beim Verladen keinen Bruch heben wollen, kommen hier besonders auf ihre Kosten.

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