Campagnolo Centaur vs. Shimano: Ein detaillierter Vergleich

Test: Funktion auf oberstem Niveau zum Einstiegspreis - das ist das vollmundige Versprechen von Campagnolo zur neuen Centaur Einstiegsgruppe. Mit der neuen Einstiegsgruppe bläst man unverblümt zum Angriff auf das Einstiegssegment im Rennradbereich und damit natürlich vor allem auf Shimanos bewährte 105er Gruppe. Mit einer UVP von knapp 674€ liegt man zwar etwas über den Straßenpreisen der japanischen Konkurrenz.

Die Kurbel

Fangen wir beim größten und für viele wahrscheinlich auch spannendsten Bauteil an - nämlich der Kurbel. Diese besteht komplett aus Aluminium, kommt im inzwischen etablierten 4-Arm-Design und ist in puncto Design an Potenza, Record und Co. angelehnt. Wie die komplette Gruppe gibt es auch die Kurbel wahlweise mit einem schwarz-matten Finish oder aber in silber/poliert. Die Centaur Kurbel wird in zwei Abstufungen erhältlich sein: 52 / 36 und 50 / 34. Ein stilles Highlight ist zweifelsohne die Ultra Torque Achse, die Campa-Fans wohl schon von Record und Super Record Kurbeln kennen.

Zwei Achshälften sind auf beiden Seiten fest mit den Kurbelarmen verbunden und werden in einer cleveren Konstruktion mit einer verdrehsicheren Verzahnung bei der Montage verbunden. Die Steifigkeitswerte sind exzellent und dank der festen Verbindung kommen Probleme wie Knacken oder Quietschen quasi nie vor.

Das Schaltwerk

… liegt die Stärke. Das dachte man sich wahrscheinlich im Campy Lab, als man sich Gedanken zum neuen Centaur Schaltwerk machte. Gerade bei Einsteigergruppen sind Kassetten mit einer großen Bandbreite und entsprechend großen Ritzeln immer ein Thema. So wird es auch für die Centaur eine 11-32 Variante geben. Dieser Umstand stellt die Entwicklungsabteilungen jedoch meist vor ein Problem: Die kurzen Käfige der Schaltwerke sind meist nicht für die großen Ritzel ausgelegt und so gibt es von der Konkurrenz zwei Versionen des Schaltwerks mit unterschiedlich langen Käfigen.

Möglich macht das ein komplett neues Schaltwerksdesign, das in dieser Form nicht einmal Campas Edel-Gruppe Super Record hat: Man hat Detailverbesserungen beim Umlenkwinkel des Käfigs vorgenommen und zudem setzt man auf ein oberes Umlenkröllchen mit extra-langen Zähnen, das die Schaltqualität auch in Extremsituationen auf einem sehr guten Niveau halten soll. Mit 230g ist das Schaltwerk zudem in dieser Klasse sehr leicht.

Umwerfer und Kassetten

Den Umwerfer gibt es mit Schelle und als Anlöt-Variante und ihn unterscheidet nur wenig vom Potenza-Pendant. Kassetten wird es wie bereits erwähnt in den Abstufungen 11-29, 11-32 und 12-32 geben. Sie sind bis auf das Eloxal-Finish baugleich mit den Varianten der Potenza und liegen auch bei Gewicht und Schaltqualität auf diesem Niveau.

Auch optisch erkennt man den Unterschied erst auf den zweiten Blick - dafür sind die Centaur Kassetten ein paar Euro günstiger. Sicherlich auch eine attraktive Option für preisbewusste Potenza-Fahrer.

Ergopower Hebel und Bremsen

Ganz besonderen Wert legt man bei Campagnolo auf die Ergonomie der Ergopower Hebel - so auch bei der Einstiegsgruppe. Man verspricht, dass sich in diesem Bereich die Centaur Ergopower nicht von den Super Record Modellen unterscheiden. Wenig überraschend hält man an der „Ein Hebel, eine Funktion-Philosophie“ fest, die Campa Fans seit vielen Jahren kennen und schätzen. Die kleinen Trigger auf der Innenseite für den Daumen sind an die EPS-Variante der Record Gruppen angelehnt und leicht nach unten gebogen.

Die ebenfalls komplett neuen Centaur Dual Pivot Bremsen sollen nicht nur leichter sein als vergleichbare Produkte der Konkurrenz, sondern auch deutlich mehr Power bieten. Das liegt unter anderem auch an einer neuen Gummimischung die bei den Belägen zum Einsatz kommt. Freunde breiter Reifen können ebenso aufatmen: Zwischen den Armen ist ausreichend Platz für Pneus bis 28mm - das sagt man uns zumindest seitens Campagnolo.

Fahrtest und erster Eindruck

Beim Campagnolo Pressecamp auf Gran Canaria hatten wir die Gelegenheit, die neue Einsteigergruppe auf einer wunderschönen Fahrt über die Kanareninsel ausgiebig zu testen. Was direkt vom ersten Moment auffällt, ist dass man bezüglich der Ergonomie wahrlich nicht zu viel versprochen hat. Im Blindtest würde ich mir jedenfalls nicht zutrauen, zwischen Centaur und Record unterscheiden zu können. Als Freund der Campagnolo-Philosophie der getrennten Hebel fühlte ich mich sofort zuhause und war von den insgesamt wirklich geringen Handkräften angetan.

Klar: Ganz an das Niveau der Top-Gruppe reicht das Schaltgefühl nicht heran, dafür sind die Wege zu lang und ab und an lassen sich Schaltwerk oder Umwerfer dann doch ein paar Zehntelsekunden mehr Zeit bis zum Gangwechsel. An unseren Testrädern waren die Gruppen mit schwarzem Finish verbaut. Simpel, unauffällig, aber keinesfalls billig ist der erste optische Eindruck. Das matte Finish weiß gerade an der Kurbel zu gefallen und auch sonst gibt es wahrlich nur wenig auszusetzen.

Dass die Bremshebel aus Kunststoff sind, tut der Funktion keinen Abbruch, fühlt sich aber anfangs doch ein wenig befremdlich an. Auch bei den Bremsen kann man das Marketingversprechen auch in der Praxis halten: Die Centaur Stopper haben richtig viel Power! In Kombination mit den neuen Scirocco Laufrädern (dazu bald mehr bei uns) stellte sich fast ein digitales Bremsverhalten ein und es fiel gerade bei anfänglichen Abfahrten etwas schwer, die richtige Dosierung zu finden.

Marktanteile und Produktion

Die Marktanteile sind klar verteilt. Das japanische Unternehmen Shimano produziert und verkauft mit großem Abstand die meisten Fahrradteile weltweit. Auf den Plätzen folgen SRAM (USA) und Campagnolo (Italien). Die Traditionsmarke Campagnolo fertigt ausschließlich Rennrad- bzw. in jüngster Zeit auch Gravelbike-Komponenten; die Teile finden sich aber kaum mehr an Serienrädern, was mehr an Preis- und Vertriebsstrukturen liegt als an der Funktion und Qualität der Produkte.

Die Marktanteile spiegeln auch wider, wie kosteneffizient die Hersteller produzieren können. Shimano hat starke Wurzeln in der Fertigungstechnik, unterhält zahlreiche Werke in vielen Ländern und forciert die Automatisierung. So lässt sich sogar im Hochpreisland Japan konkurrenzfähig produzieren.

Qualitätsniveau und Kompatibilität

Schalten und Bremsen klappt mit allen Gruppen gut, das Qualitätsniveau ist insgesamt sehr hoch. Die Abstufungen zwischen den Gruppen sind in der Funktion kaum auszumachen, das gilt insbesondere für die elektrischen Schaltungen. Auch die vergleichsweise günstigen Elektroschaltungen Shimano GRX Di2 und SRAM Rival AXS sind klasse. Teurere Teile sind vor allem leichter, aufwendiger designt und manchmal auch haltbarer.

Die Entscheidung für eine bestimmte Komponentenmarke wirkt lange nach. Denn die Teile verschiedener Marken lassen sich untereinander kaum austauschen oder kombinieren. Die einzelnen Teile einer Marke lassen sich innerhalb gewisser Grenzen miteinander kombinieren. Das kann interessant sein, um beispielsweise Verschleißteile wie Kette oder Ritzel aus einer preiswerteren Gruppe mit einer höherwertigen Schaltung zu nutzen.

Ein Tausch zwischen den Marken klappt nur vereinzelt; Zehn- und Elffach-Ritzel von Shimano lassen sich etwa mit den Zehn/Elffach-Schaltungen von SRAM kombinieren. Die Schalt- und Bremsgriffe von Shimano, SRAM und Campagnolo kann man jedoch nicht tauschen. Verschieden sind auch die Rotoren, auf die die Ritzel aufgesteckt werden.

Ersatzteile

Rennräder werden meistens über viele Jahre und noch mehr Kilometer gefahren. Deshalb ist es wichtig, für möglichst lange Zeit Ersatzteile kaufen zu können:

  • Campagnolo: Die Ersatzteilversorgung ist erfahrungsgemäß vorbildlich; viele Einzelteile sind erhältlich, das zentrale Servicecenter gilt als hilfsbereit - auch für Privatkunden. Lange Produktzyklen. Die Ersatzteilliste samt Preisen finden man auf www.campagnolo.com.
  • Shimano: Erfahrungsgemäß weitgehend unproblematisch; großes Teilesortiment, das über Shimano-Servicecenter vertrieben wird. Auf der Shimano-Webseite ist für jedes Bauteil nachvollziehbar, welche Ersatzteile es dafür gibt.
  • SRAM: Ersatzteile sind rar und teuer. Schäden oder Verschleiß an teuren Einzelkomponenten (aus einem Stück gefrästes Ritzelpaket) laufen auf einen Neukauf hinaus. Powermeter, die man nach Ende der Batterielaufzeit entsorgen bzw. ersetzen muss, illustrieren die Philosophie der Amerikaner. www.sram.com

Mechanische vs. elektronische Schaltungen

Der Bowdenzug ist eine bewährte, günstige und zuverlässige Technik, um Signale oder Kräfte zu übertragen - aber auch empfindlich und Verschleiß unterworfen. Elektronische Schaltungen machen für Hersteller, Mechaniker und Rennradler vieles einfacher und sicherer, weshalb sie unaufhaltsam Marktanteile gewinnen. Bei den Top-Gruppen bietet nur noch Campagnolo die Option, mit Handkraft zu schalten.

Elektroschaltungen lassen sich einfacher bedienen, das ist ihr größter Vorteil für den Nutzer. Über Tipptasten wechseln die Gänge narrensicher, da schleift und reibt nichts und längt sich kein Schaltseil. Einmal richtig eingestellt, funktioniert die Schaltung dauerhaft präzise - oder gar nicht, digital eben. Der Umwerfer schaltet mit Servomotor zudem knackiger und zuverlässiger als eine noch so routinierte Hand das kann.

Rennrad-Bremsen im Vergleich

Die Scheibenbremse ist unter Rennradfahrern immer noch ein heißes Eisen - viel kritisiert wegen des Mehrgewichts von mindestens einem Pfund und der als aufwendiger empfundenen Wartung und Pflege. Die Hersteller forcieren Scheibenbremsen, viele neue Radmodelle sind nur noch mit Discs erhältlich.

Campagnolo und Shimano verwenden Hydrauliköl als Medium, SRAM setzt Dot-Bremsflüssigkeit ein. In der Praxis haben uns die Campagnolo-Bremsen bislang am besten gefallen, sie gehen leise und kraftvoll zur Sache und sind einfach einzustellen. Shimanos leichte Ice-Tech-Scheiben haben zwei Gesichter: top bei niedrigen bis mittleren Geschwindigkeiten, problematisch bei extremen Belastungen.

Übersetzungen

Moderne Rennrad-Antriebe können vieles - die perfekte Übersetzung für alles und jeden gibt’s aber leider immer noch nicht. Rennradgetriebe sind traditionell fein abgestuft; in den schnellen Gängen strebt man an, dass die nebeneinander liegenden Ritzel um einen Zahn größer bzw. kleiner werden. Damit lässt sich in flotter Fahrt flüssig kurbeln.

Andererseits soll das Getriebe Bergfahrten aller Art ermöglichen, was große Ritzel mit vielen Zähnen notwendig macht, mit denen sich das Ideal des Ein-Zahn-Sprungs nicht verwirklichen lässt. Beide Anforderungen unter einen Hut zu bringen, erfordert also Kompromisse, auch wenn heutzutage elf oder gar zwölf Ritzel am Hinterrad Platz finden.

Campagnolo und seine Tradition

Edle Komponenten, knackiger Gangwechsel, kleine Daumenschaltgriffe und jede Menge Tradition - das ist Campagnolo. Viele Kunden der italienischen Kultmarke kaufen sich ein Campa-Rad nicht nur wegen der Funktionalität. Nein, auch weil sie etwas mit Campa verbinden: die pure Radsportleidenschaft. Jahrzehntelang war Campagnolo Marktführer im Rennrad-Bereich.

Rennrad Schaltgruppen im großen Überblick

Shimano oder SRAM oder am Ende doch Campagnolo? Das ist so etwas wie eine Glaubensfrage, wenn es um die Ausstattung von Rennrädern geht. Diese Frage ist durch die Entwicklung elektronischer Schaltungen und Scheibenbremsen nicht gerade einfacher geworden. Im Folgenden geht es darum, die grundlegenden Unterschiede zwischen den Schalt- und Bremssystemen darzustellen und die Eigenheiten der verschiedenen Gruppen zu verdeutlichen.

Bestandteile einer Rennrad-Gruppe

Eine komplette Rennrad-Gruppe besteht aus folgenden Komponenten:

  • Brems-Schalthebel
  • Schaltwerk
  • Umwerfer
  • Kurbel
  • Innenlager
  • Kassette
  • Kette
  • Bremskörper

Eine Rennrad-Gruppe umfasst somit alle Teile, die zum Antrieb gehören sowie die Bremsen. Die Bestandteile der Schaltgruppe sind damit ausschlaggebend dafür, wie Schalt- und Bremsvorgänge an deinem Rad funktionieren.

Mechanisch oder elektrisch schalten?

Der grundlegende Unterschied zwischen diesen Systemen besteht in der Übertragung des Schaltimpulses an Schaltwerk und Umwerfer. Folgende drei Möglichkeiten bestehen:

  • Mechanisch: über ein System von Schaltzügen
  • Elektronisch: über Kabel oder Funk
  • Hydraulisch: durch Hydraulikflüssigkeit in speziellen Hydraulikleitungen

Vor- und Nachteile mechanischer Rennradschaltungen:

  • + Gewicht
  • - Verschleiß der Züge
  • + Leichte Reparatur unterwegs (z.B. bei gerissenen Zügen)
  • - Schwergängig bei ungünstiger Verlegung der Züge
  • + (relativ) preiswert

Vor- und Nachteile elektronischer Rennradschaltungen:

  • + Stets optimale Funktion
  • - Abhängigkeit von Stromquelle
  • + Relativ unempfindlich gegen Schmutz
  • - Reparatur unterwegs kaum möglich
  • - Meist höheres Gewicht als mechanische Schaltungen

Vor- und Nachteile hydraulischer Rennradschaltungen:

  • + Stets optimale Funktion
  • - Reparatur unterwegs kaum möglich
  • + Tausch oder Nachstellen von Zügen nicht nötig
  • - Höheres Gewicht als mechanische Schaltungen
  • + Weniger anfällig, schwergängiger in der Funktion als mechanische Schaltungen

Felgenbremse oder Disc?

Auch in Sachen Bremsen hat es in den letzten Jahren interessante Entwicklungen am Rennrad gegeben. Lange Zeit war die (mechanische) Felgenbremse am Rennrad alternativlos. Seit ungefähr fünf Jahren werden immer mehr Rennräder mit (hydraulischen) Scheibenbremsen angeboten, sodass nun zwischen zwei Systemen mit ihren Vor- und Nachteilen gewählt werden kann:

  • Felgenbremse
  • Scheibenbremsen

Vor- und Nachteile von Felgenbremsen:

  • + geringes Gewicht
  • - Geringe Bremskraft bei nassen Verhältnissen
  • + leichte Wartung
  • - Verschleiß von Felgen

Vor- und Nachteile Scheibenbremsen:

  • + hohe, zuverlässige Bremskraft bei allen Wetterverhältnissen
  • - Schwerer als mechanische Felgenbremsen
  • + kein Verschleiß der Felgen
  • - Neigen unter nassen Bediengungen gelegentlich zum quietschen
  • - Unterwegs kaum zu reparieren

Shimano, SRAM oder Campagnolo?

Komplette Rennrad-Gruppen werden von fünf Herstellern angeboten:

  • Shimano
  • SRAM
  • Campagnolo
  • FSA
  • Rotor

Shimano und Campagnolo sind die Hersteller, die schon am längsten im Geschäft sind. SRAM, vormals Sachs, ist noch nicht ganz so lange dabei. Relativ neu auf dem Rennradmarkt sind Rotor und FSA.

Übersicht der Gruppen

Die drei großen Hersteller Shimano, SRAM und Campagnolo bieten jeweils mehrere Schaltgruppen unterschiedlicher Qualitäts- und damit auch Preisklassen an.

Shimano SRAM Campagnolo
Dura Ace (Di2) ; Disc ; 2x11 Red (eTap) ; Disc ; 2x11 Super Record (EPS) ; Disc ; 2x12
Ultegra (Di2) ; Disc ; 2x11 Force ; Disc ; 2x11 ; 1x11 Record (EPS) ; Disc ; 2x12
105 ; Disc ; 2x11 Rival ; Disc ; 2x11 ; 1x11 Chorus (EPS) ; Disc ; 2x11
Tiagra ; Disc ; 3x10 ; 2x10 Apex ; Disc ; 2x11 ; 1x11 Potenza ; Disc ; 2x11
Sora ; 3x9 ; 2x9 Centauer ; 2x11
Claris ; 3x8 ; 2x8
Tourney ; 3x7 ; 2x7

Fazit

Insgesamt ist die Campagnolo Centaur 2018 eine wirklich runde Sache. Der Preis ist attraktiv, das Gewicht mehr als konkurrenzfähig und das Wichtigste: Bei Performance und Ergonomie erinnert vieles an die deutlich teureren Gruppen aus Vicenza.

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