Cube Attain C:62 SLT: Ein Preis-Leistungs-Tipp im Rennradbereich

Das Cube Attain der jüngsten Generation nimmt im Sortiment des bayerischen Fahrradbauers weiterhin den Platz des unkomplizierten Rennrads für alle Gelegenheiten ein. Mit betonter Komfortgeometrie zieht Cube eine scharfe Trennlinie zum Agree, das zwar ebenfalls als Marathonrad kategorisiert ist, durch aerodynamisch optimierte Rohrformen und eine sportive Sitzposition aber deutlich Richtung Wettkampfrenner tendiert.

Das neue Top-Modell des Cube Attain kostet 2999 Euro. Natürlich ist auch das noch ein ordentlicher Batzen Geld für ein Fahrrad - aber mit Blick auf die Mitbewerber konkurrenzlos. Schließlich wuchert das C:62 SLT mit einer Ausstattung, wie sie sonst nur an deutlich teurere Modelle geschraubt wird.

Für vergleichbare Räder mit moderner, elektronischer Schalttechnik sowie leichten Laufrädern und Sattelstütze aus Carbon ruft selbst die Versandhandelskonkurrenz aus Bocholt oder Koblenz mindestens 2200 Euro mehr auf. Bei großen Fachhandelsmarken wie Giant, Specialized oder Trek wird für ähnliche Ausstattungsversionen mindestens das Doppelte fällig. Wie schafft Cube das? Auf Nachfrage verweist der größte deutsche Fahrradbauer auf günstige Einkaufskonditionen, schlanke Unternehmensstrukturen und die eigene Produktion an der deutsch-tschechischen Grenze.

Doch der riesige Preisunterschied wirft noch eine weitere Frage auf: Ist das Cube eine Mogelpackung? TOUR ist der Frage in Labor und Praxis nachgegangen.

Komfort und Geometrie

Fast drei Zentimeter ist das Steuerrohr des Attain länger, der Lenker somit höher. Der Quotient aus Stack+ und Reach+, der zur Einordnung der Sitzposition auch Vorbau und Lenker berücksichtigt, bewegt sich auf dem Niveau reisetauglicher Gravelbikes. Kurzum: Recht viel rückenschonender kann man aktuell auf einem straßentauglichen Rennrad kaum sitzen; das Attain ist für lange Tage im Sattel prädestiniert.

Die Materialfrage beantworten beide Endurance-Plattformen der Waldershofer gleich, indem das Attain erstmals die Rahmenqualität des Agree übernimmt. Der Anteil an Carbonfasern liegt bei 62 Prozent, deshalb auch die Modellbezeichnung. Ein mit Nano-Partikeln versetztes Harz hält das Geflecht zusammen. Bei höheren Qualitätsstufen reduziert Cube den Anteil des “Klebers” weiter und optimiert die Belegung, womit sich vor allem leichtere Rahmen-Sets für Race-Plattformen wie das Litening Aero backen lassen.

Für das Attain nennt Cube ein Rahmengewicht von 1150 Gramm. Die direkten Konkurrenten von Canyon und Rose machen für vergleichbare Modelle ähnliche Angaben. Das Testrad hängt mit knapp über acht Kilogramm an der Waage, wobei das C:62 SLT enorm vom Aufbau mit leichten Newmen-Carbonlaufrädern profitiert und sich ausgesprochen leichtfüßig fährt. In dieser Preisklasse ist das ein Alleinstellungsmerkmal, in vielen Rädern der Konkurrenz stecken meist Laufräder mit Alu-Felgen.

Neuerungen und Unterschiede zum Vorgänger

Neu sind im Vergleich zum Vorgänger die etwas längeren Kettenstreben und größere Reifenfreiheit, womit Cube den Renner für den Einsatz auf Schotterpisten wappnet. Durch die längeren Kettenstreben wächst auch der Radstand, wovon der Geradeauslauf profitiert; das lehnt das ohnehin schon gutmütige Lenkverhalten des früheren Attain noch mehr an das eines Schotterspezialisten an.

Durch den Platz für bis zu 34 Millimeter breite Pneus - bei den mit HPA (High Performance Aluminium) gekennzeichneten Modellen 32 Millimeter - lässt sich das Marathonrad zudem für Fahrten über Feld- und Waldwege umrüsten. Damit zieht die Neuheit wie schon erwähnt eine klare Trennlinie zum Agree, das deutlich direkter und wendiger auf Lenkbefehle reagiert, sowie mit der maximalen Reifenfreiheit geizt.

Ab Werk rollt das neue Attain auf 30 Millimeter breiten Grand Prix von Continental, die ordentlich rollen, aber nur mit Schlauch gefahren werden können. Im Serientrimm lässt sich dadurch relativ wenig Einfluss auf den Federkomfort nehmen, der in Labor wie Praxis durchschnittliches Niveau erreicht. Zwar spendiert Cube dem Top-Modell eine runde Carbonsattelstütze mit langem Auszug, die integrierte Klemmung übernimmt das Rad von teureren Modellen; wie beim Agree ist das Heck dennoch straff abgestimmt, an der Front mit robuster Lenker-Vorbau-Kombi aus Aluminium werden Unebenheiten ebenfalls wenig gefiltert.

Das Attain schreit damit förmlich nach breiteren Gummis, auch weil die montierten Reifen zwischen den weit ausgestellten Gabelholmen und Sitzstreben etwas verloren wirken. Tubeless-fähige Pneus mit 32 Millimetern, im Onlinehandel ab 40 Euro erhältlich, würden das Cube besser federn und näher an die Kategorie der Allroadbikes heranrücken lassen.

Ausstattung und Technik

Highlight des C:62 SLT ist der Aufbau mit aktueller 2x12-Schalttechnik von Shimano. Die elektronische Ultegra-Gruppe funktioniert tadellos, die Gänge wechseln geschmeidig, die Bremse lässt sich gut dosieren. Die Kombination aus Kompaktkurbel (50/34 Zähne) und großer Kassette (11-34 Zähne) nimmt steilen Rampen den Schrecken, die Gänge sind eng gestuft. Die Reichweite des zentralen Akkus ist üppig, Schaltwerk und Umwerfer brauchen erst nach zigtausend Gangwechseln frischen Strom.

Ein aufgeräumtes Cockpit, durchschimmernde Carbonlagen am Rahmenset und Befestigungspunkte für eine kleine Tasche verleihen der Top-Version einen modernen Charakter. Indem die Bremsleitungen unter dem Vorbau ins Steuerrohr geführt werden, bleibt Spielraum für die Positionsanpassung. Die Platzierung der Taschen-Montagepunkte im hinteren Rahmendreieck erinnert an das Agree, auf Nachfrage soll demnächst ein passendes Nylon-Täschchen verfügbar sein. Für feste Schutzbleche ist das Chassis indes nicht mehr vorbereitet, die Option bietet Cube aktuell nur noch beim Gravelbike Nuroad.

Preis-Leistungs-Tipp

Schicke Optik, erstklassig ausgestattet, tadellos verarbeitet und günstig: Mit dem Attain C:62 SLT stellt Cube erneut ein Rennrad der Kategorie “Preis-Leistungs-Tipp” auf die Reifen. Das 2999-Euro-Modell, das 200 Euro mehr als das günstigste Agree kostet, leistet sich keine nennenswerten Schwächen. Randonneure dürften sich eventuell etwas mehr Langstreckenkomfort wünschen, die Investition in breitere, höherwertige Reifen ist daher empfehlenswert.

Neben der Top-Variante sind zwei weitere, günstigere Ausstattungsvarianten mit Carbonrahmen erhältlich. Durch einfachere Komponenten fallen die Modelle aber um 600 bzw. 1200 Gramm schwerer aus.

Gleich drei Carbon-Räder - das Radon Spire 8.0, das Cube Attain C:62 SLX und das Van Rysel Allroad NCR Apex - sind mit elektronischen Shimano-105- beziehungsweise Sram-Apex-AXS-Gruppen ausgestattet. Die Ausrichtung dieser drei Modelle ist extrem unterschiedlich: Das Radon ist ein sportives Race-Bike mit einer hohen Agilität. Das Attain ist dagegen ein recht leichtes Endurance-Modell, das vor allem mit seiner Laufruhe und einem hohen Langstreckenkomfort überzeugt.

Cube Attain GTC Race: Träges Touren-Rennrad

Das Attain GTC als “Brot-und-Butter-Rad” von Cube zu bezeichnen, ist weder abwertend noch ungerecht. In der Ausstattungsvariante Race ist es nicht nur das günstigste Attain-Modell, sondern zählt marktübergreifend zu den preiswertesten Rennrädern mit Carbonrahmen und punktet mit zuverlässigen Komponenten. Wohl auch deshalb führt der bayerische Fahrradbauer das Attain seit Jahren nahezu unverändert im Sortiment und lässt sich mit einer ausführlichen Modellpflege Zeit.

Die Abkürzung im Modellnamen deutet bereits auf seine Kernkompetenz hin: Das “Gran Turismo Composite” ist für lange Tage im Sattel konzipiert, wobei die Rahmengeometrie an komfortable Geländeräder angelehnt ist. Das lange Steuerrohr bringt den Fahrer in eine betont aufrechte Sitzposition - gut für den Rücken, weniger gut für eine rennmäßige Sitzhaltung. Der lange Radstand lässt das Cube wie auf Schienen dahingleiten. Dass es relativ träge über den Asphalt rollt, ist dem hohen Gesamtgewicht geschuldet.

Wie bei den Disc-Konkurrenten in dieser Preisklasse fällt der hauseigene Alu-Laufradsatz sehr schwer aus. Die Kurbelgarnitur mit massiven statt hohlen Armen schlägt ebenfalls zu Buche. Abzüge gibt es zudem wegen günstiger Bremsscheiben mit schwächerer Bremsleistung. Zwar ist auch die klassisch runde Sattelstütze vergleichsweise einfach konzipiert, federt dank eines langen Auszugs aber gut und gibt um 7,5 Millimeter nach. Laut Herstellerangabe ist damit die maximale Reifenfreiheit ausgereizt, das Rahmen-Set verträgt nach unserem Ermessen aber bis zu 32 Millimeter breite Gummis.

Cube Agree C:62

Cube positioniert den Bestseller Agree seit jeher am sportlichen Pol der Marathon-Kategorie. Der aero-optimierte Carbonrahmen des aktuellen C:62* - speziell das geschwungene Sitzrohr erinnert ans Wettkampfmodell Litening - gibt eine sportliche Sitzposition vor, womit sich das neue Agree an Radsportler richtet, die gerne auch mal rennmäßig auf dem Rad sitzen können und wollen.

Das Agree ist auch in der Basisversion ein kerniger Geselle. Während das Heck dank Carbonstütze und schlanker Sitzstreben Stöße noch passabel abfedert, wird es am Lenker auf holprigem Terrain ziemlich unruhig. Etwas mehr Federkomfort ließe sich mit breiteren Reifen rausholen, Cube gibt das Agree für bis zu 31 Millimeter breite Pneus frei.

Für 2899 Euro bekommt man ein Rad, das künftig mit Shimano-­Komponenten elektronisch (105 Di2 2x12) statt mechanisch (Ultegra 2x11) schaltet. Ein kleiner Makel sind die günstigen Brems­scheiben, die das Potenzial der Bremse nicht ausschöpfen. Der begrenzte Lenkeinschlag erschwert den Radtransport beispielsweise im Auto.

Für Rennradler, die weniger mit epischen Radmarathons als mit schnellen Hausrunden und Jedermannrennen lieb­äugeln, ist das Agree eine vergleichsweise günstige Option, um ein noch vielseitiges, aber klar sportliches Marathonrad zu fahren, das eindeutig auf der Straße bleiben will.

Cube Agree C:62 - Ausstattung

  • Antrieb/Schaltung: Shimano 105 Di2 (2x12; 50/34, 11-34 Z.)
  • Bremsen: Shimano 105/Shimano Deore (160/160 mm)
  • Laufräder/Reifen: Newmen Performance Road 32/Continental Grand Sport Race 28 mm

Cube Litening Aero C:68 SLX

Das erste nach aerodynamischen Gesichtspunkten designte Rennrad stellte Cube bereits 2019 vor. Der Ansatz des lupenreinen Aero-Renners erscheint heute, wo Hersteller zunehmend die Balance aus Gewicht und Aerodynamik suchen, zwar leicht angestaubt. Als Arbeitsgerät von Biniam Girmay, Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France 2024, konnte das Litening Aero aber beweisen, dass es noch längst nicht zum alten Eisen gehört.

Weil die Marke aus der Oberpfalz nicht alle Fahreigenschaften der Aerodynamik unterordnete, kann das Rad auch sechs Jahre nach seiner Premiere noch gut im Peloton mitrollen. Ohne Übertreibung spektakulär ist der Preis, denn das Cube kostet weniger als die Hälfte dessen, was andere Hersteller für vergleichbare Boliden mit Top-Ausstattung aufrufen.

Zwar stellt Cube das schwerste Rad im Test; vor allem das Rahmen-Set drückt auf die Waage, in Zahlen gefasst mit fast 500 Gramm mehr als das leichteste ­Chassis (Specialized) im Vergleich. Die ­Ausstattung mit leichter SRAM-Gruppe und Newmen-Laufrädern mit Carbonspeichen verhindert aber, dass der Abstand zur Konkurrenz zu groß wird. In der Aerodynamik-­Wertung steht das Litening immer noch gut da und landet im vorderen Mittelfeld. Die Position ist stramm sportlich, das Lenkverhalten klassisch direkt.

Cube Litening Aero C:68 SLX: Infos & Test-Note

  • Preis: 7299 Euro
  • Gewicht Komplettrad: 7,3 Kilo
  • Aerodynamik: 208 Watt

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