Carbon Motorradverkleidung: Vorteile und Nachteile

Carbon Motorradverkleidungen sind bei Motorradfahrern beliebt, die Wert auf Gewichtsersparnis, Stabilität und Optik legen. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Carbonverkleidungen, gibt Einblicke in den Herstellungsprozess und nennt einige Hersteller.

Was ist Carbon?

Carbon ist ein Verbundwerkstoff aus Kohlefasern und Kunststoff. Die einzelnen Fasern sind sechs- bis zehnmal dünner als ein menschliches Haar und werden in einem thermo-chemischen Verfahren (Pyrolyse) aus kohlenstoffhaltigen Materialien gewonnen. Nach dem Spulen zu Endlosfäden wird das Material zu Matten gewoben. Beim Weben entsteht die charakteristische Netzstruktur, die sich bei Belastung nicht gegeneinander verschiebt. Dadurch widersteht sie hohen Zugkräften aus jeder Richtung.

Vor der Verarbeitung werden die Matten in Kunstharz getränkt (Imprägnieren oder Laminieren) und in Formen gelegt. Zum Aushärten kommen die Formen in einen Ofen oder einen Autoklaven. Im ersten Fall spricht man von „Tempern“, im zweiten von „Backen“. Das ausgehärtete Material heißt carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK) oder auch kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (KFK). Oder schlicht Carbon.

Herstellungsprozess von Carbonteilen

Der Herstellungsprozess von Carbonteilen ist komplex und erfordert Fachwissen. Hier eine Übersicht der einzelnen Schritte:

  1. Reinigen der Form: Die Form, in der das Carbonteil gefertigt wird, muss sauber sein.
  2. Zuschneiden und Einlegen der Matten: Die vorbehandelten Carbonmatten werden zugeschnitten und faltenfrei in die Form eingelegt.
  3. Vakuumierung: Ein Unterdrucksack entzieht während des Backens überschüssige Bindemittel aus den Teilen.
  4. Aushärten im Autoklaven: Im Autoklaven werden die Teile unter Druck und hohen Temperaturen gebacken.
  5. Entformen: Nach dem Backen wird das Bauteil aus der Form gelöst.
  6. Nachbearbeitung: Ein Mitarbeiter schneidet die überstehenden Ränder ab, entgratet das Teil und bereitet es fürs Lackieren vor.
  7. Lackieren: Der letzte Schritt ist das Lackieren - meist mit Klar-, mitunter auch mit Buntlack. Oder als Kombination.

Vorteile von Carbon Motorradverkleidungen

  • Gewichtsersparnis: Carbon ist ein sehr leichtes Material, was zu einer Reduzierung des Gesamtgewichts des Motorrads führt.
  • Stabilität: Carbon ist dank des strukturellen Aufbaus sehr stabil. Daher reißt es nicht so schnell wie beispielsweise glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK).
  • Optik: Carbon hat eine einzigartige Optik, die das Motorrad aufwertet.
  • Schutz: Die Zähigkeit von Carbon schützt die darunterliegenden Teile sehr gut. Außerdem ist die Gefahr wesentlich geringer, dass der Motor oder Rahmenteile bei einem Sturz beschädigt werden.

Racing-Verkleidungen

Eine Racing-Verkleidung ist eine speziell entwickelte Karosserie, die Rennmotorräder aerodynamischer macht, das Gewicht reduziert und zusätzlichen Schutz bietet. Viele Racing-Verkleidungen haben integrierte Luftkanäle, die den Luftstrom gezielt zum Kühler, zum Motor oder zu den Bremsen leiten. Die meisten Racing-Verkleidungen sind für den Einsatz auf der Rennstrecke gedacht und haben keine Halterungen für Spiegel, Blinker oder Scheinwerfer. Das geringere Gewicht der Verkleidung verbessert die Beschleunigung und Handhabung des Motorrads. Racing-Verkleidungen verleihen dem Motorrad ein aggressives, professionelles Aussehen, das an Rennmaschinen erinnert.

Nachteile von Carbon Motorradverkleidungen

  • Preis: Carbonteile sind in der Regel teurer als Teile aus anderen Materialien.
  • Reparatur: Die Reparatur von Carbonteilen kann aufwendig und teuer sein.
  • Bruchgefahr: Carbon kann bei starker Belastung brechen. Das Carbon auch brechen kann zeigen uns ja die Formel 1 Rennfahrer ständig.
  • Eintragungspflicht: Carbonteile aus dem Zubehör müssen in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Oder man führt alternativ eine ABE mit sich.

Verwendungsmöglichkeiten von Carbon am Motorrad

Carbon findet in verschiedenen Bereichen des Motorrads Verwendung:

  • Verkleidungen
  • Schutzbleche
  • Endtöpfe
  • Sporthandschuhe
  • Helme
  • Lenker
  • Räder

Hersteller von Carbon Motorradverkleidungen

Es gibt zahlreiche Hersteller von Carbon Motorradverkleidungen. Einige bekannte sind:

  • ItalianGermanTechnology (IGT)
  • ffcarbon
  • Ilmberger Carbonparts
  • Moto Vision
  • Superbike24

Bei der Wahl des Herstellers sollte man auf Qualität, Passgenauigkeit und Preis achten. Carbon-teile müssen teils halt nachbearbeitet werden. Da weist die Firma auch eindeutig drauf hin. Das Ganze kennt aber natürlich auch Grenzen.

Worauf sollte man beim Kauf von Carbonteilen achten?

Julius Ilmberger, Inhaber der Firma Ilmberger Carbonparts, gibt folgende Tipps:

Hochwertige Carbonteile sind in sich sehr stabil und lassen sich im Verhältnis zur Stärke und zum Gewicht nur sehr schwer verformen. Nasslaminate erkennt man an der Oberfläche. Bei genauer Betrachtung fallen viele kleine Mikrolöcher auf. Teilweise werden GFK-Teile ja mit einer Kohlefasermatte überzogen. Im eingebauten Zustand ist das aber nur schwer von echten Carbonteilen zu unterscheiden. Das stimmt. Da in solchen Fällen aber meist nur die oberste Schicht aus Carbon besteht, kann man die GFK-Struktur auf der Innenseite gut erkennen. Auch dann, wenn sie schwarz eingefärbt ist. Außerdem sind solche Mixteile meistens sehr labil. Sie lassen sich durch einfaches Drücken der Oberfläche von echten Kohlefaserteilen unterscheiden. Komplett aus Carbon hergestellte Teile weisen außerdem auch auf der Innenseite die typische Struktur auf. Allerdings sieht diese etwas anders aus als auf der Oberfläche.

Es gibt teilweise sehr gut getarnte minderwertige Qualitäten auf dem Markt. Sie zu unterscheiden, ist für Laien nicht einfach.

Fazit

Carbon Motorradverkleidungen bieten viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Carbonverkleidung sollte man seine individuellen Bedürfnisse und Anforderungen berücksichtigen.

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