Jedes Motorrad hat Bremsen - egal, welches System, die Reduktion der Geschwindigkeit bis zum Stillstand muss nun mal gewährleistet sein! Traditionelle Motorrad-Bremssysteme verwenden in der Regel hydraulische Bremsen, die aus einem Hauptbremszylinder, Bremsleitungen und Bremszangen bestehen. Diese Bremsen übertragen die Bremskraft von den Hand- oder Fußbremshebeln auf die Bremsbeläge, die auf die Bremsscheiben drücken, um das Rad zu verlangsamen oder zum Stillstand zu bringen. Die Vorteile gegenüber Seilzugbremsen, wie sie etwa an Fahrrädern häufig zum Einsatz kommen, sind eine effektive Bremskraftübertragung, präzise Kontrolle über die Bremskraft und eine wartungsarme Auslegung bei ordnungsgemäßer Pflege.
Was ist ein Combined Braking System (CBS)?
Das kombinierte Bremssystem ist eine Technologie, die Bremsen an Vorder- und Hinterrad gleichzeitig aktiviert, wenn nur einer der Bremshebel betätigt wird. Dies verbessert die Bremsleistung und Stabilität des Motorrads, insbesondere in Notfallsituationen. Üblich ist, dass CBS auch die Vorderradbremse aktiviert, wenn hinten gebremst wird, es gibt aber auch Systeme, die in beide Richtungen funktionieren.
Der Vorteil ist, dass durch gleichzeitige Aktivierung von Vorder- und Hinterradbremse die Bremsleistung verbessert wird, was eine Notbremsung vor allem für unerfahrene Biker vereinfacht und effizienter macht. CBS kommt einerseits in sehr hochwertigen Motorrädern zusätzlich zum ABS zum Einsatz, andererseits in eher kostengünstigen Maschinen (vorrangig 125er) als Ersatz für ein ABS.
Seit nunmehr fast 100 Jahren werden so genannte Verbundbremssysteme im Motorradbau eingesetzt. Die Technik, die auch heute noch vor allem in Rollern und Motorrädern der unteren Leistungsklassen als Alternative zum ABS angeboten wird, wird inzwischen allgemein als Combined Braking System, kurz CBS, bezeichnet. Mit technisch relativ einfachen Mitteln macht diese Lösung Bremsanlagen deutlich leistungsfähiger und kann darüber hinaus viele kritische Fahrsituationen bei Notbremsungen entschärfen helfen.
Kern des Verbundbremssystems ist es, die Bremskraft auf die Bremsen beider Räder zu verteilen, auch wenn nur ein Bremshebel betätigt wird. In der Regel wird die Hinterradbremse automatisch aktiviert, wenn der Fahrer die Vorderradbremse betätigt und/oder umgekehrt. Dieses Prinzip sorgt für eine gleichmäßige Verzögerung und eine verbesserte Stabilität, was insbesondere für weniger geübte Fahrer oder in kritischen Fahrsituationen von Vorteil ist.
In der Regel wird die Bremskraft in einem bestimmten Verhältnis zwischen Vorder- und Hinterrad verteilt, um eine optimale Balance zu gewährleisten. Erste Versuche mit Verbundbremsen gab es bereits in den 1920er Jahren. Der große Durchbruch ließ jedoch auf sich warten. Größere Verbreitung fand die Integralbremse, die Moto Guzzi ab Mitte der 1970er Jahre in mehreren Modellen einführte und die über Jahrzehnte hinweg ein Markenzeichen des italienischen Motorradherstellers blieb. Auch Benelli stattete seine legendäre 900 Sei mit Sechszylindermotor ab Ende der 1970er Jahre mit einer Integralbremse aus.
Honda und das CBS
Ab den 80er Jahren setzte auch Honda, zum Beispiel bei der Gold Wing GL 1100, auf ein Verbundbremssystem. In den folgenden Jahren entwickelte Honda die Technik weiter. 1993 führten die Japaner zunächst in der CBR1000F das Dual-CBS ein. Dabei werden beim Betätigen des Handbremshebels nur vier der sechs Bremskolben der vorderen Bremsscheiben aktiviert. Gleichzeitig wird der Bremsdruck über einen zweiten Bremszylinder, der über den schwenkbar gelagerten linken vorderen Bremssattel betätigt wird, auf die beiden äußeren Kolben des hinteren Bremssattels übertragen. Umgekehrt wirkt der Fußbremshebel zunächst auf die Hinterradbremse und aktiviert über ein Ventil verzögert die mittleren Kolben der Vorderradbremse. 1999 folgte ein einfacheres Single-CBS, das Honda bei verschiedenen Rollermodellen einsetzte.
ABS: Antiblockiersystem als Alternative
Parallel dazu setzte sich ab Ende der 80er Jahre im Motorradbau allmählich das ABS durch, das noch mehr Sicherheit bei Notbremsungen versprach. CBS sorgt zwar für eine gleichmäßige Bremskraftverteilung, kann aber ein Blockieren der Räder nicht aktiv verhindern.
ABS steht für Antiblockiersystem und ist eine Sicherheitsfunktion, die darauf abzielt, das Blockieren der Räder beim Bremsen zu verhindern. Das ABS-System verfügt in der Regel über Raddrehzahlsensoren an beiden Rädern, die kontinuierlich die Raddrehzahl während des Betriebs überwacht und den Bremsdruck moduliert, um ein Blockieren der Räder zu verhindern.
Dafür werden die Daten an ein Steuergerät weitergeleitet, das die Informationen verarbeitet und entscheidet, ob ein Rad blockiert ist oder droht zu blockieren. Das Steuergerät steuert eine Hydraulikpumpe und Ventile, die den Bremsdruck individuell an jedem Rad regeln können. Wenn das System erkennt, dass ein Rad zu blockieren droht, reduziert es den Bremsdruck an diesem Rad, um das Blockieren zu verhindern. Wenn das ABS eingreift, kommt es üblicherweise zu einem pulsierenden Gefühl im Bremshebel oder -pedal. Dies bedeutet, dass das ABS die Bremskraft kurzzeitig verringert und wieder erhöht, um das Rad am Blockieren zu hindern.
CBS vs. ABS: Ein Vergleich
In puncto Sicherheit ist ABS dem CBS klar überlegen, weshalb Motorradhersteller schon seit vielen Jahren vor allem auf ABS setzen. CBS hat jedoch den Vorteil, dass es einfacher und kostengünstiger zu realisieren ist. Es verbessert das Bremsverhalten, ohne dass zusätzliche Sensoren oder komplexe Elektronik erforderlich sind. Gerade in preisgünstigen Fahrzeugsegmenten oder bei Leichtkrafträdern bleibt es daher eine sinnvolle Alternative zu ABS. In vielen Ländern sind ABS oder CBS inzwischen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Die CBS-Pflicht betrifft meist Neufahrzeuge unterhalb einer bestimmten Hubraumgrenze.
ABS hingegen erkennt, wenn ein Rad zu blockieren droht und regelt gezielt den Bremsdruck, um ein Blockieren der Räder und damit einen möglichen Sturz zu verhindern.
Kurven-ABS
Das Kurven-ABS, auch schräglagenabhängiges ABS oder Cornering-ABS genannt, ist eine Weiterentwicklung des herkömmlichen ABS für Motorräder, das speziell für das Bremsen in Kurven entwickelt und optimiert wurde. Es ermöglicht dem Fahrer, auch während des Bremsens in Schräglage die Kontrolle über das Motorrad zu behalten.
Ähnlich wie beim herkömmlichen ABS verfügt das Kurven-ABS über Raddrehzahlsensoren an jedem Rad. Zusätzlich sind Gyro-Sensoren oder Neigungssensoren eingebaut, die die Schräglage des Motorrads kontinuierlich überwachen. Die Daten von den Raddrehzahl- und Schräglagensensoren werden an ein komplexes Steuergerät, auch IMU (Inertial Measurement Unit) genannt, gesendet, um die Informationen zu verarbeiten und die Bremsdruckregelung an die Schräglage des Motorrads anzupassen.
Wenn das Motorrad in einer Kurve bremst, wird der Bremsdruck an jedem Rad individuell moduliert, um ein Blockieren der Räder und ein mögliches Sturzrisiko zu minimieren. Das moderne Kurven-ABS passt den Bremsdruck aber nicht nur an die Schräglage des Motorrads an, sondern berücksichtigt auch andere Faktoren wie die Fahrgeschwindigkeit, die Straßenoberfläche und die Bremskraft des Fahrers.
Kurven-ABS ermöglicht dem Fahrer, auch während des Bremsens in Schräglage die Kontrolle über das Motorrad zu behalten. Die Notwendigkeit eines Kurven-ABS ist abhängig von deinem Fahrstil und deinen individuellen Bedürfnissen. Fährst du häufig und schnell in Kurven, so kannst du im Ernstfall natürlich von einem Kurven-ABS profitieren. Bist du hingegen überwiegend im Stadtverkehr unterwegs, so ist ein Kurven-ABS weniger relevant.
Trommelbremsen: Eine veraltete Alternative?
Sie mag veraltet sein und heutzutage nicht mehr oft an Motorrädern angebaut werden, die Trommelbremse ist aber keineswegs eine schlechte Bremse. Früher war sie wegen ihres einfachen Aufbaus und der relativ günstigen Herstellung Standard auf Motorrädern. Heutzutage findet man sie bestenfalls noch am Hinterrad eher günstiger Motorräder oder Roller mit wenig Hubraum.
Bei einer Trommelbremse wird die Bremswirkung durch Bremsbacken erzeugt, die an einem Bremsanker befestigt sind. Der Bremsanker wird durch den Bremshebel betätigt und drückt die Bremsbacken gegen die Innenseite der Bremstrommel. Die Reibung zwischen den Bremsbacken und der Bremstrommel verlangsamt das Rad. Die Vorteile sind wie bereits erwähnt die günstigere Herstellung, aber auch das geringe Gewicht und die Tatsache, dass die Bremsbacken und die Bremstrommel durch ein Gehäuse geschützt sind, ist nicht zu verkehren.
Erfahrungen und Meinungen
Einige Fahrer bemängeln, dass CBS in bestimmten Situationen, wie z.B. im Gelände oder beim Wheelie fahren, ein Nachteil sein kann. Dies liegt daran, dass das System die Bremskraftverteilung vorgibt und dem Fahrer weniger Kontrolle gibt.
Es gibt auch Bedenken, dass CBS dem Fahrer eine "falsche" Bedienung der Hand- und Fußbremse anerzieht. Andere Fahrer wiederum schätzen CBS als Sicherheitsgewinn, da es bei einer Panikbremsung die Bremskraft optimal auf beide Räder verteilt und so ein Blockieren verhindert.
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