Cervelo Caledonia Shimano 105 Di2 Test: Ein vielseitiger Allrounder

Der kanadische Hersteller Cervélo ist mit den beiden klassischen Modellreihen, der leichten R- und der aerodynamischen S-Serie, auf den Race-Einsatz ausgerichtet. Das Caledonia passt nicht schön in eine Schublade, und das mögen wir auch an ihm. Das Caledonia-5 entnimmt viele der Rahmeneigenschaften der Race-Modelle.

Design und Technologie

Die Front erinnert mit dem aerodynamisch geformten Steuerrohr und der vollständigen Systemintegration an ein Aero-Modell. Das Caledonia nutzt einen standardmäßigen runden Lenker, einen Vorbau und eine Sattelstütze, was den Radrennfahrern die Möglichkeit gibt, ihre ultimatives Fahrrad ohne Kompromisse zu bauen. Integrierte Zubehörhalterungen und versteckte Kotflügelhalterungen bewahren die elegante Linienführung des Fahrrads, so dass Sie auch bei strömendem Regen mit Licht und Computer fahren und immer noch gut aussehen können.

Anstatt mehrere Fahrradversionen mit unterschiedlichen Positionsprofilen (R5, R-Serie etc.) zu entwerfen, wie wir es in der Vergangenheit getan haben, haben wir ein System entwickelt, das eine breite Palette von Positionen auf einem einzigen Fahrrad ermöglicht und gleichzeitig die ästhetische und funktionale Sauberkeit erhält, die wir verlangen.

Durch die Verwendung von Kohlefaser mit niedrigerem Modul in Schlüsselbereichen, um die Sprödigkeit von High-Mod-Fasern zu mildern, bietet das Caledonia Leistung, Komfort und Geschwindigkeit. Oh, und es eignet sich für die Verwendung eines 34mm-Reifens.

Ausstattung

Am Cervélo sind New-Reserve-40/44-Laufräder montiert. Diese erwiesen sich im Test als verwindungssteif und mit 1450 Gramm Gewicht recht leicht. Das Hinterrad ist mit einer Felgenhöhe von 44 Millimetern vier Millimeter höher, dafür bietet das Vorderrad eine etwas größere Maulweite. Dies soll einer verbesserten Aerodynamik dienen. Zudem sind die Carbon-Laufräder allroadtauglich. Sie harmonierten gut mit den etwas breiter aufbauenden 28 Millimeter breiten Vittoria-Rubino-Pro-Reifen.

Am Testrad ist die neue elektronische Shimano-Ultegra-Zwölffach-Gruppe verbaut, die mit schnellen und präzisen Gangwechseln punktet.

Fahreigenschaften

Entsprechend dieser Ausrichtung ist das Fahrverhalten des Caledonia vor allem durch eine sehr hohe Laufruhe geprägt. Komfortabel, laufruhig, agil und schnell - das Cervélo Caledonia-5 ist ein sehr vielseitiger Allrounder, der viele Fahrertypen anspricht. Die gewählte Ausstattung ist durchdacht.

Die Sitzposition ist recht aufrecht und komfortorientiert, aber immer noch recht sportiv. Für eine aufrechtere Position sorgt unter anderem das lange Steuerrohr. Mit einer grundsätzlich sehr ausgewogenen Geometrie erhält man zudem eine angenehme aber dennoch sportliche Sitzposition.

Mit den aerodynamisch-optimierten und geschwungenen Rohrformen bietet das Cervelo schon alleine optisch jede Menge. Auf unseren Testfahrten konnte es uns zudem mit einer ordentlichen Portion Komfort und viel Laufruhe überzeugen. Besonders in der Ebene und auf flotteren Abschnitten weiß das Caledonia seinen Stärken so richtig auszuspielen. Denn aufgrund seiner aerodynamischen Features und der guten Laufruhe lässt es sich ideal auf Geschwindigkeit bringen und hält diese entsprechend.

Das Cervelo Caledonia legt sich nicht von Anfang an fest und bietet so eine ausgewogene und sportive Plattform, welche sich erstklassig für Einsteiger und Wiedereinsteiger in den Rennradsport eignet.

Je schneller die Pace, umso ruhiger hält das Caledonia-5 seine Spur, was auf rasanten Abfahrten für Selbstvertrauen sorgt. Das Handling eignet sich für schnelle Group Rides ins Ungewisse, sportliche Ausfahrten oder lange Rennen über verschiedene Untergründe.

Komfort und Alltagstauglichkeit

Moderne Rennradfahrer suchen nach Bikes, die lange Strecken bewältigen, ein hohes Tempo vorlegen, keine Grenzen kennen und maximalen Spaß bieten.

Montagepunkte für Schutzbleche und eine Reifenfreiheit bis 34mm ermöglichen ein breites Einsatzspektrum und erhöhen die Alltagstauglichkeit enorm. Die Anschraubpunkte für einen Top-Tube-Bag gibt es obendrauf.

Zwar können die voluminösen Pneus, die sich 34 Millimeter breit um die Felgen wölben, das stramme Fahrwerk auf passablen Straßen gut kompensieren. Das Cervélo Caledonia fühlt sich dadurch etwas komfortabler an, als es die Messwerte aus dem TOUR-Labor suggerieren. Auf schlechten Straßen oder abseits asphaltierter Wege kommt das Cervélo allerdings an seine Grenzen. Da sich die maximale Reifenfreiheit von 34 Millimetern auf die gemessene Breite bezieht, lässt sich das Rad nur per Tubeless-Set-up komfortabler abstimmen.

Der Zeit voraus waren die Kanadier, indem sie schon bei der Markteinführung zur Saison 2021 an Montagepunkte für eine Oberrohrtasche und Schutzbleche dachten. Das neue und teurere Caledonia-5 schreibt diese Entwicklung mit einem ins Unterrohr integrierten “Kofferraum” weiter.

Cervelo Caledonia-5 RED AXS

Keine Weltneuheit, am Caledonia-5 jedoch so noch nicht gesehen: Ein Rahmenfach mit klappbarem Verschluss und praktischen Aufbewahrungstaschen ziert das Unterrohr. Die Öffnung ist klein, bietet jedoch ausreichend Platz für ein Multi-Tool, einen Ersatzschlauch, eine CO₂-Patrone und den Notfall-Riegel. Quasi alles, das zuvor in der Satteltasche unterkam, ist nun immer mit dabei und aus dem Blick.

In Sachen Reifenfreiheit folgt Cervélo ebenfalls dem aktuellen Trend von immer breiteren Schlappen und schafft 36 mm Platz. Am Rahmen selbst gibt es ebenfalls einige Veränderungen: Die Sitzstreben setzen im Vergleich zum Vorgänger tiefer am Sitzrohr an und sind deutlich schmaler. So soll mehr vertikale Flexibilität entstehen, um Vibrationen zu absorbieren.

Typisch Cervélo kommt das Caledonia 5 RED AXS mit einem sehr cleanen Look. Wir haben das Topmodell des neuen Caledonia-5 getestet, welches mit der ebenfalls erst dieses Jahr vorgestellten SRAM RED AXS ausgestattet ist. Die neue High-End-Gruppe aus dem Hause SRAM konnte uns bereits im Langzeittest überzeugen und zeichnet sich neben einem gepfefferten Preis auch durch die beste Bremsperformance - vor allem in der 1-Finger-Bedienung - und eine hervorragende Ergonomie aus. Die Laufräder kommen von der Schwesterfirma Reserve, die seit einiger Zeit mit dem Turbulent-Aero-Ansatz auf sich aufmerksam macht.

Der Rahmen bietet eher wenig Compliance und verlässt sich bei der Vibrationsdämpfung auf die 30 mm breiten Reifen, fährt sich dadurch aber auch deutlich direkter als die beschriebenen Komfort-Monster. Die hohe Steifigkeit im Unterrohr- und Tretlagerbereich sorgt zum einen für eine effiziente Kraftübertragung ans Hinterrad, zum anderen werden Lenkimpulse präzise umgesetzt. Das hieraus resultierende eher verspielte Handling passt zur sportlicheren Interpretation des Allroad-Segments, kann aber bei niedriger Geschwindigkeit nervös wirken.

Trotz der extrem leichten und auf Race-Performance getrimmten SRAM RED AXS bricht das Caledonia-5 RED AXS keine Gewichtsrekorde. Mit 7,54 kg in Größe 56 macht sich das auch im Antritt und am Berg bemerkbar. Hier dauert es - für ein Allroad-Bike mit Performance-Anspruch - etwas länger, um auf Touren zu kommen. Ist die Reisegeschwindigkeit allerdings einmal erreicht, lässt sich diese ziemlich effizient halten.

Die Bedienung des Rahmenfachs geht, nachdem man den Klappmechanismus einmal verstanden hat, recht einfach von der Hand. Die Öffnung bietet ausreichend Platz, um auch längere Gegenstände wie eine Pumpe zu verstauen. Der Verschluss blieb in unserem Test auch mit montiertem Flaschenhalter solide an seinem Platz.

Cervélo bringt mit der Neuinterpretation des Caledonia-5 ein sportliches Allroad-Bike an den Start, das am liebsten schnell gefahren werden möchte. Hier spielt es seine Stärken aus und glänzt mit Effizienz und Laufruhe. Nichts für Einsteiger, die ein komfortables Rad für gemütliche Bummeltouren suchen, sondern ein Endurance-Bike, mit dem man Vollgas über den Kontinent fliegt.

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