Natürlich waren auch unsere Altvorderen Augenmenschen und mochten es, wenn ihr Gefährt funkelte und glitzerte. Doch das geballte Auftreten verchromter Teile in der Frühzeit der Motorisierung hatte anfangs einen viel banaleren Grund als ausgerechnet Gefallsucht: simpler Oberflächenschutz war gefragt. Und diesen Job erledigte Chrom als recht harte Metallbeschichtung hervorragend.
Warum Chrompflege wichtig ist
Verchromte Oberflächen möchten gepflegt werden. Das geschieht seit anno Tobak mit Pasten, die abrasive Bestandteile (also Schleifmittel) enthalten, um Flugrost, Kratzern, Blindstellen und Rostpickeln den Garaus zu machen. Doch das qualitativ hochwertige Verchromen von Metallteilen war und ist eine sehr mühsame und vor allem zeitaufwändige Prozedur.
Der klassische Dreischichtaufbau der Verchromung:
- Das blanke und penibel entfettete Metallteil landet für mehrere Stunden in einem Glanzkupferbad und erhält auf elektrolytischem Weg eine 120 My (120 Tausendstel mm) dicke Kupferschicht.
- Anschließend geht es für längere Zeit in ein Nickelbad, in dem die Sache eine 50 My dünne, dem Glanzaufbau dienende Nickelschicht bekommt.
- Abschließend sorgt ein kurzes Chrombad (das nicht etwa silbrig-glänzend, sondern rostig-braun ist, da Chrom wie große, rötlichbraune Haferflocken aussieht) für eine fünf My dünne Chromschicht.
Verständlich also, warum Chrom mit zunehmender Massenmotorisierung immer mehr aus der Mode kam. Das sparte Produktionskosten, und wo zuvor Chrom schützen musste, machten fortan Kunststoff und Kunststoffbeschichtungen einen billigeren und nicht unbedingt schlechteren Job.
Chrom erlebt Renaissance
Doch spätestens mit dem Auftauchen der Chopperwelle feierte die Verchromung im Motorradbereich ihre Renaissance und musste immer weniger schützen, sondern nur noch schmücken. Auf Kunststoffteile gedampft, hat die Sache mit der eingangs geschilderten klassischen Verchromung oft nur noch wenig gemein.
Chrompflegemittel im Test
Bei den klassischen Pasten gab es immer schon einen gesunden Wettbewerb, und so verwundert es nicht, dass MOTORRAD beim Einkauf für diese Geschichte in nur vier Geschäften locker 13 Chrompflegemittel zusammenbekam.
Die Redaktionsgarage diente fortan als Testlabor; als zu bepflegendes Testopfer musste das mit den meisten rostigen Chromteilen gesegnete Fahrzeug des MOTORRAD-Fuhrparks herhalten: der legendäre Hercules Hobby-Rider HR2, eine Mofa-Chrom-Orgie aus den prallen 1970er Jahren (die in ferner Zukunft in MOTORRAD CLASSIC auftauchen soll). Eine Tatsache, die den hierzulande über 30-jährigen Erfolg einer Polierwatte wie Nevr-Dull erklärt, die seit einiger Zeit Konkurrenz bekommen hat.
Kratzerentferner im Fokus
Wo Chrom matt ist und der Rost blüht, sind (Lack-)Kratzer meist nicht weit. Und mit was rückt man denen zu Leibe? Richtig: mit Kratzerentfernern, einer noch recht jungen Spezies. Die Kratzerentferner teilen sich in zwei Lager: die "Einmittel-Nichtschleifer" und die "Zweimittel-Vorschleifer".
Das Ziel ist immer das gleiche, nämlich Kratzer, also mikroskopisch kleine Berge und Täler, so weit anzugleichen, dass sie dem Licht keine Brechungspunkte mehr bieten, dem menschlichen Auge also nicht mehr unangenehm auffallen.
Das lässt sich dadurch erreichen, indem man die "Berge" abträgt und/oder die "Täler" auffüllt. Das Auffüllen mit zum Beispiel Wachsen ist eine günstige, aber leider zeitlich begrenzte Lösung - nach einigen Regenfahrten oder Wäschen sind die Kratzer wieder da. Das Abtragen ist eine langfristigere Problembehandlung, allerdings technisch deutlich anspruchsvoller.
Zur ersten Gruppe gehören A1 Nano Kratzer Polish und der Nigrin Kratzer-Entferner. Während das Nigrin-Produkt sich in der Wirkung nicht von einem Standard-Poliermittel unterscheidet - zumindest nicht auf dem zerkratzten Triumph-Tank - , setzt A1 auf synthetisch hergestellte und damit gleich große Polierkörper, die beim Polieren in immer feinere Teilchen zerfallen und damit praktisch das Schleifen mit immer feinerer Körnung imitieren - und das alles in nur einem Arbeitsgang und ohne extra Schleifpapier.
Was theoretisch ganz prima klingt, funktioniert auch in der Praxis recht ordentlich. Zumindest dann, wenn es nur um feinere Kratzer geht. Die besten Ergebnisse gibt es immer dann, wenn nur der Klarlack betroffen ist. Bei Schäden am Grundlack bleiben die Kratzer auch nach der Behandlung sichtbar - wenn auch deutlich weniger.
Die drei übrigen Kratzerentferner setzen auf mindestens zwei Arbeitsschritte. Für Vor- und Nachbehandlung gibt es unterschiedliche Poliermittel, und bei tieferen Kratzern empfehlen die Anbieter den vorherigen Einsatz der beiliegenden Nass-Schleifpapiere. Unerfahrene oder Grobmotoriker können aber auch leicht zu viel des Guten tun und bis zur Grundierung durchschleifen - dann hilft auch der beste Kratzerentferner nichts mehr.
Tipps für die Anwendung
Egal, ob Chrompflegemittel oder Kratzer-Entferner: Das Ergebnis hängt maßgeblich vom Anwender ab. Wer nämlich die Gebrauchsanleitungen nicht beachtet (antrocknen lassen - ja oder nein?), immer schön locker im Kreis statt kräftig querbeet arbeitet (siehe Interview) oder - womit wir bei der größten Pflegesünde wären - mit schmutzigen und/oder untauglichen Lappen mehr statt weniger Kratzer produziert, wird auch mit den besten Pflegeprodukten nicht für einen glänzenden Auftritt sorgen.
Der Mensch ist das mit Abstand wichtigste Glied in der Pflegekette. Das wissen auch "50 Centle" und Frau Pfleiderer.
Produktempfehlungen im Detail
Hier eine Übersicht einiger getesteter Produkte und ihre Eigenschaften:
- Autosol Edel Chromglanz:
- Anwendung: Sehr einfach anzuwenden, erstklassige Wirkung.
- Wirkung: Schafft leichte Oxidationen oder größere Rostpickel locker weg.
- Fazit: Ein echter Klassiker.
- Chrome-Magic Chrompolitur:
- Konsistenz: Sehr weich, fast schon flüssig.
- Wirkung: Ordentliche Alternative zu klassischen Chrompflege-Pasten.
- Rotweiss Edelstahl & Chrom Glanzpolitur:
- Anwendung: Sehr geringer Kraftaufwand erforderlich.
- Wirkung: Sehr gut, hat auch bei größeren Rostpickeln keine Probleme.
- Fazit: Putzt und poliert in der absoluten Chrompflege-Spitzengruppe.
- S 100 Hochglanz Politur:
- Anwendung: Extrem geringer Kraftaufwand erforderlich.
- Wirkung: Perfekt! Hat auch mit größeren Oxidationen keinerlei Probleme.
- Fazit: Sorgt für tollen, absolut schlierenfreien Glanz.
Detaillierte Testübersicht und Ergebnisse
Um Ihnen eine umfassende Entscheidungsgrundlage zu bieten, finden Sie hier eine detaillierte Tabelle mit Testergebnissen verschiedener Chrompolituren, basierend auf Tests von Auto Bild:
| Produkt | Art | Anleitung | Verteilung | Auspolieren | Schleifbild | Oberflächenglanz | Summe Leistung | Preis | Gesamtpunkte | Fazit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| DR. WACK P21S METALL-/ ALU-POLISH | Paste | 3 | 18 | 18 | 40 | 45 | 124 | 8,48 € | 129 | Beste Polierwirkung, fast kratzerfrei |
| SONAX XTREME METAL-POLISH | Paste | 5 | 18 | 18 | 45 | 15 | 101 | 11,69 € | 107 | Sehr sanft, weniger Glanz |
| MEGUIAR’S ALL METAL POLISH | Paste | 4 | 18 | 18 | 35 | 25 | 100 | 10,85 € | 106 | Einfach, für leicht ermattete Oberflächen |
| NIGRIN PERFORMANCE METALL-POLITURPASTE | Paste | 4 | 12 | 18 | 25 | 30 | 89 | 2,91 € | 99 | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| NEVR-DULL MAGIC WADDING POLISH | getränkte Watte | 5 | 20 | 14 | 10 | 40 | 89 | 7,30 € | 97 | Einfach, für verwitterte Oberflächen |
| AUTOSOL EDEL-CHROMGLANZ | weiches Mikrofasertuch | 3 | 14 | 18 | 10 | 35 | 80 | 5,64 € | 86 | abrasiv für stark verwitterte Oberflächen |
| SWISSVAX METAL POLISH CHROM-UND METALL-PFLEGER | weiches Mikrofasertuch | 3 | 14 | 18 | 20 | 20 | 75 | 29,00 € | 75 | reinigt nicht gut, weniger Glanz |
| RS 1000 CHROM-POLITUR | weiches Mikrofasertuch | 5 | 10 | 10 | 10 | 25 | 60 | 11,95 € | 69 | abrasiv, Deutliche Kratzer, glanz mittelmäßig |
| LIQUI MOLY CHROM-GLANZCREME | weiches Mikrofasertuch | 5 | 6 | 16 | 25 | 5 | 57 | 8,76 € | 67 | Feine Kratzer sind sichtbar, mangelnder Glanz |
Die beste Chrompolitur finden
Vor dem Kauf sollten Sie wissen, in welchem Zustand sich das zu polierende Teil befindet. Wer gut erhaltene Oberflächen pflegen möchte, ist mit den sanft abgestimmten Polituren von Sonax und Meguiar's gut bedient. Für härtere Fälle greift man zu Nevr-Dull oder Autosol, deren Rezepturen abrasiv sind und eine starke Polierwirkung haben.
Testsieger ist die P21S Metall-/Alu-Polish von Dr. Wack: Sie ist sanft zum Metall und erzeugt trotzdem eine glatte, nahezu kratzerfreie Oberfläche.
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