Geht es um die Fahrradbereifung, gibt es viele Fragen. Unterschiedliche Größenangaben, unverständliche Bezeichnungen auf dem Fahrradmantel, diverse Profile, verschiedene Breiten beim Reifen, „unplattbare Reifen“, Spikes und vieles mehr sorgen häufig für Verunsicherung.
Reifengröße und -bezeichnung
Um einen Fahrradmantel nachzukaufen, muss die Größenangabe beachtet werden. Die verschiedenen Maßsysteme sind nicht miteinander kompatibel. Achtung: Beim Kauf eines neuen Fahrradmantels wähle immer einen Mantel mit der Größenangabe, die du bereits auf deinem Fahrrad fährst.
Es gibt verschiedene Normen zur Angabe der Reifengröße:
- ETRTO (DIN-Norm): Bezieht sich auf Reifenbreite sowie Reifeninnendurchmesser (Felgennenndurchmesser) und kann z.B. wie folgt aussehen: 37 - 622. Das Nennmaß bezieht sich mit dem ersten Wert auf die Mantelbreite in aufgepumptem Zustand. Das zweite Nennmaß beziffert den inneren Fahrradreifendurchmesser. Beide Werte werden in der Maßeinheit Millimeter (mm) angegeben.
- Zoll: Bei der Mantelgröße angegeben in Zoll bezieht sich die erste Ziffer auf dem Fahrradmantel auf den Durchmesser des Fahrradreifens. Der zweite Wert beziffert die Fahrradreifenbreite. Hier ein Beispiel: Zoll Variante 1: 28 x 1,40 - Außendurchmesser ca. 28 Zoll, Breite ca. Bei der 2. Zoll-Variante kommt neben Außendurchmesser des Reifens und der Breite des Mantels noch eine dritte Messgröße hinzu, nämlich die Höhe des Reifens. Die Reifenhöhe wird mit dem zweiten Maß bezeichnet.
- Französische Angabe (FRA): Die in Millimeter gehaltene Französische Angabe, kurz FRA, beziffert Außendurchmesser, Breite sowie Höhe des Reifens und sieht beispielsweise so aus: 700 x 35C. 700 entspricht dem Reifenaußendurchmesser; 35 ist die Reifenbreite.
Reifentypen
Neben der Reifengröße unterscheiden sich Fahrradreifen auch bei Material, Qualität und Profil.
- Drahtreifen: Die meisten Radfahrer fahren auf Drahtreifen, bei denen zur besseren Haltbarkeit Metalldrähte in der Lauffläche verarbeitet sind. Bei Drahtbereifung wird in Faltreifen (gut biegbare Fäden) und Ballonreifen unterschieden.
- Faltreifen: Sie lassen sich zu Transportzwecken zusammenfalten, sind etwas leichter als normale Drahtreifen und punkten häufig mit besseren Laufeigenschaften.
- Schlauchreifen: Im Profisport werden überwiegend Schlauchreifen eingesetzt, bei denen der Mantel um den Schlauch genäht ist. Allerdings ist die Reifenreparatur sehr aufwändig und die Reifen sind teuer in der Anschaffung.
- Schlauchlose Reifen (Tubeless): Im Sportbereich kommt es vor, dass Tubeless-Reifen gefahren werden. Hier fehlt der Schlauch und die Luft wird über das Ventil direkt in den Mantel gepumpt. Dies geht jedoch nur, wenn der Mantel und die Fahrradfelge luftdicht miteinander verbunden ist. Dazu nutzt man Dichtmilch, diese verschließt die kleine Löcher und Poren.
- Slickreifen: Slickreifen schließlich verfügen über gar kein Profil. Das klingt gefährlich, ist es aber nicht. Denn zahlreiche Tests haben gezeigt, dass Reifen auf glatter und nasser Fahrbahn insbesondere dann gut haften, wenn kein Profil vorhanden ist. Der Grund: Je kleiner das Profil, desto größer die Kontaktfläche zwischen Reifen und Straße und desto besser die Haftung.
Material und Pannenschutz
Der Mantel besteht aus einer Gummimischung, die je nach Hersteller und Anspruch an den Fahrradmantel variiert. Der Materialmix soll je nach Bedarf besonders haltbar sein, wenig Abrieb haben, mit geringem Rollwiderstand laufen oder auf anspruchsvollen Strecken eine hohe Bodenhaftung gewährleisten.
Bei Drahtbereifung wird in Faltreifen (gut biegbare Fäden) und Ballonreifen unterschieden. Bei diesen Fahrradreifen ist ein Pannenschutz in den Mantel eingearbeitet. Je nach Modell können Glasscherben oder Reißzwecken bis zu 3 mm oder 5 mm in den Mantel eindringen, ohne dass der Fahrradreifen platt wird.
Reifenprofil
Abhängig davon, auf welchen Strecken du fährst und in welcher Geschwindigkeit du mit dem Fahrrad unterwegs bist, wirkt sich das Reifenprofil auf die Fahrperformance aus. Sehr schmale Reifenprofile bieten wenig Rollwiderstand und machen schnelles Fahren einfacher. Sehr feines Rennrad-Profil hat guten Grip, auch, wenn Sand auf der Straße liegt. Es sollte keine Überraschung sein, dass ein MTB mit dicken Reifen wesentlich besser durch das Gelände kommt, als ein Straßenreifen am Trekkingrad.
Besonderheiten bei E-Bikes
Bei E-Bikes muss man bereits genauer hinschauen, fährt man ein S-Pedelec, sollte der Reifen eine Zulassung für bis zu 50 km/h oder schneller aufweisen.
Wartung und Austausch
Ist das Profil des Fahrradreifens abgefahren, muss dieser erneuert werden. Je nach Fahrleistung kann dies innerhalb eines Jahres aber auch erst nach 5 oder mehr Jahren der Fall sein. Ebenfalls sollte der Fahrradreifen ausgetauscht werden, wenn der Mantel spröde ist. Wird der Reifen nicht korrekt aufgepumpt, können die Seiten, die Wände des Mantels brüchig werden. Der nächste Fall bei dem ein neuer Mantel her muss ist, wenn eine zu große Beschädigung im Mantel vorhanden ist.
Wer sein Reifen einmal flicken muss, sollte den Mantel immer erst nach Fremdkörpern absuchen. Damit der Fahrradmantel beschädigungsfrei von der Felge gezogen und wieder draufgebracht werden kann, werden sogenannte Reifenheber eingesetzt. Hiermit lässt sich ein Kunststoffwerkezug zwischen den Mantel und der Felge schieben um den Mantel von dieser herunterzuheben.
Schlauchlose Reifen: Vor- und Nachteile
Schlauchlose Reifen werden heutzutage immer populärer. Autoreifen besitzen seit einem halben Jahrhundert keine Schläuche mehr, Mountainbikes rollen mittlerweile flächendeckend auf schlauchlosen Reifen und viele von uns fahren ihre breitbereiften Allroad-Bikes bereits schon seit Jahren ‘tubeless‘ und ohne Probleme. Mittlerweile ist der Trend zu ‚tubeless‘ auch bei Rennrädern und dementsprechend schmaleren Reifen angekommen.
Vorteile:
- Geringeres Risiko von Durchschlägen auf Schotter und abseits asphaltierter Wege.
- Dichtmittel versiegelt kleine Punktionen und Löcher automatisch.
Nachteile:
- Es gibt immer häufiger Berichte über schlauchlose Rennradreifen, die es von den Felgen ‚bläst‘.
- Der Rollwiderstand von schlauchlosen Reifen ist möglicherweise höher als bei Verwendung dünner, leichter Schläuche.
Ein Fahrradschlauch hält nicht nur die Luft sondern verstärkt auch den Übergang vom Reifen zur Felge. Der Luftinnendruck presst den Schlauch von innen gegen den Reifen, so dass er sich nicht mehr selbstständig bewegen kann. Ohne Schlauch hat diese ‚Schnittstelle‘ keine Verstärkung. Wenn die Passung zwischen Reifen und Felge auch nur ein klein wenig Spiel hat, kann der Reifen ohne Vorwarnung über das Felgenhorn rutschen und abspringen. Selbst bei perfekter Passform kann es passieren, dass der Reifen von der Felge springt, denn das tire bead, die Reifenwulst mit ihrem innenliegenden Ring (im High-End Reifensegment meist aus Kevlar oder Aramidfäden gefertigt) kann sich trotzdem minimal ausdehnen. Je höher der Reifendruck, desto stärker sind die Kräfte, die dann auf den Reifenwulst einwirken.
In der Regel werden schlauchlose Reifen bei niedrigem Druck gefahren. Schlauchlose Reifen für Autos und Motorräder werden typischerweise mit weniger als 45 psi (3.1 bar) Druck gefahren (Die Ausnahme bilden Flugzeug-Reifen, die bis zu 200 psi Druck vertragen - aber die haben ein völlig anderes Design). Diese Reifen sind grundsätzlich deutlich steifer als Fahrradreifen - was Ihnen auch dabei hilft auf der jeweiligen Felge zu bleiben. Demgegenüber kann sich ein geschmeidiger Fahrradreifen, speziell ohne verstärkenden Schlauch, jedoch an nur einer kleinen Stelle bereits soweit dehnen und bewegen, dass er über den Felgenrand ‚klettern‘ kann.
Empfehlungen für schlauchlose Reifen:
- Fahren Sie Compass Reifen schlauchlos mit nicht mehr als 60 psi (4.1 bar) Druck.
- Wenn Sie höheren Reifendruck fahren möchten, dann benutze Schläuche!
- Achte bei der tubeless-Montage darauf, dass Du deinen Reifen erst mal mit 20% mehr Druck aufpumpst, als Du ihn später fahren wirst. Lass ihn für eine Weile ‚setzen‘ um sicherzugehen, dass er nicht doch noch von der Felge fliegt.
Erfahrungsberichte zu verschiedenen Reifenmodellen
Im Folgenden finden Sie eine Zusammenstellung von Erfahrungsberichten zu verschiedenen Reifenmodellen, die von Radfahrern geteilt wurden:
Schwalbe Marathon HS308
- Modell: Marathon HS308, 26x1,75, der alte Urmarathon ohne Reflex
- Qualitätseindruck: Sehr gut
- Gekauft: 2000
- Strasse: 100% Asphalt
- Verwendung: Reiserad mit 2 Laufräder
- Km-leistung: 10500 km
- Pannen: Hinterreifen 1 Platten auf 10500 km. Vorderreifen 0 Platten auf 10500 km.
- Bewertung: Absolut bester Reifen den ich je hatte. Leichtläufer.
- Modell: Marathon HS308, 26x1,9, die neuere Auflage von Marathons mit Reflexstreifen.
- Qualitätseindruck: Gut, der urmarathon macht einen besseren Eindruck. Dieser Reifen fühlt sich schwächer an.
- Gekauft: 2003
- Strasse: 50% Asphalt, 50% Schotter/Felsen
- Verwendung: Mountainbike mit 2 Laufräder und Bob Yak.
- Km-leistung: 5000 km
- Pannen: Hinterreifen 1 Platten auf 5000 km. Vorderreifen 0 Platten auf 5000 km.
- Sonstige Probleme: Nach etwa 3000 km Hinterreifenkarkasse irgendwie beschädigt. Der Reifen machte eine Beule (ein S).
- Bewertung: Zwar Pannensicher aber die Beule hat mich absolut nicht gefallen.
Continental Contact Reflex
- Modell: Continental Contact Reflex, 20x1,75
- Qualitätseindruck: Gut
- Gekauft: 2007
- Strasse: 100% Asphalt
- Verwendung: Trike, 2 Räder vorne und 1 Rad hinten
- Km-leistung: 6000 km
- Pannen: Hinterreifen 0 Platten auf 6000 km. Vorderreifen 1 Platten auf 6000 km.
- Sonstige Probleme: Ab etwa 5000 km entdeckt dass die Laufbahn am Hinterreifen sich delaminiert hat.
- Bewertung: Guter Reifen (Pannensicher) und Leichtläufer, aber habe schlechten Eindruck wegen der Delaminierung bekommen.
Marathon XR Double Defense
- Modell: Marathon XR Double Defense, 26x1,75, mit Reflex.
- Qualitätseindruck: Sehr gut
- Gekauft: 2002
- Strasse: 100% Asphalt
- Verwendung: Reiserad mit 2 Laufräder
- Km-leistung: 3200 km
- Pannen: Hinterreifen 0 Platten auf 3200 km. Vorderreifen 0 Platten auf 3200 km.
- Bewertung: Sehr guter Reifen, aber fühlt sich schwer an. Erhöhter Walkwiederstand. Wahrscheinlich overkill für 100% Asphalt. Sicher ein guter Allwetter Stadtreifen für den Winter.
Weitere Erfahrungen
- Schwalbe Landcruiser 26 Zoll HS 307: Preiswert, recht haltbar, Seitendynamo tauglich und mit Proline Pannenschutzband gefahren recht wenige Pannen.
- Schwalbe Marathon Cross 28 Zoll 35mm: Extrem krasse Verschleißunterschiede. Mit Proline Pannenschutzband gefahren gab es sehr wenige Platten.
- Marathon 28 Zoll 35mm Reflex: Sehr haltbar (teils über 20Tkm), mit Proline Pannenschutzband sehr pannensicher, leicht zu montieren, griffig auf nassen Straßen, klasse Preis/Leistungsverhältnis.
- Marathon Winter 28 Zoll 35mm Reflex: Der Grip auf Eis und Schnee ist auch mit schon etwas abgefahrenen Spikes noch sehr gut, ich hatte bis jetzt noch keinen Platten (gefahren mit Proline Pannenschutzband). Leider lässt sich der Reifen nur sehr schwer auf die Felge ziehen, und ein paar Spikes hatte ich auch schon verloren (die lassen sich aber einfach ersetzen).
- Schwalbe Marathon Racer 28 Zoll 30mm: Seit 13Tkm im Einsatz, leicht zu montieren, nur einen Platten gehabt (hier kein Pannenschutzband im Einsatz), fast keine Schnitte in der Lauffläche. Leider löst sich der Reflexstreifen an beiden Reifen langsam ab. Der hohe Preis und fehlender Grip bei Nässe disqualifizieren den Reifen aus meiner Sicht leider für den Alltagseinsatz.
- Continental Ultra Sport 28 Zoll 28mm: Der Reifen lässt sich leicht aufziehen, läuft schön rund und fühlt sich einfach gut an. Leider hat er (obwohl schon ein paar Jahre alt) die Angewohnheit Steinchen zu sammeln wie bekloppt. Die drücken sich zwar nicht durch, nerven tut es trotzdem.
- Vittoria - Radonneur Hyper (Faltreifen): leicht aufgezogen,geringes Gewicht, Pannensicher (jetzt ca. 4.500 km ohne Platten)
Den richtigen Reifen finden
Da es beim Fahrradreifen abhängig von Material, Verarbeitung und Profil zahlreiche Eigenschaften gibt, solltest du beim Reifenkauf immer genau die Produktbeschreibung lesen, für welche Einsätze der Reifentyp vorgesehen ist.
Es kommt darauf an, wofür man das Rad braucht. Wer nur kurze Strecken in der Stadt fährt, der kann auch mit einem der "unplattbaren" Modelle von Schwalbe glücklich werden, die an vielen Rädern montiert sind. Wer aber auf Komfort und Geschwindigkeit Wert legt und auch sein Fahrrad für längere Strecken nutzt, der sollte experimentieren.
Die Wahl des Fahrradreifens hängt in erster Linie vom Bike ab. Ob Renn-, Mountain-, Trekking- oder Cityrad - für jeden Typ gibt es passende Pneus. Unterscheiden lassen sich die Reifen vor allem anhand ihres Aufbaus. Er beeinflusst maßgeblich das Handling und die Fahreigenschaften eines Bikes - und ist entsprechend wichtig.
Tabellarische Zusammenfassung der Reifenerfahrungen
| Reifenmodell | Qualitätseindruck | Kilometerleistung | Pannen | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Schwalbe Marathon HS308 (26x1.75) | Sehr gut | 10500 km | 1 Platten (Hinterreifen) | Absolut bester Reifen |
| Schwalbe Marathon HS308 (26x1.9) | Gut | 5000 km | 1 Platten (Hinterreifen) | Pannensicher, aber Karkasse beschädigt |
| Continental Contact Reflex (20x1.75) | Gut | 6000 km | 1 Platten (Vorderreifen) | Guter Reifen, Delaminierungsprobleme |
| Marathon XR Double Defense (26x1,75) | Sehr gut | 3200 km | 0 Platten | Sehr guter Reifen, fühlt sich schwer an |
| Vittoria - Radonneur Hyper (Faltreifen) | - | 4500 km | 0 Platten | Leicht, pannensicher |
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