Continental Fahrradreifen Spikes im Test: Sicher durch den Winter

Prinzipiell sind Spikereifen für alle geeignet, die im Winter sicher unterwegs sein wollen und mit Schnee, Eisflächen oder Blitzeis rechnen müssen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie auf einem Trekking-, Mountain-, Fat- oder Gravelbike unterwegs sind, mit oder ohne Motorunterstützung. Auch für kleine 20- und 24-Zoll-Reifen an Lasten-, Kompakt- oder Kinderrädern gibt es Alternativen.

Darf man mit Spikes in Deutschland fahren?

Auf die Frage: „Darf ich in Deutschland auf der Straße überhaupt mit Spikes fahren?“, lautet die Antwort: Klassische Räder ohne Motor und Pedelecs dürfen mit Spikes im Straßenverkehr teilnehmen. Allerdings gilt dies nicht für S-Pedelecs (also E-Bikes mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit): Hier gelten Sonderregeln und Spikes sind NICHT erlaubt.

Worauf Sie beim Kauf von Spikereifen achten sollten

Zuerst die Breite, denn Spikes bauen durch das wintertaugliche Profil und die überstehenden Spikes etwas breiter und höher als klassische Reifen. Dem entgegnen die Hersteller, indem sie trotz der offiziell gleichen Größe meist etwas kleiner fertigen. So passen die Spikes dann mit Blick auf das Platzangebot in Rahmen und Gabel, ohne dass eine Nachjustage der Schutzbleche nötig ist. Ein Check mit eingebauten Reifen ist trotzdem sinnvoll, damit die Stahlkrallen nicht doch an der Lackierung streifen.

Wer seine Reifen performanceorientiert aufzieht, stellt sich die Frage: „Kann ich auch schlauchlos fahren?“ Alle Hersteller bieten bei Mountainbikereifen (und 45Nrth beim Gravelreifen) die Möglichkeit, auf den Schlauch zu verzichten. Das bringt in der Praxis einen geringeren Rollwiderstand, weniger Gewicht und einen Selbstheilungseffekt durch die dann zwingend zu verwendende Dichtmilch. Allerdings sollte diese für kalte Temperaturen freigegeben sein, damit sie ihrer Arbeit perfekt nachgehen kann.

Montage und Einfahren

Die Montage ist mit herkömmlichen Reifen zu vergleichen. Alle Testprobanden sind mit mehr oder weniger Handkraft montierbar. Einzig der 45Nrth Gravdal sitzt straff und braucht einen Reifenheber. Der größte Unterschied winkt nach der Montage. Damit sich die Spikes im Gummi setzen und dauerhaft sicher im Gummi sitzen, sollten die Reifen auf sauberer Asphaltstraße und bei langsamer Geschwindigkeit ohne scharfe Bremsmanöver gut 50 Kilometer eingefahren werden.

Haltbarkeit

Und wie lange halten Spikereifen? Die meist verbauten, gehärteten Stahlspikes aus Wolfram-Carbid-Stahl sind härter als Asphalt, halten mehrere tausend Kilometer und damit mehrere Jahre.

Anforderungen an Spikereifen

Für eine gute Funktion und Haltbarkeit müssen die Hersteller einige Punkte beachten. Damit sich die Spikes nicht vorschnell verabschieden und sicher sitzen, muss die Karkasse stabiler und die Gummimischung härter ausfallen. Der Gummi darf bei kalten Temperaturen trotzdem nicht verspröden und muss gute Traktion generieren. Zu weiche Mischungen sind also nicht zielführend. Für eine gute Funktion bei Matsch und Schnee sollte das Profil deutlich offener gestaltet sein und eine gute Selbstreinigung aufweisen. Wer Gewicht sparen will, setzt beim Reifenfuß statt auf den klassischen Stahlring auf einen leichten Aramidkern. Diese Version findet man vor allem bei sportiven Mountainbikereifen. Im Detail unterscheiden sich beide Reifen dann im Gewicht und Preis.

Preisgestaltung

Die meist hohen Preise der Spikereifen resultieren am Ende aus mehreren Punkten: Die aufwändigere Konstruktion, die zusätzlich benötigten Spikes und mehr Arbeitsleistung, weil die Spikes von Hand eingesetzt werden. Wer sparen will, sollte Spikereifen antizyklisch kaufen, also im Frühjahr oder Sommer.

Eigenschaften und Performance von Spikereifen

Schnee gibt es pulvrig, matschig, fest sowie frisch und festgefahren. Lamellenartige Oberflächen bieten eine gute Verzahnung, ein offenes Profil eine gute Selbstreinigung. Die Spikes spielen hier nur eine untergeordnete Rolle und kommen erst auf Eis richtig zum Tragen.

Luftdruck

Jetzt kommt der Luftdruck ins Spiel. Je nach Luftdruck, Positionierung und Anzahl liegen die seitlichen Spikes mehr oder weniger stark auf. Im Alltag und Trekkingbereich kann der Reifen so schnell und einfach an die Verhältnisse angepasst werden. Mit mehr Druck sinkt die Auflagefläche, der Grip und der Reifen rollt zügiger. Weniger Druck bewirkt genau das Gegenteil. Sitzen in der Mitte keine Spikes und ist der Luftdruck höher, laufen viele Trekking-Spikereifen ähnlich wie Standardreifen, rutschen aber bei Eis auch eher weg. Zahlreiche Spikes auf der Reifenschulter generieren in Kurven viel Grip. Auch wenn dieser oft überraschend hoch ausfällt, sollte man es im Winter trotzdem eher langsam und entspannt angehen lassen.

Auf Asphalt ist der größte Unterschied das laute, spezifische Laufgeräusch durch die Spikes. Die Traktion wird meist nur gering beeinflusst, wenn oft das Gefühl auch gerne etwas anderes suggeriert.

Pannenschutz

Beim Pannenschutz testen wir im Labor, um alle Werte direkt miteinander vergleichen zu können. Der Durchschlagschutz spiegelt das Überfahren von Gullydeckeln, Bordsteinkanten und großen Kanten wider. Beim Durchstichtest, der spitze Gegenstände wie Nägel und Dornen abbildet, schlägt die Stunde der Trekkingmodelle. Flachen, scharfen Gegenständen wie Scherben und Steinen setzen Continental, CST und Schwalbe am meisten entgegen. Die stabilsten Seitenwände gegen Angriffe des Bordsteins oder eines Asts bietet CST vor Schwalbe IceSpiker und 45Nrth Dillinger.

Rollwiderstand

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, war es uns dank der Firma Bohle das erste Mal möglich, Spikereifen einem echten Prüfstandtest zu unterziehen. Das Problem sind die Spikes: Die gehärteten Spitzen zerstören die glatte Oberfläche der Prüfmaschine. Daher wurde extra ein spezieller Schutzgürtel angefertigt. Mit auf die Reifenbreiten angepassten Felgenbreiten und Luftdrücken wurden alle Reifen mit 50 Kilogramm belastet und bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h getestet. Interessant ist auch der Blick auf die Gewichte, denn einige der schwersten Modelle zählen überraschend zu den besten beim Rollwiderstand! Sie rollen zwar angenehm leicht, bieten aber nur einen zähen Antritt. Vergleicht man die Ergebnisse mit einem ähnlichen Reifenaufbau von Standardreifen, so laufen Spikereifen im Schnitt circa 10 Watt schwerer, wodurch in Summe ein Mehraufwand von 20 Watt entsteht.

Testergebnisse und Empfehlungen

Am Ende werden alle Werte aus Praxis und Prüfstand in einer Matrix eingegeben. Die Relevanz der Kriterien teilt sich wie folgt auf: Montage und Gewicht je 5 Prozent, Rollwiderstand 15 Prozent.

Ein Gravel-, drei Fatbike-, fünf MTB- und neun Trekkingreifen: Hier findet jeder seinen Winterreifen. Im Detail begeistern bezüglich Preis-Leistung vor allem CST (Fatbike, Trekking) und ReTyre (MTB). Empfehlungen heimsen beim Mountainbike Suomi und im Trekkingbereich Continental und Specialized ein. Die Testsiege in den Kategorien gehen an Vee Tire Co. (Fatbike) sowie Schwalbe (MTB und Trekking).

Einzelne Reifen im Detail

  • CST: Leicht, genaue Breitenangabe, Montage braucht etwas Handkraft, gute Performance auf Schnee und Eis, günstiger Reifen für nicht zu extremes Winterwetter.
  • Schwalbe (Trekking-Spike): Bis auf das sehr hohe Gewicht begeistert Schwalbes Trekking-Spike durch die Bank. Rollt für einen Spike sehr gut, bietet höchste Pannensicherheit sowie Bestnoten auf Schnee und Eis. In diversen Durchmessern und Breiten erhältlich.
  • Specialized: Der Name ist etwas irreführend, denn der Specialized begeistert vor allem auf Schnee. Auf Eis fehlen ihm die Spikes in der Mitte, die aber optional nachrüstbar sind. Rollt gut und fällt nicht allzu schwer aus.
  • Suomi: Mit Bestnoten bei Montage und vor allem der Traktion auf Schnee und Eis kann der Suomi ebenso punkten wie bei den zahlreich erhältlichen Varianten. Rollt passabel.
  • Vee Tire Co. (Fat-Spike): Großvolumiger Fat-Spike, der mit Schnee sehr gut und auf Eis gut zurechtkommt. Gewicht und Rollwiderstand fallen für einen Fattie überraschend gering aus. Auch der Pannenschutz passt. Chapeau!

Continental Contact Spike 240 im Detail

Der Continental Contact Spike steht für sicheres Fahren in der kalten Jahreszeit. Die in den Drahtreifen eingearbeiteten Spikes sorgen für Bodenhaftung, auch wenn Sie auf vereisten Flächen unterwegs sind. Der seitliche Reflexstreifen erhöht die Sichtbarkeit. Der Pannenschutz namens SafetySystem Breaker besteht aus kevlarverstärktem, hochfestem Nylongewebe. Durch die hohe Abriebfestigkeit ist der Continental Contact Spike auch besonders gut für E-Bikes geeignet.

Nutzerrezensionen loben die gute Bodenhaftung, die selbst bei anhaltend ungeräumten und ungestreuten Straßen gefährliche Stürze vermeidet. Auch das Abrollverhalten wird als gut beschrieben. Dies ist ein absoluter Spitzenreifen. Er hat sehr guten Grip bei Schnee und nassem Fahrbahnbelag und ist gerade hier, jedem normalen Sommer Fahrradreifen überlegen. Da er leider etwas schwerer rollt, benötigt man mehr Kraft. Dafür ist er aber pannensicher, dies empfinde ich gerade in dieser Jahreszeit als sehr wichtig. Wer will schon im Dunklen Schlauch wechseln? Der Fahrkomfort ist bei diesem Reifen ist gut.

Winterreifen vs. Spikereifen: Eine Abwägung

Kontrolliertes, zügiges Radfahren im Schnee oder auf einer festgefahrenen Schneedecke macht damit richtig Spaß. Ihr echter Vorteil: Auf Eis und bei Glätte sind sie natürlich unschlagbar. Aber ich persönlich fahre bei Glatteis nicht Fahrrad, obwohl ich ein Zweirad-Nerd bin. Es ist meiner Ansicht nach einfach zu gefährlich. Deshalb brauche ich keine Spike-Reifen, sondern normale Winterreifen wie beim Auto, mit denen man auch mal 50 Kilometer auf trockener Straße abspulen kann, ohne gleich alle Nachteile eines Nagel-Reifens mit gehärteten Metallstiften in Kauf nehmen zu müssen.

Aus diesem Grund fahre ich Winterreifen ohne Spikes, denn die laufen leicht und bieten mit ihrer weichen Gummimischung eine Menge passiver Sicherheit. Ich fahre die Continental Top Contact Winter II nun bereits im sechsten Winter seit 2013. Das feine Lamellenprofil ist sogar nach dieser Zeit noch halbwegs passabel.

ADAC-Test: Winterreifen bieten besseren Grip

Immer mehr Fahrradfahrer nutzen ihr Rad auch im Winter. Bei Eis und Schnee auf den Straßen und Fahrradwegen besteht mit normaler Bereifung jedoch Rutschgefahr. Der ADAC und der Touring Club Schweiz (TCS) haben acht spezielle Winterreifen für Fahrräder untersucht, teilweise auch mit Spikes. Das Ergebnis: in jedem Fall ein besserer Grip.

Die untersuchten Winterreifen Schwalbe Marathon GT 365, Continental Top Contact Winter, Michelin Star Grip und Nokian Rollspeed W mit ihren weicheren Gummimischungen und angepassten Profilen unterscheiden sich nicht wesentlich untereinander, haften jedoch alle deutlich besser als der Vergleichs-Sommerreifen (Schwalbe Marathon). Auch die Bremswege auf Schnee sind im Schnitt um 16 Prozent kürzer als mit dem Sommerreifen, auf eisglatter Fahrbahn können jedoch nur Spikes wirklich Sicherheit bieten. Allerdings sind diese auf Asphalt unangenehm zu fahren und nur da zu empfehlen, wo im Winter die Straßen nicht geräumt werden und man tatsächlich zumeist auf Schnee unterwegs ist.

Prinzipiell empfiehlt der ADAC, im Winter den Reifendruck auf ca. 2 bis 3 bar zu reduzieren, um durch die dann breitere Auflagenfläche mehr Haftung zu haben. Auch die Vorderbremse gilt es nur dosiert einzusetzen, vor allem wenn man ohne Spikes unterwegs ist.

Spike-Reifen am Fahrrad erlaubt?

Tatsächlich gilt das Verbot der Stollenreifen für Autos nicht für Fahrräder und E-Bikes, wie der ADFC erklärt. Heißt, Spike-Reifen bei winterlichen Bedingungen sind kein Problem.

Bekannte Spike-Reifen für das Fahrrad

  • Schwalbe Marathon Winter Plus: Bis zu 240 Spikes sollen das Rad sicher in der Spur halten, selbst auf eisglatten Straßen und in Kurvenlage. Ersatz-Spikes sind erhältlich.
  • Specialized Icebreaker Reflect: Wolframcarbid-/Stahlstollen bieten hohen Grip. Reflektierende Elemente sorgen für mehr Sichtbarkeit.
  • Continental Contact 240: Zwei Reihen an Spikes sorgen für sicheren Grip. Ein seitlicher Reflexstreifen sorgt für ein besseres Gesehenwerden.
  • Schwalbe Ice Spiker Pro: Bis zu 402 Wolframcarbid-Spikes krallen sich förmlich in den pulvrigen Untergrund.
  • Kenda Klondike Elite: Hartmetall-Spikes sorgen für den benötigten Grip auf Schnee und Eis.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0