München, Dezember 2015. Heutzutage ist es unerlässlich, beim Radfahren einen Helm zu tragen, besonders in unbekanntem Gelände. Die Frage ist jedoch, welcher Helm sich für welche Tour am besten eignet? Für unsere Schottlandtour haben wir uns für einen Mountainbike-Helm der Kategorie All-Mountain entschieden. Unsere Anforderungen an den Helm waren klar: Er sollte bei einem Sturz die notwendige Sicherheit bieten, gut sitzen und bei schweißtreibenden Aktivitäten keinen Hitzekollaps verursachen - kurz gesagt, er sollte ein gutes und effektives Belüftungssystem besitzen.
Erster Eindruck und Design
Cratoni war bisher vor allem für Crosscountry-Helme mit konservativer Optik bekannt. Umso mehr freuten wir uns, als wir auf dem Stand der Helmspezialisten in Riva den AllTrack, einen modernen, für den Enduro-Einsatz konzipierten Halbschalenhelm, entdeckten. Natürlich haben wir uns sofort ein Testexemplar gesichert, das sich in den letzten Wochen einem Praxistest stellen musste. Die Formgebung des AllTracks wirkt sehr aggressiv - heutzutage würde man schlicht sagen: Enduro-Style! Der Helm ist eher kantig gehalten, die zwei unterschiedlichen Farben unterstützen den Charakter des Helms. Auch von der Haptik her weiß der Helm zu gefallen.
Nimmt man den Cratoni AllTrack zum ersten Mal in die Hand, fällt einem sofort das durchaus konkurrenzfähige Gewicht von rund 350 g auf - nicht schlecht für einen Helm, der den Kopf so großflächig umschließt. Auch die farbenfrohe Lackierung, mit der man im Wald ganz sicher nicht übersehen wird, sticht auf dem ersten Blick ins Auge und prägt mit dem auffälligen Visier, das nur an zwei Stellen mit dem Helm verbunden ist, die Optik des Helms.
Tragekomfort und Passform
Mit einem Gewicht von exakt 370 g (gewogen) in Größe L trägt sich der Alltrack sehr gut. Auch bei längeren Tagestouren störten weder Gewicht noch gab es unangenehme Druckstellen, was für den Helm spricht. Der Tragekomfort hängt natürlich stark von der Kopfform ab, daher kann unsere Bewertung hier keine allgemeingültige Aussage sein. Eine Anprobe vor dem Kauf ist ein Muss.
Setzt man den Helm auf, fühlt man sofort die durch das Light Fit System angenehme Passform. Der hintere Abschluss des Verstellsystems sitzt tief hinuntergezogen knapp unter dem unteren Ende des Schädelknochens, sodass es den Kopf komplett umfasst. In Kombination mit der feinen Rasterung der Größenverstellung konnte der AllTrack problemlos auf die verschiedenen Kopfformen in unserer Redaktion eingestellt werden.
Der AllTrack ist an den Seiten weit heruntergezogen, sodass er auch in der Schläfengegend zuverlässigen Schutzt bietet. An der Rückseite endet die Schale dagegen etwas weiter oben als es die tiefer sitzende Verstellung subjektiv vermuten lässt.
Im Einsatz fällt einem schon vor dem Start auf den Trail die gute Verarbeitung des Einstellsystems des Helms auf. Das Verstellsystem ist zudem in drei Stufen in der Höhe verstellbar, das Verstellsystem selbst sitzt dabei sehr tief am Hinterkopf, was einen sehr sicheren Sitz ermöglicht. Ein bisschen fummelig gestaltet sich die Anpassung des Gurtsystems. Während die Konkurrenz häufig auf einen Clip-Mechanismus setzt, müssen beim Cratoni die Bänder sehr mühselig ausgerichtet werden. Sehr viel besser ist hingegen der Verschlussmechanismus des Kinnriemens gelöst. Einfach zusammengeschoben hält der Verschluss bombenfest, bis man ihn mit einem Zug an der Lasche wieder löst.
Der Helm trägt sich dabei sehr angenehm - bis auf ein kleines Detail: Bei besonders kurzen Haaren kann es dazu kommen, dass das Verstellsystem am Hinterkopf eine unangeheme Druckstelle verursacht.
Stärken und Schwächen
Seine Stärken: Gutes Größenverstellsystem, einfach und problemlos einstellbar, lässt sich auch mit Handschuhen sehr gut bedienen. Ist der Helm einmal angepasst, sitzt er auch bei "bewegter" Fahrweise und wurzeligem Gelände sicher auf dem Kopf. Sehr gute Belüftung. Super wie die Crossbrille bei Nichtgebrauch am Helm fixiert werden kann.
Schwächen: Der Helm könnte für ganz große Köpfe eng werden, daher unbedingt vorher ausprobieren.
Sicherheit und Schutz
Auf einen Crashtest im Labor haben wir verzichtet, denn jeder in Europa erhältliche Helm muss die Sicherheitsprüfung nach EN 1078 bestehen. Was aber nicht bedeutet, dass wir keinen Crashtest gemacht haben, allerdings unfreiwillig. Ein Fahrfehler im Steilhang auf einem Singletrail am Ben Nevis zwangen zu einem Freiflug über den Lenker. Landung zwischen zwei Baumstämmen mitten im Wald. Zum Glück schützt der Alltrack - obwohl kein Vollvisier-Helm - auch den Kopf an der Seite und am Hinterkopf recht gut und es gab keine Blessuren trotz "Feindberührung", zumindest nicht am Kopf. Am ungeschützten Schienbein dagegen wuchs eine fette Beule.
Mit 17 Ventilationsöffnungen wurde bei der Entwicklung zudem viel Wert auf eine gute Belüftung gelegt, trotzdem ist der Helm an der Rückseite tief heruntergezogen um einen ausreichenden Schutz des Hinterkopfs zu gewährleisten. Das Inmoldverfahren macht einen sehr sicheren Eindruck und vermittelt viel Vertrauen.
Features und Funktionalität
Der AllTrack wartet mit Features wie einer multifunktionalen Kamerafixierung, einer Goggle Strap Halterung, einem höhenverstellbaren Visier mit Stufen-Arretierung und einem “Goggle Port”, um die Goggle vorn am Helm zu tragen, auf. Die Unisex-Helm-Modellreihe biete eine multifunktionale Kamerafixierung mit Sicherheitsauslösung, ein höhenverstellbares Visier als Extra-Stauraum für den Crossbrillen-Einsatz mit Stufen-Arretierung und einen Clip zur Goggle-Befestigung. Alle Einzelteile (Pads, Kamera-Adapter, Visier) sind einzeln erhältlich. Zusätzlich zur normalen Hersteller-Garantie bietet Cratoni zudem 3 Jahre ab Kauf die Cratoni Replacement-Garantie an.
Kombiniert man den Helm mit einer Goggle, zeigt sich anhand einiger Detaillösungen, dass der AllTrack hierfür optimiert worden ist: Eine Öse an der Rückseite hält das Band der Brille an Ort und Stelle und das Gesicht ist genau so ausgeschnitten, dass die Goggle perfekt mit der Helmschale abschließt. Damit bietet Cratoni eine unkomplizierte Möglichkeit, die große Brille schnell aus dem Weg zu bringen. Leider verstopft die Unterbringung dort jedoch auch fünf großflächige Lüftungsöffnungen, durch die der Fahrtwind um den Kopf herumströmt - eine negative Auswirkung auf die Belüftung lässt sich dabei nicht vermeiden. Im Testbetrieb ist dieses Manko jedoch nicht allzu negativ in Erscheinung getreten.
Bei hochgeklappten Visier lässt sich die Goggle recht einfach darunter verstauen, das Sichtfeld wird dabei ein wenig eingeschränkt. Helm und Visier sind auf den Einsatz einer Goggle konzipiert, was man vor allem an den Aussparungen am Visier sehen kann. Die Google schließt mit dem Helm sehr bündig ab - je nach Größe der Goggle kann’s dabei ein wenig eng werden. Wenn man gerne mit Goggle fährt wäre es daher empfehlenswert, vor dem Kauf den Helm mit Goggle zusammen auszuprobieren.
Belüftung
Der Helm besitzt sehr große Belüftungsöffnungen, welche ihren Dienst hervorragend verrichten. Auch bei schweißtreibenden Bergauffahrten, sorgen die 17 großen Belüftungsschlitz für ein angenehmes Klima auf dem Kopf. Eine minimale Einschränkung gibt es nur dann, wenn eine Goggle zum Einsatz kommt und diese bei Nichtgebrauch unter dem Visier verstaut wird: Hierbei werden die vorderen Belüftungsöffnungen verschlossen, was sich natürlich etwas negativ auf die Frischluftzufuhr auswirkt.
Technische Daten und Verfügbarkeit
Der AllTrack ist “Made in Germany” und kommt in vier verschiedenen Farbvarianten - Rot, Hellblau, Weiß und Schwarz, allesamt in matter Optik. Dem Nutzer werden drei verschiedene Polster Sets zur Verfügung gestellt, so lässt sich der Helm je nach Vorliebe anpassen. Das Gewicht des AllTracks liegt laut Hersteller bei 320 Gramm. Der 320 Gramm schwere Alltrack-Helm ist in den Größen S/M (54-58 cm) und M/L (58- 62 cm) erhältlich und kommt in vier verschiedenen Farbvarianten.
Die Enduro Halbschale wechselt für 149,95 € (UVP) den Besitzer und kommt in den Größen S/M (54 - 58 cm) und M / L (58 - 62 cm). Laut Cratoni ist eine günstigere Version des AllTrack in Planung, die sich preislich zwischen 80 und 90 € bewegen soll.
Fazit
Mit dem AllTrack gelingt Cratoni ein solider Einstand im heiß umkämpften Markt der Enduro-Halbschalenhelme. Mit einem stimmigen Konzept, guter Belüftung und einem niedrigen Gewicht bietet der Helm ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Hat man den AllTrack einmal an die eigenene Kopfform angepasst, bleibt der Helm bei der Fahrt an Ort und Stelle und lässt sich weder durch ruppige Trails und noch durch hohe Geschwindigkeiten dazu verleiten, unangenehm zu rütteln. Hier leistet das Light Fit-System ganze Arbeit und fixiert den Helm zuverlässig am Kopf.
Der Helm hat mich voll überzeugt und wird mich auf den Trails im Jahr 2016 begleiten. Es gibt den Alltrack in verschiedenen Farben und Größen näheres auf: www.cratoni.de
Zusammenfassung der Eigenschaften
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Gewicht | 320-370g (je nach Größe) |
| Belüftung | 17 Ventilationsöffnungen |
| Features | Kamerafixierung, Goggle Strap Halterung, höhenverstellbares Visier, Goggle Port |
| Größen | S/M (54-58 cm), M/L (58-62 cm) |
| Preis (UVP) | 149,95 € |
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