Für einige Radfahrer geht die Saison gerade zu Ende, während sie für die meisten erst in ein paar Wochen losgeht. Cyclocross-Athleten sind nämlich vornehmlich im Herbst und Winter unterwegs und machen auf ihren modifizierten Rennrädern vor allem Wälder und jede Art von unbefestigten Wegen unsicher.
Der deutsche Begriff für Cyclocross - Querfeldeinrennen - beschreibt das Wesen der aufstrebenden Sportart eigentlich ganz genau. Ein Fahrer, sein Rad, und sein Weg quer durch das Gelände, egal ob über matschige Feldwege, verwurzelte Waldpfade oder steile Anstiege. Und das Ganze eben nicht mit einem vollgefederten Mountainbike oder einem robusten Crossbike mit ordentlich Federweg vorne, sondern einem speziell für den Sport angepassten Rennrad, dem Cyclocross-Rad oder sogenanntem Cyclocrosser.
Ähnlich wie MTBs sind die Fahrräder für den Einsatz im Gelände ausgelegt, ermöglichen aber durch ihre Rennrad-Geometrie auch auf Straßen hohe Geschwindigkeiten und sind somit auch über das ganze Jahr das perfekte Bike für jeden Untergrund. Die Hochsaison für Cyclocross-Athleten ist aber immer dann, wenn Kälte und Nässe die Athleten und Hobbysportler zu neuen Hochleistungen antreiben - natürlich am ehesten bei offiziellen Rennen.
Ursprung und Geschichte des Cyclocross
Das Entstehen der Sportart Cyclocross kann nicht genau bestimmt werden. Unterschiedlichen Quellen zufolge haben sich aber die Anfänge im frühen zwanzigsten Jahrhundert in Frankreich herausgebildet. Seinen Ursprung hat der CX-Sport Geschichten zufolge an der französischen Riviera (daher der frz. Begriff Cyclocross) um 1900, als Straßenrennfahrer zur Saisonvorbereitung auch mal über Stock und Stein fuhren, um ihre Kondition zu verbessern.
Die sogenannte Steeplechase (Kirchturmjagd) soll dabei den Grundstein gelegt haben - ein Rennen zum nächsten Ort, markiert durch den Kirchturm. Alles war erlaubt, sodass die Fahrer ihre Räder natürlich über Stock und Stein jagten, um die kürzeste Strecke zu finden. Die Sportler fanden, dass das Handling des Rads auf unbefestigtem Untergrund sich positiv auf die Performance auf der Straße auswirken konnte - der Cyclocross Sport und das Cyclocross Bike waren geboren.
Die ersten Meisterschaften wurden bereits 1912 in der Schweiz ausgetragen, die erste Cyclocross-WM folgte 1950 in Paris.
Ihren Ursprung hat diese Radsportart in Frankreich, kurz nach der Jahrhundertwende 1899/1900. Es gibt viele Anekdoten über die Erfinder des Cyclocross. Eine besagt, dass viele Straßenrennradfahrer im Winter zu Trainingszwecken von Stadt zu Stadt fuhren, dabei mussten sie öfters querfeldein über Felder, Wiesen und Wälder. Auch kam es vor, dass die Fahrer ihre Räder schultern mussten, wenn es galt, Bachläufe oder Weidezäune zu überqueren.
Der erste nationale Wettkampf im Cyclocross fand 1902 in Frankreich statt. Die Radsportart wurde zusehends beliebter und breitete sich auch in angrenzende Länder aus. So fanden zum Beispiel auch in Belgien (1910), in der Schweiz (1912) und in Luxemburg (1923) Nationalmeisterschaften statt.
Cyclocross als Wettkampfsport
Der Cyclocross-Sport (CX-Sport) wird wie der Straßenrennsport von dem Weltradsportverband UCI (Union Cycliste Internationale) organisiert und weltweit in verschiedenen Disziplinen und Wettkämpfen ausgetragen. Cyclocross Rennen finden normalerweise auf einem relativ kurzen, zwischen ein und drei Kilometer langen Rundkurs auf unbefestigten Feld- und Waldwegen statt.
Die Besonderheit des Kurses bzw. des Cyclocross-Sports an sich sind kurze, enorm steile Passagen und Hindernisse, die die Fahrer zum Absteigen und Tragen des Rades zwingen. Daher kommt auch das klassische Bild des Rennfahrers, der mit geschultertem Rad einen schlammigen Anstieg hinaufeilt.
Die Dauer des Rennens ist abhängig von den Fahrerkategorien und beträgt in der Regel zwischen 20 und 60 Minuten. Die Anzahl der zu fahrenden Runden auf der Strecke richtet sich nach der aktuellen Zwischenzeit des Führenden und wird nach der zweiten Runde bekannt gegeben. Durch dieses Verfahren werden die äußeren Bedingungen mit berücksichtigt.
Besonders in den flämischen Landen kommen jedes Wochenende zehntausende Zuschauer zu den großen Rennen, um die Duelle der großen Stars wie Wout van Aert gegen Mathieu van der Poel oder Marianne Vos gegen Sanne Cant zu bejubeln, wie diese über Hindernisse hinweg setzen oder sich durch Sand- und Schlammlöcher kämpfen.
Für deutsche Erfolge sorgten in 1970er und 80er Jahren unter anderem die Fahrer Klaus-Peter Thaler und Mike Kluge.
Das Cyclocross-Rad im Detail
Auf den ersten Blick unterscheidet sich ein Cyclocrosser nur wenig vom klassischen Rennrad. Es hat 28-Zoll-Laufräder, einen sportlichen Diamantrahmen und einen Rennlenker. Außerdem muss man das Cyclocrossrad vom Crossbike abgrenzen, welches sich wesentlich mehr am Mountainbike orientiert.
Rein äußerlich unterscheidet es sich kaum von einem normalen Rennrad, jedoch hat es einige technische Besonderheiten. Eine davon sind die Bremsen, am häufigsten werden Cantileverbremsen und V-Brakes verwendet. Auch haben Quervelos einen längeren Radstand, flachere Lehn - und Sitzwinkel sowie mehr Reifenfreiheit an Vorder - und Hinterrad. Deshalb sind die Rennräder auch besonders stabil.
Am auffälligsten sind die Bremsen und die Reifen. Die meistverbreiteten Bremsen im Radcross sind nämlich Cantileverbremsen, da Scheibenbremsen erst diese Saison von der UCI für den Sport freigegeben wurden. Die Cyclocross-Reifen haben ein griffiges Stollenprofil und bieten im Gelände die nötige Traktion.
Damals waren Rennräder ja noch aus Stahl und so war mit etwas Bastelei und Schweißgerät schnell eine Lösung gefunden: Man nimmt einen alten Rennradrahmen und macht breite, profilierte Reifen drauf. Damit die wiederum durch die Bremse passten, musste die schmale Rennerbremse runter und Cantisockel für die Aufnahme eben einer Cantibremse kamen ans Rad.
Ein aktueller Cross-Rahmen unterscheidet sich vom Rennrad vor allem durch eine kürzere Geometrie. Das Oberrohr ist etwa 1-2 cm kürzer, um ein wendigeres Handling zu ermöglichen. Das Steuerrohr ist ebenfalls meist etwas niedriger, damit diejenigen, die ihr Rad tatsächlich im Rennen fahren wollen, möglichst tief runter kommen.
Die Abstufung der Kettenradgarnitur ist ähnlich den Compactkurbeln der aktuellen Rennräder etwas moderater abgestuft und der Rahmen des Cyclocross-Fahrrades ist stabiler konstruiert als ein Rennrad-Rahmen für die Bedürfnisse des Crossrad-Fahrens im Gelände.
Komponenten und Ausstattung
Bei den Bremsen hat die mechanische oder auch hydraulische Scheibenbremse die klassischen Felgenbrems-Cantis beim Crosser und Gravelbike abgelöst. 160er oder sogar 140er Scheiben (mm Durchmesser) für leichte Fahrer reichen im klassischen Einsatzbereich vollkommen aus.
Entsprechend verfügen die meisten Bikes auch über Laufräder für Scheibenbremsaufnahme und Steckachsen. Gravelbikes sind durch diese „Innovation“ Scheibenbremse am Rennrad praktisch sogar erst möglich geworden.
Reifen sind natürlich immer ein Thema. Mit keiner Komponente kann man die Fahreigenschaften eines Rades stärker beeinflussen. Während am Crosser meist stärker profilierte, dafür aber schmalerer Reifen (33 oder 35 mm) verwendet werden, kommen am Gravelbike breitere Reifen (42 mm oder mehr mit wenig profilierten, gut abrollenden Modellen zum Einsatz.
Auch die Karkasse ist ein interessantes Thema, denn am ungefederten Rad merkt man den Unterschied zwischen einer robusten 60 tpi- oder einer feinen 300 tpi-Karkasse deutlich. Auch das Thema Tubeless ist endlich bei den Geländerennern angekommen und bringt dort ähnlich große Vorteile wie am MTB.
Bei den Pedalen sollte man auf Klick-MTB-Pedale setzen, denn im Schlamm mit Rennradschuhen und Systemen zu fahren, funktioniert nicht wirklich gut.
Wie auch am MTB setzt sich bei Gravelbikes und Cyclocrossern der unkomplizierte Einfach-Antrieb immer mehr durch. Durch die gestiegene Bandbreite der Kassetten lassen sich hier die meisten Einsatzbereich zuverlässig abdecken und auch eine ordentliche Endgeschwindigkeit erzielen. Je nach Einsatzbereich kommen vorn Kettenblätter zwischen 38 und 42 Zähnen zum Einsatz.
Ausrüstungsempfehlungen
- Wind- und wasserdichte Radhandschuhe
- Schlauchschal
- Langarm-Thermo-Trikot
- Dicke Socken
- Lange Unterhose aus Merino-Wolle (bei Temperaturen unter -5°C)
- Zusätzliche Überziehhandschuhe (bei Temperaturen unter -5°C)
Unterschied zum Gravel Bike
Gravel Bikes sind erst seit Kurzem auch bei uns in Deutschland ein Begriff. Seit 2015 sind sie schon in den USA bekannt und beschreiben im Prinzip Fahrräder, die Cyclocross Räder ähneln.
Es bestehen allerdings starke Unterschiede zwischen den beiden Fahrradtypen, vor allem in der Schaltung, im Lenker, in den Reifen und hauptsächlich im Rahmen. Der Gravel Bike Rahmen hat nämlich eine aufrechtere Sitzposition und ist somit alltagstauglicher.
Während der Cyclocrosser aus einer Wettkampf-Rennradgeometrie kommt, entstammt das Gravelbike dem Komfort-Rennradbereich.Hierfür reicht nicht unbedingt ein 28mm-Reifen, wie er noch in die meisten Komfort-Rennräder passte.
Und ein Crosser, der Reifen bis 35 mm aufnimmt, war für das Ausdauertraining aufgrund der Geometrie vielen Fahrern zu aggressiv. Daher wurde ein Rad erschaffen, das breite Reifen aufnehmen kann (oft über 40 mm) und eine komfortable Geometrie mit etwas längerem Ober- und vor allem längeren Steuerrohr hat. Dadurch entsteht eine weniger gedrungene Sitzposition - perfekt für Schotterstraßen, aber auch im Adventure-Bereich macht ein Gravel-Bike eine gute Figur.
Im Vergleich zum etwas komfortableren Gravel Bike besitzt der sportliche Cyclocrosser eine dynamischere Rahmen-Geometre. Das Steuerrohr des Gravel Bikes ist länger, wodurch der Fahrer aufrechter sitzt.
Gravel Räder sind nicht nur im Winter eine Option. Die gemäßigte Geometrie bewährt sich auch bei schönem Wetter - zum Beispiel bei mehrtägigen Bikepacking-Touren. Cyclocrosser sind im direkten Vergleich deutlich aggressiver gestaltet und wie gemacht für kurze, intensive Trainingseinheiten.
Hier eine Tabelle, die die wesentlichen Unterschiede zusammenfasst:
| Merkmal | Cyclocross Bike | Gravel Bike |
|---|---|---|
| Geometrie | Aggressiver, Wettkampf-orientiert | Komfortabler, Ausdauer-orientiert |
| Reifenbreite | 33-35 mm | 40 mm oder breiter |
| Einsatzbereich | Kurze, intensive Rennen und Training | Ausdauerfahrten, Bikepacking |
| Sitzposition | Tiefer, aerodynamischer | Aufrechter, komfortabler |
| Schaltung | Eng gestufte Abstufung | Breitere Spreizung |
Vielseitigkeit und Einsatzmöglichkeiten
Nein, das ist es nicht, denn kaum ein Rad ist so vielseitig einsetzbar wie der Crosser! Im Winter steht für praktisch jeden ambitionierten Radsportler Ausdauertraining an. Wer nicht den Nerv hat, das auf der Rolle zu machen oder das nötige Kleingeld für das Trainingslager im sonnigen Süden, kämpft sich über matschige Feld- und Waldwege durch meist flaches bis leicht profiliertes Gelände.
Dafür ist ein Crosser ideal, denn er läuft schneller als das Mountainbike durch leichtes Gelände und kommt auf asphaltierten Wegen trotz Stollenprofil sehr nah ans Rennrad heran. Die Sitzposition macht´s möglich und erweitert neben dem Geschwindigkeitsschnitt auch noch die Reichweite für längere Touren in entfernte Regionen.
Die im Vergleich zum MTB schmalen Reifen wirbeln auch deutlich weniger Dreck auf und sauen den Fahrer entsprechend weniger ein. Dazu schneiden sie leichter durch weiche Böden und rollen dort besser als ein breiter MTB-Schlappen.
Aber auch für den Trail-Liebhaber macht es Sinn, sich im Winter auf den Crosser zu setzen. Wer mit 0 mm Federweg und 33 mm-Bereifung Trails fährt schult unweigerlich die Linienwahl.
Durch die guten Allround- und Roll-Eigenschaften kann man das Gravelbikes und Cyclocrosser übrigens auch perfekt für den täglichen Weg zur Arbeit nutzen. Das wissen auch wir bei HIBIKE und so nutzen die meisten unserer Kollegen zum Pendeln eben ein solches Fahrrad. On Top kann man auch nach Feierabend und am Wochenende richtig Spaß haben, denn im Gegensatz zum Trekkingrad bieten sie viele Möglichkeiten.
Ob pendeln, epische Runden durch Wald und Feld, ein adrenalinreiches Cross-Rennen mit dem Cyclocrosser oder ein Bike-Abenteur mit dem Gravelbike - fast alles ist alles möglich!
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