Damen Rennrad Scott Test: Die perfekte Wahl für ambitionierte Radfahrerinnen

Immer mehr Rennrad-Hersteller gehen speziell auf die Bedürfnisse von Frauen ein: Damen-Rennräder sind längst nicht mehr einfach Herren-Rennräder in kleiner Rahmengröße und anderer Lackierung. Geometrie und Komponenten unterscheiden sich teilweise stark von den Männer-Modellen.

RoadBIKE hat vier Rennräder getestet: das Liv Avail Advanced, das Liv Envie Advanced Pro, das Scott Contessa Solace 15 und das Specialized Ruby Pro Disc. Das Liv Avail und das Specialized Ruby Pro Disc empfehlen sich von Geometrie und Sitzposition eher für längere Touren und sind mit Scheibenbremsen ausgestattet. Auch das Scott Contessa Solace 15 fühlt sich auf langen Touren wohl, empfiehlt sich dank Spritzigkeit auch für den ein oder anderen Renneinsatz.

Scott Addict RC Ultimate: Ein Meisterwerk des Leichtbaus

Mit dem neuen Addict RC ist Scott ein echter Coup gelungen. Schließlich zählt das Top-Modell zu den leichtesten Disc-Rennrädern der Welt. Doch wie fährt sich ein Fliegengewicht wie das Addict RC Ultimate? Und muss man angesichts des Gewichtstunings Einbußen bei der Fahrstabilität einkalkulieren? Unser Fahrbericht liefert die Antworten.

Weniger als 6 Kilogramm - Ein Statement

5980 Gramm! Das neue Scott bleibt als erst zweites Rennrad mit Scheibenbremsen unter der Sechs-Kilo-Marke. Einen Rekord stellt die High-End-Version des Addict RC damit zwar nicht auf: die TOUR-Bestenliste führt weiter das Schmolke Leggerissima an, das nochmals fast 600 Gramm leichter ist. Gleichwohl lässt das Scott prominente Vertreter der Leichtbau- Liga wie das Specialized S-Works Aethos (TOUR 1/2021) oder Giant TCR Advanced SL hinter sich. Es zeigt aber auch, dass es für superleichte Rennräder immer noch einen Markt zu geben scheint.

Und auch wenn im Profi-Zirkus die aerodynamischen Boliden dominieren, weil sie trotz höheren Gewichts in vielen Rennsituationen die schnellere Alternative sind, bleibt mancher Profi doch dem leichten Renner zugeneigt: beispielsweise Tom Pidcock, der jüngst bei der AlUla-Tour den ersten Profi-Sieg mit dem neuen Addict erzielte.

Stark in den Bergen

Berge zu erklimmen ist die Paradedisziplin des Scott Addict RC. Sowohl bei unserer Premierenfahrt rund um Scotts Hauptsitz in Givisiez als auch in heimischen Gefilden rund um München vermittelte das Rad einen beinahe schwerelosen Charakter. Oder anders formuliert: Solange man im Sattel des Scott Addict RC Ultimate sitzt, sind anspruchsvolle Passfahrten auch ohne viele Trainingskilometer ein Genuss. Vorausgesetzt, man kommt mit der sehr gestreckten Sitzposition klar.

Die Basis ist ein puristisches Rahmen-Set, das dank eines präzisen Fertigungsverfahrens unnötiges Carbon beziehungsweise Harz sparen soll. Scott bietet zwei Rahmenqualitäten an: Die SL-Version des getesteten Top-Modells wiegt 705 Gramm, für die Gabel ermitteln wir 310 Gramm. Trotz des Leichtbaus erzielt das Rahmen-Set erstklassige Steifigkeitswerte, was man nicht von jedem vergleichbar leichten Bergrad behaupten kann. Das Gewichtstuning setzt sich bei allen Anbauteilen fort.

Exklusiver Ultraleicht-Reifen

Den Löwenanteil macht allerdings die exklusive Laufrad-Reifen-Kombi aus. Das Scott profitiert dabei von einer Weltneuheit: einem 29 Millimeter breiten Ultraleicht-Reifen von Schwalbe. Der Aerothan Race, den die Reichshofer demnächst offiziell vorstellen wollen, lag mit sensationellen 176 Gramm auf der Waage. Gegenüber konventionellen Reifen wie dem Schwalbe Pro One sind das rund 120 Gramm weniger. Pro Reifen!

Wie sich der zarte Gummi im Rennradalltag bewährt, müssen Tests zeigen; nach einigen Kilometern hatten die in den USA gefertigten Pneus schon sichtbar Gummi auf der Straße gelassen. In Kombination mit den spektakulären Vollcarbonlaufrädern der Eigenmarke Syncros wiegt der Satz nur knapp über zwei Kilogramm und trägt entscheidend zum explosiven Fahrgefühl bei.

Wie schlägt sich das Rad im Windkanal?

Durch die 40 Millimeter hohen Felgen dürfte das Addict RC auch im Windkanal eine respektable Figur abgeben. Noch konnten wir das Rad nicht aerodynamisch messen, weshalb wir auch keine TOUR-Note vergeben. Laut Scott soll das neue Modell zwölf Watt schneller als das alte sein. Vergleichbare Leichtbau-Spezialisten (TOUR 12/2023) bewegen sich um 220 Watt, um den Luftwiderstand bei 45 km/h zu überwinden. Ein Wert, den auch das alte Addict RC Premium (TOUR 8/2020) traf.

Das Wettkampfrennrad, das Tom Pidcock beim Q36.5-Team aufgrund des UCI-Mindestgewichts von 6,8 Kilogramm nur in der schwereren Pro-Version zur Verfügung steht, mag nicht nur Hochprozentiges. Auch auf Holperpisten punktet es mit exzellentem Heckkomfort und schluckt für ein Rad dieser Klasse überdurchschnittlich viel. Günstigere Ausstattungsvarianten stellen manche Marathonräder endgültig in den Schatten, da im Rahmen eine verjüngte Komfortstütze steckt. In der Aussparung findet ein magnetisches Rücklicht (54,95 Euro) Platz, allerdings fehlt diesem die StVZO-Zulassung. Als alltagstauglicher erweist sich ein im Lenkerende verstecktes Werkzeug, mit dem sich unterwegs die wichtigsten Einstellungen vornehmen lassen. Hobbyschrauber dürfen sich zudem über einen einheitlichen Schraubenstandard (T25) freuen.

Neben dem zweitleichtesten Serienrad im TOUR-Test bietet Scott vier weitere Ausstattungen zwischen 4999 und 8699 Euro an. Wie beim Foil RC empfiehlt sich auch beim Addict RC ein Blick in die zweite Reihe: Die Pro-Version, laut Hersteller 6,5 Kilogramm leicht, würde in unserer Leichtbau-Rangliste immer noch in den Top Ten landen.

Scott Addict RC Ultimate - die wichtigsten Infos

Mit der neuesten Iteration des Race-Bikes will der Schweizer Hersteller die Grenzen noch weiter verschieben. Dank neuester Technik und herausragender hauseigenen Komponenten steigt das Bike in ungeahnte Höhen auf. Aber nicht nur das UCI-Limit von 6,8 kg soll gebrochen werden. Nein, SCOTT strebt nach höheren Zielen. So soll das Addict RC Ultimate, ausgestattet mit handelsüblichen Komponenten und Scheibenbremsen, sogar die 6-kg-Marke knacken. Schnell, schick, aber vor allem leicht!

Leichtbau - ja oder nein?

Eine Frage, die sich vor 10 Jahren noch niemand gestellt hat, ist in Zeiten von Aerodynamik und Scheibenbremsen immer wichtiger geworden. Doch selbst die fanatischsten Aerodynamiker können sich der Faszination eines Sub-6-kg-Bikes wohl kaum entziehen. Dieses Gewicht erreicht SCOTT vor allem durch einige Neuerungen im Rahmenbau. Das Entwicklungsteam hat nicht nur den Rahmen komplett überarbeitet, um den Materialeinsatz zu minimieren, auch die Fertigung an sich wurde grundlegend erneuert. Jetzt werden die einzelnen Carbonlagen um einen vorgefertigten Kern gewickelt, bevor sie in die Form transferiert werden.

Nach dem Aushärten wird der innere Kern entfernt und als Resultat ein effizienter Carbonrahmen erhalten. Aber auch wenn sich alles um das Gewicht dreht: Laut SCOTT ist das neue Addict RC 2025 dank cleverer Aero-Lösungen ganze 12 Watt schneller als sein Vorgänger. Erzielt wird das durch ein schmaleres Steuerrohr, ein leicht aerodynamisch optimiertes Unterrohr und eingedrehte aerodynamische Sitzstreben - Erkenntnisse, die bei der Entwicklung des Aero-Renners Foil RC gewonnen wurden. Im Gegensatz zu anderen Leichtbau-Bikes gelingt es dem Addict RC, mit diesen Eigenschaften ein modernes und sportliches Gesamtbild zu schaffen. Es ist in sich stimmig, weder übermäßig dünn noch zu fragil und unterstreicht mit leichten Aero-Features die moderne Silhouette. Dazu trägt nicht zuletzt die großzügige Reifenfreiheit von bis zu 34 mm bei.

Lediglich den Sprung auf den angesagten UDH-Schaltaugen-Standard hat SCOTT verpasst, was dann aber auch ein paar Gramm Gewicht gekostet hätte. Im Vergleich zum Vorgänger spart der 599 Gramm leichte Rahmen im HMX-SL-Layup 161 Gramm, die 270 Gramm leichte Gabel 54 Gramm. Minimal-Aero - so lautet die Devise am SCOTT Addict RC 2025.

Aber selbst mit einer bahnbrechenden Rahmenkonstruktion lässt sich ein Gewicht von unter 6 kg nicht verwirklichen. Deshalb haben die Spezialisten von SCOTT beim SCOTT Addict RC jedes Detail in Augenschein genommen und wirklich alles erneuert: Ob Sattelstützklemme, Steckachsen oder Spacer - nichts bleibt beim Alten.

Komfort und Details

Mit der Sattelstütze setzt SCOTT auf die bewährten Maße, hat jedoch ab sofort zwei Modelle im Angebot. Die SL-Stütze geht, getreu ihrem Namenszusatz, ganz auf Abspeckkur und verliert 10 Gramm. Ein besonderes Highlight ist aber die Komfort-Stütze mit integriertem Licht. Dank Cutout soll die Stütze Vibrationen herausfiltern und versteckt zudem ganz geschickt ein abnehmbares Rücklicht. Natürlich bekommt das neue Addict, wie aktuell fast jedes neue Road-Bike - ein neues Cockpit. Mit einer Breite von 400 mm breit und einem leichten Flare ist dieses topmodern. Die hauseigenen Syncros Capital SL-Laufräder gehören genauso zum Konzept wie die an unserem Testbike montierten, aber noch streng geheimen Schwalbe-Aerothan-Reifen.

Aufeinander perfekt abgestimmt, komplettieren die 1.170 Gramm leichten und 40 mm hohen Laufräder die neueste Entwicklung aus dem Hause Schwalbe. Interessanterweise verfügen die günstigeren Addict-Modelle unterhalb von Ultimate und Pro über eine Komfort-Sattelstütze und ein in den Lenkerenden integriertes Minitool - praktisch. Die Einstiegsvarianten mit Shimano 105 Di2 gibt es ab 4.999 €, die Mittelklasse mit Ultegra Di2 ab 5.999 €. Zudem gibt es beim Addict RC keine Contessa-Frauenmodelle mehr. Auf den ersten Blick mag das verwundern, doch der Schritt ist durchaus angebracht: Die Bikes unterschieden sich neben dem Branding und teils anderem Sattel vor allem in der Farbgebung.

Fahrerlebnis

Das Addict RC baut auf Tradition und das bekanntes sowie beliebtes Fahrerlebnis. SCOTT selbst spricht von einem agilen Bike, wie gemacht für schnelle Kurven, aber trotzdem stabil genug, um auch bei Seitenwind nicht vom Bike zu kippen. Durch die breiteren Reifen erhöht sich die Gesamthöhe des Bikes minimal, wodurch sich die Geometrie des Bikes in Relation zum Untergrund verändert. Konkret bedeutet das zum einen ein etwas tieferes Tretlager: Dieses sitzt nun etwa 2 mm weiter unten. Dazu wird die Gabel etwas angepasst und hat nun einen minimal steileren Lenkwinkel. Etwas größere Änderungen gibt es dann beim Reach: In Größe M kommt das Addict RC auf 395,2 mm, knapp 5 mm mehr als beim Vorgänger. Auch der Stack verschiebt sich um etwa 4 mm nach unten.

Das SCOTT Addict RC verspricht viel, aber vor allem eines: exzellente Klettereigenschaften. So überrascht es nicht, dass das Bike in seiner Paradedisziplin zu bestechen weiß. Mit einem Gewicht von unter 6 kg und steifen, reaktiven Laufrädern wie den Syncros Capital SL lässt sich das Addict RC spielend leicht beschleunigen, verlangt geradezu nach dem kleinen Sprint aus engen Serpentinen und treibt einen zum Zielsprint auf der Bergkuppe. Wer oben angekommen ist, muss in der Regel auch wieder runter - kein Problem mit dem Addict. Dank direktem Handling und scharfer Lenkung lässt sich das Bike auch in die engsten Kurven drücken und wechselt selbst in Switchbacks blitzschnell die Richtung.

Einmal vom Berg abgefahren, geht es in der Ebene weiter, und auch hier kann das Addict RC überzeugen. Wie effizient diese Watt genutzt werden, ist dagegen eine andere Sache. Denn obwohl SCOTT mit Aero-Features wirbt, ist das Addict RC sicherlich kein Bike für die Flachetappe. Sowohl der Rahmen als auch die Laufräder können es zumindest gefühlt nicht mit modernen Allround-Race-Bikes oder gar Aero-Spezialisten aufnehmen. Unsere Empfehlung daher: Wählt die Syncros Capital SL-Laufräder mit 60-mm-Felgen.

Die Compliance des Bikes ist dagegen ausgewogen und auf Race-Bike-Niveau. Trotz steifer Laufräder und dem Verzicht auf Komfort-Features am Ultimate-Modell nimmt das Bike leichte Vibrationen heraus, sorgt aber vor allem für direktes Feedback und ein Fahrgefühl, als sei man mit dem Rad direkt verwachsen. Die Komfort-Sattelstütze dagegen verspricht zunächst so einiges, kann in unserem Test aber nicht ganz überzeugen. Zwar spendet die Stütze etwas mehr Dämpfung, wirklich ausschlaggebend ist der Unterschied aber nicht. Wer dennoch mehr Komfort wünscht, wird sich über die maximale Reifenfreiheit von 34 mm freuen.

Auch hier hatten wir die Möglichkeit, nach Rücksprache mit den SCOTT-Projektverantwortlichen ein Addict RC mit 34 mm breiten Schwalbe Pro One zu testen. Die breiten Reifen machen das Bike etwas ruhiger und entspannter, bei einem so agilen und direkten Bike aber keinesfalls schlechter. Dazu spendieren die breiten Schlappen vor allem Unmengen an Grip und Compliance - gefühlt klebt das Bike nahezu auf der Straße und fährt wie auf Schienen um die Kurven. Zudem bügelt das Setup die teils schlechten Straßen um Girona geradezu glatt wie frisch geteert.

Fazit

Back to the roots - so lautet die Devise beim SCOTT Addict RC. Doch das extrem leichte Bike ist nicht nur für Leichtbau-Fanatiker und Bergziegen gedacht. Dank direktem und präzisem Handling, schnellem Antritt und hochwertiger Ausstattung ist es für praktisch jeden Typ Roadie geeignet. Lediglich wenn absolute Effizienz gefragt ist, gibt es schnellere Bikes. Doch auch hier lässt sich mit einem anderen Satz Laufräder nachhelfen. Das Addict RC will hoch hinaus, und dabei setzt SCOTT alles auf eine Karte. Und wir müssen sagen: Die Wette ist aufgegangen. Nicht nur das Gewicht von 5,95 kg ist absolut beeindruckend - vielmehr besticht das ultraleichte Design in Kombination mit dem perfekt ausbalancierten Handling und der Liebe zum Detail.

Im RoadBIKE-Test: 5 Carbon-Rennräder für Frauen

Sportlich, komfortabel und sicher - diese Rennräder sind für Frauen erste Wahl. Welcher hochwertige Renner aus dem RoadBIKE-Test ist der richtige Begleiter für Sie?

Zügig rollen drei Rennräder über den Asphalt, fahren auf einer Linie. Plötzlich zieht eins nach links, an den anderen vorbei. Das Ungewohnte an diesem Bild: Auf den Rädern sitzen keine Männer, sondern Frauen, die ihre Räder im Wiegetritt vorantreiben. Frauen, die es ernst meinen mit ihrem Sport.

Immer mehr Hersteller bedienen diese Klientel, und längst zeichnen sich Rennräder für Frauen nicht mehr allein durch Blümchenmuster und spezielle Farben aus - hochwertige Lady-Renner sind im Kommen. Deshalb hat RoadBIKE fünf dieser Räder im Preisbereich von 1.999-2.999 Euro mit Carbon-Rahmen und hochwertiger Ultegra-Schaltgruppe getestet.

Zuerst wurden sie auf den RoadBIKE-Prüfständen vermessen, danach an die Tes­terinnen verteilt: Sechs Wochen lang fuhren die mit den Rennern zur Arbeit, gingen auf Trainingsrunden und auf Tour. Am Ende zogen sie Bilanz.

Erfreulich - alle Frauen-Rennräder im Test kommen mit kurzen Kurbeln, schmalen Lenkern und kurzen Vorbauten, alle Hersteller liefern die Rahmen für Frauen in kleinsten Größen.

Die Unterschiede liegen in Details: Testsieger Scott punktet auf der Straße mit agilem Lenkverhalten und sportlicher Sitzposition. Den Komfortsieger liefert Specialized. Preis-Leistungs-Favoriten sind das Cube mit seinen hochwertigen Parts und das Stevens mit seinem hochwertigen Rahmen zum fairen Preis.

Spezielle Rennrad-Parts für Damen-Räder

Der Sportwissenschaftler Daniel Schade vermisst bei der Gesellschaft für Biomechanik in Münster Sportler, um die für sie optimale Radeinstellung zu finden. "Eine spezielle Geometrie braucht es nicht, sie muss allerdings zu den Körpermaßen passen! Der wichtigste Unterschied zwischen Mann und Frau ist die durchschnittliche Körpergröße. Frauen sind häufig kleiner und brauchen deshalb auch Rennräder in kleineren Größen", sagt Schade.

Die geringere Körpergröße geht meist mit schmaleren Schultern und kürzeren Armen einher. "Einer kleinen Frau einen 42 Zentimeter breiten Lenker zu montieren, wäre Blödsinn und würde zu Problemen führen", erklärt er.

Während sich die Lady-Bikes noch vor wenigen Jahren nur durch kleinere Rahmen und "feminine" Optik von den Rädern für Männer unterschieden, zeigt der Test, dass die Radhersteller die Bedürfnisse von Frauen inzwischen besser verstehen. Alle Frauen-Renner im Test kommen mit zu den kleinen Rahmengrößen passenden kurzen Kurbelarmen, die sich für kleinere Personen mit kurzen Beinlängen eignen.

Schmale Lenker (um 40 Zentimeter) und kurze Vorbauten finden sich an allen Lady-Rädern. "Vielen Frauen mit Rückenproblemen helfen wir durch einen Kompaktlenker. In Kombination mit dem richtigen Rahmen verhindert das passende Cockpit auch Überstreckung", sagt Schade.

Sicheres Bremsen und optimaler Sitz

Scott löst das Problem (zu) weit abstehender Bremshebel bereits ab Werk mit großen Unterlegkeilen (sogenannten Shims): Diese bringen die Bremshebel näher an den Lenker, so dass Frauen mit kleinen Händen in allen Sitzpositionen sicher bremsen können. Die anderen Hersteller verbauen nur kleinere Abstandshalter-Shims. Grund: Die meisten Sättel sind auf die männliche Anatomie ausgelegt. "Frauen haben aber eine andere Struktur der Beckenknochen", erklärt Schade.

Hier bietet Specialized eine vorbildliche Auswahl: Der Sattel am Ruby ist in mehreren Breiten erhältlich und auf die weibliche Anatomie abgestimmt - er überzeugte alle Testerinnen. Bei den anderen Rädern empfiehlt es sich, gegebenenfalls einen passenden Sattel nachzurüs­ten.

Gesamteindruck der Frauen-Rennräder

Bevor die Fahrerinnen mit den Rennern auf die Straße gingen, vermaß RoadBIKE-Techniker Haider Knall alle Rahmen auf dem Prüfstand. Bei den für die Fahrstabilität wichtigen Rahmensteifigkeiten hinkte das Ruby dem Feld hinterher - selbst für leichte Fahrerinnen. Alle anderen Modelle überzeugten im Labor mit guten Werten.

Nachholbedarf besteht bei den meisten Lady-Rädern dagegen in Sachen Dämpfung. Allein das Ruby geht als Komfort-Renner durch: Egal ob Kopfsteinpflaster oder ruppige Straßen, Rahmen und Gabel dämpfen Erschütterungen spürbar - wie frau das bei modernen Rädern erwarten darf. Diese Eigenschaft qualifiziert das Specialized besonders für Tourenfahrerinnen. Die eher entspannte Sitzposition und die hohe Laufruhe vermitteln zudem Sicherheit. Auf lockeren Sonntagstouren gefiel auch das Stevens mit seinem gutmütigen Charakter. Mehr Dämpfung am Heck würde ihm indes gut zu Gesicht stehen.

Die Sportler unter den Test-Rennern kommen dagegen von Cube, BMC und Scott: In gestreckter Sitzposition fühlen sich hier vor allem Renn­radlerinnen wohl, die auf Tempo stehen. Eine direkte Lenkung passt dazu gut. Am besten gelingt diese Kombination dem Scott: Trotz hoher Agilität lässt es sich sicher um Kurven zirkeln. Bergauf blies das BMC zur Attacke und lieferte sich in puncto Vortrieb ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Testsieger von Scott.

"Die ‚richtige Radgeometrie hängt immer von den individuellen Körpermaßen ab - bei Männern und Frauen", erklärt Daniel Schade und empfiehlt deshalb für den Radkauf: "Probe sitzen und fahren ist ein Muss." Hilfreich ist es dabei, die eigenen Körpermaße zu kennen, etwa um das Cockpit oder die Bremsgriffe anpassen zu können. Stimmen all diese Voraussetzungen, ist der erste Schritt getan - dann muss das Rad noch zum Einsatzbereich und den Vorlieben der Fahrerin passen.

Tabelle: Vergleich der getesteten Damen-Rennräder

Modell Stärken Schwächen
Scott Agiles Lenkverhalten, sportliche Sitzposition -
Specialized Ruby Hoher Komfort, entspannte Sitzposition Geringere Rahmensteifigkeit
Cube Hochwertige Parts, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis -
Stevens Hochwertiger Rahmen, fairer Preis Verbesserungswürdige Dämpfung am Heck

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