Die Tour de France war bisher eine Tour der Dänen, und das von Beginn an. An den ersten drei Tagen standen mehr als eine Million Fans am Straßenrand, die Marktanteile der TV-Übertragungen lagen bei knapp 80 Prozent.
Die Begeisterung in Dänemark
Die Begeisterung für die Tour de France war schon in Dänemark vor dem Startschuss spürbar. Dicht an dicht standen, saßen und lagen die Menschen entlang der Route, die das Peloton zu bewältigen hatte.
Wenn rund 50.000 Dänen auf dem Flightradar verfolgten, wo sich die Privatmaschine des Siegers Jonas Vingegaard auf ihrem Rückweg nach Kopenhagen gerade befindet, ahnt man die Begeisterung, die das Sportereignis und der erste dänische Tour-Sieg nach Bjarne Riis‘ großen Tagen im Land geweckt hat.
Historischer Kontext
Selbstverständlich ist das nicht. Schließlich erlebte Dänemark, wie Deutschland mit Jan Ullrich, den tiefen Fall großer Radsport-Helden.
Bjarne Riis, wegen seiner Vorliebe zum Blutbeschleuniger Epo und des damit verbundenen viel zu hohen Hämatokritwertes „Monsieur 60 Prozent“ genannt, gewann zwar als bisher einziger Skandinavier die Tour de France, gestand aber elf Jahre später, bei seinem Triumph 1996 im Trikot des Team Telekom gedopt gewesen zu sein.
Das gab am Ende seiner Karriere auch Michael Rasmussen zu. Der Kletterspezialist holte zweimal das Bergtrikot bei der Tour, ehe er 2007 als Gesamtführender von seinem Team Rabobank aus dem Rennen genommen wurde, weil er falsche Angaben über Trainingsorte gemacht hatte.
Das schadete dem Duo zwar persönlich - nicht aber dem dänischen Radsport.
Nachwuchsarbeit und Erfolge
Zugleich aber wurde in den Vereinen in Dänemark weiterhin mit großem Engagement Nachwuchsarbeit betrieben. „Wie bei uns Talente unterstützt und gefördert werden, ist herausragend“, sagt Mads Pedersen, „das ist der Grund, warum wir heute da stehen, wo wir stehen.“
Allerdings funktioniert offenbar auch die Anschlussstrategie des Verbandes - in unterschiedlichsten Bereichen. Der Bahn-Vierer holte WM-Gold 2020 und Olympia-Silber 2021, bei den letzten sechs U-23-Weltmeisterschaften gab es fünf dänische Siege im Zeitfahren (1x Johan Price Pejtersen, 3x Mikkel Bjerg, 1x Mads Würtz), Mads Pedersen wurde 2019 Weltmeister im Straßenrennen.
„Wir haben ein funktionierendes Graswurzelsystem“, sagt Michael Rasmussen, der mittlerweile für eine dänische Zeitung von der Tour de France berichtet, „bei uns wächst jeder mit dem Rad auf. Das wirkt sich jetzt aus.“
Und lässt sich mit Zahlen belegen. Dänemark hat 5,8 Millionen Einwohner, die 4,5 Millionen Fahrräder besitzen sollen. Kopenhagen gilt als eine der fahrradfreundlichsten Städte der Welt - es gab Zeiten, da haben Umfragen zufolge bis zu 62 Prozent der Leute den Weg zur Arbeit oder zur Schule im Sattel zurückgelegt.
Die Dänemark-Rundfahrt gibt es nun (abgesehen von einem Jahr Corona-Pause) ununterbrochen seit 1995. „Das System bei uns funktioniert“, sagt Michael Rasmussen, „derzeit haben wir mehr Fahrer auf World-Tour-Niveau als je zuvor. Und für die Zukunft kommen starke Leute nach.“
Dabei ist die Gegenwart ja schon aufregend genug.
Jonas Vingegaard: Ein neuer Star
Jonas Vingegaard ist neben Tadej Pogačar und Remco Evenepoel einer der aktuellen Superstars des Radsports.
Jonas Vingegaard wurde am 10. Dezember 1996 in Hillerslev geboren. Seit 2019 fährt Jonas Vingegaard für das Team Jumbo-Visma. Es gehört zu den WorldTeams, also der höchsten Kategorie im Profiradsport. Das Team ist echtes Star-Ensemble, für das neben Vingegaard auch noch Größen wie Wout van Aert, Primož Roglič oder Sepp Kuss fahren.
Jonas Vingegaards bislang größten Erfolge sind seine beiden Gesamtsiege bei der Tour de France: 2022 und 2023 fuhr er jeweils im Gelben Trikot nach Paris ein.
Jonas Vingegaards Entdeckung von Jumbo-Visma gleicht einem Sport-Märchen: 2018 arbeitete er noch neben seiner Tätigkeit als Radprofi beim Continental-Team ColoQuick in einer Fischfabrik.
Karriere von Jonas Vingegaard
Vingegaard ist Bergspezialist und ein ausgezeichneter Klassementfahrer. Vor allem bei der Tour de France konnte der Däne große Erfolge verbuchen: 2021 wurde er bei der Frankreich-Rundfahrt hinter seinem großen Kontrahenten Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) in der Gesamtwertung Zweiter. Im Jahr 2022 besiegte er den Slowenen und holte sich zwei Etappensiege sowie die Gesamtwertung beim größten Radrennen der Welt. 2023 wiederholte Vingegaard diesen Erfolg.
- 2021: Gewinn der fünften Etappe der UAE-Tour und zweiter Platz in der Gesamtwertung bei der Baskenland-Rundfahrt.
- 2022: Zweiter Gesamtrang beim Criterium du Dauphine und Sieg bei der Tour de France.
- 2023: Siege bei drei Etappen des O Gran Camino, Gesamtsieg bei der Baskenland-Rundfahrt und zweiter Gesamtsieg bei der Tour de France.
Weitere Einblicke
Vingegaard ist zudem bei Instagram aktiv.
Auch wenn der Name des Radsport-Events etwas anderes vermuten lässt: Die Tour den France geht nicht nur durch Frankreich. Die Idee, die Grenzen von Frankreich zu verlassen, hat eine lange Tradition: Schon im Jahre 1906 passierte die Tour Lothringen und das Elsass.
Die Straßen waren rechtzeitig vor der Durchfahrt der Radfahrer geschlossen worden, Zuschauer konnten sich entlang der Strecke oder am Zieleinlauf platzieren, ohne allerdings auf der Fahrbahn stehen zu dürfen.
Bjarne Riis: Ein Kapitel schließt sich
Der Tour-de-France-Sieger von 1996 Bjarne Riis hat verkündet, das Kapitel Radsport ein für alle Mal zu schließen und sich neuen Projekten zuzuwenden. Nun hat er das Unternehmen “Riis Energy” mitbegründet, das Wärmepumpen in seiner Heimat Dänemark vertreibt.
Nach 40 Jahren als aktiver Fahrer, Teambesitzer und Manager verabschiedet sich Bjarne Riis endgültig aus dem Radsport. Für seinen neuen Lebensabschnitt zieht es ihn nun aus der Schweiz wieder zurück in die Heimat Dänemark.
Dort ist Riis ist seit Kurzem Mitbegründer des Unternehmens “Riis Energy”, das aus Litauen importierte Wärmepumpen in Dänemark vertreibt. Ziel von “Riis Energy” sei es, “einen Beitrag zum grünen und nachhaltigen Wandel in Dänemark zu leisten”, erklärt Jorgen Vesta, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens beim dänischen Wirtschaftsportal finans.dk.
Die Tour de France: Ein Überblick
Die Tour de France ist eines der größten und beliebtesten Sportereignisse der Welt. Seit 1903 zieht sie die Radsportfans aus aller Welt in ihren Bann.
Einige Sieger macht sie zu Legenden ihres Sports, einige wie Lance Armstrong fallen tief.
Erfolgreichste Fahrer (fünf Siege)
- Jacques Anquetil (1957, 1961-1964)
- Eddy Merckx (1969-1972, 1974)
- Bernard Hinault (1978, 1979, 1981, 1982, 1985)
- Miguel Indurain (1991-1995)
Die Trikots
- Gelbes Trikot: Im Gelben Trikot fährt auf den Etappen der jeweilige Führende des Gesamtklassements.
- Grünes Trikot: Im Grünen Trikot fährt der jeweilige Führende der Punktewertung.
- Gepunktetes Trikot: Im Gepunkteten Trikot fährt der jeweilige Führende der Bergwertung.
- Weißes Trikot: Im Weißen Trikot fährt der jeweilige beste Jungfahrer. Als Jungfahrer gilt, wer jünger als 25 ist.
- Rote Rückennummer: Die rote Rückennummer trägt der Fahrer, der am Vortag am kämpferischsten gefahren ist.
Jonas Vingegaard: Aktuelle Ergebnisse
| Datum | Rennen | Klasse | Platzierung |
|---|---|---|---|
| 15.06.2025 | Critérium du Dauphiné - Mountains classification | 2.UWT | 4 |
| 15.06.2025 | Critérium du Dauphiné - Points classification | 2.UWT | 3 |
| 15.06.2025 | Critérium du Dauphiné - General classification | 2.UWT | 2 |
| 15.06.2025 | Critérium du Dauphiné - Stage 8 | 2.UWT | 2 |
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