Die Geschichte des ersten Laufrads

Die Geschichte des Fahrrads beginnt mit der so genannten Laufmaschine. Sie wurde von Karl von Drais vor 200 Jahren erfunden.

Die Erfindung der Laufmaschine durch Karl von Drais

Das war im Jahr 1817. Damals hatten die Menschen wenig zu essen und konnten so auch ihre Pferde nicht ernähren. Andere Pferde starben in dieser Zeit an einer schweren Krankheit.

Um sich auch ohne Pferd schneller zu bewegen, entwickelte Drais die Laufmaschine. Seinen Namen trug das erste Modell: Die „Draisine“, und die war nichts anderes als ein Laufrad.

Sie feierte 1817 auf einer der wenigen guten Straßen ihre Premiere. Genau wie die heute selbstverständlichen und nützlichen Laufräder für Kleinkinder wiesen diese Ur-Räder keine Pedale auf, der Fahrer musste sich mit eigener Kraft vom Boden abstoßen.

Beim Material dominierte Holz - Gestell, der Lenker sowie die Reifen des ersten Modells bestanden aus dem natürlichem Rohstoff. Für sein Zweirad erhielt Drais am 12. Januar 1818 ein Großherzogliches Privileg, welches mit einem heutigen Patent vergleichbar ist.

Eigentlich fuhr man mit einer Laufmaschine ungefähr so, wie kleine Kinder heute auf ihren Laufrädern fahren. Das kennst du bestimmt. Pedale und Bremsen gab es nicht, sondern man beschleunigte und bremste mit den Beinen.

Der einzige Unterschied war das Balancierbrett für den Oberkörper, das später durch den Lenker ersetzt wurde.

Aus Erfahrung wissen wir, dass es auf einer ebenen Strecke weniger Mühe kostet sich mit dem Fahrrad fortzubewegen als zu Fuß. Ein Grund hierfür ist, dass beim Gehen der Körper stets gehoben oder gesenkt wird, also fortwährend Hubarbeit verrichtet wird.

Die Draisine war fast ausschließlich aus Holz gefertigt. Nach dem Erfinder hießen die Laufmaschinen Draisinen. Der Geschwindigkeitsrekord lag bei ca.

Die Weiterentwicklung der Fahrräder

Ab 1861 tauchten in Frankreich Räder mit einem Pedalantrieb beim Vorderrad auf. Zum Betrieb dieses Fahrrads brauchte man schon eine gewisse Geschicklichkeit, da die Beine während der Fahrt keinen Bodenkontakt hatten.

Diese Räder nannte man auch "Knochenschüttler": Die Felgen der Räder waren noch nicht "luftbereift", so dass der Fahrer, der sich jetzt völlig auf dem Fahrrad befand, jede Erschütterung zu spüren bekam.

Um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, entwickelte man in England das Hochrad. Der Betrieb dieses Rades erforderte noch mehr Geschick als das Fahren auf dem Vélocipèd.

Am Hochrad Gleichgewicht zu halten war schwierig, beim Lenken berührte das drehbare Vorderrad die Schenkel des Fahrers. Im Jahr 1888 wurden die ersten Niederräder gebaut.

Die Kraftübertragung erfolgte vom vorderen Zahnkranz mit einer Kette zum hinteren Zahnkranz. Seither hat sich die Grundform kaum verändert, nur der Komfort wurde verbessert: luftgefüllte Gummireifen, Federung des Sattels, Freilauf (d.h.

Der plumpe Nachbau des Draisschen Originals wurde 1818 in Deutschland gefertigt und steht heute im Wissenschaftsmuseum in Springfield (Massachusetts).

Die Laufmaschine im Alltag und ihre Kritiker

Nachdem Drais die Maschine erfunden hatte, wurden nach und nach immer mehr Laufmaschinen gebaut. Man fuhr damit sogar Rennen, bei denen man ganz feine Sachen trug.

Wahrscheinlich war Karl von Drais nicht der erste, der die Idee zu einer Laufmaschine hatte. Herren der besseren Gesellschaft setzten sich gern auf das "Hobby Horse" - Steckenpferd.

Die hölzernen Laufräder hatten Eisenreifen, man fuhr völlig ungefedert, daher bekam das Fahrzeug den Spitznamen "Boneshaker" - Knochenschüttler.

Fußgänger weniger - denn die ungewohnt hohe Geschwindigkeit flößte vielen Furcht ein, es kam zu Unfällen.

Am 12. Juni 1817 trat er in Mannheim mit seiner Laufmaschine zur Probefahrt an. Mit diesem Vorläufer des Fahrrads, später auch "Draisine" genannt, war er auf Anhieb viermal so schnell wie die Postkutsche.

In weniger als einer Stunde legte er 13 Kilometer zurück. Einige Wochen später bewies das Zweirad auch seine Bergtauglichkeit. Es hatte zwar nur eine Schleifbremse am Hinterrad, sie zeigte kaum Wirkung.

Der Großherzog von Baden ernannte Drais zum Professor der Mechanik und verlieh ihm ein sogenanntes Privileg, eine Art Patent. Es schützte den Erfinder nicht vor Raubkopierern.

In ganz Europa wurde die hölzerne Laufmaschine nachgebaut, in London und Paris übten fortschrittliche Bürger das Balancieren auf dem Zweirad.

Bald wurden Fahrverbote ausgesprochen, etwa in Mannheim und London. 20 Jahre nach der ersten Fahrt tat Autor Karl Gutzkow das Laufrad als "zweckloses Kinderspielzeug" ab.

Das Denkmal und die späte Anerkennung

Lange Zeit wurde der Erfinder des Laufrads als Spinner abgetan, doch mit der Frage nach Alternativen zum Auto bekam seine Konstruktion einen neuen Stellenwert.

Viel später merkte man in Mannheim, dass Karl Drais kein Spinner war, sondern ein Erfinder, auf den die Stadt stolz sein kann. 2003 baute man ihm ein Denkmal.

Es steht am Wendepunkt der ersten dokumentierten Fahrt der Laufmaschine. Am 12. Juni 1817 hatte Drais die Chaussee von Mannheim nach Schwetzingen gewählt.

Das war die wohl beste Straße in Baden - gut ausgebaut, weil sie zum Schloss Schwetzingen führte, das die früheren pfälzischen Kurfürsten als Sommerresidenz nutzten.

Seither ist Mannheim größer geworden. Der Wendepunkt der historischen Strecke liegt nicht mehr auf freiem Feld, sondern im Stadtteil Rheinau.

Das Drais-Denkmal steht auf dem Rondell eines Kreisverkehrs. Wer heute mit dem Rad dorthin fahren möchte, muss vorsichtig sein. Sonst fällt er den Folgen der Draisschen Erfindung zum Opfer.

Tabelle: Entwicklung des Fahrrads

Jahr Ereignis
1817 Karl von Drais erfindet die Laufmaschine
1861 Erste Räder mit Pedalantrieb beim Vorderrad in Frankreich
1867 Pierre Michaux präsentiert Fahrräder mit Tretkurbel auf der Weltausstellung in Paris
1871 James Starley baut das Velociped in ein Hochrad um
1888 Erste Niederräder mit Kettenantrieb und luftgefüllten Gummireifen

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