Das Kleingedruckte beim Radfahren: Rechtliche Aspekte und Versicherungen

Das Fahrrad ist seit über 120 Jahren als Fortbewegungsmittel fest in der alltäglichen Gebrauchskultur verankert. Fahrräder, die eine sogenannte Tret-Unterstützung durch Elektromotor bieten. Pedelecs, S-Pedelecs oder E-Bikes, also Fahrräder mit elektrischer Unterstützung, werden immer beliebter: 2022 wurden rund 2,2 Millionen Stück verkauft.

E-Bikes und Pedelecs: Was ist der Unterschied?

In der täglichen Umgangssprache ist von E-Bikes immer die Rede, doch oft bezieht man sich dabei auf ein Pedelec. Während ersteres per Daumengas oder Hebel auch ohne Tretunterstützung fährt, springt bei letzterem der Motor nur an, wenn jemand aktiv in die Pedale tritt. Ein weiterer Unterschied betrifft die die maximal zulässige Geschwindigkeit. Während bei einem Pedelec der Motor bis maximal 25 km/h beschleunigt und dann abschaltet, ist bei einem E-Bike erst bei 45 km/h Schluss.

Diese unterschiedliche Definitionen haben Konsequenzen auf der rechtlichen Ebene. Während E-Bikes als Kleinkrafträder gelten, werden Pedelecs als Fahrräder eingestuft. Das bedeutet, dass die Versicherungspflicht nur für Elektrofahrräder greift, die als E-Bikes verkauft werden. Um ein E-Bike fahren zu dürfen, sind ein Mofa- und eine Versicherungskennzeichen, sowie mindestens ein Führerschein der Klasse AM notwendig. Auch die Helmpflicht greift hier zu. Für richtige E-Bikes existiert außerdem eine Altersbegrenzung: Erst ab 16 Jahre dürfen die Zweiräder gefahren werden, in manchen Bundesländern ausnahmsweise ab 15.

Eine Zwischenkategorie stellen sogenannte S-Pedelecs dar. Hier funktioniert der Motor, genauso wie beim Pedelec, nur mit Tretunterstützung. Er schaltet allerdings nicht schon bei 25 km/h ab, sondern erreicht die 45 km/h, bevor es Schluss ist. Sie gehören daher, wie die E-Bikes, zu den Kleinkrafträdern. Das bedeutet, dass S-Pedelec Besitzer genauso wie E-Bike-Fahrer eine Betriebserlaubnis und mindestens einen AM-Führerschein, sowie eine Haftpflichtversicherung vorweisen müssen. Eine Helmpflicht besteht für E-Bikes und für S-Pedelecs, nicht aber für Pedelecs.

Versicherungspflicht und Haftpflicht

Auch wer sein Fahrrad mit einem Elektromotor nachrüstet oder sein E-Bike schneller macht wechselt unter Umständen die Kategorie und muss eine Versicherung abschließen. Falls sie schon eine Police haben, sollten Sie in diesem Fall das Kleingedruckte in Ihrem Vertrag lesen. Manche Versicherungen schließen veränderte Fahrzeuge vom Versicherungsschutz aus, wenn die Arbeiten in Eigenregie erfolgen. Erkundigen Sie sich am besten in einer Werkstatt, wenn Sie vorhaben, Ihr Elektrofahrrad zu tunen.

Über 3.000 Fahrradunfälle ereigneten sich 2016 in Deutschland, an denen Pedelec und E-Bike-Fahrer beteiligt waren. Sie ziehen nicht nur für den Betroffenen Konsequenzen nach sich. Gerade wenn Menschen schwer verletzt werden, können erhebliche Schadenersatzansprüche für den Verursacher entstehen, die ein Leben lang halten. Eine Haftpflichtversicherung für das Elektrofahrrad ist deswegen grundsätzlich eine gute Wahl, unabhängig davon, ob das Gesetz es vorschreibt.

Zwar werden von als Fahrräder eingestufte Pedelecs verursachte Schäden von der privaten Haftpflichtversicherung abgedeckt. Jedoch schließen manche Policen ausdrücklich motorisierte Zweiräder aus, ganz unabhängig von ihrer Bezeichnung. Sie sollten sich daher spätestens beim Kauf eines Pedelecs bei Ihrer Versicherungsgesellschaft diesbezüglich erkundigen oder Ihren Vertrag über die Haftpflichtversicherung nochmal überprüfen und gegebenenfalls erweitern lassen.

E-Bike Versicherung

Viele Fahrradbegeisterte möchten ihr teures Elektrofahrrad gegen Diebstahl absichern. Das geht über die Hausratversicherung - allerdings nur, wenn die E-Bikes oder Pedelecs maximal 25 Stundenkilometer schnell sind und die Motorleistung 250 Watt nicht überschreitet«, sagt Bianca Boss, Vorständin des Bunds der Versicherten (BdV). Auf der Suche nach der richtigen Hausratversicherung muss daher auf das Kleingedruckte geachtet werden. Bei Hausratversicherungen, die auch das Elektrorad einschließen, ist dies bei Einbruchdiebstahl aus einem geschlossenen Raum wie dem Keller oder der Wohnung abgesichert. Da das eher selten vorkommt, ist ein extra Fahrraddiebstahlschutz empfehlenswert«, sagt Boss.

Hier sollte die sogenannte Nachtklausel vermieden werden. Sie schließt Diebstähle zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens aus, wenn das Rad in Gebrauch ist. Viele Hausrat- oder herkömmliche Fahrradversicherungen reichen nicht aus, um Schäden am E-Bike zu 100 Prozent abzudecken. Grund: Zum einen ist der Anschaffungspreis von E-Bikes für die meisten Hausratversicherungsangebote zu hoch. Um es an einem Beispiel zu zeigen: Steht im Versicherungsvertrag, dass bei einem Diebstahl höchstens vier Prozent der vereinbarten Versicherungssumme von 40000 Euro ersetzt werden, wären das 1600 Euro. Das reicht eher nicht, um hochwertige E-Bikes zu ersetzen.

Um alle relevanten Aspekte im Versicherungsschutz abzudecken, bieten sich daher separate E-Bike-Versicherungen an, wenn die Gefahren besonders groß sind. Dazu sollte man überlegen: Steht das Rad häufig draußen, ist man häufig auf längeren Touren unterwegs, will man Zubehör zusätzlich absichern, und könnte man einen Diebstahl aus eigener Tasche ersetzen? All dies sollte bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Pedelec-Versicherungen können beispielsweise den Rundumschutz vor Diebstahl, Teilediebstahl oder Vandalismus enthalten. Häufig sind Services wie ein Pick-up-Service bei Pannen oder Unfällen oder Kostenübernahmen bei Pannen- oder Sturzschäden enthalten.

Der Akku ist sozusagen das Herzstück eines jeden Pedelecs. Allerdings kann er bei Stürzen, Stößen oder unsachgemäßer Verwendung leiden. Auch das regelmäßige Auf- und Entladen können nach und nach zu Leistungsbeeinträchtigungen führen. Daher sollte der Leistungsumfang der gewählten E-Bike-Versicherung auch immer die Batterie enthalten.

Worauf man beim Abschluss einer Fahrradversicherung achten sollte

Du möchtest dein Fahrrad optimal absichern, bist dir aber unsicher, worauf du bei der Wahl der richtigen Versicherung achten sollst? Keine Sorge, wir helfen dir dabei! Die Deckungssumme ist der maximale Betrag, den die Versicherung im Schadensfall zahlt. Achte darauf, dass die Deckungssumme hoch genug ist, um den Wert deines Fahrrads vollständig abzudecken.

Die Selbstbeteiligung ist der Betrag, den du im Schadensfall selbst tragen musst. Überlege dir gut, wie viel du im Ernstfall selbst zahlen kannst und möchtest. Die Vertragslaufzeit bestimmt, wie lange du an die Versicherung gebunden bist. Kurze Vertragslaufzeiten bieten mehr Flexibilität, während längere Laufzeiten oft günstigere Prämien bieten. Der Geltungsbereich gibt an, wo die Versicherung gilt. Manche Versicherungen bieten nur Schutz innerhalb Deutschlands, andere auch im Ausland. Kundenbewertungen können dir einen guten Eindruck von der Zuverlässigkeit und dem Service eines Anbieters geben. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist entscheidend. Vergleiche die Kosten der Versicherung mit den angebotenen Leistungen.

Mit diesen Kriterien bist du bestens gerüstet, um die passende Fahrradversicherung für dich zu finden. Einige Anbieter bieten optionale Zusatzleistungen an, die den Versicherungsschutz erweitern können. Beim Abschluss einer Fahrradversicherung gibt es einige wichtige Punkte, die du beachten solltest, um den besten Schutz zu erhalten und gleichzeitig flexibel zu bleiben. Achte darauf, das Kleingedruckte im Vertrag sorgfältig zu lesen. Versteckte Klauseln und Bedingungen können später zu unangenehmen Überraschungen führen.

Wähle einen Vertrag, der sich an deine Bedürfnisse anpassen lässt. Flexible Vertragsbedingungen ermöglichen es dir, den Versicherungsschutz bei Bedarf zu ändern oder zu erweitern. Frage nach möglichen Rabatten und Sonderkonditionen. Viele Versicherer bieten Rabatte für Familien, Mehrfachversicherungen oder für bestimmte Berufsgruppen an. Informiere dich über die Vertragslaufzeit und die Kündigungsfristen. Einige Versicherungen bieten flexible Laufzeiten an, während andere eine feste Laufzeit haben. Bei der Vertragsunterzeichnung solltest du darauf achten, dass alle wichtigen Punkte klar und verständlich im Vertrag festgehalten sind. Dazu gehören die Deckungssumme, die Selbstbeteiligung und die genauen Leistungen, die abgedeckt sind. Wenn dein Vertrag ausläuft, solltest du rechtzeitig über eine Verlängerung nachdenken. Prüfe, ob sich deine Bedürfnisse geändert haben und ob der aktuelle Vertrag noch zu dir passt.

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