Daumenbremse am Motorrad: Funktion und Zulassung

Die Daumenbremse am Motorrad ist ein Thema, das sowohl im Rennsport als auch im Straßenverkehr auf Interesse stößt. Dieser Artikel beleuchtet die Funktion, die potenziellen Vorteile und die rechtlichen Aspekte im Zusammenhang mit der Zulassung einer solchen Bremse.

Funktionsweise und Vorteile der Daumenbremse

Die Daumenbremse ermöglicht es dem Fahrer, die Hinterradbremse mit dem Daumen zu betätigen, anstatt wie üblich mit dem Fuß. Einige Fahrer, wie Max Neukirchner, sind überzeugt, dass dies eindeutige Vorteile gegenüber Fahrern bietet, die die Daumenbremse nicht verwenden. Auch andere Fahrer wie Teuchert oder Doohan schwören auf die Daumenbremse.

Die Vorteile der Daumenbremse liegen insbesondere in der verbesserten Kontrolle und Dosierbarkeit der Hinterradbremse, besonders in Schräglage. In tiefster Schräglage wird es wohl auch seltenst bis nie einen Bedarf fürs Bremsen geben, sondern nur beim Einlenken und beim Herausbeschleunigen.

Einige Fahrer nutzen die Hinterradbremse kaum oder gar nicht, was die Dosierungsmöglichkeiten oder die Wirkung der Bremsen in Frage stellt. Ab mittleren Linksschräglagen ist es bei Hang-off selbst für einen großen Fahrer nicht mehr möglich, den Fußbremshebel zu betätigen. Ab mittleren Rechtsschräglagen ist der Fußbremshebel in Gefahr, auf der Fahrbahn zu schleifen und die Bedienung ist ebenfalls schwer bis unmöglich.

Technische Aspekte und Umbau

Der Umbau auf eine Daumenbremse kann verschiedene Formen annehmen. Eine Möglichkeit ist die Schaffung eines komplett hydraulisch unabhängigen Bremskreises, der mechanisch mit dem hinteren Bremskreis in Reihe liegt. Anstelle des Betätigungsgestänges des Hinterradbremszylinders wird ein unabhängiger Hydraulikzylinder eingesetzt.

Mittlerweile gibt es Versionen, die rein hydraulisch mit Verwendung einer Spiegler-Daumenbremspumpe funktionieren, unter komplettem Wegfall des ganzen Geschlamps rechts unten im Fußbereich. Und mit voller ABS-Funktionalität. Es bremst mit ABS bis zum Ausregeln - und mit abgeschaltetem ABS bis zum herzhaften Blockieren des Hinterrads.

Bei Umbauten ist zu beachten, dass der zur Verfügung stehende Platz begrenzt sein kann und der Lenkwinkel möglicherweise nicht verringert werden darf, um eine TÜV-Eintragung zu erhalten.

Zulassung und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Zulassung einer Daumenbremse im Straßenverkehr ist ein komplexes Thema. In Paragraph 41 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZo) ist klar aufgeführt: Kraftfahrzeuge müssen zwei voneinander unabhängig wirkende Bremsanlage haben. Verbundbremsen sind erlaubt, wenn sie auf unterschiedliche Weise betätigt werden können.

Die Daumenbremsenkonstruktion kam bisher ausschließlich den Fahrern auf der Rennstrecke zugute, da diese entweder die Fußbremse ganz ersetzte, oder lediglich über einen mechanischen Bremszug als Notbremse benutzt werden konnte. Durch die Firma Procon Design wurde die Daumenbremse erstmals für den Straßenverkehr in Deutschland angefertigt, indem diese hydraulisch mit der gemäß Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) vorgeschriebenen Fußbremse kombiniert wurde.

Einige TÜV-Prüfer stehen dem Thema kritisch gegenüber, da es keine expliziten Vorschriften für eine Daumenbremse in Kombination mit einer Fußbremse gibt. Andere sind offener, besonders wenn ein körperliches Handicap vorliegt. Es gibt Roller mit zwei Bremshebeln und Umbauten für Versehrte, wobei eine Nutzung durch Unversehrte nicht ausgeschlossen wird.

Es sollte eigentlich möglich sein, solche Sachen beim TÜV abgenommen zu bekommen, es gibt ja Leute mit Behinderungen, die anders garnicht fahren könnten.... kann mir nicht vorstellen, dass sich da jemand in den Weg stellt.

Allerdings kann es schwierig sein, eine Daumenbremse ohne gesundheitliche Gründe eintragen zu lassen. Hierbei ist es ratsam, im Vorfeld mit einem TÜV-Prüfer zu sprechen und die Machbarkeit einer Eintragung zu klären.

Einige Anbieter, wie Moko, verbauen Daumenbremsen von Discacciati. Es ist auch möglich den Kupplungshebel durch einen vollwertigen Bremshebel zu ersetzen und einen kleinen Hebel für die Kupplung zu verbauen. Übrigens ist es wohl so, dass die Fußbetätigung dann komplett entfallen kann, weil ein eingetragenes System als sicher eingestuft ist und ergo kein redundantes System braucht.

Erfahrungen und Meinungen

Die Meinungen über die Daumenbremse gehen auseinander. Einige Fahrer berichten von einer deutlichen Verbesserung der Kontrolle und Sicherheit, besonders in Kurven. Andere sehen keinen Mehrwert und betrachten die Umgewöhnung als zu aufwendig. Es ist wichtig zu beachten, dass die Umgewöhnung an die Daumenbremse Zeit und Übung erfordert. Max Neukirchner sagte, er habe das mit der Daumenbremse über 2 Jahre trainiert, bis es perfekt klappte.

Viele Fahrer, die ihre Hinterradbremse sowieso nicht oder kaum benutzen, haben die größten Bedenken. Die Daumenbremse ist -nach der nötigen Umgewöhnung- in jeder Hinsicht besser. Für die Fußbremse spricht bei einer hydraulischen Scheibenbremse zum Hinterrad nur, dass sie seit Jahrzehnten gebräuchlich ist. Von allem anderen her gesehen, hat sie ausschließlich Nachteile.

Wie sehr man die Hinterradbremse nutzbar machen kann, also wie sinnvoll ihr Einsatz ist, hängt stark von den Fahrwerksdaten ab. Faustformel: Je länger der Radstand, je länger die Schwinge und je weniger keilförmig (vorn tief,hinten hoch) die Fahrwerksbalance, um so interessanter wird die Hinterradbremse.

Die Daumenbremse ist ein interessantes Thema, das sowohl technische als auch rechtliche Aspekte umfasst. Ob sie für den einzelnen Fahrer sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Fahrstil, Motorradmodell und individuellen Vorlieben.

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