DDR Mopeds und Motorräder: Eine Geschichte auf zwei Rädern

Die Motorräder, Mopeds, Mokicks und Motorroller nahmen in der Mobilitäts- und Motorisierungsgeschichte der DDR eine herausragende Position ein. Die Motorradfahrer*innen waren in der DDR zahlreich. Vielleicht auch, weil das Fahren eine besondere Art von Freiheit bedeutete und Jugendlichen ein Stück Unabhängigkeit gab. Sobald man seine "Fleppen" (Fahrerlaubnis) hatte, war man stolz wie Bolle.

In Ermangelung einer ausreichenden PKW-Produktion sorgten Mopeds, Roller und Motorräder für individuelle Mobilität in der DDR, während die motorisierten Zweiräder in der Bundesrepublik ab den 1970er-Jahren mehr und mehr zu Sport- und Freizeitgefährten avancierten. So kann die DDR zurecht als Zweiradland bezeichnet werden, denn die kurzfristige Verfügbarkeit ohne lange Wartezeit und die im Vergleich zum Auto moderaten Preise trugen zur hohen Verbreitung der motorisierten Zweiräder in der DDR bei. Gerade bei Jugendlichen hatten die Mokicks von Simson mit ihren 50 ccm und 60 km/h Höchstgeschwindigkeit durchschlagenden Erfolg, denn sie durften bereits von 15-Jährigen gefahren werden. Dies gilt bis heute, da diese Regelung Teil des Einigungsvertrages von 1990 war.

Bis heute gibt es viele Fans der alten Maschinen von MZ und Simson. Die Faszination hat sich auch auf die Gen Z übertragen und man sieht noch alte Simson-Motorräder und Schwalben herumfahren. Heute erleben die kultigen »Ostmopeds« ein echtes Comeback. Simson war für die vielen verschiedenen Mokick- und Moped-Baureihen wie etwa die berühmte Vogelserie mit den klangvollen Namen Schwalbe, Spatz, Star, Sperber und Habicht bekannt oder auch für die weitverbreiteten Modelle S50 und S51, die oft einfach als »Simmen« bezeichnet wurden.

Die Geschichte der Simson-Produktion

Die Geschichte der Simson-Produktion begann im Jahr 1856 mit der Gründung des Unternehmens Suhl, das später in Simson umbenannt wurde. Ursprünglich war das Unternehmen als Waffenhersteller tätig, aber es begann auch mit der Herstellung von Fahrrädern und Motorrädern. Im Jahr 1927 stellte Simson sein erstes Motorrad, das Modell A, vor. Es hatte einen 147ccm-Motor und eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.

In den 1950er Jahren entwickelte Simson das Modell S 51, das zu einem der bekanntesten und meistverkauften Motorräder der DDR wurde. Es hatte einen Zweitaktmotor und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S 51 B, S 51 C und S 51 E. Das Modell wurde in großen Stückzahlen produziert und erfreute sich großer Beliebtheit bei jungen Menschen in der DDR.

In den 1960er Jahren brachte Simson das Modell S 50 auf den Markt, das ebenfalls sehr erfolgreich war. Es hatte einen 50ccm-Motor und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S 50 B, S 50 C und S 50 E. Später wurde das Modell durch die S 51 abgelöst.

Die Simson Schwalbe: Ein legendäres Modell

Ein herausragendes Ereignis in der Simson-Geschichte war die Produktion des legendären Simson Schwalbe, die 1964 begann. Das Modell war das bekannteste Simson-Motorrad und wurde bis 1986 produziert. Die Schwalbe hatte einen 50ccm-Motor und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der KR 51/1, KR 51/2 und KR 51/2 N.

Das Ende der Simson-Ära

Ein weiteres Ereignis war die Übernahme von Simson durch die Firma MZ (Motorradwerk Zschopau) im Jahr 1990. Unter dem neuen Eigentümer wurden die Simson-Modelle modernisiert und weiterentwickelt, aber aufgrund von wirtschaftlichen Problemen wurde die Produktion 2002 eingestellt.

Mit über 1,6 Millionen gebauten Fahrzeugen sind die verschiedenen Simson S50/S51-Baureihen bis heute die meistgebauten Kleinkrafträder Deutschlands. Zwar war die DDR-Zweiradproduktion nach dem Übergang in das vereinigte Deutschland etwas sanfter gefallen als die der Hersteller der vierrädrigen ostdeutschen Fahrzeuge, der überwältigenden Konkurrenz aus Japan oder Italien hatten sie aber langfristig kaum etwas entgegenzusetzen. In der Planwirtschaft noch heißbegehrt, waren sie über Nacht im Niedrigpreissektor der bundesdeutschen Marktwirtschaft gelandet. Schnell war in den Nachwendejahren die große Zeit der motorisierten Zweiräder für den Alltagsgebrauch in den neuen Bundesländern vorbei.

Das Simson Model S51 - der Klassiker

Das Modell S51 war eines der bekanntesten und meistverkauften Motorräder, das von Simson produziert wurde. Es wurde erstmals 1980 auf den Markt gebracht und wurde bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 2002 hergestellt. Die S51 wurde als Nachfolger des Modells S50 entwickelt und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S51 B, S51 C, S51 E, S51 N und S51 Enduro.

Die S51 hatte einen luftgekühlten Zweitaktmotor mit einem Hubraum von 50ccm. Die Leistung variierte je nach Version und lag zwischen 2,5 und 4,4 kW. Die Höchstgeschwindigkeit betrug etwa 60-80 km/h, je nach Version und Zustand des Fahrzeugs.

Das Modell hatte eine robuste Konstruktion und war für den Einsatz auf unebenem Gelände geeignet. Es hatte eine Federgabel und eine Federung am Hinterrad, die für eine gute Stoßdämpfung sorgte. Die S51 hatte auch ein zuverlässiges Bremssystem mit Trommelbremsen an beiden Rädern.

Ein weiteres Merkmal der S51 war ihre vielseitige Konfiguration. Es gab verschiedene Ausstattungsvarianten, einschließlich der Basisversion, die für den täglichen Gebrauch konzipiert war, sowie der Enduro-Version, die für den Einsatz im Gelände geeignet war. Es gab auch eine "N" Version, die speziell für den Einsatz auf Straßen konzipiert war und mit einem stärkeren Motor ausgestattet war.

Die S51 ist auch für ihre einfache Wartung und Reparatur bekannt. Viele Besitzer können kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten selbst durchführen. Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ist auch ein großer Vorteil für Besitzer von Simson-Motorrädern.

Insgesamt war die S51 ein zuverlässiges und vielseitiges Motorrad, das in der DDR und in anderen Ländern sehr beliebt war. Heute hat die S51 unter Simson-Enthusiasten einen Kultstatus erreicht und wird von vielen als Symbol der Ostdeutschen Kultur und Geschichte angesehen.

Erich Übelacker - Chef-Designer der Simson-Modelle

Der Chef-Designer der Simson-Modelle war Erich Übelacker. Er war ein erfahrener Ingenieur und Designer, der während seiner Karriere viele bekannte Fahrzeugmodelle entworfen hat. Übelacker war in den 1960er und 1970er Jahren bei Simson tätig und war maßgeblich an der Gestaltung vieler Modelle beteiligt, darunter die Schwalbe und die S50- und S51-Modelle.

Einer der bekanntesten Entwürfe von Übelacker war die Simson Schwalbe, die 1964 auf den Markt gebracht wurde. Die Schwalbe war ein echtes Kultmotorrad und wurde zu einem der bekanntesten Symbole der DDR. Übelacker war auch an der Gestaltung der S50- und S51-Modelle beteiligt, die ebenfalls sehr erfolgreich waren und bis heute bei vielen Simson-Enthusiasten beliebt sind.

Übelacker hatte auch einen großen Einfluss auf das Design von anderen Fahrzeugen, darunter das Trabant-Auto, das ebenfalls in der DDR produziert wurde. Er war bekannt für seine klaren, funktionalen Designs und seine Fähigkeit, einfache und effektive Lösungen zu finden, um komplexe Probleme zu lösen.

Innovationen der Simson-Modelle

Die Simson-Motorräder waren für ihre fortschrittliche Technologie und ihre innovativen Funktionen bekannt. Hier sind einige Beispiele für die Innovationen, die die Simson-Modelle im Laufe der Jahre hervorgebracht haben:

  • Zweitaktmotoren: Simson war einer der ersten Motorradhersteller, der Zweitaktmotoren in seinen Motorrädern einsetzte. Diese Motoren waren leistungsfähiger und effizienter als die zu dieser Zeit üblichen Viertaktmotoren.
  • Elektronische Zündung: Simson war einer der ersten Motorradhersteller, der elektronische Zündungen in seinen Modellen einsetzte. Diese Technologie verbesserte die Leistung und Zuverlässigkeit der Motorräder.
  • Scheibenbremsen: Die Simson-Modelle waren einige der ersten Motorräder, die mit Scheibenbremsen ausgestattet wurden. Dies verbesserte die Bremsleistung und erhöhte die Sicherheit für den Fahrer.
  • Gabel- und Federungssysteme: Die Simson-Motorräder waren mit fortschrittlichen Gabel- und Federungssystemen ausgestattet, die für eine reibungslose Fahrt auf unebenem Gelände sorgten.
  • Vielseitige Konfiguration: Viele Simson-Modelle, einschließlich der S51 und der Schwalbe, waren in verschiedenen Konfigurationen erhältlich, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten waren. Zum Beispiel gab es Versionen für den täglichen Gebrauch, für das Gelände und für die Straße.
  • Einfache Wartung: Simson-Modelle waren bekannt für ihre einfache Wartung und Reparatur. Viele Besitzer konnten kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten selbst durchführen, was dazu beitrug, die Betriebskosten niedrig zu halten.

Insgesamt waren die Simson-Modelle aufgrund ihrer fortschrittlichen Technologie und ihrer innovativen Funktionen bei den Kunden sehr beliebt. Viele dieser Technologien und Funktionen wurden später von anderen Motorradherstellern übernommen und sind heute immer noch in vielen modernen Motorrädern zu finden.

Der Kult lebt weiter

Heute haben die Simson-Motorräder einen Kultstatus unter Sammlern und Enthusiasten erlangt und es gibt immer noch viele Menschen, die diese ikonischen Motorräder besitzen und fahren. Die Simson-Geschichte bleibt ein wichtiger Teil der deutschen Motorradkultur.

Es gibt viele Gründe, warum der Kult um die Simson-Modelle heute noch lebt. Hier sind einige der wichtigsten Gründe:

  • Nostalgie: Für viele Menschen, insbesondere für diejenigen, die in der DDR aufgewachsen sind, sind die Simson-Motorräder ein Symbol für ihre Kindheit und Jugend. Die Erinnerungen an die Abenteuer, die sie auf ihren Simson-Motorrädern erlebt haben, haben eine starke emotionale Bindung zu diesen Motorrädern geschaffen.
  • Einzigartiges Design: Die Simson-Motorräder haben ein einzigartiges Design, das sich von anderen Motorrädern unterscheidet. Das ikonische Design der Schwalbe und der S50- und S51-Modelle ist unverwechselbar und macht diese Motorräder zu einem begehrten Sammlerstück.
  • Erschwinglichkeit: Viele Menschen schätzen die Erschwinglichkeit der Simson-Motorräder im Vergleich zu modernen Motorrädern. Da die Produktion der Simson-Motorräder bereits eingestellt wurde, sind sie auf dem Gebrauchtmarkt verfügbar und oft zu einem erschwinglichen Preis erhältlich.
  • Einfache Wartung und Reparatur: Die Simson-Motorräder sind für ihre einfache Wartung und Reparatur bekannt. Viele Besitzer können kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten selbst durchführen, was dazu beiträgt, die Betriebskosten niedrig zu halten.
  • Exklusivität: Da die Simson-Modelle nicht mehr produziert werden, sind sie zu einem exklusiven Sammlerstück geworden. Die begrenzte Verfügbarkeit dieser Motorräder hat dazu beigetragen, dass sie bei Sammlern und Enthusiasten begehrt sind.

Insgesamt hat der Kult um die Simson-Modelle viele verschiedene Gründe.

Nach der Wende war das Simson-Werk der erste Großbetrieb, der von der Treuhand abgewickelt wurde. Der Versuch, als GmbH zu überleben, scheiterte an der Konkurrenz aus dem Westen und aus Asien. Außerdem stiegen viele Ostdeutsche nun aufs Auto um. Diese gab es nun im Überfluss in allen Preisklassen, ob gebraucht oder neu.

Mit der Schließung des MZ-Werks 2008 und dem endgültigen Produktionsende 2012 endete die industrielle Serienproduktion ostdeutscher motorisierter Zweiräder nach einer gut 70 Jahre dauernden Geschichte. Dies bedeutet aber nicht, dass auch die Geschichte der produzierten Fahrzeuge aus der DDR vorbei ist, ganz im Gegenteil. Heute genießen die Simsons und MZ aus dem untergegangenen Staat Kultstatus und es hat sich eine lebendige Schrauber-, Bastler und Liebhabercommunity entwickelt.

Doch bald zeigte sich, dass sich die robuste Qualität der Simson-Vögel bewährt. Ein weiterer Grund für deren große Beliebtheit auch nach der Wende ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern in der 50ccm-Klasse. Nach den heutigen Vorschriften dürfen zweirädrige Kleinkrafträder nur noch eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern erreichen.

In Meiningen, rund 25 Kilometer entfernt von Suhl, entstand ein neues Logistikzentrum. Im polnischen Breslau motzt Michał Koziołek seit 2016 Schwalben auf und stattet sie mit einem modernen Elektromotor aus. Seine Firma "RetroElectro" hat er mit Freunden gegründet. Trotz vieler Anfragen aus Polen verkauft er seine immerhin gut 4.000 Euro teuren Schwalben derzeit nur ins Ausland. Besser hat es da die Münchner Firma "Govecs". Sie hat die Markenrechte für die E-Schwalbe und fertigt sie seit 2017 in Breslau in großem Stil. Allerdings verwendet das mittelständische Unternehmen keine Originalbauteile - und umgeht so den Behördenärger.

So sind die Fahrzeuge etwa in Großbritannien bis heute ausgesprochen beliebt.

Modell Produktionszeitraum Besonderheiten
Simson Schwalbe 1964-1986 Kultmodell, bekanntestes Simson-Motorrad
Simson S51 1980-2002 Meistgebautes Kleinkraftrad Deutschlands
MZ - Auch sehr populär in der DDR

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