DDR Motocross Motorräder: Eine Geschichte des Motorsports

Heutzutage scheint es kaum glaubhaft, wie verbreitet der Motorsport in der “Mangelwirtschaft” der DDR war. In dieser Rubrik soll vor allem auf die Vielfalt und die Breitenwirkung des Motorsports eingegangen werden. Ich möchte hier wenigstens einen Teil der einstigen und auch teilweise heute noch existierenden Vereine innerhalb des ADMV vorstellen. Diesen Bereich der Site gliedere ich geografisch.

Die Anfänge des Motorsports in der DDR

Die erste Motorsportveranstaltung in Ostdeutschland nach dem Krieg war wohl das Sandbahnrennen auf der Pferderennbahn Berlin-Karlshorst am 20. Juli 1947. Das erste Straßenrennen in der SBZ fand 1948 in Wittenberg statt. Es folgten Rennen im Leipziger Stadtpark (heute Clara Zetkin Park) und das Stralsunder Bäderrennen. Noch vor der Gründung der DDR kamen im Jahr 1949 ca. 160.000 Zuschauer zum Schleizer Dreieck und 450.000 zum Sachsenring.

Am 2. Juni 1957 wurde im Eichensaal des Hauses der DSF in Berlin der Allgemeine Deutsche Motorsport Verband e.V. gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. Egbert von Frankenberg und Rennfahrer, wie Eugen Bieberle und Silberpfeil-Legende Manfred von Brauchitsch. Der Motorsportjournalist und langjährige hauptamtliche Mitarbeiter des ADMV Harald Täger hat die Entwicklung und Strukturen des Motorsports in der DDR im Beitrag “Von der Sektion Rennsport zum ADMV” kurz und eindrücklich dargestellt.

Entwicklung des Motocross in der DDR

Aus den Zuverlässigkeitsfahrten entwickelte sich der Motorradgeländesport (Enduro). Andere Arten der Geländeprüfung, bei denen es mehr um Geschwindigkeit im Gelände ging, führte zum “scramble” dem heutigen Moto Cross.

Das erste Trial in der DDR war das 1. Berliner Trial auf dem Betriebsbahnhof Rummelsburg am 25.8.1957. Wie die Zeitschrift Illustrierter Motorsport im September 1957 schrieb, kamen seriennahe Maschinen zum Einsatz, wie MZ RT 125 und BK 350, Jawa, EMW R 35, Zündapp und Triumph. Von den 85 angetretenen Fahrern kamen etliche aus West-Berlin. Die Disziplin wurde vom IMS ins Leben gerufen. Die Zeitschrift hatte in der Ausgabe 16 die Ausschreibung für die neue Disziplin und für diesen ersten Wettbewerb veröffentlicht.

In den Sechziger Jahren gab es für die seriennahen Maschinen zwei Klassen; bis und über 200 Kubikzentimeter. In den Siebziger Jahren gab es für Serienmaschinen drei Klassen; C bis 200ccm, D über 200ccm und E bis 100ccm. Die Geländemaschinen wurden in Klasse A bis 200ccm und B über 200ccm eingeteilt.

Das ganz besondere am Trial in der DDR ist der Fakt, dass es keine Trialmotorräder im Handel zu kaufen gab und auch im Prinzip keine importiert wurden. Die Sportler mussten sich ihre Wettbewerbsmaschinen selbst herstellen. Günter Ruttloff, die Gebrüder Gyra und Frank Böttcher stellten leistungsfähige Spezialmaschinen auf die Räder.

Bekannte Persönlichkeiten und Ereignisse

  • Helmut Schuhmann: Aktiver Motocross- und Endurofahrer, später Techniker und Trainer beim MC Kali Merkers.
  • Heinz Hoppe: DDR-Einzelmeisterschaftsteilnehmer, bekannt für seine Fahrweise.
  • Schadenberg: Genannt "der rote Teufel vom Ziesa Berg" wegen seiner roten Kombi und Fahrweise.
  • Peter und Eberhard Wolf: Erfolgreiche Motocross-Fahrer von Tiefbau Schwedt/O.
  • Paul Friedrichs: Motocross-Legende und dreifacher Crossweltmeister.
  • Martin Böhme: DDR-Meister im Motocross, fuhr eine AWO mit 24 PS.
  • Hartmut Kunkel: Moderator von Rennen und Kenner der Motocross-Szene.

Lange mussten die Fahrer warten, bis sie bei der Weltmeisterschaft im Motocross 1966 endlich in den 7. Lauf starten konnten. 96 Fahrer starteten 1982 insgesamt bei den Endläufen der DDR-Meisterschaft "Rund um Zschopau".

Ein besonderes Ereignis war, als die Fahrer vom "MC Kali Merkers" plötzlich mit KTM antraten und konkurrenzlos waren. Auf Bestreben anderer Nationalteams durften sie jedoch nicht mehr damit antreten.

Als es Anfang März zu einem Stelldichein alter Sportfreunde im Prenzlauer Ortsteil Wollenthin kam, fügte es sich, dass die 15 Teilnehmer mehr als zwei Dutzend nationale Titelgewinne aufweisen konnten. Mehr noch: Es waren alles Athleten, die Sportgeschichte schreiben konnten und dem Motocross in mehrfacher Hinsicht Denkmäler setzten.

Während andernorts Vereine dahin dümpelten oder gar ganz von der Bildfläche verschwanden, fuhren unter Parmener Flagge bekannte Motocrosser wie Heiko Koch, Helmut Milenz und Karsten Fiebing Erfolg um Erfolg ein. Dem Schwedter Peter Wolf gelang für den MSC Parmen das äußerst begehrte Double. Er gewann die nationale Meisterschaft in der 500er- und der 250er-Klasse. Andreas Kunkel erkämpfte Bronze bei den 500ern. Und Harald Zimmermann komplettierte das Ganze mit Bronze im 250er-Feld.

Die "Aktuelle Kamera" berichtete über die DDR-Meisterschaftsfinals im Motorsport 1988. Heinz Hoppe und Klaus-Dieter Wissuwa waren 1988 DDR-Meister in der Seitenwagenklasse.

Martin Böhme entwickelte die Leidenschaft für den Motorsport während seiner Lehre zum Autoschlosser. Von seinem Lehrmeister, einem Straßenrennfahrer, sprang der Funke auf ihn über. 1955 begann er mit dem Motocrosstraining, 1961 wurde er DDR-Meister, 1962 Vizemeister. Bei einem internationalen Rennen in Wismar holte er 1961 einen 2.

Hartmut Kunkel kam während seiner Lehre zum Maschinenbauer in Wriezen in Kontakt mit dem Motocross. Nach seinen Aussagen war es der dreifache Crossweltmeister Paul Friedrichs (Erfurt), der in ihm die Begeisterung für diesen Sport auslöste. Er fuhr zwischen 1974 und 1989 Rennen und wurde achtmal Meister des Bezirkes Neubrandenburg. Als späterer sportlicher Leiter des MSC Parmen hatte er Anteil an vielen nationalen Titelgewinnen.

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