Der Grundstein einer langen Ära mit vielen Höhen und Tiefen wird gelegt. Der junge Ingenieur lässt seine neue Maschinenfabrik am 13. Die Fabrik wird umbenannt in „Zschopauer Maschinenfabrik J.S.
Die frühen Jahre: Von DKW zu MZ
Wie viele andere Fabriken auch, musste im Ersten Weltkrieg für die Rüstung produziert werden. Dabei wurde neben der Herstellung von Granatzündern versucht, dem Dampfautomobil zum Durchbruch zu verhelfen. Ein nächster Meilenstein in der Entwicklung des Unternehmens: Der Bau von Zweitakt- Spielzeugmotoren. Auf der Leipziger Messe werden die Motoren erstmals vorgestellt. Ein 1 PS Fahrrad-Hilfsmotor wird entwickelt und damit stand das Kürzel DKW für „Das kleine Wunder“. Die Fabrik erhielt den Namen: Zschopauer Motorenwerke J.S. Mit den Sesselrad-Modellen Golem und Lomos wurden die ersten Vorläufer der Motorroller gebaut, was aber kein großes Geschäft für die Zschopauer war.
Die eigentliche Motorradproduktion in Zschopau beginnt. Das erste Motorrad, genannt „Reichsfahrtmodell“, mit einem 148 ccm Zweitaktmotor und echten 2,5 PS verlässt das Werk. Das DKW-Stahlmodell SM war richtungsweisend für die Entwicklung des Motorradbaus. Das 50.000ste DKW Motorrad wurde gebaut. Erstmalig im Motorradbau wird ein Montage-Fließband eingeführt. Die Rennsportabteilung wird gegründet. Expansionen durch Firmenaufkäufe hat es schon damals gegeben, und so übernimmt DKW das gesamte Aktienpaket der Audi-Werke AG Zwickau. Der Höhepunkt der Motorradproduktion mit 60.000 Stück ist erreicht. In den umliegenden Orten von Zschopau entstehen zahlreiche Zweigwerke.
Die Weltwirtschaftskrise trifft auch DKW hart. Der Motorradabsatz geht drastisch zurück, aber durch die breite Produktpalette, die unter anderem immer noch von Kfz-Zubehör bis hin zu Kühlschränken reicht, können größere Verluste aufgefangen werden. Am 01.01. wird die AUTO UNION gegründet, bestehend aus den Unternehmen: Audi, Horch, Wanderer und DKW. Das Firmenzeichen 4 ineinander verschlungene Ringe finden bei Audi noch heute Anwendung. Erwerb der Allein-Lizenz des von Prof. Auch in Anbetracht des Zweiten Weltkrieges muss für die Rüstung produziert werden.
Zu diesem Zeitpunkt sind 34,6% aller im Deutschen Reich zugelassenen Motorräder DKW, der Erfolg ist zurückzuführen auf die Unverwüstlichkeit, geringen Anschaffungspreis, niedrige Unterhaltungskosten, Zuverlässigkeit und eine ansprechende Optik. Das nationalsozialistische Regime verursacht Devisenmangel, DKW bekommt nur ein begrenztes Kontingent an Motorradreifen zugewiesen und so werden weniger Motorräder produziert, als verkauft werden könnten. Die Produktion von „zivilen Luxusfahrzeugen“ wird eingestellt. Die Produktion des meistverkauften DKW Modells RT 100 wird zugunsten der neu entwickelten RT 125 und NZ 350 eingestellt. In diesem Jahr ersetzen stationäre Motoren und Löschaggregate für die Wehrmacht die stetig abnehmende Fertigung von Motorrädern. Das Werk übersteht den Krieg unzerstört.
Die Nachkriegszeit und die Geburt von IFA-DKW
Sowjetische Truppen besetzen Zschopau und das Werk. Trotz auswegloser Situation gibt es Leute die an die Wiederaufnahme einer Motorradproduktion glauben. Und man atmet auf, als ein Umzug in die miserablen Gebäude des ebenfalls demontierten Zweigwerkes Wilischtal möglich wird. Die IFA wird gegründet und die Währungsreform findet statt, was ein heftiger Schlag für den noch jungen Betrieb war, denn von nun an war der Einkauf von Material und Werkzeug in den Westzonen nicht mehr möglich. Der 05.08. ist ein Freudentag für die damals 445 Arbeiter und Angestellten von IFA-DKW. Das erste Modell der IFA-DKW RT 125 wird wieder gebaut, die erste Maschine nach dem Krieg, die erste Maschine nach totaler Demontage. Aufgrund ministerieller Weisung verschwinden die Buchstaben DKW aus dem Firmennamen. Der erste Zweitakt-Zweizylinder-Boxer mit Kardanantrieb, die BK 350 läuft vom Band.
Die Ära MZ: Innovation und Modellvielfalt
Die Produktionsbedingungen verbessern sich zusehends. Mit der Inbetriebnahme einer vollautomatischen Taktstraße zur Bearbeitung von Motorgehäusehälften konnte die verbesserte RT 125/1 produziert werden. Ein Kettenschutz, in welchem die Kette voll gekapselt und vor Schmutz und Schmiermittelverlust geschützt ist, wird patentiert. Auf der 125er Rennmaschine werden 5 Klassensiege errungen. Der Grundstein für die wohl populärste Geländesportveranstaltung wird gelegt. Die Modellpalette wird nun um Modelle, wie ES 250, ES 175 und die wiederum verbesserte RT 125/2 erweitert.
Die Modellpflege brachte die weiterentwickelte MZ * 125/3 und MZ * 15/4 hervor. Die Produktion der RT 125 und MZ * 125/3 läuft aus und wird durch die ES 125/150 ersetzt. In den 12 Produktionsjahren wurden 310.800 Modelle gefertigt. Die Fertigungsanlagen erfahren eine umfangreiche Modernisierung, unter anderem werden eine automatische Phosphatieranlage eingebaut, eine Fließstraße mit elektrostatischer Lackierung sowie Infrarot-Trockenöfen. Präsentation eines MZ- Wankelmotors *. Fertigung des 500.000ste MZ-Motorrad *, 1. MZ * erreicht eine Jahresproduktion von 63.700 Motorrädern. Der Export-Anteil beträgt 50%. Auf der Leipziger Herbstmesse erhält MZ * für die TS 250 eine der vielbegehrten Goldmedaillen für Spitzenexponate. Trotz des kalten Krieges, ist das Geschäft mit dem Versandhaus Neckermann erfolgreich. Die Modellpalette umfasst zahlreiche Spezialausführungen, zeitweilig gibt es 65 Modellvarianten. Nach dem dritten Produktionsjahr werden verbesserte TS-Modelle produziert. Zu den MZ *-Export-Ländern gehören auch Länder wie Ägypten, Iran und Irak.
Ganz gleich ob in den Bergen Kurdistans oder in den Wüsten im Westen des Landes, überall zwischen Euphrat und Tigris machen sich MZ * Motorräder einen guten Namen. Die ETZ 250 mit 21 PS schließt die TS Reihe ab, bis dahin war die ES 150 das meistproduzierte Motorrad. Mehr als 300 Maschinen verlassen täglich die Fertigung, aber aufgrund von Materialmangel sind die Kapazitäten noch immer nicht voll ausgelastet. 3.200 Beschäftigte bangen um ihren Arbeitsplatz. Die Deutsche Einheit, Einführung der DM … schwere Zeiten für MZ *.
Die TS-Baureihe: Ein Meilenstein
Die MZ TS 250 wird ab 1973 vom VEB Motorradwerk Zschopau (MZ) in der DDR produziert. Sie ist das erste Modell der neuen TS-Baureihe und ersetzt die MZ ES 250/2. Die TS 250 bleibt bis 1976 im Programm, bevor sie durch die überarbeitete TS 250/1 abgelöst wird. Die Produktion der TS 250/1 endet 1981.
Im Juni 1973 begann die Serienfertigung der neuen TS-Modelle, die ihren Namen durch die Fahrwerkskomponenten Telegabel (vorn) und Schwinge (hinten) bekamen. Die kleine Modellreihe TS 125 und TS 150 wurde aus der ETS weiterentwickelt. Die große TS 250 wurde völlig neu konstruiert. Sie besaß einen neuen Brückenrahmen - diese Bauart hatte sich im Geländesport bewährt - in dem der Motor elastisch aufgehängt war. Beide Baureihen gab es mit Hoch- oder Flachlenker, Standart- oder Luxusausführung. Die Fahrzeuge wurden für den alltäglichen Gebrauch konstruiert und waren mit den gut gefederten Fahrgestellen auch für längere Reisen geeignet. Sie bedienten einen anderen Markt, als den im Westen üblichen, wo im Alltag ein PKW benutzt wurde und Motorräder oft eher Hobby als Alltagsgefährt waren bzw. sind.
Technische Daten der MZ TS 250
Die TS 250 wird 1973 als Nachfolgerin der ES 250/2 vorgestellt. Sie basiert auf einem offenen Stahlrohrrahmen mit Unterzug und verwendet eine neue Vorderradführung mit Telegabel und außenliegenden Dämpfungselementen. Die bisherige Vollschwingenoptik der ES-Baureihe entfällt. Die TS 250 ist mit einem 18-Zoll-Vorderrad und einem 16-Zoll-Hinterrad ausgestattet. Ab Werk werden Reifen der Marke Pneumant montiert. Die Sitzbank ist durchgehend und für den Soziusbetrieb ausgelegt. Serienmäßig sind Soziusfußrasten und stabile Haltegriffe vorhanden. Die Vorderradbremse ist als Simplex-Trommelbremse ausgeführt. Der Tankinhalt beträgt 16 Liter. Die Elektrik arbeitet mit 6 Volt.
1976 wird die TS 250 durch die TS 250/1 ersetzt. Die wichtigste technische Änderung betrifft die Vorderradgabel: Statt der bisherigen Telegabel mit außenliegenden Dämpfern kommt nun eine neue Gabel mit innenliegenden Dämpfungselementen zum Einsatz. Auch die Vorderradbremse wird überarbeitet. Die TS 250/1 erhält eine Duplex-Trommelbremse, die eine höhere Bremsleistung bietet. Das Cockpit wird modernisiert: Ein neues Kombiinstrument mit integriertem Tachometer, Kilometerzähler und Kontrollleuchten ersetzt die bisherige Einzellösung. Die TS 250/1 bleibt bis 1981 in Produktion.
Die MZ TS 250 bietet ein gutmütiges Fahrverhalten und eine einfache Technik.
Nein, die MZ TS 250 ist nicht mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet. Sie verfügt über Trommelbremsen vorne und hinten, bei der TS 250/1 vorne als Duplex-Ausführung.MZ TS 250 vs.
Der Tank fasst 16 Liter. Ja, die TS 250 ist serienmäßig für den Soziusbetrieb ausgelegt.
Modellpflege und Weiterentwicklungen
Anfang der Siebziger Jahre wurden an einem neuen Einheitsmotor mit horizontal geteilten Motor- und Getriebegehäuse gearbeitet, der verschiedene Hubräume zunächst mit 125, 175. 200 und 250ccm ermöglichen sollte und wahlweise mit E-Starter geliefert werden sollte. Später auch sollten auch Motoren mit zwei Zylindern folgen. Ab 1976 wurden die Modelle TS 125/1, TS 150/1 und TS 250/1 produziert. Sie hatten eine neu konstruierte Telegabel und die große TS hatte nun ein Fünfganggetriebe und 19 PS. Für den Export in die BRD wurde der Motor auf 17 PS gedrosselt, um einer gebräuchlichen Steuerklasse zu entsprechen. Das kleine Modell wurde bis 1985 mindestens 326.000 mal gebaut. Leider zeigen die Quellen ganz unterschiedliche Zahlen. Es wird auch die Zahl 900.000 genannt.
Die ETZ-Ära und das Ende der DDR
Im Jahr 1981 erschien zum ersten Mal die neue große Baureihe ETZ (Einzylinder-Telegabel-Zentralkastenrahmen). Der neue Motor mit höherem großflächig gerippten Zylinder und vier Überströmkanälen hatte nun 21 PS Leistung. Die Maschinen hatten 12-Volt-Elektrik und H4 Halogen-Scheinwerfer, wahlweise Trommel- oder Scheibenbremsen vorn. Für den Export wurde der Motor mit Getrenntschmierung gebaut. Ein großer Teil der Produktion wurde exportiert. Beispielsweise wurden von den 76.300 Motorrädern, die im Jahr 1985 in Zschopau gefertigt wurden, 52.608 exportiert. In den Jahren 1982 bis 1986 wurde die ETZ 250 RS mit Baugruppen aus Zschopau auch in Brasilien montiert. Das Nachfolgemodell ETZ 251 kam im Januar 1989 in den Handel. Der Radstand war nun etwas kürzer, das Hinterrad hatte 16 Zoll und das Vorderrad 18 Zoll. Beim Vorgänger waren beide Räder 18 Zoll-bereift.
Ende der achziger Jahre wurde an einem Viertaktmotor, Benzin- bzw. Gemischeinspritzung geforscht und verschiedene Versuchsmotoren und Prototypen gebaut. Die kleine ETZ wurde völlig neu konstruiert und 1985 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Motor und Fahrgestell hatten nur noch wenig mit dem Vorgängermodell TS gemeinsam. Der Motor leistete 10,2 (125ccm) oder 14,3 PS (150ccm) und war elastisch im Brückenrahmen eingehängt.
Die Treuhandanstalt privatisiert die volkseigenen Betriebe, so auch MZ *. Aus dem VEB Motorradwerk Zschopau wurde die MZ GmbH *. Der drastische Produktionsrückgang zog Massenentlassungen nach sich. Es gab nur noch 1.950 Mitarbeiter. Die Betriebsleitung wehrt sich gegen das Sanierungskonzept der Treuhand, das eine Motorradproduktion mit nur noch 250 Beschäftigten vorsah. Am 18.12. lässt sich das Aus für MZ * nicht aufhalten.
Neuanfang und neue Herausforderungen
Am 01.07. wird die Motorrad- und Zweiradwerk GmbH, kurz MuZ unter Petr-Karel-Korous gegründet. Bereits im Herbst wird eine neue Modellpalette vorgestellt. Es gab zeitweilig 250 Mitarbeiter. Der Elektroroller Charly sowie die Skorpion-Reihe werden der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Verwaltung zieht nach Hohndorf um und von nun an wird im neuen Motorradwerk gefertigt. Auszeichnung für erfolgreiches Marketing. Das erneute Ende droht! Der malaiische Konzern Hong Leong übernimmt MuZ nach dem Konkurs. Seit 1993 nimmt MuZ am Supermoto Cup teil. 1996 kommt Elli Bindrum auf Platz 3 der Gesamtwertung. Wieder 2 erste Plätze am A1 Ring für MuZ. Die Skorpion-Modellpalette wird ergänzt durch die Enduro Baghira und das Funbike Mastiff ebenso basierend auf dem 660 ccm Motor von Yamaha. Der Roller Moskito und die MuZ 125 Sport Star ergänzen das Programm. Auf der Intermot wird der erste selbstentwickelte Viertakt-Motor mit 125 ccm vorgestellt. MuZ steigt in Zusammenarbeit mit Swiss-Auto in die Königsklasse des Motorradrennsports, den Grand Prix der 500er Klasse, ein. Das erste von MZ * komplett eigenentwickelte und gebaute Motorrad, die MZ * RT 125, wird der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Hong Leong erhöht das Kapital, so dass eine Erweiterung der 125er Modellpalette die nötige Rückendeckung erhält.
Im Februar präsentiert MZ auf der Motorradmesse in Leipzig die Studie einer GP- Rennmaschine. Zur Förderung des Sportfahrernachwuchs wird ein „Youngster Cup“ mit seinem ersten Rennen in St. Wendel ins Leben gerufen. Im August wird von Hong Leong Ind. Ab dem 1. Januar wird R. Vasuthewan als Geschäftsführer von Hong Leong Ind. eingesetzt. Die MZ * 1000S beweist ihre hohe Zuverlässigkeit beim Einsatz im 24h Rennen zur German Speedweek in Oschersleben. Am 2.Januar beginnt Dr. Zudem startet die Produktion der 1000SF (Super Fighter), eines „Naked Bikes“ und später im April ebenfalls die Produktion einer Tourenmaschine 1000ST (Super Traveller). Im August erfolgte die Produktion der 10.000sten MZ 125 SM und SX. Am Ende des Jahres geht R. Vasuthewan in den Ruhestand.
Der neue Geschäftsführer macht klar, dass nur die Verkaufszahlen über die Zukunft entscheiden. Dr. Im November wird bekanntgegeben, dass weitere Entlassungen folgen werden. Nur etwa 40- 50 Beschäftigte verleiben im Unternehmen.
Die MZ TS 250 im Rückblick
Die MZ TS 250 bietet ein gutmütiges Fahrverhalten und eine einfache Technik. Ihre robuste Bauweise und die vergleichsweise niedrigen Betriebskosten machten sie zu einem beliebten Alltagsfahrzeug in der DDR. Auch heute noch erfreut sie sich großer Beliebtheit bei Oldtimer-Liebhabern und wird oft restauriert und gepflegt.
MZ Export: Eine Erfolgsgeschichte
Vom kleinen Zschopau rund um den Globus. MZ (Motorradwerk Zschopau) exportierte seine Motorräder von 1950 - 1990 in über 120 Länder und wurde so zu einem der größten Motorradhersteller der Welt. Die neue Sonderausstellung „MZ Export: MZ Motorräder in aller Welt“ zeigt ab 1. Mai 2025 im Motorradmuseum Schloss Augustusburg mit sieben ausgewählten Exponaten die unvergleichliche Erfolgsgeschichte der sächsischen Marke.
Dass die Motorräder von MZ äußerst erfolgreich in der DDR verkauft wurden, steht außer Frage. Doch ab 1950 exportierte der ostdeutsche Motorradhersteller von Zschopau aus in über 120 Länder auf der ganzen Welt. Trotz begrenzter Ressourcen und den Herausforderungen des Kalten Krieges konnte MZ mit seinen innovativen Zweitaktmotoren, die durch ihre Zuverlässigkeit, Effizienz und einfache Wartung überzeugten, internationale Bedeutung erlangen. Dazu trugen auch die Erfolge auf den internationalen Motorsportveranstaltungen bei.
Zu Hochzeiten wurden bis zu 75 % der Motorräder für den Export produziert, denn dieser spielte eine zentrale Rolle in der DDR- Wirtschaft. MZ-Motorräder wurden nicht nur gegen Devisen verkauft, sondern auch im Tauschhandel eingesetzt, etwa gegen Rohstoffe oder Konsumgüter. Die größten Importeure waren die Nachbarländer der DDR im sozialistischen Wirtschaftsgebiet, darunter Ungarn (198.125 Motorräder), Polen (180.509 Motorräder) oder Jugoslawien (64.551 Motorräder). Aber auch weitere Länder in Westeuropa wie die BRD (21.873 Motorräder), Großbritannien (45.490 Motorräder) oder Frankreich (25.131 Motorräder) importierten beachtliche Stückzahlen. Über Europa hinaus waren vor allem Kuba (15.337 Motorräder), China (19.211 Motorräder) oder Ägypten (58.535 Stück) Hauptabsatzmärkte. Der Irak (122.984 Motorräder) importierte die MZ-Motorräder sowohl für den zivilen Gebrauch als auch für Behörden wie Polizei und Militär. Besonders in Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas genossen die Motorräder Kultstatus. In Kuba ist die ETZ immer noch ein häufiger Anblick.
Um in den Ländern als Exporteur Fuß zu fassen, nutzte MZ die in den Ländern bestehenden Botschaften, diplomatischen Beziehungen oder Wirtschaftsbeziehungen durch technisch kommerzielle Büros. Es wurde untersucht, was der jeweilige Markt bot, um im Anschluss auf privatwirtschaftlicher Basis Vertreter für MZ zu begeistern. Entsprechend den jeweiligen Standards und Zulassungsbestimmungen wurden die Motorräder angepasst, um die Marktanforderungen zu erfüllen. Modelle wie ES 150, ETZ 250 oder TS 125 wurden zu Bestsellern und trugen dazu bei, MZ zu einem der größten Motorradhersteller der Welt zu machen.
Die beiden Highlights der Sonderschau im Motorradmuseum sind zum einen die MZ RT 125/2, mit der eine Geschichte verbunden ist, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Sie tauchte als Garagenfund 2022 in Chicago auf, obwohl nach offizieller Exportstatistik nie ein solches Motorrad in die USA exportiert wurde. Zum anderen die MZ TS 250 (1974), welche eine akribisch von den Schlossbetrieben nachgebaute Replik, basierend auf den Vorlagen des Originals ist. Für den amerikanischen Markt wurde die englische „Lucas“ Beleuchtungsanlage mit verchromtem Scheinwerfer verbaut sowie der kleine Tank der 125er Baureihe.
Nach über 50 Jahren und einer mysteriösen Reise kehrt eine MZ RT 125/2 wieder zurück in die Heimat. 1957 wurde das Motorrad in den Motorradwerken Zschopau gebaut. Als Garagenfund tauchte sie 2022 in Chicago in den USA auf. Im August 2024 kehrte die einzigartig original erhaltene MZ zurück nach Sachsen in das Motorradmuseum Schloss Augustusburg.
Die Sensation hinter dem Fund: nach offizieller Exportstatistik wurde nie eine MZ RT 125/2 in die USA exportiert. Daher liegt die Vermutung nahe, dass das Motorrad als Messefahrzeug mit anderen Motorrädern in die USA gelangte. Das lässt auch der originale Tacho vermuten, der nur 37 Meilen anzeigt. Wie das Motorrad in einer Garage in Chicago gelandet ist, lässt sich nicht rekonstruieren. Ein MZ-begeisterter Käufer aus New York fand die MZ 2022 in einer Zeitungsanzeige und erkannte ihren einzigartigen Zustand.
Besonders hervorzuheben ist der originale Zustand der MZ. Jedes Teil ist original sehr gut erhalten. Dazu zählen auch der Tacho, die Reifen aus Riesa oder das Bordwerkzeug. Die MZ wartet in Metalleffekt Grün mit einem Chromtank und einem Bremslicht auf. Das ist eine Auffälligkeit, denn Bremslichter wurden erst Ende August 1957 in Serie eingebaut. Wahrscheinlich handelt es sich daher um eine der ersten dieser Baureihe. Eine weitere Besonderheit sind der originale Vergaser (BVF) und die Lenkerarmaturen, denn diese sollten für den regulären Export in den US-Markt eigentlich durch englische Bauteile ersetzt werden. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass die MZ nicht zum Einsatz kam.
Technische Daten der MZ RT 125/2
- Baujahr 1957
- Motor: Einzylinder Zweitakt
- Getriebe: Dreiganggetriebe
- Hubraum: 123 cm³
- Leistung 6 PS bei 5200 U/min
- Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
- Farbe: Metalleffekt Grün
Wichtige Exportmärkte
Reiner Reuter, langjähriger MZ-Kundendienstleiter, gibt Einblicke in die wichtigsten Exportmärkte und die Strategien, um international Fuß zu fassen.
Die wichtigsten Exportmärkte von MZ lagen im sozialistischen Wirtschaftsgebiet in Polen, Ungarn und Jugoslawien. Aber auch im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet konnten wir MZ-Motorräder erfolgreich vertreiben, etwa in der Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Großbritannien. Später kamen dann auch viele Länder in Afrika dazu. Besonders wichtig waren aber der Iran und der Irak - das waren echte Hauptabsatzmärkte. Im Irak hatte MZ zeitweise 92 % Marktanteil.
Meistens gab es in den Ländern bereits eine DDR-Vertretung - entweder über die Botschaft, diplomatische Beziehungen oder über technisch-kommerzielle Büros. Über diese Stellen liefen dann auch die ersten Kontakte an. Zunächst wurde genau untersucht, was der jeweilige Markt bietet und wo Chancen für MZ-Motorräder lagen. Anschließend haben wir versucht, Vertreter auf privatwirtschaftlicher Basis für MZ zu begeistern.
Der ausländische Markt war für MZ enorm wichtig. Man kann sagen, dass zwischen 50 und 75 Prozent unserer Motorräder nur für den Export produziert wurden. Die Maschinen gingen nicht nur gegen Devisen ins Ausland, sondern wurden oft auch im Tauschhandel eingesetzt - etwa gegen Rohstoffe oder Konsumgüter, die in der DDR gebraucht wurden. Sowohl der Osten als auch der Westen waren bedeutende Absatzmärkte. Besonders im sozialistischen Wirtschaftsgebiet wurde darauf geachtet, ein preiswertes und gleichzeitig zuverlässiges Motorrad anzubieten.
MZ stand immer für einfache, zuverlässige und preiswerte Motorräder. Mit der einfachen und zuverlässigen Technik hatten wir hier einen großen Wettbewerbsvorteil.
Sonderausstellung im Motorradmuseum Schloss Augustusburg
Die MZ Export Sonderschau bietet eine umfassende Darstellung der internationalen Erfolgsgeschichte von MZ. Sie ist im Motorradmuseum Schloss Augustusburg zu besichtigen.
Öffnungszeiten:
- April-Oktober: täglich 10 Uhr Öffnung, letzter Einlass 17 Uhr
- November-März: täglich 10 Uhr Öffnung, letzter Einlass 16 Uhr
Die Museen schließen eine Stunde nach dem letzten Eintritt.
Eintritt Motorradmuseum inkl. Sonderschau:
- 10 € Erwachsene / 8 € ermäßigt
- 25 € Familien
Ermäßigungen erhalten Schüler, Studenten, Azubis, Sozialhilfeempfänger, Schwerbehinderte unter Vorlage eines entsprechenden Nachweises. Familienkarten gelten für Eltern bzw. Großeltern mit eigenen schulpflichtigen Kindern.
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