Der Biker Krieger: Eine Definition

Ihr Ruf könnte nicht schlechter sein: gewalttätige Grizzlies auf Motorrädern. Doch die Hells Angels sind Teil der Zeitgeschichte. Dieses Jahr feiern sie in den USA ihr 60-jähriges Bestehen. Wenn es nach Benzin stinkt und verbranntem Gummi, und der stotternde Bass ihrer V-Zweizylinder die Luft vibrieren lässt, erscheinen die Hells Angels wie das letzte Aufgebot der großen Rebellion gegen das Spießbürgertum.

Und nun machen Kämpfe der Rocker-Clubs gegeneinander Schlagzeilen. In Münster stehen in diesen Tagen zwei Mitglieder der verfeindeten Bandidos vor Gericht, beschuldigt, einen Motorradkonstrukteur in Ibbenbühren ermordet zu haben, nur weil er Mitglied der Hells Angels war. Der Krieg zwischen Bandidos und Hells Angels begann in den 90ern in Skandinavien. Doch die Rivalität ist so alt wie die Clubs selbst, die beide ihren Ursprung in Amerika haben, die einen in Texas, die anderen in Kalifornien.

Ursprünge und Entwicklung

60 Jahre gibt es den Club mit dem rot-weißen Schriftzug und dem "patch" (Aufnäher) mit dem "deadhead", dem geflügelten Totenkopf. Statt "chapter" nennen sie sich "charter". Auch diese sind von einer Gruppe Kriegsveteranen gegründet worden, darunter Flieger der 303. Diese hatten sich noch während des Krieges, nach einem alten Howard Hughes Film, Hells Angels genannt. Der Schriftzug "Hells Angels" zierte Flugzeuge, die während des zweiten Weltkrieges Bomben auf Deutschland abwarfen. Nach dem Krieg haben viele Veteranen die warme Sonne Kaliforniens für sich entdeckt und steigen auf Motorräder. Sie wollen Spaß, Bier, Rennen und Kameradschaft.

1953 entdeckt auch Hollywood die Biker. Marlon Brando ist jetzt: "Der Wilde". Der Film-Plot: Eine Gruppe unbändiger Jungen in Lederjacken fällt auf Motorrädern zur spontanen Party in ein Western-Nest ein, in dem nur eine Musikbox den Anschluss an das 20. Jahrhundert verrät und sehnsüchtige Mädchen in Langeweile ersticken. Knapp zehn Jahre nach der Gründung der Hells Angels gelingt es dem jungen Lagerarbeiter Sonny Barger aus Oakland, dessen Motorrad-Gang den Namen kopiert hatte, tatsächlich von den Veteranen anerkannt zu werden.

Bargers Club in Oakland verwandelt die Hells Angels in eine wilde Gang auf polierten Harleys, umweht von Schweiß-, Öl- und Bierfahnen. Kerle, die zum Duschen einfach durch den Regen rasen. Sie sollen wie kein anderer Biker-Club zur Legende werden. Wieder hilft Hollywood, den Mythos weltweit zu verbreiten. Die Hells Angles selbst, Sonny Barger an der Spitze des Motorradgeschwaders, präsentieren sich 1967 in einem Rocker-Film mit Jack Nicholson: "Hells Angels on Wheels". Im selben Jahr rasen auch Nancy Sinatra und Peter Fonda als "The wild Angels" über die Leinwand. Zwei Jahre später sieht man Nicholson auf dem Sozius von Peter Fonda und Dennis Hopper.

Der "Chopper" mit der langen Gabel wird für Rocker über Jahre stilbildend, doch der Film "Easy Rider" bleibt für die Hells Angels ein Ärgernis. Statt einer Bruderschaft zeigt er zwei motorisierte Hippies auf Egotrip. Jimi Hendrix, der ein Lied zum Film beigesteuert hatte, schreibt jetzt auch einen Song für die Hells Angels. Anfangs haben die Angels aus Oakland noch auf Anti-Vietnamkriegs-Demonstranten eingeprügelt. Doch die Hells Angels in San Franzisko sind längst vom Zeitgeist der 68iger eingefangen. Rock und Rocker gehören nun zusammen. Eric Burdon, Donovan, Canned Heat, Janis Joplin, längere Zeit mit einem Hells Angel liiert, alle singen ihnen Lieder.

Die Hells Angels in Deutschland

Auch in Deutschland, vor allem in Hamburg, wuchsen Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahren die "Halbstarken" heran. In Zimmermannshosen saßen sie auf ihren NSU und Zündapps, später dann auf einer großen Triumph, BSA oder BMW. Sie trafen sich in Parks und rebellierten gegen das Schild an den Tanzbars: "Eintritt für Jugendliche in Lederkleidung verboten". 1972 tritt in dem Kult-Film "Die Rocker" von Klaus Lemke der Hamburger Motorrad-Club "Bloody Devils" auf. Ein Jahr später bildet er den ersten deutschen Charter der Hells Angels. Die Kopenhagener Rockergruppe "Galloping Gooses" wird später nach einer heftigen Schlägerei mit den Hamburger Hells Angels von ihnen als neuer Club empfohlen.

Britische Rocker, die sich eigenmächtig Hells Angels nennen, werden durch die Vermittlung des Beatles George Harrison, nachträglich als offizieller Club autorisiert. Kalifornische Hells Angels sind zusammen mit dem Autor Ken Kesey ("Einer flog übers Kuckucksnest") zu den Beatles geflogen. Der zweite deutsche Charter entsteht 1981 aus den "Hammers of Hell" in Stuttgart. Heute ist er nach dem Verbot der Hamburger Angels der älteste deutsche Club.

Im April 1973 wird ein 20-jähriger Kirchenhelfer in Hamburg von einem Mitglied der Bloody Devils erstochen. "Das Tor zum dunklen Kapitel der Angels", sagt ein alter Rocker. 1980 wird auf Sylt ein Disco-Besitzer von einem amerikanischen Hells Angel auf Urlaub getötet, nachdem er den Angel verprügelt und vor die Tür gesetzt hatte. Der Schutzgelderpressung in Hamburger Szene-Kneipen und anderer Straftaten beschuldigt, werden alle Hamburger Hells Angels 1983 verhaftet, der Charter im Oktober 1983 verboten.

Nicht als kriminelle Vereinigung nach § 129 des Strafgesetzbuches, sondern "gemäß § 3 des Gesetzes zur Regelung des öffentlichen Vereinrechts". Selbst wenn sie aus der Gruppe heraus Straftaten begangen hätten, müssten die nach dem Strafgesetzbuch das Hauptanliegen des Clubs sein und "kein Zweck oder eine Tätigkeit von untergeordneter Bedeutung". Drei der Mitglieder werden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die anderen sind nach über einjähriger Untersuchungshaft wieder frei. Vom Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung vom Gericht freigesprochen, darf das "Patch" der Hells Angels in Hamburg dennoch nach dem Vereinsrecht bis heute nicht getragen werden. So brauchte über das Verbot kein Richter zu entscheiden.

Damals hatte das Anwaltskollektiv von Otto Schily "erhebliche Zweifel" an der Rechtsmäßigkeit des Verbots, 2001 versuchte das von Schily geführte Innenministerium das Verbot auf alle Hells Angel Charter auszuweiten. Es gab Zeiten, da prangten die Untaten der Rocker am jedem Kiosk. Ein Lamborghini, Harleys, und 100.000 Mark Bargeld beschlagnahmt, 18 Umzugskartons Prozessakten.

Kriminalität und Konflikte

Scharfschützen sichern den Prozessauftakt im Hochsicherheitsbunker, Staatsanwälte werden unter Polizeischutz gestellt. Zuvor hatten 900 Beamte 46 Puffs, Bars und Wohnungen und das Clubgelände der Rockergruppe durchsucht. Der Richter erkennt in den Rockerstrukturen ein "nach außen abgeschottetes System mit selbst gemachten Regeln", das sich gegen die Grundwerte der bürgerlichen Gesellschaft stelle. Sechseinhalb Jahre für den Präsidenten, viereinhalb für seinen Vize, die anderen dürfen nach Hause gehen. Zehn Angels vor Gericht. Als nach einem Jahr Prozessdauer noch 80.000 Stunden abgehörter Telefonate vor den Richtern liegen, streichen sie die Segel.

Immer wieder sind es dann die Abzeichen auf der Lederkutte, die Rocker in Konflikt mit dem bürgerlichen Gesetzbuch bringen. Wenn sie sich in wilden Schlägereien gegenseitig ihre "Patches" auf ihrer Kutte abziehen, ist das für den Richter eine schwere räuberische Erpressung. Die Polizei erkennt in den Kämpfen der Rocker immer den Streit um Reviere zur Drogenverteilung. Tatsächlich, so sagen Kenner der Szene, sei es selbst bei den großen Rockerkriegen in Dänemark, bei denen sie sich mit Pumpguns aus Sättel schossen und Panzerabwehrraketen abfeuerten, nie um Drogen gegangen.

"Rocker kämpfen um Ehre," erklärt der dänische Kriminologe Joi Bay, der nach den Kriegsursachen forschte. Zuletzt waren sich beide Seiten sicher, dass ihre Fehde von Presse und Sonderpolizei mit angefeuert wurde. Es war um das 50-jährige Jubiläum der amerikanischen Hells Angels. In Deutschland verteilten sich gerade sechzig Angel auf wenige Charter: Stuttgart, Kiel, Berlin, Frankfurt und zwei nahe Hamburg.

Da verkünden die Angels am 14. November 1999 ihre Fusion mit den "Bones", die, 30 Jahre zuvor, von einigen GIs gegründet, mit einigen Hundert Bikern das stärkste Rockergeschwader Deutschlands stellten. Innerhalb einer Woche gibt es eine zweite große Fusion in der Biker-Szene: "Die gelben Ghostrider" schließen sich mit den "Bandidos" zusammen. Mit der Fusion wird das größte Motorrad-Treffen mit Tausenden von Besuchern, die "German Bike Week", die bis dahin eine Veranstaltung der Bones gewesen war, nun in Brandenburg zum Hells Angels Event. Zwei Dutzend schwäbische Angel sitzen in Luckau beim Griechen, als zwei Hundertschaften Polizei das Lokal heimsuchen. Anlass: Die Rocker tragen den deathdead auf dem Rücken.

Und Gerichte entscheiden über das Clubverbot. Die Richter erkennen die Unterschiede der einzelnen Clubs an. Damit gilt das Verbot der Hamburger und Düsseldorfer Hells Angels nicht für die anderen Clubs. Die German-Bike-Week findet inzwischen wegen der großen finanziellen Verluste der Veranstalter nicht mehr statt. Vielleicht haben die tausende Polizisten, ständigen Kontrollen und die über den Bikern schwebenden Hubschrauber Besucher abgeschreckt. Vielleicht hat sich das Treffen überlebt.

Der Krieger-Archetyp in Asatru

„Der Krieger“ - ein Begriff, der in Asatrukreisen häufig diskutiert wird und dem kaum jemand neutral gegenübersteht. Die Haltung reicht dabei von romantisierten ritterlichen Vorstellungen bis hin zu absoluter Ablehnung als brutalem Relikt der Vergangenheit. Der Krieger-Archetyp - wie auch das Kriegertum selbst - ist aus Asatru nicht wegzudenken und deshalb allgegenwärtig, da die Religion fest in einer kriegerischen Stammes-Gesellschaft verwurzelt ist.

„Das Krieger-Ideal ist so präsent, weil unsere Quellen aus Krieger-Kreisen stammen. Ein wesenhafter Bestandteil von Asatru ist aber die Grundhaltung des Kriegers: das Wissen, in einer Welt zu leben, in der man um seinen Platz sehr oft kämpfen muss - und daß das kein Skandal, sondern nun mal der Lauf der Welt ist, das Schicksal des Menschen, das man akzeptieren und in Würde erfüllen muss. Ehre ist eine Krieger-Tugend, auch Treue: die Krieger müssen sich aufeinander verlassen können. Mut natürlich auch - die Neun Tugenden haben viel mit dem früheren Kriegertum zu tun. Es geht dabei um den ‚inneren Krieger‘, den Asatru fördert.

Wie tief diese Verwurzelung ist, zeigte der französische Mythologie-Forscher Georges Dumézil (1898-1986) Anfang des 20. Jahrhunderts. Dumézil hat eine Analyse der indoeuropäischen Mythologie entwickelt, die die gesamte Kultur untersucht. Der germanische Götterhimmel lässt sich laut Dumézil in drei Gruppen einordnen. Die skandinavischen Quellen aus Island unterteilen den Pantheon in die uns bekannten zwei Götterfamilien: Asen (Krieger/Priester) und Wanen (Bauern). Odin ist unschwer als Vertreter der ersten beiden Funktionen zu erkennen. Er ist der mächtige Magier, der Göttervater. Er vertritt die intellektuelle Klasse, wenn auch nicht ganz so „rein“ wie seine Entsprechungen in der indischen Mythologie. Thor, der Donnerer, der mit seinem Hammer die Riesen bekämpft und dem der „Furor“ nicht unbekannt ist, ist ein idealer Vertreter der Kriegergruppe.

Wollen wir Asatru als authentische Religion wieder- und neuerleben, muss auch diese soziale Grundlage ein Thema sein. Im Folgenden werden wir uns nur auf den Aspekt des Kriegers konzentrieren und sein Verhalten näher untersuchen. „In diesem Kampfe muss der Schwächere am Boden bleiben, während der Sieger, die Waffe fester in der Faust, über den Erschlagenen hinwegtritt, tiefer ins Leben, tiefer in den Kampf. So ist der Aufschrei, den solcher Anprall mit dem des Feindes vermischt, ein Schrei, der sich Herzen entringt, vor denen die Grenzen der Ewigkeit schimmern.

Rituale und Verhaltensweisen

Der größte Helfer des Kriegers ist die Angst, andererseits aber auch sein schlimmster Gegner. Man möchte den Gegner bereits vor dem körperlichen Konflikt in die Flucht schlagen. Gerade in lebensgefährlichen Situationen vertraut der Mensch auf höhere Mächte, wünscht sich deren Beistand und Hilfe. Schon aus frühester Vorzeit (vor 30.000 Jahren) gibt es Funde, die beweisen, dass sich Krieger mittels schamanischer Techniken in mächtigere, gefährlichere Wesen zu verwandeln wünschten. Dazu maskierten sie sich mit Fellen oder Masken und wurden zu Tieren.

Der Wolf ist das am meisten verbreitete Totem- und Krafttier der Krieger in allen Kulturen. Wolfs- und/oder Hundemythen findet man auf der ganzen Welt. Wechselte der germanische Mann vom Kindes- ins Mannesalter, so wurden auf der Jünglingsweihe Wolfsfelle und Wolfsmasken getragen. Die Sagas erzählen uns, dass die besten Krieger des Königs Harald die Ulfhednar (Wolfshemdtragenden) waren. Der Mythos des gewalttätigen Wolfsmenschen, des Wer(e)wolfs, ist in fast allen Kulturen zu finden. Neben dem Anlegen von Fellen oder Masken wurden auch Tätowierungen oder Kriegsbemalungen zur magischen Verwandlung genutzt.

Von diesen furchterregenden Bemalungen oder auch von wilder Haarpracht (bei den Kelten) berichten die römischen Autoren voller Ehrfurcht: „Alle Britannier färbten sich mit Waid, der eine blaue Färbung bewirkt … und hierdurch sind sie im Kampf so schrecklich anzusehen“, schreibt Caesar. Dass diese Bemalung magisch war, zeigt auch das deutsche Wort „zaubern“, das von „röteln“ abgeleitet wird. Aber auch in der christlichen Zeit war der Schrecken des Gegners eine zu wichtige Waffe, um sie nicht zu gebrauchen. Jedes Volk und jedes Zeitalter nutze dieses psychologische Moment.

Diese sozialen Verhaltensweisen richten sich allerdings nicht nur auf die Gegner, sondern es werden damit auch innerhalb der Gruppe die Rangfolge und der „Platz im Rudel“ festgelegt. Innerhalb primitiver Gesellschaften herrscht eine konstante Gewaltbereitschaft, um den errungenen Platz zu verteidigen und gegebenenfalls nach oben auszubauen. Aus dieser Grundhaltung entstehen lange Rachefehden wegen geringster Ehrverletzungen. Von Menschen wird der Rangkampf aufgrund seiner Vernunft abstrahiert und auf eine symbolische Ebene gehoben. Er kann seine alten Erfolge vorweisen, durch Trophäen in seiner Geschichte zurückreisen und so wieder ein Drohpotential aufbauen, das seine Stellung im Rudel, aber auch die Stellung gegenüber Feinden sichert.

Das soll nicht nur den potentiellen Gegner abschrecken, sondern den Träger der Trophäe auch wiederum magisch schützen. Selbst das Skalpieren des Gegners im „Wilden Westen“ kann als solch magischer Akt gesehen werden. Neben der magischen Komponente, ist die Trophäe auch ein Zeichen des „Handwerks“ des Kriegers und sagt aus: „Schaut her, so viele habe ich schon getötet. Wie fundamental diese Riten sind, zeigt ihr Vorkommen in allen kriegerischen Kulturen auf der Erde. Kopfjagd und Skalpieren findet sich im Pazifik, bei den Thrakern, Skythen und in Nord- und Südamerika.

Die Zeit des wilden Kriegers war bei den Germanen zeitlich beschränkt. Mit dem Übertritt des Kindes ins Jugendalter wurde der Jugendliche zum Mitglied der Kriegerbünde, einer Gesellschaft die außerhalb der „normalen“ Normen und Moral der germanischen Gesellschaft lag. Die Kriegerbünde prägten das Bild der Berserker und Ulfhednar, wilde Krieger mit wenig, außer mit Tierfellen und/oder Masken bekleidet, die ohne Rücksicht auf Verluste kämpften und den Furor Teutonicus begründeten. Als wilde Horde zogen sie durch die Lande und gaben so der „Wilden Jagd“ eine reale Entsprechung. Sie galten für die Gemeinschaft als tot, was wahrscheinlich ihre Kampfbereitschaft steigerte.

Wann das genaue Ende der „wilden Jahre“ war, lässt sich rückblickend schwer feststellen. Wahrscheinlich lag die Zeit irgendwo zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Ab dann stand nicht mehr der wilde Kampf im Vordergrund, sondern Familie, Sippe und Besitz. Aus dem wilden Krieger, dessen Fähigkeiten gerne von den Königen als eine Art „Spezialeinheit“ eingesetzt wurden, wurde der wehrhafte Mann. Er hatte nun Erfahrungen im Kampf gesammelt, war fähig, sich und die Seinen zu schützen. Der Bund war für den Krieger lebenswichtig. Zum einen galt er für die Gesellschaft als Ausgestoßener, als lebender Toter, und der Bund gab ihm sozialen Halt und Sicherheit. Zum anderen konnten ihn nur die Menschen dort verstehen und er konnte dort über sein Leben außerhalb der klassischen Moralvorstellungen sprechen.

Moderne Adaptionen und Schlussfolgerung

Bis heute hat sich an den Grundsätzen des Kriegers, seinen Handlungen und Ritualen nur wenig geändert. So findet man unter den Trophäen eines britischen Offiziers aus der Kolonialzeit die Köpfe getöteter Maoris. Im Kongokrieg wurden zwei Söldner für ihren Schädelhandel unrühmlich bekannt. Ähnliche grausame Berichte kennen wir aus Vietnam, Korea und als aktuelles Beispiel dem Irakkrieg. Moderne Elitesoldaten greifen tief in die Geschichte zurück und schmücken sich mit Tribals. Dabei werden Motive von Skythen und Maoris aufgegriffen, die den Körper auf magische Weise schützen und die Zusammengehörigkeit mit den Kameraden zeigen sollen.

Schon die Tarnfarbe wird mit Hingabe aufgetragen, es geht nicht nur um Tarnung, es ist eine archaische Kriegsbemalung. Der Schrecken des Krieges wird mit uralten Ritualen wieder abgewehrt: Kameradschaften und Bünde sollen dem Krieger eine Familie sein, die er in der Gesellschaft seiner Taten wegen nicht gründen könnte. Im Umgang mit dem eigenen Schrecken und der gleichzeitigen Verwendung des Terrors als Waffe wird wieder auf uralte Riten nomadischer Krieger zurückgegriffen.

Die beeindruckendste Umsetzung dieser magischen Metamorphose vom zivilisierten Soldaten zum archetypischen Krieger gelang Francis Ford Coppola in seinem Film Apocalypse Now. Bevor Willard - der Abgesandte der Zivilisation - seinen Auftrag im Film ausführen kann, verwandelt er sich selbst durch Kriegsbemalung und Bad in einen Krieger. Erst danach kann er Kurtz, den barbarischen Colonel, in Form einer rituellen Schlachtung töten.

Auf ähnliche Weise hatte sich schon 1976 Robert de Niro in Martin Scorseses Taxi Driver auf den Showdown vorbereitet. Weder Coppola noch Scorsese hatten sich diese Rituale ausgedacht, sondern sie bei Vietnamveteranen beobachtet. Das Verhalten der Krieger ist also durch die Zeiten gleich geblieben, nicht aber die Haltung der „Bauern“ ihnen gegenüber. Während die soziale Gruppe der Krieger sich innerlich kaum von den Ritualen der Urgesellschaft entfernt hat, haben sich die beiden anderen Gruppen im Laufe der Zeit deutlich transformiert.

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