Das Fahrrad im Fokus: Eine Analyse von Gedichten und volkswirtschaftlichen Betrachtungen

Dass sich mehr Radverkehr nicht nur aus ökologischen Gründen lohnt, zeigte Prof. Dr. Gössling. In einer volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse verglich er Auto und Fahrrad in Deutschland und kam zu spannenden Ergebnissen.

Volkswirtschaftliche Vorteile des Radfahrens

Der Vergleich zeigte, dass das Fahrrad einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen von 30 Cent pro Kilometer hat, während Autofahrer 20 Cent Kosten pro Kilometer erzeugen, die derzeit nicht durch Steuern und Abgaben gedeckt sind. Bei etwa 20.000 Personenkilometer pro Jahr und Auto erzeugt jedes einzelne Auto so 4.000 Euro Kosten für die Gesellschaft.

Für den Vergleich wurden Parameter und Faktorkosten wie Klimawandel, Luftverschmutzung, Lärm, Ressourcennutzung und Lebensqualität miteinbezogen. Allerdings lässt er keine Aussagen über sekundäre Effekte der Verkehrsmittel zu, also z. B. ob ein Autofahrer durch seine Tätigkeit stärker zur wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt als ein Radfahrer oder umgekehrt.

Laut Gössling werden Kosten-Nutzen-Berechnungen nicht konsequent genutzt, um gesellschaftliche Kosten verschiedener Verkehrsträger zu erheben und zu vergleichen. Dadurch wird das Auto subventioniert, während der gesellschaftlich gewinnbringende Radverkehr nicht angemessen durch Investitionen gefördert wird. Deshalb empfiehlt er, die Radverkehrsinvestitionen deutlich aufzustocken und schlägt vor, das Fahrrad proportional zum Auto zu fördern.

Grundlage seiner Arbeit ist eine renommierte Kopenhagener Studie, die bereits 2009 die gesellschaftlichen Kosten und den Nutzen von Rad und Auto verglichen hatte.

Das Engagement des ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen.

Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können. Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.

Vorteile einer ADFC-Mitgliedschaft

Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür - auch dank Ihrer Mitgliedschaft - nicht nur Einfluss auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrenden ein.

Als ADFC-Mitglied profitieren Sie außerdem von umfangreichen Serviceleistungen: Sie können, egal wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem ADFC-Magazin Radwelt Informationen zu allem, was Sie als Rad fahrenden Menschen politisch, technisch und im Alltag bewegt. Nutzen Sie als ADFC-Mitglied außerdem vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Unternehmen sowie Versicherungen ausgehandelt haben.

ADFC-Vertretungen in Ihrer Nähe

Mit dem ADFC-Bundesverband, den Landesverbänden und den Kreisverbänden in mehr als 450 Städten und Ortschaften in ganz Deutschland finden Sie mit Sicherheit auch in Ihrer Nähe die passende Ansprechperson. Um die 500 Ortsgruppen und Ortsverbände sind darüber hinaus für den ADFC aktiv.

Einen besonderen Dienst leisten die vielen ehrenamtlich Engagierten im ADFC: Sie organisieren Radtouren, kommen mit Politikern ins Gespräch und tragen mit unzähligen Aktionen dazu bei, dass die Bedingungen für Rad fahrende Menschen zunehmend besser werden.

Verkehrssicherheit und Ausstattung

Wie ein verkehrssicheres Fahrrad auszustatten ist, legt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) fest. Sie schreibt u. a. zwei voneinander unabhängige Bremsen vor, damit ein Fahrrad sicher zum Stehen kommt. Ebenso vorgeschrieben ist eine helltönende Klingel. Auch zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale mit je zwei nach vorne und nach hinten wirkenden gelben Rückstrahlern sind Pflicht.

Am wichtigsten für die Verkehrssicherheit ist neben den Bremsen die Beleuchtung. Ein rotes Rücklicht und ein weißer Frontscheinwerfer sind vorgeschrieben. Die Beleuchtung kann batteriebetrieben sein und muss tagsüber nicht mitgeführt werden. Sie muss aber dann einsatzbereit sein, wenn die Sichtverhältnisse Licht erforderlich machen. Für den Straßenverkehr zugelassen ist Beleuchtung nur mit dem Prüfzeichen des Kraftfahrtbundesamts (eine Wellenlinie, Großbuchstabe K und fünfstellige Zahl). Damit Radfahrende auch seitlich gesehen werden, sind Reflektoren in den Speichen oder Reflexstreifen an Reifen oder Felge vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO vorgeschrieben sind.

Verhalten im Straßenverkehr

Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmenden. Sie haben keine Knautschzone - deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrer*in im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmenden zu rechnen.

Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, indem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer*innen nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen.

Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmenden gültigen Regeln - und seien Sie nicht als Geisterfahrende auf Straßen und Radwegen unterwegs.

Infrastruktur für Radfahrer

Die Infrastruktur für das Fahrrad ist nicht einheitlich und selten uneingeschränkt gut nutzbar. Radfahrstreifen und Schutzstreifen verlaufen beide auf der Fahrbahn und damit im direkten Blickfeld von Autofahrenden. Schutzstreifen haben eine gestrichelte Markierung und dürfen daher bei Bedarf mit dem Auto befahren werden, vor allem, um Gegenverkehr auszuweichen und nur, wenn der Radverkehr nicht gefährdet wird. Radfahrstreifen hingegen sind mit einer Linie durchgängig auf der Fahrbahn markiert und dürfen von Autofahrenden nicht befahren werden.

Der ADFC macht sich für geschützte Radfahrstreifen stark, bei denen Poller, Kübel und markierte Schutzzonen Radfahrende vor dem Autoverkehr, achtlos aufgerissenen Autotüren und unerlaubtem Parken schützen.

Ein Radweg ist durch ein blaues Radwegschild gekennzeichnet und muss in dem Fall von den Radfahrenden genutzt werden. Eine Benutzungspflicht darf aber nur angeordnet werden, wenn es die Verkehrssicherheit erforderlich macht. Behindern Blätter, Schnee oder andere Hindernisse Radfahrende auf Radwegen, dürfen sie auf die Fahrbahn ausweichen.

Pedelecs und E-Bikes

Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn die Fahrenden in die Pedale treten. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben.

Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind - rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

ADFC-Radtouren und Radkarten

Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

Mit fast 3 Mio. verkauften Exemplaren gehören die ADFC-Radtourenkarten weltweit zu den Bestsellern unter den Fahrradkarten. Sie haben einen praktischen Maßstab (1:150.000) und sind mit Hilfe von versierten ADFC-Scouts entstanden, die die Bedürfnisse von Radreisenden verstehen und die Strecken buchstäblich erfahren haben. Die 27 ADFC-Radtourenkarten für Deutschland haben wir durch besonders spannende und beliebte Radregionen wie den Gardasee oder Mallorca ergänzt.

Gedichtanalyse: Theodor Kramer - Von den ersten Fahrrädern im Marchfeld

Kramers Gedicht rühmt die Anfänge des Radfahrens als ein Ereignis von seltenem Glanz. Wir erleben es, als hätten die Leute dazumal gelernt, was heute niemand kann, als hätten sie zu fliegen begonnen.

Die erste Strophe beginnt damit, daß an eine Weite und Unzugänglichkeit der Landschaft erinnert wird, die es beide nicht mehr gibt. Vor dem Auto und der Bahn sind sie vergangen. Das Marchfeld, in Niederösterreich gelegen, erstreckt sich auf einer Fläche von 45 mal 30 Kilometern. Für das Fahrrad waren das noch Entfernungen, die als weit gelten konnten. Dieses Gefühl hat sich erhalten. Radfahren ist poetisch geworden.

Mehrere Gedichte unserer Lyrik sind dem Vergnügen des Radfahrens gewidmet. Sie handeln von der Wiederentdeckung der Muskelkraft und der natürlichen Sehweise, die vom Tempo abhängt. Eigentlich freuen sie sich an der Wiederentdeckung des Körpers in seiner Bewegung. Aber diese Entdeckerfreuden sind großstädtisch gefühlt. Es ist die sonntägliche Ausnahme und Rückkehr zu einfachen Genüssen. Darum handelt es sich nicht in Kramers Gedicht.

Die zweite Strophe sagt, daß es sich hier um Leute handelt, die nur einen kurzen Feierabend zu ihrer Verfügung haben. Die Geschwindigkeit gibt ihnen mehr Freiheit. Sie erreichen nun leicht die entfernten Orte. Viele müssen darauf gewartet haben. Ausdrücklich sagt das Gedicht, daß ein großes Fahren anhob zu anderen Ziegelhöfen als den eigenen, zu anderen Bretterschenken als der nächsten. Es habe ein Hin und Her, ein allgemeiner Wechsel begonnen.

Die dritte Strophe errichtet eine merkwürdige Landschaft. Darin einbeschlossen ist eine bestimmte Weise der Wahrnehmung. Nähe und Ferne messen sich nicht nur, wie in den beiden ersten, am Augenmaß des Fußgängers. Es geht auch die Sicht dessen ein, dem nicht viel Zeit für sein Vergnügen bleibt. Die Architektur dieser Landschaft vergleicht sich mit einer Suppenschüssel. Zwei Züge sind bestimmend: die ins Unwirkliche gesteigerte Ausdehnung, Ferne wird in Höhe verwandelt, und die Bündlung aller Wege in eine Richtung. Sie führen sämtlich von den Grenzen droben hinab zu den Senken mit ihren aufgespürten Bretterschenken.

Die vierte Strophe beschreibt keinesfalls Armeleuteglück. Das Schöne wird hier „erfahren“. Die Empfindung, welche sich unterm Gleiten einstellt, wird seltsam genannt. Sie ist nicht alltäglich und darum nicht leicht zu bezeichnen. Sie setzt sich zusammen aus dem besonderen Licht, aus dem Eindruck der Landschaft, die sich den Fahrenden hinzugeben scheint, aus dem Genuß an der Bewegung und der Freiwilligkeit dieser Fahrten. Ihre außerordentliche Mühelosigkeit drückt das Wort Gleiten aus. Eigentlich ist es nichts Großartiges. Was sie gewinnen, ist erwünschte Anonymität bei abendlichen Beschäftigungen. Eigentlich kommt das festliche Gefühl nicht aus der Erwartung der Ankunft. Vielmehr lebt es aus der Gewißheit, daß jede Ankunft nur eine von vielen sein wird. Über dem Erreichbaren in den nahen und fernen Dörfern steht die Freiheit, alle zu erreichen und nirgends zu verweilen. Das Freisein im Fahren ist die große Angelegenheit des Gedichts.

Die letzte Strophe sagt zu diesem Selbstgefühl mehr als ihre einzelnen Worte. Der Rhythmus, der in der ersten Strophe die Rede nur eben begleitet hatte, fällt in den vier Versen dieser Strophe so sanft, daß er sich im Sinn der Worte gleitend auflöst. Das unauffällige wir führt die Sicherheit mit, daß es sich um gemeinsame und unvergeßliche Erinnerungen handelt. Es ist kein Widerspruch, daß das Hochgefühl der Gemeinschaftlichkeit und das andere Gefühl, sich ganz selbst zu gehören, hier zusammenfallen. Denn das ist eine Weise des Glücks, die alle Menschen erfahren können und die sie zusammenführt. Dadurch erregt das Gedicht unsere Teilnahme über ein historisches Interesse hinaus. In dieser „seltsamen“ Empfindung kann man sich selbst begegnen, auch die Situation des Zurückdenkens, in welche das Gedicht eingebettet wird, ist bekannt. Trotzdem handelt es sich im Gedicht nicht um nachträgliche Verklärung.

Neben dem atemlosen, wohl auch besinnungslosen Rausch des Selbstgenusses, der tollen Fahrt mit den Sonnenpferden der Zeit, gibt es sanftere Weisen. Brechts Hauspostillengedicht „Vom Schwimmen in Seen und Flüssen“ hat sogar im Nichtstun den Genuß am Dasein gefunden. Das Gleiten in Kramers Gedicht hat mit ihnen die unbedingte Hingabe an den wirklich gelebten Augenblick gemeinsam. Es teilt wohl auch ihr Bewußtsein, auf schmalem Grade zu balancieren. Denn gefahrlos ist es nicht, auf dies rasche Dasein zu setzen. Das Glück, nirgends zu verweilen, ist flüchtig. Und in die Lust an der Ungebundenheit mischt sich die Ahnung der Unbehaustheit.

Verkehrsmittel Gesellschaftlicher Nutzen/Kosten pro Kilometer
Fahrrad +30 Cent
Auto -20 Cent

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