Die Jagd nach dem schnellsten Radfahrer der Welt ist ein spannendes Feld, in dem Athleten, Ingenieure und Geschwindigkeits-Enthusiasten immer wieder neue Grenzen ausloten. Ob mit Muskelkraft, Windschatten oder sogar der Hilfe von Zugfahrzeugen - die erreichten Geschwindigkeiten sind oft atemberaubend.
Muskelkraft triumphiert: Todd Reichert und das "Eta"
Jedes Jahr werden in der Wüste von Nevada Geschwindigkeitsrekorde gebrochen. Teams aus aller Welt versuchen mit stromlinienförmig verkleideten Hightech-Rädern, die Grenzen für muskelbetriebene Fahrzeuge auszuloten. Die World Human Powered Speed Challenge findet jährlich im US-Bundesstaat Nevada am Battle Mountain statt. In diesem Jahr stellte der Kanadier Todd Reichert mit seinem Fahrzeug "Eta" einen neuen Rekord auf: Er erreichte am 18. September eine Geschwindigkeit von 144,17 km/h. Dabei hatte er erst vier Tage zuvor mit 142,04 km/h seinen eigenen Rekord von 2015 gebrochen.
144,17 km/h: Das ist der neue Rekord für ein muskelbetriebenes Fahrzeug. So schnell fuhr jetzt der Kanadier Todd Reichert bei der World Human Powered Speed Challenge in Nevada. Damit fuhr der Kanadier Todd Reichert 144,18 km/h - nur mit Muskelkraft.
Todd Reichert: Für uns geht es nicht so sehr darum, Rekorde zu brechen, als viel mehr, etwas Unglaubliches zu schaffen, dass die Sicht der Leute darauf verändert, was alles möglich ist. Wir wissen, dass wir mit mehr Tests und mehr Durchläufen noch schneller sein könnten, und wir wollen noch höhere Geschwindigkeiten erreichen.
Todd Reichert: Das Rad sieht aus wie ein weiß schimmernde Rakete, die die Straße runterbrettert. Der Fahrer ist komplett umschlossen von einer aerodynamischen Hülle, aus der die Räder nur acht Millimeter herausragen. Um die Aerodynamic zu verbessern, gibt es keine Haube, aus der der Fahrer herausgucken kann, stattdessen gibt es zwei kleine Kameras wie eine Art Periskop, und der Fahrer navigiert, indem er innen auf die Schirme starrt. Es ist wirklich extrem eng, um den Luftwiderstand noch zu minimieren.
Todd Reichert: Eigentlich ist unsere Motivation bei allem, was wir machen, das infrage zu stellen, was gemeinhin als unmöglich angesehen wird: nämlich, mehr mit weniger zu erreichen, und zwar mit Fahrzeugen, die effizienter sind als diejenigen, die wir im Alltag sehen. Wenn "Eta" mit einem kleinen Motor ausgestattet wäre, hätte es einen Brennstoffwirkungsgrad von über 9000 mpg, was hundert Mal effizienter wäre als ein heutiges effizientes Auto mit Verbrennungsmotor.
Extreme Geschwindigkeiten in anderen Disziplinen
Auch Athleten anderer Sportarten batteln sich im Wer-ist-am-schnellsten-Wettkampf. Die Bike-Profis legen - klar - noch eine Schippe drauf und rasen mit Geschwindigkeiten bergab, bei denen Otto-Normal-Bikern der Lenker aus den Händen fliegen würde. Und dann gibt es noch extreme Speed-Junkies, die sich auf Hochgeschwindigkeitsfahrten regelrecht spezialisiert haben.
Speedcheck: Welche Biker sind am schnellsten?
Downhill-Racing: Im Worldcup werden sogenannte Speedtraps aufgestellt, Zeitmessungen, die an besonders schnellen Passagen der Strecke die Geschwindigkeiten der Athleten ermitteln. Sie messen oft 60 km/h und schneller. Wer auf einer steilen Asphaltstraße schon mal 60 km/h gefahren ist, kann erahnen wie sich das im Gelände anfühlen muss.
Auf nur einem Rad: Bei seinem Weltrekord 2001 in Palmdale, Kalifornien, erreichte Bobby Root unglaubliche 138,6 km/h auf dem Hinterrad. Noch verrückter: Root stellte auch den Rekord für die schnellste Fahrt auf dem Vorderrad auf. Im Nose-Manual erreichte der Profi-Freerider sagenhafte 90,7 km/h.
Top-Speed beim Absprung: Profi-Freerider Cam Zink stellte einen Weltrekord auf. Er flippte in Mamoth Mountain 30 Meter weit. Beim Absprung hatte er 74 km/h drauf. Mittlerweile wurde seine Rekord gebrochen. Der Brite Tom Isted drehte beim Darkfest in Südafrika 2023 noch weiter und war vermutlich beim Absprung noch schneller.
Auf Sand: 2011 Markus Stöckl (geb. 1974) saust seinem Geschwindigkeits-Weltrekord für Serien-Mountainbikes entgegen: 164,95 km/h auf Sand und Geröll auf dem Vulkankegel des Cerro Negro, Nicaragua. Streckenlänge: 550 Meter bei einer 45°-Hangneigung; die vormalige, neun Jahre alte Bestmarke des Franzosen Éric Barone wurde um 1 km/h überboten; Barone, der im Auslauf seines Versuchs schwer stürzte und seither nicht mehr selbst aktiv sein kann, war für Stöckls Versuch als Organisator tätig.
High-Speed bei der Tour de France: Die angeblich höchste Geschwindigkeit erzielte 2016 der deutsche Tour de Franc’ler Markus Burghardt vom Team BMC bei der Abfahrt Port de la Bonaigua mit gemessenen 130,7 km/h. Ein Wahnsinn auf schmalen Reifen! Dieser Bestmarke ist bis heute ungebrochen.
Geschwindigkeitsrekorde in anderen Sportarten
Speedcheck: Geschwindigkeitsrekorde in anderen Sportarten
Wellenreiten: Keine Welle beschleunigt wo sehr wie die Monsterwelle von Nazaré, Portugal. Hier rutscht Rekord-Surfer Sebastian Steudtner auf einem Tow-Board mit Spezialbeschichtung in die Tiefe. Bei seiner über 25 Meter hohen Rekordwelle erreichte er Geschwindigkeiten über 80 km/h, laut Sensor-Messung.
Klippenspringen: Laso Schaller springt aus fast 60 Metern Höhe (58,8 m) in einen Bergsee in der Schweiz am 4. August 2015 - Rekord! Dabei trifft er mit 123 km/h aufs Wasser auf. Die extreme Verzögerung riss Laso Bänder im Kniegelenk und den Knöcheln.
Windsurfen: Björn Dunkerbeck ist der schnellste Windsurfer der Welt. Er erreichte 103,7 km/h auf dem Seedkanal von Lüderitz, Namibia am 23 November 2021. Das schnellste Segelboot der Welt dagegen ist die Vestas Sailrocket 2. Das Geschoss hält mit 65,45 Knoten (121 km/h) den Geschwindigkeitsweltrekord für Segelfahrzeuge, den der australische Segler Paul Larsen am 24. November 2012 beim Lüderitz Speed Challenge in der Lüderitzbucht in Namibia aufstellte.
Skifahren: Bis zu 153 km/h werden Ski-Abfahrtsläufer auf der legendären Streif in Kitzbühel schnell (Foto). Den absoluten Rekord auf Ski hält Simon Billy. Der Franzose hat bei den Weltmeisterschaften 2023 im Speed-Ski den Weltrekord aufgestellt. Der Franzose siegte im französischen Vars mit einer Geschwindigkeit von 255,50 km/h. Billy löste damit Ivan Origone als Rekordhalter ab. Der Italiener hatte die bisherige Bestmarke von 254,985 km/h aus dem Jahr 2016 gehalten.
Skydiving: Ein Fallschirmspringer fällt in der sogenannten Box-Position (angewinkelte Arme und Beine, Hohlkreuz) mit zirka 180 km/h der Erde entgegen. Beim Wettkampf Speed Skydiving schaffte es Marco Hepp auf unglaubliche 530 km/h, indem er Kopf voran nach unten tauchte. Die schnellsten Wingsuit-Piloten fliegen bis zu 400 km/h schnell, allerdings horizontal.
Superstunt: Der Salzburger Felix Baumgartner bei seinem Rekordsprung aus knapp 39.000 Metern Höhe! Der Stuntman ist der einzige Fallschirmspringer, der die Schallmauer durchbrochen hat. Topspeed: 1357,6 km/h. Ein Heliumballon mit Spezialkapsel transportierte Baumgartner in die Stratosphäre. Nach seinem Superstunt zog sich Baumgartner aus dem Extremsport zurück, heute fliegt er Rettungshelikopter in der Schweiz.
Rekorde mit Windschatten und Zugfahrzeugen
Kann man mit einem Fahrrad 296 km/h schnell fahren? Eine dreifache Mutter aus den USA kann es. Die 45-Jährige hat sich in der Salzwüste zuerst von einem Dragster mit einem Schleppseil auf 160 km/h ziehen lassen und dann bis auf 296 km/h beschleunigt.
Weltrekord in der Salzwüste von Salt Lake City: Am Schleppseil des Dragsters wurde Denise Mueller-Korenek bis auf 160 km/h beschleunigt. Das Rekordfahrrad ist ein modifiziertes Rad von KHS. Angst oder Furcht kennt die US-Amerikanerin Denise Mueller-Korenek offenbar nicht. Sonst wäre sie wohl kaum auf die aberwitzige Idee gekommen, den Herren-Geschwindigkeits-Weltrekord auf dem Fahrrad zu brechen. Der liegt seit dem 3. Oktober 1995 bei 268 km/h und wurde gefahren vom niederländischen Ex-Radrennprofi Fred Rompelberg im Bonneville-Salzsee in der Nähe von Salt Lake City. Diese Sause entspricht in etwa der Geschwindigkeit, die eine Boeing 747 erreicht, kurz bevor sie abhebt.
Diesen Wert zu knacken, hat sich Rennradfahrer Marius Prünte vorgenommen. Er will sich seinen Kindheitstraum erfüllen und der schnellste Radrennfahrer der Welt werden. „Das wird mein neues Projekt. Prünte setzt auf eine gute Vorbereitung. Er hat in Südkorea an den World Firefighter Games teilgenommen und konnte bei den Olympischen Spielen der Feuerwehren auf dem Mountainbike und beim Einzelzeitfahren zwei Goldmedaillen gewinnen.
Mit einem ausrangierten Linienbus möchte er in den kommenden Monaten auf Promotion-Tour gehen und für seinen Weltrekord-Versuch werben. Seinen Rekordversuch möchte der junge Rennradfahrer am liebsten im US-amerikanischen Staat Utah wagen. Dort liegt der Bonneville Salt Flats State Park mit dem Bonneville-Speedway-Gelände, das aufgrund seiner Ebenheit und Größe oft für Geschwindigkeitsrekorde genutzt wird.
„Man muss sein Fahrrad zu 100 Prozent beherrschen. Man muss viel Erfahrung mitbringen. Man muss hochkonzentriert sein. Um den Weltrekord zu knacken, benötigt der 30-Jährige einen Sportwagen, um Windschatten zu bekommen. Das Rad muss mit einer sogenannten Doppel-Übersetzung ausgestattet sein. „Der Gang wird also so hoch sein, dass ich den aus dem Stand heraus nicht treten kann“, führt er aus. Wenn über 100 km/h Geschwindigkeit erreicht sind, klinkt er sich aus und muss sich anschließend komplett auf seine Beine verlassen.
Schon vor einigen Jahren sorgte die Ausnahmeradlerin Denise Mueller-Korenek für mediale Aufmerksamkeit, als sie mit einer Geschwindigkeit von 236,57 km/h den Weltrekord der schnellsten Frau auf einem Fahrrad aufstellte. Damals beschrieb sie diesen Moment als eine Offenbarung, die der Brisanz von „einem Streichholz, das auf Benzin geworfen wird“ ähnlich ist. Ihren inneren Antrieb nennt Denise Mueller-Korenek so: „To be fastest!“ Mit Ausrufezeichen. Sie ist die erste Frau mit diesem Weltrekord.
Angefangen hat der Irrsinn der Superraserei auf Fahrrädern bereits im vorvergangenen Jahrhundert. 1899 hatte Charles Murphy eine verrückte Idee: Er ließ sich von einer Lokomotive auf Geschwindigkeit ziehen, ließ die Lok los und raste dann alleine weiter. Niemals zuvor war ein Mensch mit 96 km/h auf dem Fahrrad unterwegs gewesen. Für dieses Event wurden auf einer Strecke von einer Meile extra Sperrholzplatten an den Eisenbahnschwellen befestigt.
Heute lässt sich eine Weltrekord-Aspirantin natürlich nicht mehr von einer Lok ziehen. Heute ist der Dragster das Zugfahrzeug der Wahl. Die Rekordfahrt verlief dann so: Die ersten 2,4 Kilometer fuhr Denise Mueller-Korenek mit einem Schleppseil am Auto befestigt mit Autoantrieb bis auf eine Geschwindigkeit von 160 km/h. Dann löste die Fahrerin des Dragsters, Shea Holbrook, die Verbindung und die 45-Jährige Mueller-Korenek profitierte die restlichen 5,6 Kilometer lediglich noch vom Windschatten des Fahrzeugs, um auf den Rekordwert von 296 km/h zu beschleunigen. „Es war die Fahrt ihres und meines Lebens“, meinte die Rennfahrerin Shea Holbrook.
Das Fahrrad für die Weltrekordfahrt wurde von der US-amerikanischen Fahrradschmiede KHS gesponsert und speziell für diesen Rekord entwickelt. Es wurde statt mit Fahrradreifen mit 17-Zoll-Rädern und -Reifen von Motorradrädern ausgestattet, um den Schwerpunkt zu reduzieren. Der Rahmen des Rades ist zur Stabilisierung verlängert und verfügt über eine „Kurzweg“-Aufhängung, um die unvermeidlichen Vibrationen bei hoher Geschwindigkeit zu dämpfen. Gebaut haben das Rekordfahrrad Len Lochmiller in Zusammenarbeit mit SD Wheelworks in San Diego, vollständig von Hand. Die jetzt schnellste Frau der Welt auf einem Fahrrad war schon als Teenager schnell auf dem Rad. Denise Mueller-Korenek sammelte 13 nationale Meisterschafts- und 2 Weltmeisterschaftstitel, bevor sie das Rennradfahren aufgab, um eine Familie zu gründen. Nach über 20 Jahren ohne Rennradfahren sattelte sie wieder auf und raste los.
Nein, Furcht kennt Denise Mueller-Korenek nicht. „Es gibt einen schmalen Grat zwischen dem Leben, als ob dies dein letzter Tag auf Erden wäre, und der Planung deiner Zukunft.
Der schnellste Mann auf einem gezogenen Fahrrad
Der Athlet Elias Schwärzler (Österreich) forderte sein Mountainbike ganz schön heraus, als er in Schipkau, Deutschland, am 22. Mai 2022 mit einer Geschwindigkeit von 272,934 km/h (169,593 mph) den Rekord für das schnellste gezogene Fahrrad brach.
Mit seinem bescheidenen Fahrrad filmt der 26-jährige Mountainbike-Profi und Influencer regelmäßig Stunts für seinen YouTube-Kanal. Sein selbsternanntes Ziel ist es, der schnellste Mann auf einem Fahrrad zu werden. Daher wollte Draufgänger Elias für diesen neuen Rekord eine schwindelerregende Geschwindigkeit von 300 km/h (186,4164 mph) erreichen.
Für diese unglaubliche Leistung entschied sich Elias für ein Standard-Mountainbike anstelle eines speziell modifizierten Fahrrads. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit musste darauf geachtet werden, dass die Fahrradreifen dieser Herausforderung standhalten, was Elias mit seinem eigenen Prüfstand löste.
Der Rekordversuch fand auf dem Lausitz-Ring statt, einer berühmten Rennstrecke, auf der jährlich Motorsportwettbewerbe wie die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft ausgetragen werden. Um die Zielgeschwindigkeit zu erreichen, zog ein Grand-Prix-Motorrad (GP) Elias auf seinem Mountainbike hinter sich her.
Die größte Herausforderung während des Versuchs war der starke Gegenwind. Im Gegensatz zu einem Motorrad hat ein Fahrrad schließlich keinen Windschutz. Der Wind bedeutete, dass Elias‘ Sicht auf die Strecke stark eingeschränkt war und er kurzzeitig unter Tunnelblick litt, den er mit einer veränderten Körperposition bekämpfte.
Leider konnte Elias aufgrund der Wetterbedingungen sein persönliches Ziel nicht erreichen, schaffte es aber dennoch, einen neuen Weltrekord aufzustellen. Elias Schwärzler wollte der schnellste Mann auf einem Mountainbike sein. Ziel seiner "Mission 300" war es, die Grenze von 300 Stundenkilometern auf einem handelsüblichen Mountainbike zu knacken - ein ungeheuerliches Unterfangen, bei dessen Vorstellung es neben dem Autor wohl den allermeisten Menschen Schauer des Schreckens durch den ganzen Körper jagt.
Guinness World Record: 272 km/h auf einem FahrradÜber ein Jahr bereitete sich Schwärzler auf den Versuch vor. Am 22. Mai 2022 war es so weit. Von einem Rennmotorrad ließ er sich über die Gerade des Hochgeschwindigkeits-Ovals des Lausitzrings ziehen. Mit offiziell 272 km/h verpasste er zwar sein selbst gestecktes Ziel, den Eintrag unter den Guinness World Records hat er aber sicher. Kein Mensch ließ sich zuvor so schnell auf einem Fahrrad ziehen.
"Wenn man sich an der Grenze des Machbaren bewegt, dann hat man Angst - jeder Extremsportler hat Angst. Aber es geht darum, wie man es schafft, die Angst zu besiegen und das liebe ich!"- Elias Schwärzler, Extremsportler.
Aber Achtung: Wenn sich der 26-jährige Elias Schwärzler schließlich von dem Motorrad auf die unglaubliche Höchstgeschwindigkeit von gemessenen 272,934 km/h beschleunigen und über die Rennstrecke ziehen lässt, stockt einem der Atem.
Historische Rekordversuche
Jean-Claude Rude verfolgte Ende der 1970er-Jahre den Traum, der schnellste Radfahrer der Welt zu werden: 240 km/h war die atemberaubende Geschwindigkeit, die der französische Radprofi übertreffen wollte - im Windschatten eines Porsche 935 Turbo. Am Steuer saß Rennfahrer Henri Pescarolo. Er erinnert sich noch heute genau. Mit dem Rad im Windschatten eines Autos oder Motorrads volles Tempo fahren - um solche Geschwindigkeitsrekorde hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts ein Mythos gesponnen, der sowohl auf Zuschauer als auch auf unerschrockene Fahrer eine enorme Faszination ausübte.
Nachdem der Franzose José Meiffret 1962 zum ersten Mal die Marke von mehr als 200 Stundenkilometer (204.778 km/h) hinter einem Mercedes-Benz 300 SL auf einer deutscher Autobahn geknackt hatte, legte der amerikanische Arzt Dr. Allan Abbott, „The Flying Doctor“, am 25.
Dazu kontaktierte der Leiter von Rudes Bahnrad-Team den französischen Landsmann Henri Pescarolo - einer der bekanntesten und erfolgreichsten Rennfahrer der Siebzigerjahre, dessen Name nach 33 Teilnahmen und vier Siegen bis heute noch vielfach Erinnerungen an legendäre Le-Mans-Rennen weckt. Was nun noch fehlte, war ein leistungsstarkes Auto. Dafür holte das Rad-Team Porsche ins Boot. Eine Art trapezförmiger Schirm umspannte das Heck des Porsche, um maximalen Windschatten zu gewährleisten. Eine Rolle über die Länge der Stoßstange ermöglichte es Jean-Claude Rude mit seinem Vorderrad am Heck des Porsche 935 zu „kleben“, um sicher im Windschatten zu bleiben.
Auch das Fahrrad, das zum Einsatz kam, war kein gewöhnliches Modell. Das vordere Zahnrad erreichte nahezu den Umfang des Vorderrads, das hintere hatte gerade einmal einen Durchmesser von etwa zwei Zentimetern. Mit einer Kurbelumdrehung von rund 110 Zentimetern hatte das Rennrad ein außergewöhnlich großes Übersetzungsverhältnis - pro Kettenradumdrehung konnte Rude an die 27 Meter Strecke zurücklegen. Das bedeutete aber auch, dass das Rad zum Start von einem Motorrad mit Lanze angeschoben werden musste, da es aus eigener Kraft gar nicht in Schwung zu bringen war.
Während die vorausgegangenen Rekordfahrten von Meiffret und Abbott auf langen Geraden ausgetragen worden waren (Meiffret fuhr auf einer noch nicht fertiggestellten Autobahn in Deutschland, Abbott auf dem ausgetrockneten Salzsee von Bonneville), starteten Pescarolo und Rude unter erschwerten Voraussetzungen. Das Volkswagen-Testgelände in Ehra-Lessien bei Wolfsburg diente als Alternative, bot aber auch zusätzliche Herausforderungen: „Wir haben gleich gesehen, dass es schwierig sein würde“, erinnert sich Henri Pescarolo. „Es gab eine Kurve am Anfang und am Ende der Geraden.“ Bedingungen, die das Anfahren erschweren.
Jean-Claude Rude musste auf seinem Rad erst allmählich Geschwindigkeit aufnehmen, gleichzeitig musste der Porsche so langsam fahren, dass Rude im Windschatten blieb. Enormer Druck lag somit auch auf Henri Pescarolo am Steuer des Porsche. „Ich war verantwortlich für sein Leben“, sagt der heute 75-Jährige rückblickend.
Am Mittwoch, den 23. August 1978, 10.30 Uhr, war es soweit. Nach einigen Warmlauf-Versuchen gelingt dem Duo der Start auf der Geraden. Jean-Claude Rude wird von einem Motorrad über eine Lanze angeschoben und kann seinen Sprint anziehen. „Er hatte eine unglaubliche Kraft in den Beinen, um das Rad in Gang zu setzen, und danach seinen Rhythmus zu finden. Jean-Claude Rude beschleunigt, tritt in die Pedale, „mit 150 km/h kommt er an der Rolle aus der Steilwand, er kann nun auf den sieben Kilometern bis zur Messstrecke die angestrebten 240 km/h erreichen“, heißt es in einem alten Bericht des Porsche-Kundenmagazins Christophorus.
Pescarolo setzt im 935 gerade dazu an, die Geschwindigkeit kontrolliert zu erhöhen, da passiert es: Rude verliert die Kontrolle über sein Rad. Der hintere Schlauchreifen löst sich mit einem Ruck von der Felge, verwickelt sich zwischen Rad und Rahmen. Rude gelingt es, das schleudernde Vehikel „wie ein Skifahrer“ im Griff zu halten und auf der Felge über die Bahn zu schlittern, bis er an Geschwindigkeit verliert und nach einigen hundert Metern zum Stehen kommt. „Das war das Ende des Rekordversuchs, aber wir waren sehr glücklich, dass ihm nichts passiert ist“, erinnert sich Pescarolo.
Bis heute hält der Niederländer Fred Rompelberg den absoluten Geschwindigkeitsrekord auf einem Fahrrad. Doch der Porsche 935 Turbo Martini bleibt eines der elegantesten und dynamischsten Schrittmacher-Fahrzeuge in der Geschichte der Radrekorde.
Die Geschichte der Fahrrad-Geschwindigkeitsrekorde
Der Geschwindigkeitsrekord der Eta ist der jüngste in einer langen Reihe von Weltrekorden im Zusammenhang mit Fahrrädern. Im Jahr 1869 wurde dem französischen Radfahrer Pierre Michaux die Erfindung des Fahrrads zugeschrieben, und im selben Jahr wurde das erste Radrennen veranstaltet. Im Jahr 1876 wurde die erste Fahrradweltmeisterschaft in der Schweiz ausgetragen.1895 stellte der amerikanische Radfahrer Arthur Zimmerman den Weltrekord für die längste an einem einzigen Tag zurückgelegte Strecke auf, als er 584 Meilen (940 Kilometer) in die Pedale trat. Im Jahr 1937 fuhr der niederländische Radfahrer Jan Hettema 24 Stunden lang mit dem Fahrrad und legte dabei 1.003 Meilen (1.620 Kilometer) zurück und stellte damit den Weltrekord für die längste in 24 Stunden zurückgelegte Strecke auf. 1955 stellte der amerikanische Radsportler Bob Tetzlaff den Weltrekord für die schnellste Überlandfahrt mit dem Fahrrad auf, als er in 11 Tagen, 7 Stunden und 29 Minuten von Los Angeles nach New York City radelte.
Im Jahr 1983 fuhr der amerikanische Radfahrer Steve Worland mit seinem Fahrrad in 6 Tagen, 10 Stunden und 55 Minuten von San Diego nach St. Augustine, Florida, und stellte damit den Weltrekord für die schnellste kontinentübergreifende Fahrradreise auf.1986 fuhr der britische Radfahrer Dave Barter mit seinem Fahrrad in 245 Tagen um die Welt und stellte damit den Weltrekord für die längste Reise mit dem Fahrrad auf.Im Jahr 2000 stellte der amerikanische Radfahrer Pete Penseyres den Weltrekord für die längste an einem einzigen Tag zurückgelegte Strecke auf, als er 683 Meilen (1.098 Kilometer) in die Pedale trat. Im Jahr 2006 umrundete der britische Radfahrer Mark Beaumont die Welt in 194 Tagen und stellte damit den Weltrekord für die schnellste Weltumrundung mit dem Fahrrad auf. Im Jahr 2010 stellte der niederländische Radfahrer Wouter Weylandt den Weltrekord für die längste an einem einzigen Tag zurückgelegte Strecke auf, als er 671 Meilen (1.080 Kilometer) zurücklegte. Im Jahr 2012 umrundete der britische Radfahrer James Bowthorpe die Welt in 170 Tagen und stellte damit den Weltrekord für die schnellste Weltumrundung mit dem Fahrrad auf. Im Jahr 2013 stellte der amerikanische Radfahrer Kurt Searvogel den Weltrekord für die längste in einem Jahr zurückgelegte Strecke auf, als er 74.065 Meilen (119.012 Kilometer) zurücklegte.Im Jahr 2014 stellte die niederländische Radfahrerin Mina Guli den Weltrekord für die längste an einem einzigen Tag zurückgelegte Strecke auf, als sie 674 Meilen (1.086 Kilometer) in die Pedale trat.Im Jahr 2015 stellte der amerikanische Radfahrer Steve Messer den Weltrekord für die längste an einem einzigen Tag zurückgelegte Strecke auf, als er 687 Meilen (1.106 Kilometer) in die Pedale trat.
Im Jahr 2016 stellte der kanadische Radfahrer Todd Reichert den Weltrekord für die schnellste Geschwindigkeit auf einem Fahrrad auf, als er mit dem Aerovelo Eta 85,71 Meilen pro Stunde (137,92 Kilometer pro Stunde) fuhr.
Das größte jemals gebaute Fahrrad war ein Tandemfahrrad mit einer Länge von 26 Fuß und einer Höhe von 16 Fuß. Es wurde von dem Fahrradenthusiasten Jimmie Heuga in Boulder, Colorado, in den frühen 1970er Jahren gebaut.
Zusammenfassung der Geschwindigkeitsrekorde
Die folgende Tabelle fasst einige der im Artikel erwähnten Geschwindigkeitsrekorde zusammen:
| Rekord | Geschwindigkeit | Athlet/Fahrzeug | Jahr |
|---|---|---|---|
| Muskelbetriebenes Fahrzeug | 144,17 km/h | Todd Reichert ("Eta") | 2016 |
| Hinterrad (Fahrrad) | 138,6 km/h | Bobby Root | 2001 |
| Serien-Mountainbike (Sand) | 164,95 km/h | Markus Stöckl | 2011 |
| Tour de France (Abfahrt) | 130,7 km/h | Markus Burghardt | 2016 |
| Gezogenes Fahrrad | 272,934 km/h | Elias Schwärzler | 2022 |
| Fahrrad (Windschatten) | 296 km/h | Denise Mueller-Korenek | N/A |
| Fallschirmspringen (Speed Skydiving) | 530 km/h | Marco Hepp | N/A |
| Fallschirmspringen (Freifall) | 1357,6 km/h | Felix Baumgartner | N/A |
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