Manche haben sicher noch das Bild vor sich: Ein Postbote in Uniform, mit klassischer Post- Mütze trägt auf einem klapprigen Drahtesel Briefe aus.
Seit damals hat sich viel verändert, doch das Fahrrad bleibt ein fester Bestandteil der Zustellung - heute zunehmend in Form moderner E-Lastenräder. Sowohl die Deutsche als auch die Österreichische Post setzen auf speziell für ihre Branche entwickelte Cargobikes, um den Anforderungen des modernen Betriebs gerecht zu werden.
Lastenbikes als Antwort auf moderne Aufgaben
Beide Unternehmen haben sich dem Ziel verschrieben, die Zustellung von Sendungen effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Deshalb ist der Einsatz von E-Lastenrädern ein wesentlicher Aspekt ihrer Mobilitätsstrategie. Die Cargobikes ergänzen in vielen Fällen konventionelle Zustellfahrzeuge und bieten eine nachhaltige Alternative in städtischen Gebieten und ländlichen Ballungsräumen. Der Einsatz von Lastenrädern hilft, etwa steigende Verkehrsbelastungen und wachsende Sendungsvolumina zu bewältigen.
Zudem sollen durch die Nutzung von Zustellrädern CO2-Emissionen reduziert und die Nachhaltigkeitsziele der Postunternehmen unterstützt werden.
Cargobikes müssen dem Zustellbetrieb gewachsen sein
Entsprechend dem Bedarf und den Anforderungen des Zustellalltags gibt es bei den Postanbietern deutliche Präferenzen, was die Fahrzeuge betrifft.
„Wir setzen vorwiegend auf das einspurige und elektrisch betriebene Modell VS2E von VSC.Bike. Davon haben wir 450 Stück im Einsatz. Die kompakte Bauweise und die leichte Handhabung machen dieses Modell bei Zustellern beliebt“, erklärt Günter Gritsch, Prozessmanager bei der Österreichischen Post.
Er betont, dass gerade bei Lastenrädern auf gute Qualität und Robustheit geachtet wird. Denn diese müssen den Transportbelastungen und verschiedenen Straßenbedingungen standhalten können.
Die Deutsche Post nutzt ebenfalls den Modelltyp VS2E. „Wir haben rund 110 der einspurigen E-Bikes im Einsatz. Daneben nutzen wir vor allem das mehrspurige E-Trike VS3E. Davon haben wir etwa 6.800 Stück“, berichtet Sebastian Stüber, eMobility-Experte bei der Deutschen Post.
Insgesamt betreibt die Deutsche Post derzeit über 17.000 elektrifizierte E-Bikes und E-Trikes. Die eingesetzten Modelle wurden speziell für die Branche konzipiert und können an die Bedürfnisse des jeweiligen Zustellers angepasst werden: „Wir haben die Möglichkeit, damit vier bis acht Briefbehälter pro Fahrzeug zu transportieren“, so Stüber.
Partnerschaften für nachhaltige Lastenradlösungen
Die Deutsche Post AG, heute DHL Group, etablierte ihre Partnerschaft mit dem Lastenradhersteller VSC.Bike 2019.
„Zuvor wurden unsere Lastenfahrräder u.a. von den Mitteldeutschen Fahrradwerken (Mifa), später von der StreetScooter GmbH produziert. Als Letztere 2019 die Herstellung von Lastenfahrrädern einstellte, brauchten wir einen neuen Lieferanten“, berichtet Sebastian Stüber.
Die Wahl fiel u.a. auf VSC, da bereits bekannte Ansprechpersonen von Mifa zwischenzeitlich zu VSC gewechselt waren. Dadurch war es dem neuen Hersteller möglich, ein fast identisches Zustellfahrrad wie zuvor anzubieten.
Heute ist der Lieferant auch ein wichtiger Entwicklungspartner und übernimmt eine zentrale Rolle in der Instandhaltung sowie im Ersatzteilmanagement. Auch die Österreichische Post suchte vor einigen Jahren nach einem Anbieter von E-Bikes.
Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung wurde schließlich VSC.Bike als Bestbieter ausgewählt. Seither gibt es eine kontinuierliche Zusammenarbeit.
Gritsch berichtet: „Auf neue Anforderungen oder Änderungen bekommen wir seitens unseres Lastenradpartners stets lösungsorientierte Vorschläge.“
In Zukunft mehr Pakete
Auch künftig möchten beide Postunternehmen weiter auf E-Lastenräder setzen. „Die E-Mobilität entwickelt sich rasant. Daher schätzen wir gute und stabile Kooperationen mit Lieferanten“, sagt Günter Gritsch.
Allerdings müssten E-Bikes in Zukunft neue Voraussetzungen erfüllen: Es sind immer weniger Briefe und immer mehr Pakete zu transportieren. Damit sich diese neuen Sendungsvolumina abbilden lassen, werden bereits neue Konzepte für die innerstädtische Verbundzustellung mit Lastenrädern umgesetzt.
„Wir arbeiten hier eng mit unserem Partner zusammen, um neue Varianten zu entwickeln und zu erproben“, informiert Sebastian Stüber.
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Die Deutsche Post AG entstand zwischen 1989 und 1995 und firmiert seit Juli 2023 unter dem Namen DHL Group. Mit einem großen Netzwerk - über 13.000 Filialen, über 100 Brief- und Paketzentren und mehr als 400 Zustellbasen - gehört sie zu den weltweit führenden Anbietern von Logistik- und Postdienstleistungen.
„Unterstützt von rund 600.000 Mitarbeitern weltweit bieten wir in über 220 Ländern und Territorien u.a. internationale Expresslieferungen, Frachttransport, Supply-Chain-Management und E-Commerce- Lösungen an“, erläutert Sebastian Stüber.
1999 wurde auch die Österreichische Post AG als selbständiges Unternehmen gegründet. Mit Tochtergesellschaften in 13 Ländern ist sie eine wichtige Akteurin in der internationalen Logistik. Ihre 15 Logistikzentren, rund 240 Zustellbasen, etwa 1.700 Postfilialen und Postpartner sowie über 1.400 Selbstbedienungsstationen machen das Unternehmen zur führenden Logistik- und Postdienstleisterin Österreichs.
„Unsere rund 27.000 Mitarbeiter haben 2024 konzernweit mehr als eine halbe Milliarde Pakete und etwa 500 Millionen Briefe transportiert“, berichtet Günter Gritsch. Neben Zustell- und Telekommunikationsdiensten bietet das Unternehmen auch Finanzdienstleistungen durch die eigene bank99 an.
Von Postreitern zu modernen Logistikanbietern
Die Geschichte der Post reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück, als Briefe und Waren durch Postreiter transportiert wurden. Das legte den Grundstein für die Entwicklung moderner Postdienste.
Mit der zunehmenden Verstädterung und dem wachsenden Sendungsaufkommen wurden Fahrräder später zu einem wichtigen Transportmittel für Zusteller, da sie in dicht besiedelten Gebieten effizient eingesetzt werden konnten. Die Nutzung des Fahrrads bewährte sich und wurde kontinuierlich weiterentwickelt. So setzen die Deutsche und die Österreichische Post auch heute auf Lastenräder.
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