Dichtmilch Schlauch MTB Test Vergleich

In der modernen Welt des Radsports haben technologische Fortschritte den Weg für zahlreiche Innovationen geebnet. Ich spreche von Scheibenbremsen, voll integrierte Kabelführung, elektrische Schaltung und Tubeless. Letzteres ist wohl eine der bedeutendsten Entwicklungen der letzten Jahre. Aber was genau macht es so attraktiv und sind wirklich alle Aspekte davon positiv? In diesem Beitrag tauchen wir tief in die Vor- und Nachteile des Tubeless-Systems ein und analysieren insbesondere die Tubeless-Milch als auch Tubeless-Kits um auf das schlauchlose System umzurüsten.

Ich nutze meine Erfahrung von Tubeless am Rennrad, Gravelbike und MTB um in diesem Rundumschlag alle möglichen Gesichtspunkte zu beleuchten: Gefahren und Ökologische Aspekte als auch Kompatibilität mit verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten. Zudem teste ich ganz konkret drei Tubeless-Produkte: Stans Notubes (identisch zu Schwalbe DocBlue), Finishline Fiberlink (Tubelessmilch mit Kevlar-Partikeln) und eine ökologisch freundlichere Variante: Végétalex. Welches Mittel fällt im Test durch? Das sehen wir unten.

Die beste Tubelessmilch / Reifendichtmittel

Ihr seid nur wegen dem Ergebnis des Tests bzw. wollt nur die Tubelessmilch mit den besten Abdichteigenschaften? Dann machen wir es kurz: folgende drei Produkte habe ich getestet. Die Schnitte im Reifen waren ca 4mm groß. Jedes Mittel hatte 24 Stunden Zeit um das Loch im Reifen zu schließen.

NameBildBeschreibungInhalt und Ökologischer FußabdruckInhalt BewertungAbdichtung ErgebnisAbdichtung BewertungPreis / Liter (ca)Preis AmazonPreis Bike Components
Effetto Mariposa - VégétalexVolle Transparenz über Inhaltsstoffe und komplett biologisch abbaubar. Entwickelt und hergestellt in Italien.Sehr gut: Xanthan Gummi bzw. flüssigen synthetischen Polymeren, fein geriebene Olivenkerne und Cellulosefasern.★★★Befriedigend: den größten Schnitt (4mm) hat es nach 24h nicht abgedichtet. Auch bei kleineren Löchern teilweise nicht abgedichtet.★☆☆21,99 € / l (nicht aktualisiert)23,05 EUR10.99EUR
Stan`s NoTubes - DichtmittelErfinder des Tubeless-Systems am Fahrrad und Mountainbike. Sehr verbreitet und beliebt.Genaue Inhaltsangabe fehlt, Ammoniakgehalt nicht auf Produkt angegeben.★☆☆Ausreichend aber kann 4mm Schnitt nicht abdichten.★★☆28,70 € / l (nicht aktualisiert)21,95 EUR13.99EUR
Finishline - FiberlinkUS Hersteller mit einem speziellen Inhaltsstoff (Kevlar) soll Löcher besonders gut abdichten.Genaue Inhaltsangabe fehlt, Ammoniakgehalt nicht auf Produkt angegeben. Es wird nur „Naturlatex“ als Inhalt und Kevlar als zusätzlicher Bestandteil benannt.★☆☆Gut, jedoch auch hier am 4mm Schnitt nicht abgedichtet.★★☆40 € / l (nicht aktualisiert)19,27 EUR16.99EUR

Den detaillierten Test und Vorstellung der Produkte findet ihr unten. Dabei gehe ich auch auf die Gesichtspunkte ein wie Inhaltsstoffe, Testergebnis im Detail und ökologischer Fußabdruck, im wahrsten Sinne des Wortes.

Gravierend war aber die Einsicht, dass zwar alle Produkte bis zu 8mm Löcher stopfen können wollen, dies in der Praxis aber ganz anders aussieht. Ich habe unten genauer dargelegt, wie ich meinen Test aufgebaut habe. Überraschend ist dabei, dass der Schnitt von 4mm im Test von keinem Mittel geschlossen wurde.

Meine Vermutung ist, dass es eine Frage ist, wie man den Schnitt und seine Größe genau definiert. Sticht man mit einem 8mm Dorn in den Reifen, dann ist das nicht das gleiche, wie ein gerader Schnitt von genau 8mm Länge. Denn der Dorn dehnt primär den Reifen, ist er draußen, dann schließt sich das elastische Material wieder etwas, und das Dichtmittel muss nur noch einen Teil der Arbeit leisten. Soweit zum kurzen Ergebnis. Das komplette Testprotokoll findet ihr weiter unten.

Ein kurzer Überblick über Tubeless

„Tubeless“ bedeutet, wie der Name schon sagt, ohne Schlauch. Stattdessen wird der Reifen direkt auf der Felge montiert und mit einer speziellen Dichtmilch versiegelt, um Lufteinschlüsse zu verhindern. Dieses System hat sich insbesondere bei Mountainbikes, Gravelbikes und neuerdings auch bei Rennrädern durchgesetzt.

Die Vorteile von Tubeless-Systemen

  • Pannensicherheit: Einer der Hauptgründe für den Wechsel zu Tubeless ist die signifikante Reduzierung des Pannenrisikos. Durch den Wegfall des Schlauchs werden „Snakebite“-Pannen (verursacht durch das Einklemmen des Schlauchs) vermieden.
  • Performance: Durch das Fehlen eines Schlauchs kann der Reifendruck reduziert werden, was zu einer besseren Traktion und somit zu einer verbesserten Performance führt, insbesondere im Gelände.
  • Gewicht: Obwohl der Unterschied minimal ist, kann das Fahren ohne Schlauch eine Gewichtsersparnis bedeuten, was insbesondere für Rennradfahrer interessant ist.

Die Nachteile von Tubeless-Systemen

  • Komplexität bei der Installation: Das Einsetzen eines Tubeless-Reifens kann, besonders für Anfänger, eine echte Herausforderung sein. Hier sind Geduld und manchmal auch spezielle Werkzeuge oder Teile gefragt, um die Installation leichter zu gestalten.
  • Wartung: Die Dichtmilch muss regelmäßig erneuert werden, und es kann vorkommen, dass sie im Inneren des Reifens verklumpt. Besser gesagt: es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese verklumpt. Die Reste aus dem Reifen zu entfernen kann manchmal notwendig sein, wenn der Reifen aufgrund der Unebenheiten nicht mehr mit der Felge bündig schließt.
  • Preis: Tubeless-kompatible Reifen und Felgen sind in der Regel teurer als Standardkomponenten. Siehe Tubeless-Kits unten - es sind meist mehrere Komponenten notwendig, die alle auf den Preis einzahlen.
  • Dichtheit: Tubeless-Reifen haben häufiger die Tendenz Luft zu verlieren. Die überwiegende Mehrheit der Nutzer (ob aus Communities, Erfahrungsberichten in Blogs oder Youtube-Videos) klagt über Druckverlust nach kurzer Zeit. Ab 24h bis 48h verliert der Reifen deutlich an Luftdruck und muss häufiger nachgepumpt werden. Dies ist aber eher eine Zufallskomponente, bei manchen hält die Luft besser als bei Anderen, aber reproduzierbar ist es nicht. Leider kann man auch wenig dagegen tun, als den Reifen komplett neu aufzusetzen mit neuem Felgenband, wenn man denn die Muße hat. Selbst dann bleibt es aber ein Glücksspiel, wie gut der Reifen danach versiegelt ist.

Mein Erfahrungsschatz zu Tubeless - Rennrad, Gravelbike und MTB

Ich durfte mittlerweile so einige Reifen ohne Schlauch aufsetzen. Meist aus eigener Neugier, mal mit mehr mal mit weniger Erfolg. Kurz zusammengefasst kann man wie folgt resümieren:

  • Rennrad Tubeless: Mittlerweile vertraue ich auch den schmaleren Pneus ohne Schlauch. Auch das Aufsetzen muss nicht zwangsläufig im Desaster enden, kann es aber. Die Ötztaler 225km mit über 5.000 Höhenmetern und entsprechenden Abfahrten bei über 80km/h haben meine Tubeless Conti GP 5000 ohne Probleme mitgemacht.
  • Gravelbikes: Dazu zähle ich alle meine Rennräder mit 38mm+ Reifen. Hier habe ich praktisch gar keine Probleme mit Tubeless. Lediglich alte Reifen, die besonders stark abgenutzt sind, lassen sich teilweise nicht mehr mit der Tubelessmilch alleine flicken. Was perfekt für meinen Test ist, um die Tubeless-Produkte einem Härtetest zu unterziehen.
  • MTB: Mit dieser Gattung habe ich die wenigste Erfahrung, nur eines meiner Räder fällt in diese Kategorie und dort konnte ich die breiten Reifen problemlos auf Tubeless aufsetzen. Es gab auch hier gemischte Ergebnisse: ein Reifen war perfekt dicht und hat praktisch keine Luft verloren. Der andere Reifen war weniger dicht und hatte nach einer Woche meist mehr als die Hälfte des Drucks verloren.

Mein generelles Fazit zu Tubeless in Summe ist positiv. Ich fahre gerne an allen Rädern Tubeless. Wenn auch am Rennrad genauso gerne auch TPU-Schläuche zum Einsatz kommen dürfen, denn der Schlauch im Reifen hat auch so manchen Vorteil.

Denn man muss schon zugeben: Tubeless-Reifen sind nicht Stubenrein. Gut und gerne entleert sich mein Reifen im Test plötzlich und lässt eine Latex-Lache auf dem Boden zurück. Links und rechts spritzt auch etwas weiter ins Zimmer. Ich hatte zwar einen „abgesicherten“ Bereich mit einer Matte aufgebaut, aber das Foto oben ist ein spontaner Latex-erguss. Wer Tubeless fährt muss auf solche Sauereien eingestellt sein.

Ebenfalls weniger schön ist, dass sich die Milch bei einer Panne mit jeder Umdrehung am Rahmen verteilt. Die Milch ist dann keine Freude beim Putzen des Rads, denn diese sitzt besonders hartnäckig am Rahmen fest und bindet viel Schmutz an sich.

Schlauch als Notfall-Lösung

Es wird zwar häufig gesagt, man solle auch einen Notfall-Schlauch griffbereit haben, wenn sich mal der Tubelessreifen gar nicht mehr abdichten lässt. Doch das ist wohl mehr Theorie als Praxis. Unterwegs den Reifen zu öffnen, das klebrige Latex-Gemisch abzulassen und einen Schlauch einzusetzen ist keine schöne Sache.

Weder für die Umwelt noch für die dann dreckigen Hände. Der neue Schlauch wird mit den Latexresten im Reifen eine Einheit bilden und sich festkleben. Viel besser und praktischer ist es mit Tubeless-Flicken bzw. sog. Tubeless-Plugs den Defekt zu beheben. Unterwegs kann man die Plugs verwenden, das Loch damit verkleinern und den Rest die Tubelessmilch machen lassen.

Das klingt alles etwas negativer als es in Wahrheit ist. Wenn man die Reifen nicht häufig wechseln möchte und das Rad sehr häufig bewegt wird, die Reifen häufiger mal nachzupumpen kein Problem ist, dann wird man mit Tubeless eine sehr gute Zeit haben. Denn die Pannensicherheit ist schon ein Plus.

Ein tiefer Blick ins Tubeless-Milchglas

Dichtmilch kann über das Ventil oder (für erfahrene Tubeless-Monteure) direkt in den Reifen gegeben werden. Der wichtigste Bestandteil des Tubeless-Kits ist die Dichtmilch.

Als Tubeless-Fahrer benötigt man einen Dauervorrat an Dichtmilch, da man die Reifen regelmäßig wieder mit Dichtmilch auffüllen muss. In der Regel sollte man die Dichtmilch ein bis zweimal im Jahr nachfüllen. Die Dichtmilch sorgt bei der Montage dafür, dass Reifen und Felge eine luftdichte Einheit bilden. Aber die Dichtmilch sorgt auch dafür, dass der Tubeless-Reifen so extrem pannensicher ist.

Wenn der Reifen bei der Fahrt von einem spitzen Gegenstand durchstochen wird, kann man manchmal direkt dabei zuschauen, wie die Dichtmilch in Aktion tritt und das Loch abdichtet. Dichtmilch ist aber nicht gleich Dichtmilch. Je nach Hersteller kann es bei der chemischen Zusammenstellung der Flüssigkeit erhebliche Unterschiede geben.

Deswegen ergibt es, als erfahrener Fahrradbastler, Sinn, sich die Dichtmilch für das Fahrrad einzeln zu kaufen. Bestandteile der Milch können durchaus kritisch bewertet werden, ich hatte aber bereits schon biologisch abbaubare Dichtmilch getestet (siehe weiter unten).

Inhaltsstoffe und Ammoniak in der Dichtmilch

Ein beliebter Streitpunkt bei der Wahl der Dichtmilch ist der Ammoniakgehalt, der in vielen Dichtmilch-Sorten präsent ist. Angeblich soll das Ammoniak sich mit manchen Fahrradreifen oder mit Carbonfelgen nicht so gut vertragen und zur Zersetzung der Reifen bzw. Felgen führen. Maxxis rät auch direkt davon ab, ammoniakhaltige Dichtmilch zu verwenden.

Es findet sich aber auch eine überwältigende Anzahl an Erfahrungsberichten von Fahrradfahrern, die ammoniakhaltige Dichtmilch-Sorten verwenden und problemlos fahren. Der Punkte der Kompatibilität mit Reifen macht mir persönlich keinen Grund zur Sorge. Das Ammoniak in der Dichtmilch ist ein natürlicher Bestandteil des Latex und der Gesamtanteil von Ammoniak in der Dichtmilch ist verschwindend gering (unter 0,1%). Mir ist der ökologische Aspekt dabei viel wichtiger.

Die Revosealant Dichtmilch von Continental kommt beispielsweise ohne Ammoniak aus. Ebenfalls das unten vorgestellte Végétalex setzt auf einen gänzlich anderes Trägermittel als Naturlatex.

Zusammengefasst: diese spezielle Milch, die beim Tubeless-System verwendet wird, besteht aus mehreren Bestandteilen. Ihre Hauptaufgabe ist es, kleinere Löcher und Risse im Reifen sofort zu versiegeln.

Inhaltsstoffe:

Die meisten Tubeless-Flüssigkeiten basieren auf Latex oder synthetischen Polymeren. Dies ermöglicht es der Flüssigkeit, beim Kontakt mit der Außenluft schnell zu verfestigen und so das Loch abzudichten.

Zusatzstoffe:

Viele Hersteller fügen ihrer Milch zusätzlich kleine Partikel wie Kork, Kunststoff, Kevlar, Carbonfasern oder sogar gemahlene Olivenkerne hinzu, um größere Löcher effizienter abzudichten.

Ökologische Aspekte:

Neuere Produkte auf dem Markt, wie die von Vegetalex, sind biologisch abbaubar und setzen auf natürliche Inhaltsstoffe. Sie versuchen den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Latex bzw. Naturlatex ist generell ein biologisch abbaubarer Stoff. Jedoch machen Zusatzstoffe als auch das möglicherweise enthaltene Ammoniak das Gemisch nicht umweltfreundlich.

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