Der Kopf ist ein empfindliches Körperteil. Bereits ein Aufprall mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde kann zu Hirnschäden führen. Fahrradhelme verringern laut Unfallstudien das Risiko für schwere Kopfverletzungen deutlich. Auch unser neuester Test von 2024 zeigt: Jeder Fahrradhelm ist sicherer als keiner.
Eines gleich mal vorweg: Alle 18 Helme in diesem Fahrradhelm-Test sind auf einem guten bis sehr guten Niveau. Am Ende sollte die Qualität, individuelle Vorlieben sowie Passform und Tragekomfort für einen Kauf entscheidend sein. Aus diesem Grund bieten Hersteller unterschiedliche Modelle mit verschiedenen Größen und Helmformen an.
Sicherheit und Normen
Ein Fahrradhelm soll im Ernstfall Kopfverletzungen verhindern. Das heißt: er fängt die Energie des Aufpralls ab, verteilt die Wucht auf der äußeren Schicht und bietet trotzdem sicheren Halt auf dem Kopf. Damit der Helm genau auf diese Art funktioniert, besitzt er ein Grundgerüst aus Hartschaum (EPS). Es liegt am Kopf an und verteilt die Aufprallenergie.
Um das doch recht empfindliche Material vor Brüchen zu schützen, gibt es bei jedem Modell eine glatte und stabile Schale aus Kunststoff. Die harte Außenschale verhindert, dass sich spitze Gegenstände durch den Helm bohren und auch beispielsweise Rutschbewegungen auf dem harten Asphalt abgefangen werden. Preisintensive Modelle besitzen keine Schale mehr aus Kunststoff, sondern aus Kohlefaserverbund (Carbon). Sie halten einer höheren Beanspruchung stand und sind deutlich leichter.
Wird ein Fahrradhelm in Deutschland oder der EU verkauft, muss er zahlreiche Normen und Anforderungen erfüllen. Schließlich sollst du als Träger einen Sturz unbeschadet überstehen. Die Materialien müssen außerdem unschädlich und wetterbeständig sein. Die Aufkleber im Inneren des Helms verraten dir mehr über die Normen. Neben dem TÜV, GS- oder CE-Siegel ist auch die DIN EN 1078 vermerkt. Hierbei handelt es sich um einen Falltest mit einem Dummy, den der Helm sicher überstehen muss.
Passform und Tragekomfort
Im Inneren der Helme ist meist ein Ring aus weichem Kunststoff eingearbeitet, um ihn perfekt an deine Kopfform anzupassen. Ein solches Modell schützt nur, wenn es fest am Kopf sitzt und nicht wackelt oder seitlich weggezogen werden kann. Die meisten Hersteller arbeiten mit einem kleinen Drehrad am Hinterkopf. Du setzt den Helm also auf und ziehst ihn dann über das Drehrad fest. Auch der Kunststoffring ist in der Größe verstellbar.
Ein zweites Verschlusssystem ist der Kinnriemen. Er führt zwei Bänder an den Seiten des Kopfs entlang und lässt sich unter dem Kinn verschließen. Die Länge sollte so eingestellt sein, dass noch etwa ein bis zwei Finger Platz haben. Außerdem sind die Riemen so geteilt, dass ein vorderer Strang und ein hinterer Strang unter den Ohren zusammenlaufen und dann verbunden werden. Die perfekte Länge ist durch Halteklemmen zu fixieren und darf nicht verrutschen. Der Verschluss selbst ist als Klick- oder Magnetverschluss zu bekommen. Hier spielt es eine Rolle, wie einfach du ihn nach der Fahrt öffnen willst.
Die Passform hängt natürlich stark von der Helmgröße ab. Die meisten Hersteller haben hier einheitliche Bezeichnungen, die sich nach dem Kopfumfang richten. Je größer der Umfang, desto größer muss natürlich auch der Helm ausfallen. Um die perfekte Größe zu ermitteln, brauchst du also zunächst deinen Kopfumfang. Du legst dir ein Maßband vom Nacken bis zur Stirnmitte und misst den Kopf an seiner breitesten Stelle. Da die Größen relativ eng beieinander liegen, sollte der passende Helm schnell gefunden sein. Im Zweifel immer die nächste Größe wählen, um Druckstellen zu vermeiden.
Ein guter Helm muss das Gehirn auch vor dieser Rotationsbewegung schützen. Zudem prüften wir, ob der Helm nach hinten vom Kopf rutschen kann. Mehrere Modelle zeigten da große Schwächen. Unsere erfahrenen Test-Radler und -Radlerinnen prüften zudem die Handhabung und den Komfort der Helme. Sie bemängelten an vielen Produkten, dass sie sich etwas schwierig an die Kopfform anpassen ließen. Teilweise sind zudem die Gurte am Ende nicht umgenäht, sodass beim Einstellen Verschlüsse herausrutschen können.
Bestenfalls legt sich die Stirn in Falten bei diesem Versuch. Kannst du den Helm auch etwa 15 Minuten ohne Druckstellen tragen, scheint ein guter Tragekomfort gefunden. Nach dem Einstellen kannst du ihn nicht mehr nach vorne ziehen oder nach hinten schieben.
Da sich jede Kopfform individuell darstellt, ist es empfehlenswert, den Helm vor dem Kauf anzuprobieren. So lassen sich Passform und Einstellmöglichkeiten des Wunschhelms prüfen und ein Fehlkauf vermeiden. Nehmen Sie am besten auch Ihre Brille zum Probetragen mit.
Die richtige Helmgröße hängt dabei vom Kopfumfang ab, sie wird, wie z. B. auch bei Hüten, in S, M, L und XL eingeteilt.
Kopfumfang für die Helmgröße messen:
- Ein Maßband um den Kopf legen.
- Ca. eine Höhe von 10 mm (1 cm) Abstand über den Augenbrauen lassen.
- Den Kopfumfang messen und einen Zentimeter addieren.
Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Auch der schlechteste Helm im Test kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird.
Helmgröße und Kopfumfang (ungefähre Werte):
- XS: 51 bis 54 cm
- S: 55 bis 56 cm
- M: 57 bis 58 cm
- L: 59 bis 60 cm
- XL: 61 bis 62 cm
- XXL: 62 bis 64 cm
Design und Ausstattung
Neben Größe und Passform setzen viele Frauen auf ein formschönes Design. Der Helm muss also nicht nur vom Aufbau her zu den persönlichen Ansprüchen passen, sondern auch von der Farbgebung. Helle und leuchtende Farben sind ebenso beliebt wie Helme in Weiß (White) oder Schwarz (Black). Es ist also ein Mythos, dass Frauen lieber Pink bevorzugen.
Manche Fahrradhelme sind mit einem kleinen Visier ausgestattet und ersparen dir somit die Sonnenbrille. Wenn du dennoch eine Brille oder gern eine Sonnenbrille trägst, muss diese auf den Helm abgestimmt sein. Der Helm darf deshalb weder den Bügel noch den Rahmen der Brille berühren. Bei manchen Helmen gehen die Riemen sehr nah am Ohr vorbei. Hier ist das Tragen einer Brille etwas schwierig und auch auf große Ohrringe solltest du verzichten im Sinne deiner eigenen Sicherheit.
Der Helm muss sich richtig einstellen lassen und sicher auf dem Kopf sitzen. In puncto Sicherheit bei tatsächlichen Unfällen haben die Tester die Einschätzung von Unfall-Experten in das Ergebnis einfließen lassen.
Zusätzliche Sicherheit bieten Fahrradhelme mit Licht, die im Dunkeln gut zu sehen sind. Die Prüfer leuchteten alle Kopfschützer mit Scheinwerfern an. Sehr gut sichtbar sind Modelle, die an allen Seiten und am Gurt mit Reflektoren ausgerüstet sind und am Hinterkopf ein Licht tragen. Damit es gar nicht erst zum Unfall kommt, sollten die Anbieter Fahrradhelme grundsätzlich mit Rücklichtern und Reflektoren ausstatten.
Weitere Ausstattungsmerkmale:
- MIPS (Multi-directional Impact Protection System): Eine bewegliche Innenschale soll Rotationskräfte abfangen.
- Kineticore: Ähnliches System wie MIPS, das zusätzlichen Schutz bieten soll.
- SLID-Technologie: Gel im Helmpolster, das beim Aufprall Energie absorbieren soll.
- Hair Port: Durchlass für den langen Zopf am Hinterkopf.
- Integrierte Regenhaube: Im Helm integrierte Regenhaube, die bei Bedarf über den Helm gezogen werden kann.
- Insektenschutzgitter: Verhindert, dass Fremdkörper oder Insekten während der Fahrt in den Helm gelangen.
- Abnehmbares Visier: Bietet Schutz vor Sonne und Regen.
Wichtig ist trotzdem, dass der Helm auch mit Mütze oder Frisur fest und sicher sitzt, da er sonst bei einem Sturz schnell verrutschen könnte. Setze den Helm auf den Kopf und lege deine Haare zurecht. Ziehe nun das Einstellsystem fest und prüfe die Gurtbänder auf ihre Länge. Der Helm darf auch ohne Kinnriemen nicht mehr wackeln oder verrutschen.
Testsieger und Empfehlungen
Der Vergleich lohnt sich: 11 der 28 Fahrradhelme für Erwachsene sind gut. Zu den sichersten Modellen in unserer Datenbank zählen auch zwei Helme für unter 50 Euro. Ein Markenprodukt dagegen hätte so nicht verkauft werden dürfen - es könnte beim Unfall vom Kopf rutschen.
Mit unserer Tabelle finden Sie schnell Ihren persönlichen Testsieger. Die Ergebnisse lassen sich unter anderem nach Preis und Ausstattungsmerkmalen wie Rücklicht und Fliegengitter filtern.
Neben der Top-Empfehlung gibt es auch Preistipps und die besten Modelle für spezielle Anforderungen.
Testsieger aus dem Fahrradhelm Test:
- Alpina Mythos 3
- Cratoni Pacer Plus
- Casco Active 2
- Abus Urban-I 3.0
Empfehlungen basierend auf F.A.Z. Kaufkompass Test:
- Uvex Urban Planet LED: Top-Empfehlung mit hohem Komfort, guter Sicherheit und LED-Licht.
- Fischer Urban Plus Brooklyn: Preistipp mit gutem Tragekomfort, Sonnenschutz, Insektenschutz und Licht.
- Uvex Finale Visor: Perfekt für schwierige Wetterbedingungen mit herunterklappbarem Visier.
- Abus Pedelec 2.0: Bietet eine integrierte Regenhaube und gute Luftzirkulation.
- POC Omne Beacon MIPS: Setzt auf Stil und Design mit integrierten LEDs und MIPS-Technologie.
Einige Anbieter versprechen Extra-Schutz durch Mips oder ähnliche Systeme wie Kineticore von Lazer. Mips steht für Multidirectional Impact Protection System, zu Deutsch: Schutzsystem für Zusammenstöße aus verschiedenen Richtungen. An der Helm-Innenseite ist eine Kunststoffschale befestigt, die sich unabhängig bewegt. Sie soll Rotationskräfte abfangen, die während eines Aufpralls auf das Gehirn wirken. Der Fahrradhelm-Test der Stiftung Warentest zeigt, dass Mips keine Voraussetzung für einen guten Fahrradhelm ist. Auch einige Helme ohne dieses System schützen gut vor Kopfverletzungen.
Von der Form her unterscheiden sich die Damenmodelle je nach Geschmack und Einsatzbereich. Es gibt recht rundliche Helme, die auch den Hinterkopf gut mit abdecken und an den Seiten weiter ins Gesicht reichen. Oder du entscheidest dich für eine dynamische Form mit vielen Luftlöchern und einem recht spitz zulaufenden Hinterkopf.
Pflege und Lebensdauer
Die Lebenserwartung bei Damenhelmen liegt bei etwa 4 bis 5 Jahren. Danach ermüden die Materialien langsam und der Helm sollte ausgetauscht werden.
Du kennst nun die wichtigsten Kriterien zum Kauf eines neuen Fahrradhelms. Jetzt musst du dich nur noch für einen Hersteller und ein Design entscheiden.
Auch der schlechteste Helm im Test kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird. Auf dem ersten Blick gleicht jeder Fahrradhelm dem anderen, der konstruktive Aufbau ähnelt sich stark, nur bei der Preisspanne gibt es gravierende Unterschiede.
Um eine möglichst gute Sichtbarkeit zu gewährleisten, sollte der Helm mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet sein. Da die Aktivierung vom Nutzer bzw. der Nutzerin jedoch oft vergessen wird, sollte der Helm auch über eine passive Sicherheitsausstattung in Form von reflektierenden Elementen an der gesamten Helmschale sowie im Kinnriemen verfügen. Ein helles Design in auffälligen Farben erhöht zudem die Sichtbarkeit bei Tag und Nacht.
Hinsichtlich Pflege und Design ist noch zu erwähnen, dass du den Helm bei der Lagerung keiner direkten Sonnenstrahlung aussetzen sollst.
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