Großer Auftritt für kleines Geld - und dabei grundsolide: Hier kommen fünf heiße Gebraucht-Motorräder in fünf Preisklassen. Von BMW bis KTM, von allround bis sportlich - los geht's ab 1500 Euro. AUTO BILD MOTORRAD hat fünf Bikes aus dem riesigen Gebrauchtmarkt herausgepickt: BMW R 1150 GS, Honda XL 600 V Transalp, Suzuki GSF 600 Bandit, Yamaha YZF R1 und KTM 690 Duke III. Die Charaktere dieser Motorräder sind sehr unterschiedlich, doch alle eint ein bedeutsamer Name und eine große Anhängerschaft. Und der Reiz der Kandidaten verfliegt im Alter keineswegs, im Gegenteil: Es ist eine schöne Vorstellung, sich eines dieser gepflegten Modelle aus Vorbesitz zum günstigen Gebrauchttarif in die Garage zu holen.
Selbst mit kleinstem Budget lässt sich jede Menge Fahrspaß finden. Eine ordentliche 600er Bandit wechselt schon für 1500 Euro oder sogar weniger den Besitzer. Das kann jeder Biker gebrauchen Denn sogar Legenden wie die BMW GS halbieren ihren Preis nach knapp zwei Jahrzehnten. Satte 11.200 Euro kostete die GS Adventure als Neu-Zweirad, da lohnt sich das Warten.
Besonders für Fahranfänger und Wiedereinsteiger bietet sich ein Gebrauchtkauf an. Viele gebrauchte Motorräder sind nur wenige Jahre alt und haben deswegen geringe Laufleistungen. Außerdem sind sie oft in einem guten Pflegezustand. Vereinzelt kommen auch Notverkäufe vor, bei denen Käufer und Käuferinnen echte Schnäppchen machen können.
Zuverlässigkeit, Standfestigkeit und die zu erwartende Lebensdauer von modernen Motorrädern stellen heute technisch kein Problem mehr dar. Auch die Laufleistungen der meisten Großserienmaschinen sind je nach Motorbauart, Fahrweise und Pflege kein Grund, vom Gebrauchtkauf Abstand zu nehmen. 100.000 Kilometer und mehr sind für viele Maschinen durchaus realistisch, zumal sie vielfach auf Langstrecken ihre Kilometer gesammelt haben und somit nicht dem schädlichen Kurzstreckenverkehr ausgesetzt waren.
Günstige Maschinen für Anfänger
Einfache Massenmodelle bzw. Bestseller sind häufig günstiger zu bekommen und Anfängern eher zu empfehlen als ausgefallene Modelle. Zudem ist auch das Angebot umfangreicher und vielfältiger. Auch die Ersatzteil- und Zubehörbeschaffung ist für die beliebteren Modelle flächendeckender und umfangreicher als für weniger verkaufte Typen, was sich im Unterhalt finanziell lohnt. Trotz der Vorteile, die ein Gebrauchtkauf mit sich bringt, sollten Sie auch die Folgekosten einkalkulieren.
Zu den gängigen Modellen und beliebten Modellen zählen zum Beispiel BMW R 1200 GS, Yamaha MT-07, Kawasaki Z 900, Kawasaki Z 650, KTM 390 Duke, KTM 790 Duke oder die Honda Africa Twin.
Worauf Sie beim Kauf achten müssen
Leichte Beschädigungen der Maschine oder individuelle Anpassungen sind bei einem Gebrauchtkauf wahrscheinlich. Deswegen sollte ein eingehender technischer Check des Motorrads den Erhaltungszustand offenlegen. Wer noch nicht weiß, welcher Motorradtyp oder welche Maschine überhaupt infrage kommt: Mit den umfangreichen ADAC Tipps zum Motorradkauf kann die richtige Wahl vorbereitet werden.
Checkliste für den Gebrauchtkauf
- Vergleichen Sie als Erstes die Fahrgestellnummer am Motorradrahmen mit der im Fahrzeugbrief.
- Lassen Sie sich nicht vom ersten Eindruck blenden: Zum Verkauf stehende Motorräder sind meist auf Hochglanz poliert. Betrachten Sie den Gesamtzustand kritisch und notieren Sie sich Schäden und Mängel.
Undichtigkeiten an Motor, Kühlsystem, Kraftstoffanlage und Getriebe sind vor allem für die Umwelt schädlich und sollten möglichst schnell beseitigt werden. Gleichzeitig zeugen sie von einer gewissen Nachlässigkeit des Besitzers und können als Argument für eine Preissenkung dienen.
Schleifspuren an den Lenkerenden, Schwingungsdämpfern und den Armaturen geben Hinweise auf Stürze. Eine Reparatur dieser Schäden ist oftmals nur durch den Austausch des Rahmens möglich, da daran nicht geschweißt werden darf. Bei einem verformten oder abgerissenen Lenkeranschlag ist vom Kauf abzuraten.
Grobe Schleifspuren am Rahmen weisen auf einen Off-Road-Einsatz oder Unfälle hin. Wenn das Motorrad kein Geländemotorrad ist und trotzdem diese Spuren aufweist, ist ebenfalls von einem Kauf abzuraten.
Umbauten: Klären Sie mit dem Verkäufer, welche Komponenten und Bauteile verändert oder umgebaut wurden, weshalb dies vorgenommen wurde und wie diese eingetragen bzw. zugelassen wurden. Hierfür sind die Fahrzeugpapiere (Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II) sowie alle Gutachten, Prüfberichte und die Allgemeine Betriebserlaubnis heranzuziehen.
Nachträgliche Bearbeitung des Rahmens und/oder der Schwingen: Hier ist besondere Vorsicht ist geboten. Vereinzelt werden Flächen und Schweißnähte des Rahmens abgeschliffen und poliert. Dies lässt vielfach die Betriebserlaubnis erlöschen und kann Ihnen deswegen bei der nächsten Hauptuntersuchung Probleme bereiten.
Nehmen Sie in jedem Fall die Sitzbank herunter, um auch hier den Pflegezustand der Maschine zu prüfen.
Je nach Alter des Motorrads sind Gebrauchtspuren unvermeidbar. Ist das Ergebnis der optischen Prüfung zufriedenstellend, deckt eine weitergehende Detailprüfung der verschiedenen Komponenten Mängel auf. Ein unschönes Erscheinungsbild, das nicht direkt auf weitere Schäden hinweist, sollte als Argument bei der Preisverhandlung genutzt werden.
Vorsicht bei Motorrädern, die lange standen
Bei Maschinen, die längere Zeit nicht bewegt und zudem für die Einlagerung bzw. Standzeit nicht vorbereitet wurden, sollten Sie folgende Komponenten prüfen:
- Kunststoff- und Gummiteile
- Lackierte oder durchgefärbte Verkleidungsteile
- Elektrische Anlage inkl. Batterie
- Kraftstofftank und Kraftstoffleitungen
- Bremsanlage, besonders die Bremszangen und -kolben
Welcher Preis ist angemessen?
Bei dem vielfältigen Motorradgebrauchtangebot fallen oft besonders niedrige oder auch hohe Preise auf. Die Frage, welcher Preis für welche Maschine angemessen ist, kann nur nach eingehender Prüfung vor Ort und einer Probefahrt beurteilt werden. Für eine erste Orientierung sind professionelle Preisnotierungen verfügbar. Die Online-Preis- bzw. Wertermittlung ist aber überwiegend kostenpflichtig.
Die Gebrauchtpreiskalkulationen sind nicht verbindlich, sondern stellen nur eine Orientierungshilfe dar. Sie sind Mittelwerte, die aus den regional unterschiedlichen Preisen errechnet wurden. Es gibt oft große Preisunterschiede zwischen Ballungszentren und ländlichen Regionen.
Die Preise beziehen sich grundsätzlich auf unfallfreie, betriebs- und verkehrssichere Serienmotorräder mit einem durchschnittlichen, der angegebenen Gesamtfahrleistung und dem Alter entsprechenden Erhaltungszustand. Die nächste Hauptuntersuchung der Motorräder steht frühestens in einem Jahr an. Auch die Bereifung ist höchstens zu 20 Prozent abgenutzt.
Diesen hohen Anspruch wird höchstwahrscheinlich kein gebrauchtes Motorrad erfüllen, zumal ein bereits umgestürztes Zweirad im strengsten juristischen Sinne nicht mehr als unfallfrei gilt, wenn dabei ein Schaden entstanden ist.
Wichtige Fragen an den Verkäufer
Besonders bei der Recherche im Internet können Sie auf interessante Angebote aus weit entfernten Regionen oder gar aus dem Ausland stoßen. Um unnötige Ausflüge zu vermeiden, können klare Fragen und deren ehrliche Beantwortung vorab die Entscheidungsfindung erleichtern. Widersprüchliche Aussagen unbedingt ansprechen und Unklarheiten beseitigen. Zudem ist es ratsam, die Angaben zu der Maschine in der Online-Anzeige inklusive aller Bilder abzuspeichern. Diese dienen als Grundlage für die Produktbeschreibung im Kaufvertrag.
Diese Fragen sollten Sie stellen:
- Ist der Verkäufer der Eigentümer oder der Besitzer? Alle Informationen sollten Sie sich vorrangig vom Eigentümer holen und mit diesem verhandeln. Er kann meist verbindlichere Aussagen zu den verschiedenen Fragen machen als ein Verkaufsbevollmächtigter. Auch die Preisverhandlungen gestalten sich mit dem Eigentümer unkomplizierter. Lassen Sie sich ggf. eine schriftliche Verkaufsvollmacht von dem Verkäufer vorlegen, wenn dieser nicht der Eigentümer ist.
- Wie lautet die genaue Modellbezeichnung? Um welches Baujahr und welche Leistungsvariante handelt es sich? Gelegentlich werden in Anzeigen irrtümlich falsche Modellbezeichnungen oder Leistungsdaten angegeben.
- Stammt das Motorrad ursprünglich von einem offiziellen Importeur, einem Re- oder Parallelimporteur? Im letzten Fall gilt es, besondere Hinweise zu einer möglicherweise noch wirksamen Garantie (Werks- oder Werkstattgarantie) und zur Ersatzteilversorgung zu beachten. Die Herkunft des Fahrzeugs lässt sich meist anhand der Eintragungen im Fahrzeugbrief bestimmen. Die Angaben finden Sie auf der letzten Seite.
- Wann wurde das Motorrad erstmalig zugelassen? Vom Erstzulassungsdatum hängt ab, ob die Gewährleistungs- bzw. Garantiefrist bereits abgelaufen ist.
- Wie hoch ist die tatsächliche Kilometerleistung? Stimmt sie mit dem Tachostand überein? Wenn nicht, müssen die Gründe geklärt werden. Auskünfte wie "laut Tacho" sollten Sie misstrauisch machen.
- Wurden die regelmäßig fälligen Inspektionen von einer Fachwerkstatt durchgeführt? Das Scheck- bzw. Kundendienstheft gibt hier unter anderem Aufschluss darüber, wer die regelmäßige Wartung vorgenommen hat. Prüfen Sie die Aussagen des Verkäufers bei der Besichtigung.
- Wie viele Vorbesitzer hatte das Motorrad bereits? Die neuen Zulassungsbescheinigungen (Teil II, Fahrzeugbrief) bieten nur Platz für einen Vorbesitzer. In der Zeile B unter der Kennzeichenangabe wird die Zahl der Vorbesitzer genannt. Hat die Maschine nur einen Erstbesitzer, steht an dieser Stelle eine Null. Achtung: Viele Vorbesitzer sind ein Hinweis darauf, dass die Vorgänger mit dem Motorrad nicht zufrieden waren.
- Ist das Motorrad unfallfrei? Auch wenn sich die Richtigkeit der Aussage des Verkäufers am Telefon nicht prüfen lässt, kann dies bei der Besichtigung nachgeholt werden. Widersprüchliche Aussagen sollten misstrauisch machen. Wenn das Motorrad nicht als unfallfrei angeboten wird: Welche Bauteile wurden beschädigt, repariert oder ersetzt?
- Welche Ausstattung hat das Motorrad ab Werk? Wurden Komponenten des Motorrades überholt oder ersetzt? Falls ja: Sind die Rechnungen für diese Arbeiten noch vorhanden?
- Sind alle Bauteile original oder wurden Fremdteile bzw. Fremdzubehör montiert? Wurde die Maschine grundlegend umgebaut? Wurden Teile montiert, die die Betriebserlaubnis betreffen, sollten diese im Fahrzeugbrief eingetragen sein. Auch eine ABE oder Unbedenklichkeitserklärung des Herstellers sollte vorliegen. Bei mehreren Änderungen an verschiedenen Komponenten, die technisch zusammenwirken, kann eine Einzelbetriebserlaubnis (Paragraf 21 StVZO) erforderlich sein. Vor einem Kauf müssen alle Zulassungsvoraussetzungen lückenlos und zweifelfrei geklärt und entsprechend dokumentiert werden. Ist dies nicht möglich, sollten Sie den Kauf gut überlegen.
- Wann wurde das Motorrad zuletzt gefahren? Wenn es abgemeldet oder außer Betrieb gesetzt wurde: Wie lange ist das Fahrzeug bereits abgemeldet? Ist eine Probefahrt möglich?
Top 5 Gebraucht-Motorräder in verschiedenen Preisklassen
Ab 4500 Euro: BMW R 1150 GS
Gebraucht wird die Ikone BMW GS bezahlbar. Sie sollte nur möglichst scheckheftgepflegt sein. Die Touren-Ikone verkörpert Abenteuerlust, besonders als Version "Adventure" mit langen Federwegen und dickem Motorschutz. Ab 2003 eliminierte die Doppelzündung das Teillastruckeln. Stärken: sehr wertstabil, großes Angebot, drehmomentstarker und robuster Motor. Die BMW kann Probleme mit dem Drosselklappen haben Schwächen: Defekte an Drosselklappen, schwergängige Schaltung.
| Fahrzeugdaten |
|---|
| Zweizylinder-Boxer, 1130 ccm Hubraum, 85 PS, 98 Nm maximales Drehmoment, 265 Kilo Leergewicht, 22,5 Liter Tankinhalt, Bauzeitraum 1999 bis 2003. |
| Alternative: Suzuki V-Strom DL 1000, 98 PS, Baujahr 2002. |
Ab 4000 Euro: KTM 690 Duke III
Die KTM Duke ist ein scharfes Biest, an dem vor allem Kurvenkünstler ihre Freude haben dürften. Die Duke ist kompakt, leicht, auf Handling ausgelegt. Ab 2012 ABS abschaltbar. Dank geringer Sitzhöhe eher Naked Bike als Supermoto. Einzylinder ist ebenso kräftig wie laufruhig. Gasannahme kann dreifach verstellt werden. Stärken: sehr agiles Fahrverhalten, wertstabil, druckvoller Einzylinder. Wer mit der KTM Spaß hat, fährt öfter an die Tanke Schwächen: defekte Segmente im Digitaldisplay, kleiner Tank, hoher Ölverbrauch, hakeliges Getriebe.
| Fahrzeugdaten |
|---|
| Einzylinder-Motor, 690 ccm Hubraum, 68 PS, 70 Nm maximales Drehmoment, 150 Kilo Leergewicht, 14 Liter Tankinhalt, Bauzeitraum 2008-2011. |
| Alternative: Yamaha MT-07, 75 PS, Baujahr 2014. |
Ab 3000 Euro: Yamaha YZF R1
Dank einer deutlich zahmeren Gasannahme (ab 2002) lässt sich die Yamaha YZF R1 problemlos fahren. Die minimalistische, wendige Supersportlerin von Yamaha wurde ab Modell RN09 (2002) durch gleichmäßige Gasannahme gezähmt. Davor sorgte die explosionsartige Leistungsabgabe für viele Unfälle. Stärken: extreme Fahrleistungen, wirkungsvolle Bremsen, technisch zuverlässig. Gebrauchte YZF R1 könnten Unfälle gehabt haben Schwächen: eventuell vertuschte Unfallschäden, originale Exemplare schwer zu finden.
| Fahrzeugdaten |
|---|
| Reihen-Vierzylinder, 998 ccm Hubraum, 152 PS, 105 Nm maximales Drehmoment, 174 Kilo Leergewicht, 17 Liter Tankinhalt, Bauzeitraum seit 1997. |
| Alternative: Kawasaki Ninja ZX9R, 143 PS, Baujahr 2001. |
Ab 2500 Euro: Honda XL 600 V Transalp
Die Transalp ist eine typische Honda. Der laute Auftritt liegt ihr fern. Die vielseitige Transalp besitzt einen durchzugsstarken V2 und ist dank langer Federwege auch offroadfähig. Hohe Laufleistungen sind nicht selten, bei guter Pflege aber kein Grund zur Sorge. Stärken: solides Fahrwerk, vibrationsarmer Motor, sehr haltbarer Antrieb. Unter Umständen lieber eine frühe Transalp nehmen Schwächen: schwache Bremse (erst die PD10 hat vorne zwei Bremsscheiben), Verarbeitungsqualität ab 1997.
| Fahrzeugdaten |
|---|
| V2, 583 ccm Hubraum, 50 PS, 51 Nm maximales Drehmoment, 205 Kilo Leergewicht, 18 Liter Tankinhalt, Bauzeitraum 1987 bis 2012. |
| Alternative: Aprilia Pegaso 650, 49 PS, Baujahr 2001. |
Ab 1500 Euro: Suzuki GSF 600 Bandit
Die Allrounderin Suzuki Bandit ist ein heißer Tipp für Anfänger. Nur das fehlende ABS stört. Die Bandit 600 eignet sich nicht nur als Allrounderin, sie taugt auch als Anfänger-Bike. Als S gibt es die Suzuki sogar mit einer verkleideten Front. Erst das ab 2004 gebaute Nachfolgemodell 650 bietet ABS. Stärken: anfängertaugliches Fahrverhalten, flotte Fahrleistungen, günstige Preise und ein großes Angebot. Bedauerlich: Die GSF 600 Bandit gab es nie mit ABS Schwächen: schwacher Durchzug, kein ABS, zu weiche Federung.
| Fahrzeugdaten |
|---|
| Reihen-Vierzylinder, 599 ccm Hubraum, 78 PS, 54 Nm maximales Drehmoment, 220 Kilo Leergewicht, 20 Liter Tankinhalt, Bauzeitraum 1995 bis 2004. |
Die Auswahl an gebrauchten Motorrädern ist vielfältig. Trotz eines gewissen Risikos kann sich eine gebrauchte Maschine lohnen. Was Sie achten sollten, wenn Sie ein Motorrad gebraucht kaufen möchten.
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