Nach welchen Kriterien ermittelt man „die besten Radrennfahrer aller Zeiten“?
Die Radsportlegenden
1. Eddy Merckx
Ob die Tour de France, die Vuelta a España oder der Giro d’Italia - Eddy Merckx gewann mehrfach bei allen drei großen Etappenrennen. Auch bei den fünf Monumenten des Radsports trug er Siege davon. 525 Siege fuhr Merckx zwischen 1966 und 1978 auf der Straße ein - bis heute hat ihm das keiner nachgemacht! Dazu kommen 98 Siege auf der Bahn und zwei Siege bei Querfeldein-Rennen.
Das Thema Doping streifte auch Eddy Merckx´ Karriere: 1969 wurde der Belgier wegen Dopings vom Giro d‘Italia ausgeschlossen - die genauen Umstände sind bis heute unklar. Auch 1973 und 1977 wurde Merckx bei der Lombardei-Rundfahrt und dem Flèche Wallonne positiv getestet.
Wussten Sie’s? Ja, richtig gelesen: Eddy Merckx ist ein „Baron“ - 1996 wurde der berühmte Landessohn vom belgischen König in den Adelsstand erhoben.
eddymerckx.com finden Sie noch heute Rennräder unter seinem Namen - für Radsportler „with a strong personality, who strive to be truly unique“. Ganz wie die Radsportlegende selbst.
Konkurrenten nannten Merckx als erbarmungslosen "Kannibalen". Merckx, nach dem eine Metro-Station in Brüssel benannt ist und der 1996 vom belgischen König in den Adelsstand erhoben wurde, gewann je fünfmal die Tour de France und den Giro d'Italia. Seine 34 Etappensiege und 96 Tage im Gelben Trikot bedeuten noch heute Tour-Rekord.
Ein Nimmersatt eben, der 1969 unter bis heute ungeklärten Umständen wegen Dopings vom Giro ausgeschlossen worden war. 1973 und 1977 war er bei der Lombardei-Rundfahrt und dem Flèche Wallonne positiv getestet worden.
Sie sind selbst begeisterter Radsportler und Fan vom „Kannibalen“? Eddy Merckx Classic Radmarathon im Salzburger Land teilnehmen.
2. Bernard Hinault
Stark und mit eisernem Willen gesegnet - die Radsportlegende Bernard Hinault erhielt nicht umsonst den Spitznamen „der Dachs“. In den 12 Jahren, die seine Radsport-Karriere dauerte, konnte der Franzose über 200 Siege verzeichnen. Neben den drei großen Etappenrennen brillierte er auch in Straßenrennen wie Lüttich-Bastogne-Lüttich und Paris-Roubaix - und das, obwohl er das Kopfsteinpflaster hasste.
Wie Jacques Anquetil zählt auch Bernard Hinault zu den bis dato insgesamt vier Fahrern, die die Tour de France fünfmal gewinnen konnten.
Wussten Sie’s? Paris-Roubaix, April 1981: Alles scheint sich gegen den „Dachs“ verschworen zu haben. Es regnet, das Kopfsteinpflaster ist matschig, rutschig und fordert zahlreiche Stürze. Hinault stürzt selbst mehrmals, aber auch eines der Begleitmotorräder bleibt einmal mitten auf dem Weg liegen. Der „Dachs“ schultert kurzerhand sein Fahrrad und trägt es über einen Acker, dann geht die wilde Jagd weiter. Doch als würde das nicht reichen, rennt ihm dreizehn Kilometer vor dem Ziel ein Hund vors Fahrrad und lässt ihn erneut stürzen. Es sieht nicht danach aus, als könnte der Favorit und amtierende Straßen-Weltmeister Bernard Hinault das Rennen Paris-Roubaix noch gewinnen.
Trotz seines Sieges war Hinault kein großer Fan des Straßenrennens Paris-Roubaix, das den Beinamen „Hölle des Nordens“ trägt - im Gegenteil.
3. Jacques Anquetil
Bedeutende Siege: 5x Tour de France (1957 und 1961-1964), 2x Giro d’Italia (1960, 1964), 1x die Vuelta a España (1963). Als erster Radsportler überhaupt fuhr Anquetil fünf Siege bei der Tour de France ein.
Wussten Sie’s? 1956 gelang ihm ein weiterer Sieg über Coppi: Anquetil übertraf dessen 14 Jahre zuvor aufgestellten Stundenweltrekord (Zur Erklärung: In einem Zeitfahren versucht ein Fahrer, innerhalb einer Stunde eine möglichst lange Strecke auf einer Radrennbahn zurückzulegen).
Zu seiner ersten Tour de France trat der junge Normanne ohne wesentliche Bergerfahrung an. Doch die erste Alpen-Etappe meisterte der Neuling mit Bravour. Mehrmals sicherte er sich das gelbe Trikot; ab der 10.
4. Miguel Indurain
Der Baske Miguel Indurain war zwar nicht der erste Radrennfahrer mit fünf Tour-de-France-Siegen, aber der erste, der diese fünf Siege in Folge erzielte. Zu Beginn seiner Radsportkarriere hätten ihm das nicht viele zugetraut - Indurain wurde in den 1980er Jahren vor allem als Mannschaftshelfer in seinem Team eingesetzt und verhalf seinem Kapitän Pedro Delgado 1988 zum Sieg bei der Frankreichrundfahrt. 1996 beendete Miguel Indurain seine Karriere: Der sechste Sieg bei der Tour de France blieb ihm verwehrt und die Vuelta a España musste er abbrechen.
Wussten Sie’s? Ähnlich wie Jaques Anquetil war der Baske Indurain stark im Kampf gegen die Uhr. Im Einzelzeitfahren gewann er sowohl eine Weltmeisterschaft als auch Gold bei Olympia. Dem erfolgreichen Radsportler wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. So wurde Indurain 1992 mit dem Prinz-von-Asturien-Preis ausgezeichnet.
Der Baske war bekannt für seine defensive Fahrweise sowie seine große Ruhe und Leidensfähigkeit.
5. Alberto Contador
Ein weiterer spanischer Radsportheld schafft es auf Platz fünf der besten Radrennfahrer aller Zeiten: Alberto Contador, gebürtig aus Pinto bei Madrid, schaffte es als fünfter Fahrer bei allen drei Grand Tours zu siegen. Er gewann sogar jede davon mehrmals, so dass er in die Fußstapfen des großen Franzosen Bernard Hinault trat. Nach der Spanienrundfahrt 2017 beendete Alberto Contador seine Radsportlaufbahn.
Wussten Sie’s? Mit Doping wurde Contador zum ersten Mal 2006 in Verbindung gebracht: Mit vier seiner Teamkollegen und zahlreichen weiteren Fahrern wurde er von der Tour de France 2006 ausgeschlossen, da er mutmaßlich in den Dopingskandal Fuentes verwickelt war. 2010 wurde durch den Internationalen Sportgerichtshof eine Dopingsperre Alberto Contador verhängt, dann vorübergehend aufgehoben und Anfang 2012 erneut verhängt, rückwirkend auf zwei Jahre.
Neben Rang 5 in der Gesamtwertung gewann er die Wertung als „Kämpferischster Fahrer“ - ein würdiger Abschluss seiner Karriere. Im April 2020 versteigerte der Ex-Radprofi sein Rennrad, mit dem er 2011 unter anderem den Giro d'Italia für sich entschieden hatte.
6. Sean Kelly
Er liebte die härtesten Rennen und bewies sich als erfolggekrönter Klassikerjäger: Auf Platz sechs der erfolgreichsten Radrennfahrer der Welt steht der Ire Sean Kelly.
Wussten Sie’s? Entdeckt wurde Kelly in den Siebzigern von Jean De Gribaldy, nachdem er sich als Amateur bei mehreren Rennen bewiesen hatte.
Zäh und willensstark: King Kelly schreckten auch harte Rennen nicht ab, im Gegenteil.
7. Fausto Coppi
Der Italiener, den seine Landsleute stolz „il Campionissimo“ nannten, war einer der beliebtesten und erfolgreichsten Rennradfahrer aller Zeiten.
Wussten Sie’s? Neben den Grand Tours brillierte Coppi viermal als italienischer Meister; 1953 wurde er Straßenweltmeister. Früher Tod: 1960, im Alter von nur 40 Jahren, verstarb Fausto Coppi an Malaria.
Weitere Ehrungen der italienischen Radsportlegende: Der Asteroid 214820 wurde 2017 „Faustocoppi“ getauft.
Aktuelle Entwicklungen und Tadej Pogacar
Die Radsportwelt sah 2024 den bisher besten Tadej Pogacar der Geschichte. Satte 11.655 Punkte sammelte der 26 Jahre alte Slowene in dieser Saison. Seit (Wieder-)Einführung der UCI Weltrangliste im Jahr 2015 schaffte kein anderer Fahrer einen auch nur annähernd ähnlichen Wert. Selbst seinen eigenen Rekord aus dem Vorjahr (7695,86 Punkte) pulverisierte Pogacar und packte fast 4000 Zähler obendrauf - nochmal rund ein Drittel mehr. Eine vergleichbare Dominanz gab es im Radsport bisher nur in den 1970er Jahren unter Eddy Merckx.
UCI Weltrangliste Top 10 (2024)
| Rang | Fahrer | Team | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Tadej Pogacar | UAE Team Emirates | 11.655 |
| 2 | Remco Evenepoel | Soudal - Quick Step | 6072,57 |
| 3 | Jasper Philipsen | Alpecin-Deceuninck | 4790 |
| 4 | Ben O’Connor | Decathlon AG2R La Mondiale | 4096 |
| 5 | Mathieu van der Poel | Alpecin-Deceuninck | 4053 |
| 6 | Marc Hirschi | UAE Team Emirates | 3568 |
| 7 | Jonas Vingegaard | Visma | Lease a Bike | 3536 |
| 8 | Primoz Roglic | Red Bull Bora-Hansgrohe | 3471 |
| 9 | Biniam Girmay | Intermarche-Wanty | 3352 |
| 10 | Wout Van Aert | Visma | Lease a Bike | 2925 |
Wohin die Reise bei Pogacar noch gehen kann, ist offen. Kürzlich verlängerte er seinen Vertrag bei UAE Emirates bis 2030, davor hatte er die Chancen für ein Grand-Tour-Triple ausgelotet und eine entsprechende Leistung als “möglich” bewertet. 2024 war es jedenfalls nahezu unmöglich, ihn zu besiegen. Das zeigt auch der Abstand in der Weltrangliste zu Pogacars verfolgern. Remco Evenepoel (Soudal - Quick Step) bringt es als Zweiter im Ranking auf 6072,57 Punkte - gerade mal die Hälfte von Pogacar.
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