Die Biker-Welt lässt sich für Außenstehende oft nur schwer vom kriminellen Milieu der „Rocker“ im polizeilich relevanten Sinn abgrenzen, auch wenn diese Abgrenzung wesentlich ist. Der Begriff „Rocker“ wird dabei als Synonym für Angehörige von OMCG bzw. sog. Onepercenter verwendet. Mitglieder von OMCG mögen die o.g. Aspekte grundsätzlich teilen, treten jedoch im Gegensatz zur großen Mehrheit der oben charakterisierten Motorradclubs regelmäßig mit Straftaten, vornehmlich Körperverletzungs-, Erpressungs- und Bedrohungsdelikten und nicht selten in unterschiedlichen Erscheinungsformen der organisierten Bandenkriminalität in Erscheinung, so u.a. in den Bereichen der Drogen- und Waffenkriminalität.
Historische Entwicklung der Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG)
Die Geschichte des OMCG-Begriffes begann im Jahr 1947: Am amerikanischen Nationalfeiertag kam es auf einem Motorradtreffen in Hollister im US-Bundesstaat Kalifornien zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern und der Polizei, die große Aufmerksamkeit in Öffentlichkeit und Medien fanden. Unmittelbar nach den Ausschreitungen soll die American Motorcycles Association (AMA) erklärt haben, dass 99 Prozent der US-amerikanischen Motorradfahrer rechtschaffene Bürger seien.
Diese Erklärung wird als Geburtsstunde der „Onepercenter“ betrachtet, die sich selbst als gesetzlos („Outlaws“) bezeichnen und auf ihren Kutten ein „1%“-Symbol tragen, das sich direkt auf die Erklärung der AMA bezieht und sie sichtbar von den darin bezeichneten rechtschaffenden Bürgern abgrenzen soll. 1948, ein Jahr nach den Ausschreitungen in Hollister, wurde das erste Charter des Hells Angels MC mit dem Symbol des geflügelten Totenkopfes in San Bernadino, ebenfalls im US-Bundesstaat Kalifornien, gegründet.
Ein erstes europäisches Charter der Hells Angels, deren Name an eine Kampffliegereinheit des Zweiten Weltkriegs angelehnt ist, wurde nach jahrelanger Expansion 1969 in London gegründet, 1973 folgte in Hamburg das erste deutsche Charter. 1966 entstand der traditionell mit dem Hells Angels verfeindete Bandidos MC, der nach dem Hells Angels MC als zweitgrößte Rockergruppierung weltweit gilt.
Während sich die meisten der o.g. kriminellen Aktivitäten ihrem Wesen entsprechend überwiegend im Verborgenen abspielen, zogen OMCG in zurückliegenden Jahren nicht zuletzt auch in Deutschland wegen einer Zunahme gewalttätiger Auseinandersetzungen mittels Hieb- und Stichwaffen, aber auch unter Einsatz von Schusswaffen und Sprengstoff, die vielfach unter verfeindeten OMCG stattfanden, öffentliche und mediale Aufmerksamkeit auf sich. Derart offen ausgetragene Macht- und Revierkämpfe sind naturgemäß geeignet, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erheblich zu beeinträchtigen. Die Sicherheitsbehörden reagierten u.a.
Die Rockerszene als Subkultur
Damit das Zusammenleben in einer Subkultur - wie auch in der übergeordneten Gesellschaft - reibungslos funktioniert, werden innerhalb einer Subkultur Richtlinien geschaffen, die für die Mitglieder bindend, zugleich aber zumindest teilweise inkompatibel mit den Regeln der Bezugsgesellschaft sein können. Entsprechend sind auch Mitglieder von OMCG durch ein solches eigenes Regelwerk verbunden, das sie gleichsam von der übergeordneten Gesellschaft abgrenzt. Sie prägen zudem auch einen besonders charakteristischen Stil.
In der öffentlichen Wahrnehmung gehören dazu wohl Lederwesten mit Clubaufnähern, Tätowierungen, lange Haare oder Bärte, martialisches Auftreten, harte Rockmusik und traditionell sicher auch die obligatorischen schweren Motorräder bzw. Chopper. Ein solcher Stil ist sowohl Identifizierungs-, als auch zusätzliches sichtbares Abgrenzungsmerkmal, er verstärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder und signalisiert zugleich die bereits angesprochene Abgrenzung von den Normen der übergeordneten Gesellschaft und die Zugehörigkeit zur Subkultur auch unmissverständlich an Außenstehende.
Gleichzeitig hat diese Zugehörigkeit für Außenstehende oft auch einen diffusen Charakter, da sich die genannte Symbolik, wie bereits oben angesprochen, nicht immer ohne Weiteres von der Symbolik abgrenzen lässt, die gleichsam mit der großen Mehrheit polizeilich nicht relevanter Motorradclubs assoziiert wird, zumal eindeutige Zuordnungsdevotionalien wie das o.g. „Onepercenter“-Patch nicht ohne Weiteres von jedermann erkannt werden. Das Werte- und Normensystem der OMCG korrespondiert mit dem Ausdruck zugespitzter Maskulinität und Härte.
Die Rolle der Frau in der Rockerszene
Stil und Selbstverständnis der OMCG wirken sich unmittelbar auf deren Sicht auf die Rolle der Frau aus. Spezifische, der OMCG-Subkultur immanente Werte wie Stärke, Mut und expressive Männlichkeit, aber auch Gewaltbereitschaft und unbedingte Loyalität werden in der Welt der OMCG immer wieder getestet, das Bekennen dazu wird - einschließlich entsprechender Demonstrationen - offensiv eingefordert. Traditionell geht damit oft auch, gleichsam als subkultureller „Wert“ ein extremer Ausdruck weiblicher Inferiorität einher.
Zahlreiche subkulturelle Bräuche und Zeremonien involvieren folgerichtig Frauen, wobei die ihnen zugeschriebene Inferiorität demonstrativ zur Schau gestellt wird. Bestenfalls werden Frauen in OMCG demzufolge in der Regel als eine Art Begleiterin geduldet, die dem Mann zu Diensten ist, keinesfalls aber als potenziell gleichwertiges Mitglied angesehen. Ihre Rollen sind beschränkt entweder auf die der festen Partnerin einzelner Mitglieder (meist „Old Ladies“ genannt) oder die eines allgemein verfügbaren „Lustobjekts“.
Diese traditionell im subkulturellen Jargon auch als „Mamas“ bezeichneten Frauen werden quasi als Clubeigentum betrachtet und müssen aus Sicht der Mitglieder dauerhaft und jederzeit für jedes Mitglied „verfügbar“ sein. Eine „Old Lady“ zu sein bedeutet dagegen die wohl höchstmögliche Stellung als Frau innerhalb einer OMCG erreicht zu haben. Im Gegensatz zu den „Mamas“ ist die Zugehörigkeit der jeweiligen Frau hier auf ein Mitglied beschränkt.
Die Frau ist damit für die übrigen Mitglieder grundsätzlich „tabu“. Doch der Status einer Old Lady bedeutet keineswegs immer, ein selbstbestimmtes Leben zu führen: „Ein Mann könnte von seiner Old Lady verlangen, dass sie sich für ihn prostituiert.
Warum fühlen sich Frauen zu OMCG hingezogen?
Vor diesem gesamten Hintergrund stellt sich die Frage, warum sich Frauen überhaupt zu OMCG hingezogen fühlen, sich scheinbar freiwillig eine solche Rolle zuweisen lassen. Ein wichtiger Grund dürfte neben der demonstrativ überzogenen „Männlichkeit“ und einer wie auch immer verwegenen „Bad Boy-Erotik“ sicher auch die Perzeption von persönlicher und materieller „Macht“ sein.
Entromantisiert auf den Punkt gebracht handelt es sich um eine Art generelles und allgegenwärtiges Einschüchterungskapital, über das Rocker in der Regel verfügen. Sie pflegen eine Aura, die von patriarchalischer Dominanz und zugleich von nonkonformistischer Rebellenhaftigkeit geprägt ist. Allerdings muss dabei unterstrichen werden, dass manche Frauen für diese Art von Zugehörigkeit bereit sind, sich in gefährliche Abhängigkeitsverhältnisse zu begeben und offenbar schwerste Demütigungen und auch physische Verletzungen in Kauf zu nehmen.
Bekannte Rockerklubs
Hier ist ein Überblick über einige der größten und bekanntesten Rockergruppen der Welt:
- Hells Angels Motorcycle Club (HAMC): Gegründet 1948, weltweit in 32 Ländern vertreten.
- Bandidos Motorcycle Club (BMC): Gegründet 1966 in Texas, weltweit in etwa 22 Ländern vertreten.
- Outlaws Motorcycle Club (OMC): Gegründet 1935, vor allem in den USA groß, aber auch in Deutschland vertreten.
- Gremium Motorcycle Club (GMC): Gegründet 1972 in Mannheim, europaweit einer der größten Klubs.
- Mongols Motorcycle Club (MMC): Gegründet 1969 in Kalifornien, vor allem in den USA vertreten.
- Sons Of Silence Motorcycle Club (SOSMC oder SOS): Gegründet 1966 in Colorado, eines der fünf größten Motorradklubs der USA.
- Pagan’s Motorcycle Club (PMC): Gegründet 1959 in Maryland, vor allem in den USA vertreten.
- Vagos Motorcycle Club (VMC): Gegründet 1965 in Kalifornien.
- Rock Machine: Gegründet 1986 in Québec, Kanada.
Diese Klubs fallen regelmäßig durch kriminelle Machenschaften auf, von Körperverletzung über Drogendelikte bis hin zu Mord.
| Name des Klubs | Gründungsjahr | Gründungsort | Ungefähre Mitgliederzahl (weltweit) |
|---|---|---|---|
| Hells Angels Motorcycle Club (HAMC) | 1948 | USA | ca. 6000 |
| Bandidos Motorcycle Club (BMC) | 1966 | Texas, USA | ca. 5000 |
| Outlaws Motorcycle Club (OMC) | 1935 | USA | ca. 4500 |
| Gremium Motorcycle Club (GMC) | 1972 | Mannheim, Deutschland | ca. 1900 |
| Mongols Motorcycle Club (MMC) | 1969 | Kalifornien, USA | ca. 500-1500 |
| Sons Of Silence Motorcycle Club (SOSMC) | 1966 | Colorado, USA | ca. 400 |
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