Dieter Braun: Eine Legende des Motorradrennsports feiert 80. Geburtstag

Der zweifache Motorrad-Weltmeister Dieter Braun feierte am 2. Februar seinen 80. Geburtstag. Mit zwei gewonnenen Weltmeisterschaften und 14 Grand-Prix-Siegen gehört Dieter Braun zu den erfolgreichsten deutschen Motorrad-Straßenrennfahrern. Erfolgreicher waren nur Toni Mang (5 WM-Titel und 42 GP-Siege), Hans-Georg Anscheidt (3 WM-Titel und ebenfalls 14 GP-Siege) sowie Werner Haas (3 WM-Titel und 11 GP-Siege).

Die zweitmeisten GP-Siege für Deutschland, nämlich deren 20, erzielte der am 10. März 2018 im Alter von nur 51 Jahren viel zu früh verstorbene, jedoch unvergessene Ralf Waldmann, dem allerdings kein WM-Triumph gelang. Dieter Braun wurde am 2. Februar 1943 in Ulm an der Donau geboren. Aufgewachsen ist er im 30 Kilometer entfernten Hermaringen. Später zog es ihn in Richtung Hockenheim nach Dielheim. Ergo wurde Dieter Braun am 2. Februar 1943 in Ulm geboren.

Die Anfänge seiner Karriere

Mit dem Motorsport angefangen hat er zunächst mit dem Motocross-Sport und wurde unter anderem regionaler Juniorenmeister. 1962 ging er auf einer Maico zuerst bei Moto-Cross-Rennen an den Start. 1965 baute er sich eine Cross-Maschine um und fuhr zweigleisig Cross und Straßenrennen. Im Folgejahr stieg er dann komplett um.

Nach den ersten Erfahrungen nahm der Schwabe auch an Straßenrennen teil und feierte 1965 beim legendären Fischereihafenrennen in Bremerhaven seinen ersten Sieg in der 500 ccm Klasse auf der modifizierten Cross-Maschine. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, denn schon 1967 gewann er auf einer privaten Aermacchi in der Klasse bis 350 ccm seine erste Deutsche Meisterschaft. So auch 1968 auf MZ und 1969 auf Suzuki, jedoch in der Achtelliterklasse.

Im Jahre 1967 errang er auf einer Aermacchi in der 350 ccm Klasse seinen ersten von fünf Deutschen Meister Titeln. Das war auch insofern erstaunlich, weil die kleinen 125er dem 1,90 Meter großen Dieter Braun nicht gerade auf den Leib geschneidert waren. Dennoch errang er auch international seine ersten großen Erfolge in dieser Klasse.

Die ersten WM-Punkte und der Aufstieg

Am 7. Mai 1967 feierte Dieter Braun beim Großen Preis von Deutschland im badischen Motodrom in Hockenheim sein WM-Debüt, bei einem Sturz zog er sich einen Schlüsselbeinbruch zu. 1968 holte er sich bei seinem ersten GP, dem Saisonauftakt auf der Nürburgring-Südschleife, als Vierter auf seiner 125er-MZ seine ersten WM-Punkte. Ein Jahr später klappte es dann wiederum bei seinem Heimrennen, diesmal war Hockenheim an der Reihe, mit seinem ersten Podestplatz.

Ein Jahr später holte er am 21. April 1968 auf dem Nürburgring seine ersten WM-Punkte und verpasste als Vierter auf der MZ 125 ccm ganz knapp den ersten Podiumsplatz bei einem Grand Prix-Rennen. Dieser gelang ihm dann beim Heimrennen am 11. Mai 1969 in Hockenheim, als Zweiter stand er zum ersten Mal in der WM auf dem Siegerpodium. Im Ziel hatte der Suzuki-Pilot nach 17 Runden nur zwei Sekunden Rückstand auf den Briten Dave Simmonds (Kawasaki). Auf dem Straßenkurs von Opatija/Yugoslawien feierte der Suzuki-Fahrer am 14. September 1969 seinen ersten von insgesamt 14 Grand Prix-Siegen in seiner Karriere, er siegte vor Weltmeister Dave Simmons. In seiner erst zweiten WM-Saison wurde Dieter Braun bereits Vizeweltmeister in der 125 ccm Kategorie.

Die Weltmeistertitel und Erfolge

1970 sollte Dieter Brauns erstes ganz großes Jahr werden. In der Saison 1970 siegte Dieter bei den WM-Rennen in Le Mans/Frankreich, Opatija/Yugoslawien, bei der TT auf der Isle of Man/England bzw. 1971 wechselte er in der 125-ccm-Klasse auf Maico und bei den 250ern und 350ern auf Yamaha.

Viele ostdeutsche Fans haben das historische Rennen am 11. Juli 1971 auf dem Sachsenring noch in bester Erinnerung, als Dieter Braun nach einer tollen Aufholjagd das Rennen in der 250 ccm Klasse ganz knapp vor den Briten Rodney Gould und Phil Read gewann. Der emotionalste Sieg seiner Karriere war bereits erwähnter Grand-Prix-Sieg in jenem Jahr auf dem Sachsenring, als zig tausend Kehlen "Dieter, Dieter ..." skandierten und die DDR-Funktionäre beim Erklingen der Nationalhymne kurzerhand die Lautsprecher draußen an der Strecke abgeschalteten und diese nur im Start- und Zielbereich zu hören war. Nach dem Rennen sangen die ostdeutschen Zuschauer die westdeutsche Nationalhymne mit. Danach fand ab dem Jahre 1973 der WM-Lauf in der DDR nicht mehr statt.

1973 errang Dieter Braun nach dem unsäglichen Todesturz des bis dahin dreifachen Saisonsiegers Jarno Saarinen und des Italieners Renzo Pasolini in Monza noch vier GP-Siege (Opatija, Assen, Brünn, Anderstorp) und wurde zum zweiten Mal Weltmeister, nun jedoch in der Viertelliterklasse. Bei seinem zweiten WM-Titel in der Saison 1973 gewann er auf der Yamaha 250 ccm vier Rennen in Opatija/Yugoslawien, Assen/Niederlande, Brünn/Tschechien und Anderstorp/Schweden und errang den zweiten WM-Titel nach 1970. Auch 1974 war kein schlechtes Jahr für ihn, welches er als Doppel-Vizeweltmeister abschloss. In der 250er hinter Walter Villa und bei den 350ern hinter Yamaha-Neuzugang Giacomo Agostini. Gleichzeitig schnupperte er schon einmal in die Halbliterkategorie und schaffte in Spa als Dritter hinter Phil Read (MV Agusta) und Giacomo Agostini (Yamaha) den Sprung aufs Podest.

Im gleichen Jahr war er wieder zweigleisig unterwegs, denn parallel bestritt er mit einem 300 PS starken Warsteiner-March BMW fünf Formel-2-Rennen. Sein bestes Ergebnis schaffte er beim EM-Lauf auf dem Nürburgring mit dem passablen neunten Platz. Allerdings spürte er im Rennwagen nicht die Genugtuung und die Freude wie mit einem Rennmotorrad. Den letzten Grand Prix-Sieg feierte Dieter Braun am 23. Mai 1976 in Opatija/Yugoslawien in der 250 ccm Kategorie.

Besondere Fähigkeiten und das Karriereende

Dieter Braun ist einer der wenigen Motorradrennfahrer, die in drei Kategorien (125, 250 und 350 ccm) bei WM-Rennen siegten und dies auf drei verschiedenen Motorradmarken (Suzuki, Yamaha und Morbidelli). In den siebziger Jahren ging Dieter Braun manchmal an einem Tag bei drei Rennen in drei verschiedenen Klassen an den Start. 1976 feierte er in Opatija in der Viertelliterklasse seinen 14. und letzten Grand-Prix-Sieg, um sich anschließend auf die 500-ccm-Klasse zu konzentrieren.

"Hockenheim war mein Heimrennen, ich war auch der erste Rundenrekordhalter auf der neuen Strecke im badischen Motodrom. Vor der offiziellen Eröffnung fand 1966 ein Juniorenpokal-Rennen statt und ich bin dort die schnellste Rennrunde gefahren. Leider konnte ich in Hockenheim keinen meiner 14 Weltmeisterschaftsläufe gewinnen. Aber 1969 (125 ccm) und 1975 (350 ccm) wurde ich beim Großen Preis von Deutschland jeweils Zweiter und stand auf dem Podium. 1974 habe ich beim Mai-Pokal-Rennen einen Doppelsieg gefeiert und die Rennen in der 350 ccm sowie der 500 ccm-Klasse gewonnen.

Doch schon beim zweiten Saisonrennen 1977 auf dem Salzburgring wurde er in der Anfangsphase des 350er-Rennens unverschuldet in einen Massensturz verwickelt, bei dem der Schweizer Hans Stadelmann starb. Mit schweren Kopf-, Augen-, Rücken, und Beinverletzungen musste Dieter Braun danach lange pausieren, bis er schließlich 34-jährig seine Karriere schweren Herzens beendete. Nach schweren Unfällen 1976 auf dem Nürburgring sowie 1977 auf dem Salzburgring/Österreich musste er seine erfolgreiche Karriere leider beenden. Das war auch insofern tragisch, weil er da er bereits einen Vertrag mit Kawasaki Deutschland in der Tasche hatte, der ihn 1978 auf die erfolgreichen Werks- Rennmaschinen KR 250 und KR350 gebracht hätte.

Nach der aktiven Karriere

Nach seiner Karriere eröffnete der gelernte Kaufmann an seinem Wohnort in Dielheim im Kraichgau ein Motorradgeschäft und war als Fernsehkommentator und als Experte bei den Motorradrennen im Einsatz. Ab 1999 nahm Dieter Braun bei vielen Klassik-Veranstaltungen im In- und Ausland teil.

Seit Jahren ist Dieter Braun ein gern gesehener Gast beim Motorrad-Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring und wird auch in diesem Jahr wieder vom 13.-15. Juli 2018 in Hohenstein-Ernstthal den deutschen Fahrern die Daumen drücken und zahlreiche Autogrammwünsche erfüllen. Auch bei der ADAC Sachsenring Classic 2022 waren Dieter Brauns Autogramme wieder sehr gefragt.

Während sich Ralf Waldmann Mitte der 1990er-Jahre dafür einsetzte, dass der Motorrad Grand Prix von Deutschland an den (neuen) Sachsenring zurückkehrt, sorgte der Westdeutsche Dieter Braun mit seinem legendären Semi-Heimsieg 1971 auf der ostdeutschen Berg- und Talbahn indirekt mit dafür, dass dem vollumfänglich internationalen motorsportlichem Treiben im Arbeiter- und Bauernstaat ab 1973 von innen heraus der Garaus gemacht wurde. Seinem Beliebtheitsgrad tat dies hierzulande freilich keinen Abbruch. Im Gegenteil, denn wann immer er nach dem Fall der Mauer anlässlich von Klassik-Veranstaltungen auf oder sonstigen Anlässen am Sachsenring oder auch am Zschorlauer Dreieck auftauchte, war der der gefeierte und dicht umlagerte Held.

Das Team des Deutschen Zweirad- und NSU-Museum war kürzlich bei der Kampenwand Historic in Bayern vertreten - einer exklusiven Gleichmäßigkeitsfahrt im Rahmen des Großen Preises von Bayern. Mit einem historischen Neckarsulmer Exponat nahm Kurator Sven Heimberger aktiv am Rennen teil und brachte damit ein Stück Technikgeschichte aus Neckarsulm auf die Straße.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung kam es zu besonderen Begegnungen: Der mehrfach ausgezeichnete Rennfahrer und Weltmeister Dieter Braun sowie mehrere Deutsche Meister besuchten den Präsentationsstand des Museums - ein eindrucksvolles Zeichen für den Stellenwert, den das Museum inzwischen auch überregional genießt. Neben der Teilnahme am Rennen stand vor allem der fachliche Austausch und das Bewerben der Neckarsulmer Institution im Mittelpunkt. Die Veranstaltung bot dem Team die Gelegenheit Motorradfans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu begeistern.

Das Deutsche zweirad- und NSU-Museum versteht sich nicht nur als Ort der Ausstellung und Bewahrung, sondern auch als aktiver Botschafter für die Technik- und Industriekultur der Region. Mit der Teilnahme an Veranstaltungen wie der Kampenwand Historic wird die Bedeutung Neckarsulmer Technikgeschichte weit über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar.

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