Du stehst vor der Frage: System-Laufradsatz oder Laufrad selber bauen? Wenn Du Dein individuelles Laufrad baust, kannst Du es ganz auf Deine Bedürfnisse abstimmen. Der Aufwand ist allerdings größer.
Grundlagen und Komponenten
Ein Laufrad besteht von innen nach außen aus einer Nabe, einer Anzahl Speichen mit Speichennippeln und einer Felge. Wie sorgfältig diese Bauteile ausgesucht und miteinander kombiniert werden, entscheidet über die Lebensdauer des Rads.
Naben
Die Nabe sitzt im Zentrum des Rads, nimmt die Speichenköpfe auf und leistet die eigentliche Dreharbeit. Bei herkömmlichen Naben sitzen die Speichen in den Flanschen der Nabe, das sind die beiden tellerförmigen höchsten Stellen. Bei Straightpull-Systemen bildet der Flansch keinen Teller und hat einen deutlich kleineren Durchmesser. Die beiden Flansche einer Nabe können den gleichen oder unterschiedliche Durchmesser haben.
Je flacher der Speichenwinkel, desto stabiler wird das Laufrad, weshalb Naben in den letzten Jahren breiter wurden. Beim Selbstausmessen der Naben ermittelst Du diese Werte: Einbaubreite, Flanschabstand, Flanschmitte zur Außenkante links und rechts (bzw. zur Mitte, je nach Rechner), Flanschdurchmesser und Speichenlochdurchmesser.
Felgen
Die Felge nimmt innen die Speichennippel und außen den Reifen auf. Felgen für Felgenbremsen weisen eine Bremsflanke auf und verschleißen mit der Zeit, Felgen für Scheibenbremsen können ohne diese Funktion konstruiert werden, sind daher leichter und leben theoretisch länger. Keinesfalls darfst Du Scheibenbremsfelgen mit Felgenbremsen kombinieren!
Um mehr Stabilität in den Felgen zu erreichen, besonders als Aluminium sich als Material durchsetzte, konstruierte man sogenannte Hohlkammerfelgen, die einen zweiten Felgenboden bekamen. Die meisten Felgen sind symmetrisch, es gibt aber auch solche mit asymmetrischem Profil, die die Asymmetrie von Naben ausgleichen helfen sollen. Die Speichenlöcher haben in vielen Felgen eine Ausrichtung nach rechts oder links.
Der ERD (effective rim diameter) gibt den effektiven Felgendurchmesser auf den Millimeter genau an. Das ist wichtig, wenn man die passenden Speichenlängen für ein Rad ermitteln möchte. 26 oder 28 Zoll wären da viel zu ungenau.
Speichen
Die Speiche ist ein Draht aus Stahl; ihre Anzahl und Vorspannung ergeben die Stabilität des Laufrads. Üblicherweise sind Fahrradspeichen am Kopf und am Gewinde 2 Millimeter stark. Man spricht von Glattspeichen, wenn sie durchgängig von derselben Stärke sind. Bei Sportlaufrädern werden meist sogenannte Doppeldickendspeichen verwendet, die im langen, graden Teil schlanker werden. Während die bisher genannten Speichen einen runden Querschnitt haben, gibt es auch sogenannte Messerspeichen mit ovalem Querschnitt.
Speichennippel
Der Nippel hat innen ein Gewinde und wird auf die Speiche geschraubt. Dafür wird er von außen durch die Felge auf die Speiche gesteckt und mit dem Kopf gegen den Felgenboden verschraubt. Zur leichteren Montage haben die meisten Nippel einen Schlitz im Kopf, manche Nippelköpfe sind auch mit einem Sechskant versehen oder haben die Form eines Innensechsrund-Schlüssels, auch Torx genannt.
Nippel gibt es aus Messing und aus Aluminium. Während Alu-Nippel zwei Drittel leichter sind als Messingnippel, sind letztere korrosionsresistenter, empfehlen sich also für Ganzjahres-Stadträder oder Wintertrainingsmaschinen.
Speichen: Anzahl und Muster
Bei der Belastung, also beim Fahren, arbeitet das Laufrad. Das Gewicht von Mensch und Fahrrad hängt an der Nabe, die wiederum an dem oberen Teil der Felge hängt. Die unteren Speichen sind dabei „entspannt“. Das Laufrad arbeitet also permanent. Es gibt Laufräder mit verschiedenen Anzahlen von Speichen. Weit verbreitet sind 24, 28, 32 und 36 Stück. Heutzutage sind, abgesehen von Systemlaufrädern, 32 Speichen am üblichsten.
Am Mountainbike sind Speichen fast immer dreifach gekreuzt, das heißt, jede Speiche kreuzt drei entgegenlaufende Speichen zwischen Nabe und Felge. Das ergibt die beste Balance aus Stabilität und Elastizität.
Materialien
Bei Naben und Speichen ist sich die Fahrradindustrie nahezu einig: Nabenkörper werden aus Aluminium und Speichen aus Stahl hergestellt. Felgen hingegen waren früher oft aus Stahl, werden mittlerweile meist aus Aluminium und immer öfter aus Carbon hergestellt. Alu-Felgen sind dabei günstiger und Carbonfelgen präzise nach der gewünschten Steifigkeit oder Flexibilität konstruierbar. Aluminium lässt sich zudem farbig eloxieren und macht so individuellen Gestaltungsspielraum bei Laufrädern möglich.
Werkzeuge für den Laufradbau
Das wichtigste Tool zum Laufradbau ist der Zentrierständer. Alle Modelle sind variabel einsetzbar für verschiedene Laufraddurchmesser, Felgenbreiten und Achsmaße. Modelle, die sich nicht selbsttätig mittig einstellen, müssen mit einer Zentrierlehre ab und zu kalibriert werden. Alternativ kannst Du die Mittigkeit des Rads mit einer Laufradzentrierlehre überprüfen.
Zum Spannen der Nippel brauchst Du die zu den Nippeln passenden Nippelspanner. Für Messerspeichen empfiehlt sich die Verwendung eines Speichenhalters. Weitere Spezialwerkzeuge helfen beim sicheren Einbringen des Nippels in die Felge und erleichtern die ersten Umdrehungen. Damit Dein Laufrad perfekt wird, ist auch ein Speichentensiometer ratsam, mit dem Du einfach die Spannung der Speichen bestimmen kannst. Bei Carbonfelgen ist das Tensiometer Pflicht, um Schäden durch zu starkes Spannen der Speichen zu vermeiden!
Ablauf des Einspeichens
Das Einsetzen wird am einfachsten im Sitzen durchgeführt, während man eine Kante der Felge in den Schoß drückt. Wenn Laufradbau zum täglichen Geschäft gehört, beginnt man damit, alle Speichen in die Nabe einzufädeln und danach verbindet man die Speichen nach und nach mit der Felge. Gelegenheitslaufradbauer ziehen die Speichen zumeist in Gruppen ein.
Ein konventionell gebautes Laufrad hat vier Speichengruppen: Die Hälfte der Speichen kommen auf den rechten Nabenflansch und die andere Hälfte auf den Linken. Die Anleitung bezieht sich auf ein 36 Speichenrad mit dreifach gekreuztem Muster. Diese erste Speiche muss am richtigen Platz montiert werden, sonst ist das Ventilloch am Ende an der falschen Stelle (schwer zugänglich für Luftpumpen) und die Bohrungen der Felge passen möglicherweise nicht zu den Winkeln der Speichen.
Es ist am einfachsten, mit den folgenden Speichen zu beginnen, da sie auf der Innenseite des Nabenflansches herauskommen. Da die Schlüsselspeiche eine folgende Speiche ist, sollte sie entlang des Inneren des Nabenflansches verlaufen. Der Speichenkopf ist auf der Außenseite des Flansches. Es ist gebräuchlich, die Felge so zu orientieren, dass man den Beschriftung von der rechten Seite das Fahrrads lesen kann.
Felgen sind entweder rechtshändisch oder linkshändisch gebohrt. Dies wird am Verhältnis zwischen Ventilloch und den Speichenlöchern festgemacht. Von der rechten (Freilauf-)Seite der Naben gesehen, verläuft die Schlüsselspeiche gegen den Uhrzeigersinn und endet im nächsten oder übernächsten Loch neben dem Ventilloch je nachdem, wie die Felge gebohrt ist.
Drehe einen Speichennippel so weit auf die Schlüsselspeiche, dass sie am Platz gehalten wird. Als nächstes steckst Du (in gleicher Richtung und zwei Löcher entfernt von der Schlüsselspeiche) eine weitere Speiche in die Nabe, sodass ein leeres Loch zwischen den beiden in der Nabe bleibt. Fahre so fort, bis alle neun Speichen der ersten Gruppe angebracht sind. Versichere Dich, dass die Abstände in der Nabe (jedes zweite Loch bleibt leer) und Felge (es bleiben immer drei Löcher leer) um das ganze Laufrad herum stimmen. Alle Speichen sollten auf der Felge auf der gleichen Seite durch die Löcher gehen wie auf der Nabe.
Drehe nun das Rad auf die andere Seite und schaue Dir die Nabe genauer an. Die Löcher am linken Nabenflansch liegen nicht genau auf einer Linie mit den Löchern des rechten Flansches. Drehe das Rad solange, bis das Ventilloch nach oben zeigt.
Zentrieren
Nach dem Einspeichen wird die Felge in den meisten Fällen noch nicht ganz rund laufen. Fehler lassen sich durch Zentrieren leicht ausmerzen. Bei einem Seitenschlag ziehst du die Speichen, die auf der gegenüber liegenden Seite sitzen, etwas fester. Beim Spannen und Festziehen empfehlen wir, immer sehr langsam und vorsichtig vorzugehen. Schon die kleinste Umdrehung kann sich auf den Lauf der Felge auswirken. Lass das Rad deshalb immer wieder drehen, bevor du die Speichennippel fester schraubst. Manchmal reicht bereits eine halbe Umdrehung, um eine perfekte Spannung der Felge zu erreichen oder sie zu überspannen.
Hinweise
Die genannten Hinweise gelten allgemein sowohl für das Vorderrad und das Hinterrad sowie für die allermeisten Felgengrößen. Einziges Kriterium, das du berücksichtigen musst, ist die bereits erwähnte Speichenlänge. Ein Hinterrad verfügt normalerweise über kürzere Speichen.
Boost-Vorderrad einspeichen
Ein Boost-Vorderrad zu einspeichen ist für viele Radfahrer und insbesondere für Mountainbiker ein wichtiges Thema, da diese moderne Achsstandard-Lösung mit einer Einbaubreite von 110 mm vorne wesentlich zur Steifigkeit und Stabilität des Laufrades beiträgt.
Boost-Standard
Der Boost-Standard wurde von führenden Herstellern eingeführt, um den wachsenden Anforderungen an moderne Mountainbikes gerecht zu werden. Während traditionelle Vorderradnaben eine Einbaubreite von 100 mm aufweisen, setzt der Boost-Standard auf 110 mm. Diese zehn zusätzlichen Millimeter ermöglichen es, die Flansche der Nabe weiter außen zu platzieren. Das Ergebnis ist ein flacherer Speichenwinkel, der wiederum zu einer deutlich höheren Laufradsteifigkeit führt - ein entscheidender Vorteil für aggressive Fahrweisen im Gelände, bei denen Präzision und Stabilität gefragt sind.
Unterschiede zwischen Boost und Non-Boost
Die wesentlichen Unterschiede zwischen Boost- und herkömmlichen Non-Boost-Systemen liegen nicht nur in der Einbaubreite, sondern auch in der gesamten Konstruktion der Laufradkomponenten. Während bei Non-Boost-Naben die Flansche enger zusammenstehen, sitzen sie beim Boost-Standard zehn Millimeter weiter auseinander. Diese Flanschpositionierung sorgt dafür, dass die Speichen mit einem günstigeren Winkel auf die Felge treffen und somit eine stabilere Dreieckskonstruktion entsteht.
Auswahl der Komponenten für Boost-Laufräder
Die Wahl der passenden Boost-Nabe bildet das Fundament für jedes stabile Vorderrad. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Nabe eine Einbaubreite von 110 mm aufweist und für 15 mm Steckachsen ausgelegt ist. Neben der Einbaubreite ist der Abstand zwischen den Flanschen ein zentrales Kriterium: Je weiter die Flansche außen liegen, desto günstiger ist der Speichenwinkel.
Für ein Boost-Vorderrad sollten Sie eine Felge wählen, deren Lochanzahl mit der gewählten Nabe übereinstimmt. Entscheidend ist zudem die Innenweite: Je breiter die Felge, desto besser harmoniert sie mit modernen, voluminösen Mountainbike-Reifen.
Bei der Wahl der richtigen Speichen für Ihr Boost-Vorderrad sollten Sie auf Qualität und die passende Bauform achten. Die meisten hochwertigen Laufräder setzen heute auf sogenannte Edelstahlspeichen, die korrosionsbeständig und langlebig sind. Konifizierte Speichen - oft auch als „Double Butted“ bezeichnet - sind im mittleren Bereich dünner, was das Gewicht reduziert und gleichzeitig die Elastizität verbessert.
Berechnung der Speichenlänge
Die korrekte Speichenlänge ist einer der wichtigsten Faktoren für ein stabiles und langlebiges Boost-Vorderrad. Bereits wenige Millimeter Abweichung können zu Problemen bei der Spannung und Haltbarkeit führen. Zur Berechnung benötigen Sie folgende Maße: den effektiven Felgendurchmesser (ERD), die Flanschabstände der Nabe (links und rechts), die Flanschdurchmesser sowie die gewünschte Kreuzungszahl (meist 3-fach-Kreuz). Mit diesen Werten können Sie Speichenlängenrechner online nutzen oder die klassische Formel zur Speichenberechnung anwenden.
Speichennippel
Die Auswahl der richtigen Speichennippel ist ein oft unterschätzter, aber zentraler Aspekt beim Einspeichen eines Boost-Vorderrads. Nippel verbinden Speichen und Felge und übertragen die Zugkräfte sicher in das System. Hochwertige Nippel bestehen meist aus Messing oder Aluminium. Messingnippel sind besonders korrosionsbeständig und widerstandsfähig, während Aluminiumnippel Gewicht sparen, jedoch empfindlicher gegenüber Korrosion und Drehmomentüberlastungen sind.
Vorbereitung des Arbeitsplatzes
Ein aufgeräumter und gut vorbereiteter Arbeitsplatz erleichtert das Einspeichen eines Boost-Vorderrads erheblich. Legen Sie alle Komponenten - Nabe, Felge, Speichen, Nippel - übersichtlich bereit und prüfen Sie sie nochmals auf Vollständigkeit und Unversehrtheit. Ein Speichenspanner, ein guter Zentrierständer sowie gegebenenfalls ein Drehmomentschlüssel und eine kleine Tubendose Montagepaste sollten griffbereit liegen.
Einspeichen
Der eigentliche Aufbau beginnt mit dem Einsetzen der ersten Speichen in die Nabe. Meist startet man mit den sogenannten „Zug“-Speichen auf der Bremsscheibenseite. Setzen Sie die erste Speiche in ein Loch der Nabe ein und führen Sie diese durch das richtige Loch der Felge. Hierbei ist es wichtig, die Position des Ventillochs im Auge zu behalten, um später eine saubere Montage des Ventils zu gewährleisten.
Das am häufigsten genutzte Einspeichmuster für Boost-Vorderräder ist das 3-fach-Kreuz. Hierbei wird jede Speiche dreimal mit anderen Speichen gekreuzt, bevor sie in die Felge eingeführt wird.
Nachdem Sie das gewählte Muster für die erste Seite komplettiert haben, drehen Sie das Laufrad um und wiederholen das Einspeichschema auf der gegenüberliegenden Seite. Achten Sie darauf, dass die Speichen der zweiten Seite spiegelbildlich zu denen der ersten angeordnet sind, damit sich das Muster sauber schließt.
Spannen der Speichen
Der nächste Schritt ist das vorsichtige und gleichmäßige Spannen aller Speichen. Arbeiten Sie systematisch: Drehen Sie alle Nippel zunächst etwa zwei Umdrehungen fest, dann überprüfen Sie per Hand, ob alle Speichen ein ähnliches Spiel aufweisen. Arbeiten Sie sich in Etappen vor, indem Sie die Nippel in kleinen Schritten weiter anziehen - so bauen Sie schrittweise eine Grundspannung auf, ohne das System zu überlasten oder die Felge zu verziehen.
Zentrieren
Nach dem Spannen der Speichen folgt das Zentrieren des Boost-Vorderrads. Platzieren Sie das Laufrad in einem Zentrierständer und kontrollieren Sie zuerst den Rundlauf - also, ob die Felge in der horizontalen Ebene gleichmäßig rotiert. Kleine Seitenschläge lassen sich durch gezieltes Nachspannen oder Lockern einzelner Speichen auf der jeweiligen Seite korrigieren.
Materialien und Spezifikationen für Boost-Laufradaufbau
| Komponente | Spezifikation |
|---|---|
| Nabe | Boost-Nabe, 110 mm Einbaubreite, 15 mm Steckachse, 28/32/36 Loch |
| Felge | Lochanzahl passend zur Nabe, Innenweite 25-35 mm, Tubeless-Ready |
| Speichen | Edelstahl, konifiziert, 2 mm stark |
| Nippel | Messing oder Aluminium |
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