Domino's Pizza ist einer der größten Pizzalieferanten weltweit. Die Gehälter und Arbeitsbedingungen der Fahrradfahrer, die die Pizzen ausliefern, sind ein wichtiges Thema. Dieser Artikel beleuchtet die Gehälter von Fahrradfahrern bei Domino's Pizza in Deutschland und geht auf die Arbeitsbedingungen und Herausforderungen ein, mit denen sie konfrontiert sind.
Gehälter bei Domino's Pizza Deutschland
Basierend auf Gehaltsangaben variiert das durchschnittliche Gehalt bei Domino's Pizza Deutschland GmbH zwischen 32.800 € für die Position „Filialleiter:in“ und 69.000 € für die Position „Creative Director“.
Eine Übersicht über die Gehälter verschiedener Positionen bei Domino's Pizza Franchise-Stores zeigt folgende Werte:
| Jobtitel | Gehalt/Jahr |
|---|---|
| Auslieferungsfahrer:in | 23.100 € |
| Fahrer:in | 26.700 € |
| Lieferant:in | 27.300 € |
| Filialleiter:in | 37.200 € |
Die Gehaltszufriedenheit liegt bei 2.4 von 5 und damit 23% unter dem Branchendurchschnitt.
Arbeitsbedingungen und Herausforderungen
Gupta und Rathore liefern seit Juli 2023 für Domino’s Pizza aus. Beide sind als Werkstudenten angestellt.
»Es gab von Anfang an Probleme mit den Schichten«, sagt Rathore. Wenn es viele Bestellungen gibt, besonders bei Kälte und schlechtem Wetter oder an Feiertagen, werde es ihnen nicht gestattet, Pausen zu nehmen, sagt Gupta. Zudem würden sie dazu angehalten, länger als vorab vereinbart zu arbeiten.
In ihren Arbeitsverträgen für Werkstudenten ist die Wochenarbeitszeit auf mindestens zwölf Stunden und höchstens 20 Stunden festgelegt. »Im Winter arbeiten wir fast 50 Stunden pro Woche. Das gefährdet auch unser Studentenvisum.« Guptas Kollege Rathore sagt, er habe mehrmals elf Stunden pro Tag gearbeitet.
Dass sich die Schichtzeiten, die vorab zugeteilt wurden, von den tatsächlich gearbeiteten Stunden unterscheiden, sei die Regel, sagt Rathore. Im Gegensatz zum Winter sei es im Sommer gewöhnlich der Fall, dass es nicht genug Bestellungen gebe.
»Im Sommer arbeiten wir weniger, als uns vorab zugeteilt wird, zum Teil weniger als zwölf Stunden pro Woche.« In diesen Fällen würden die Beschäftigten durch den Filialleiter von der Arbeitszeiterfassung ausgeloggt.
»Das kann bedeuten, dass wir unsere Schichten später beginnen als vereinbart, in oder außerhalb der Filiale warten müssen, bis eine Bestellung reinkommt.« Das könne auch bedeuten, dass sie zu Pausen von 20 Minuten oder zwei Stunden gezwungen seien. Auch ein früheres Ende der Schicht sei möglich, sagt Rathore.
Auch mit dem Urlaub habe es laut den beiden Fahrern Probleme gegeben. In 2023 hätte ihnen ein anteiliger Jahresurlaub von zehn Tagen zugestanden. Den hätten sie bis zum Dezember noch nicht genommen, sagt Gupta.
»Der Filialleiter teilte uns mit, dass er von einem seiner Vorgesetzten gesagt bekommen habe, dass es keinen Urlaub für uns geben werde«, sagt Rathore. Nachdem sie sich mit einigen Kolleg*innen besprochen und gedroht hatten, sich an eine*n Anwält*in zu wenden oder eine Aktion zu starten, sei einigen von ihnen fünf Tage Urlaub gewährt worden.
Wie Gupta und Rathore berichten, habe Domino’s stets nach Mindestlohn vergütet. Ein Arbeitsvertrag sei ihnen zunächst nicht ausgehändigt worden, sagt Gupta.
»Ich musste mehrmals danach fragen. Erst als ich ihn hatte, verstand ich, dass die Arbeit an Stellen nicht den vertraglichen Vereinbarungen entsprach.« Als er seinen Filialleiter darauf angesprochen habe, habe dieser entgegnet: »Wir sind Studenten, wir müssen so arbeiten.
»Wir fühlten uns ständig bedroht, hatten das Gefühl, dass immer ein Messer über uns schweben würde, wenn wir nicht befolgen, was uns angewiesen wird«, sagt Gupta. Ständig habe die Kündigung im Raum gestanden. Das sei ihm gesagt worden.
Mit den genannten Problemen hätten alle Fahrer zu tun gehabt, sagt Rathore. Es habe sich aber nie jemand dagegen gewehrt. Mit der Zeit hat sich die Situation offenbar immer weiter zugespitzt.
Gupta spricht davon, dass der Filialleiter ihn beschimpft habe, er brauche nicht zu arbeiten, wenn er nicht wolle, oder er könne sich ruhig einen Anwalt nehmen. Am Freitag, den 3. Mai, habe Gupta eine Schicht gehabt. Er sei zuvor in der Filiale erschienen, um zu thematisieren, dass er nicht mehr genügend Schichten bekäme.
Laut Polizeiangaben seien Beamte am frühen Abend des 3. Mai zu der Filiale gerufen worden. Es habe Streitigkeiten zwischen Mitarbeitern gegeben, teilt eine Sprecherin »nd« mit. Der Filialleiter habe Anzeige wegen Beleidigung gegen einen Mitarbeiter erstattet.
»Wir beobachten, dass Domino’s Deutschland offenbar zunehmend wieder Filialen übernimmt«, sagt Sebastian Riesner, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) Berlin, zu »nd«. Das habe aber bisher zu keinerlei Besserung geführt, sagt Riesner. Er sei von den Schilderungen der Fahrer nicht überrascht, bei Domino’s herrschten seit Jahren schlechte Arbeitsbedingungen.
Bei dem angesprochenen Verfahren der Arbeitszeiterfassung könne es sich durchaus um Lohnbetrug handeln, sagt Riesner. Der Gewerkschaft selbst lägen keine konkreten Beschwerden vor, sagt Riesner. Obwohl Domino’s ein so großes Gastronomieunternehmen ist, sei es nicht tarifgebunden, bemängelt Riesner.
»Domino’s steht symptomatisch für eine Branche, in der Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und nur eine geringe Rechtskenntnis haben, die sich nicht wehren und nicht organisieren, über den Tisch gezogen werden.« Wenn es keine Kontrolle durch Betriebsräte, Gewerkschaften oder staatliche Akteure gebe, sagt Riesner, sei der Arbeitgeberwillkür Tür und Tor geöffnet.
Domino’s wollte »nd« gegenüber die Vorwürfe der Fahrer weder bestätigen noch dementieren. Eine Sprecherin teilte mit, dass der Sachverhalt mit Bedauern zur Kenntnis genommen worden sei. Man wolle Gespräche mit den beteiligten Kolleg*innen führen, um sich intern ein umfassendes Bild zu machen. Erst dann wolle sich das Unternehmen zu einzelnen Punkten äußern. In jedem Fall könnten die Aussagen nicht pauschalisiert werden.
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